Woher kommt der Rechtsruck im Osten?
Dauer: 19:39

Woher kommt der Rechtsruck im Osten?

Warum wählt der Osten anders als der Westen? Dieser Frage gehen Helene Bubrowski und Michael Bröcker in dieser Folge nach. Mit Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern klären sie auch, welche Chancen die Parteien der Mitte haben, den Höhenflug an den Rändern zu stoppen.

In Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben AfD und BSW zusammen jeweils mehr Stimmen erhalten als CDU, SPD, Grüne, Linke und FDP zusammen. Damit wären alle Parteien, die dort bislang Regierungsverantwortung getragen haben oder tragen, zusammengenommen ohne Mehrheit. Das Ergebnis der Europawahl kann sicherlich nicht ohne Weiteres auf die Landtagswahlen übertragen werden; trotzdem lässt es ein Szenario näher rücken: Nach den Wahlen im Herbst könnte in Sachsen, Thüringen und Brandenburg die Mehrheitsfindung ohne eine der beiden populistischen Parteien unmöglich sein.  


In Berlin beginnt heute die nächste Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine. Etwa 2000 Teilnehmer werden erwartet.


Die Londoner Tageszeitung „The Times" ein überraschendes Reiseziel in Deutschland. Eine Stadt im Ruhrgebiet soll eine Reise wert sein.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Herzlich willkommen am 11. Juni. Es ist ein Dienstag und selbstverständlich beschäftigt uns weiterhin die Wahlnachlese, denn es sind ja nicht nur Denkzettel verteilt worden an diverse Regierungsparteien, sondern vor allem echte Stoppschilder.

Sprecher 3: Ja, und unser Thema ist heute, was folgt aus dieser Wahl? Geht jetzt irgendwie ein Ruck durch die Republik? Wacht die Ampel auf und merkt, so kann sie nicht weitermachen? Und vor allem, was ist eigentlich los im Osten? Michael, wir sind beide Wessis, deswegen wollen wir Menschen fragen, die Ostdeutsche sind oder sich in Ostdeutschland sehr gut auskennen.

Sprecher 2: Das machen wir nicht nur mit zwei journalistischen Kolleginnen und Kollegen, sondern auch mit Paula Pichotta aus Leipzig und dem CDU-Politiker Mario Vogt aus Thüringen. Außerdem bringe ich das Thema Ukraine-Wiederaufbau noch mit, Helene, denn die Konferenz beginnt an diesem Dienstag. Und wie du ja letzte Woche exklusiv vermeldest, kommt ein Präsident aus Kiew, sein Name Volodymyr Zelensky. Und zum Nachtisch eine Hommage der Briten an eine durchaus ungewöhnliche Ruhrgebietsstadt.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft Extradatenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 5: Da bin ich wirklich sehr froh und doch dankbar, dass wir zum Beispiel in Sachsen alle Kreistage mit deutlicher Mehrheit gewonnen haben, dass wir dort die Brandmauern, die ja immer wieder zelebriert werden, dass die de facto durch den Wähler eingerissen wurden, weil Landräte in Zukunft mit der AfD zusammenarbeiten müssen.

Sprecher 6: Das ist für uns alle eine große Herausforderung. Ich will aber auch ganz ausdrücklich sagen, die AfD ist die Partei, die mittlerweile von der Ampel am meisten profitiert.

Sprecher 7: Wir sehen das im Osten der Republik, wir sehen das in den sehr ländlichen Räumen, wir sehen das bei Menschen mit kleineren Einkommen. An dieser Erkenntnis kommen wir nicht vorbei.

Sprecher 3: Das gilt natürlich in ganz besonderem Maße auch, was die Jungwählerinnen angeht. Die wählen alle rechts, das wäre zu kurz gegriffen. Man sieht durchaus ein differenzierteres Bild, aber einen sehr viel zu großen Anteil für eine rechtsextreme Partei. Ich glaube, hier wird die Frage sein, wie wir junge Wählerinnen erreichen, wie wir ihnen auch Sicherheit geben können. Weiter so wird es auf jeden Fall nicht sein.

Sprecher 2: Die Linie der Osten wählt rechts. 34 Jahre nach der Wiedervereinigung wünschen sich sehr viele Wählerinnen und Wähler dort wieder pro-rissische Parteien, manche autoritäre Strukturen offenbar auch. Und eine gewisse Verachtung dieser demokratischen Eliten da in Berlin ist schon spürbar. Was ist denn da los?

Sprecher 3: Ja, wenn man Ostdeutsche danach fragt, sagen die natürlich sofort, bitte redet nicht über den Osten. Ja, Mecklenburg-Vorpommern hat mit Sachsen ungefähr so viel zu tun wie Hamburg mit Bayern. Da muss ich als Hamburgerin sagen, ja, das ist wirklich... In der Tat nicht so viel. Also wahrscheinlich gibt es nicht die eine Lösung, sondern das sind natürlich Fragen, die wir uns schon lange stellen. Zwei Tage nach so einer Wahl ist die Dringlichkeit natürlich unübersehbar. Die AfD liegt in allen ostdeutschen Bundesländern ganz vorne.

Sprecher 2: Ja, wir sprechen vor allem erstmal mit unserer eigenen Kollegin, die den Osten gut kennt, die für die Sächsische Zeitung gearbeitet hat und seit Jahren für den Berlin Table unter anderem die AfD beobachtet, Franziska Clemens.

Sprecher 3: Ja, und ich habe sie gefragt, welche Rolle der Faktor Maximilian Krah eigentlich spielt, also der Skandal um den Spitzenkandidaten, der dann gar nicht mehr auftreten durfte. Und das ist ihre Antwort.

Sprecher 8: Also an Maximilian Krah hat sich eine größere Frage festgeheftet, nämlich die nach dem Verschwörungsnarrativ, die Regierung, die Medien, die nutzen alle Mittel, um der Opposition zu schaden, inklusive Verhaftungen oder eben auch Urteile, wie wir sie jetzt in Münster oder auch gegen Höcke in Halle hatten. Und da ist auch Krah mit reingegangen in dieser Erzählung. Das heißt, es war dann eher eine Entscheidung, habe ich noch irgendwie so ein bisschen Restvertrauen in demokratischen Institutionen, was eben gerade in diesen Bundesländern und nochmal in Sachsen umso mehr viel nicht haben. Und dementsprechend hat es in Sachsen überhaupt nicht geschadet. Da war es sogar eher so, dass mir unter der Hand einige auch höhere Funktionäre der AfD gesagt haben, sie haben das ja nun nicht ganz verstanden, dass die Bundesspitze Krah im Wahlkampf nicht mehr haben wollte. Das sei doch alles noch irgendwie Unschuldsvermutung, was ihn betreffe. Und er habe sich ja nicht wirklich was zu Schulden gekommen lassen.

Sprecher 3: Und dann habe ich Franziska auch noch gefragt, welche Konsequenzen die AfD jetzt aus diesem Ergebnis... sieht, ob sie sich eigentlich weiter radikalisieren wird, weil das ja offensichtlich der Weg zum Erfolg ist.

Sprecher 8: Also erstmal geht man maximal selbstbewusst mit diesem Ergebnis jetzt in den Landtagswahlkampf und hat jetzt nicht unbedingt mit irgendeiner Demut beschlossen, dass der Kurs korrigiert werden müsse. Gleichzeitig aber sagt Tino Chrupalla, er möchte jetzt ganz dringend um CDU-Leute werben und sie sind sich durchaus darüber bewusst, dass sie rechts weitgehend ausmobilisiert haben.

Sprecher 2: Ein Opfer dieses AfD-Erfolgs ist ja nicht nur der Bundeskanzler und die SPD, sondern vor allem die Grünen sind wirklich abgeschmiert. Und sie haben im Osten, man muss das so sagen, ja noch nie wirklich zulegen können oder gewinnen können. Und jetzt sind sie da fast eine Splitterpartei, oder Helene?

Sprecher 3: Ja, Michael, und das ist für die Grünen wirklich dramatisch. Ich erinnere mich noch an eine Bundesvorstandssitzung in Frankfurt oder, das war zu Beginn des Jahres 2019, da haben sich die Grünen eine Art Aufbau Ost vorgenommen und haben gesagt, jetzt wollen sie den Osten erobern, die Themen ländlicher Raum und so weiter stärken. Sie waren sich auch darüber bewusst, dass ihre Veränderungsbotschaft im Osten nicht besonders gut ankommt. Die Wahl in Brandenburg zum Beispiel 2019 war ganz gut für die Grünen. Und jetzt ist es wirklich wieder ein ziemliches Niemandsland, wenn man mal von ein paar grünen Hochburgen absieht. Aber selbst in der großen Stadt Leipzig, der eigentlich linken Stadt, liegt nun die AfD vorne.

Sprecher 2: Ja, wer als konservativer oder AfD-Politiker in den Veranstaltungen im Osten richtig Applaus haben wollte, der musste nur gegen die Grünen hetzen. Man muss es wirklich so sagen. Aber was sagen die Grünen selbst, die im Wahlkampf waren? Du hast mit Paula P. Chotter gesprochen. Und sie sitzt für die Grünen seit 2021 erst im Bundestag, ist eigentlich Ärztin und erst seit kurzem Politikerin von Berufswegen. Hier ist ihre Einschätzung.

Sprecher 9: Naja, es ist so, dass die Zusammensetzung der ostdeutschen Gesellschaft ja eine andere Zusammensetzung ist als die der durchschnittlichen westdeutschen Gesellschaft. Wir haben von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen und Einkommensschichten einfach hier eine andere Zusammensetzung. Wenn man Menschen im Osten stärker ansprechen will, muss man insgesamt bestimmte gesellschaftliche Gruppen, zum Beispiel ein bisschen konservativer eingestellte ältere Menschen mit relativ niedrigem Einkommen zum Beispiel, muss man insgesamt besser ansprechen. Und das ist das, was dann aber auch in West- und in Ostdeutschland einen Unterschied machen würde. Wir haben ähnlich wie in Westdeutschland die Gruppen, die uns besonders nahe stehen und die Gruppen, die uns besonders fern stehen. Aber die, die uns nahe stehen, sind hier im Schnitt einfach kleiner und weniger, als die in Westdeutschland vorkommen. Und wiederum andere sind größer. Wenn wir insgesamt wachsen, wenn wir insgesamt ausgreifen und wenn wir vor allem das grüne Potenzial, also Menschen, die sich vorstellen könnten, Grüne zu wählen, wenn wir das wieder in die Richtung bekommen, die wir 2021 hatten, nämlich knapp 40 Prozent der Menschen können sich vorstellen, Grüne zu wählen, dann ist das automatisch auch in Ostdeutschland besser. Und dazu gehört es aber, dass wir nicht mehr länger der Punching Ball der Nation sind. Und das haben wir den anderen in den letzten Jahren deutlich zu einfach gemacht, also genau gesprochen in den letzten drei Jahren. Und das muss definitiv jetzt aufhören.

Sprecher 3: Im ländlichen Raum tun sich die Grünen immer besonders. Das ist schwer, was natürlich auch daran liegt, dass zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr den Menschen dort nicht so viel bringt. Man braucht ein Auto und auch deshalb machen sich die Grünen da so unbeliebt. Im Osten, im ländlichen Raum, hat die AfD einen regelrechten Siegeszug hingelegt. In Teilen von Brandenburg, wo auch Kommunalwahlen stattgefunden haben, lag sie bei über 40 Prozent. Und wir haben mit einem Mann darüber gesprochen, der schon lange den ländlichen Raum, insbesondere die Uckermark, sich anschaut. Er ist Feuilletonist bei der FAZ. Simon Strauß ist sein Name und er macht ein Langzeitprojekt über die Stadt Prenzlau. Und ich habe ihn gefragt, warum die Uckermärker eigentlich in Scharen der AfD in die Arme laufen.

Sprecher 10: Ja, also erstmal ist es ja so, es war zwar eine Europawahl, aber auch eine Kommunalwahl. Es gab einerseits die Absicht, einen Denkzettel, Protest und so weiter zu verpassen. Und andererseits bei diesen Kommunalwahlen spielt eben schon eine Rolle, wen kennt man. Und da hat die AfD eben hier in der Uckermark-Frenzler-Region, wo ich jetzt einordnen kann, wirklich ein sehr großes Geschick gehabt, alle möglichen, sagen wir mal so mittelständisch repräsentative Leute einzunorden, sozusagen für die Partei sich aufstellen zu lassen. Handwerker sind das, ehemalige Schönheitsdamen, Verkäuferinnen und so. Also alles Leute aus diesem unteren Mittelschichtsmilieu, wo man eben eine grundsätzliche Sympathie erstmal für hat und nicht sagt, das sind jetzt aber die Björn Höckes dieser Welt. Und daneben gibt es natürlich die inhaltlichen Sachen. Also egal, mit wem man spricht, deswegen hat mich persönlich das jetzt auch nicht überrascht, nach diesen mehreren Monaten, wo ich da immer wieder hingefahren bin, wurde eben immer ganz stark gesagt, Was diese Ampel macht, das ist das Furchtbarste überhaupt. Die verspielt unseren Wohlstand, unsere Wirtschaft geht pleite. Also es war ein unglaublicher Frust auch zu spüren bei dieser Wahl. Auch gestern war ich ja noch in so einem Wahlbüro und auch da kam so ein junger, ein junger Wähler ungefragt auf mich zu, um mir zu erklären, warum die einzige Möglichkeit für ihn, der als erstes Mal wählt, die AfD zu wählen ist. Und das lässt einen dann natürlich auch ein bisschen nachdenken.

Sprecher 2: Ja, von der Uckermark etwas weiter südlich nach Erfurt. Dort muss ein Mann den wahrscheinlich schwierigsten aller AfD-Politiker verhindern, nämlich Björn Höcke. Und es ist Mario Vogt, der Chef der CDU in Thüringen, der gestern im Präsidium der CDU aufgefordert wurde, einen Maßnahmenplan gegen diese AfD zu entwickeln und von seinen Kolleginnen und Kollegen, vor allem von Friedrich Merz, massiv unterstützt wurde. Denn die AfD ist auch in Thüringen auf 30,7 Prozent und damit sieben Prozentpunkte vor der CDU gelandet. Das ist die nächste Landtagswahl. Darauf gucken jetzt alle. Was ist seine Strategie, um die AfD klein zu machen? Das haben wir ihn gestern gefragt.

Sprecher 11: Die Europawahl sendet ein klares Signal für die nächsten Monate. Die Menschen haben genug von Bevormundung und von einer ideologischen Politik. Die wollen eine Begrenzung der illegalen Migration, eine Politik, die auf wirtschaftliche Stärke setzt. Und handfeste Lösungen für die konkreten Lebenssorgen der Menschen offeriert. Viele in Deutschland und gerade auch in Thüringen haben das Gefühl, dass... es eigentlich nicht mehr bergauf geht, sondern dass Deutschland keine eigene Zukunftsidee hat. Die machen sich Sorgen, dass dieses Land nicht mehr funktioniert. Und deswegen eine Politik, die sich an den Bedürfnissen und den Anliegen der Bürger orientiert, ist der einzige Weg, die AfD klein zu kriegen. Und in Thüringen war es so, die Europawahl war ein deutliches Signal gegen die Politik der Ampel, aber auch gegen die Bürokraten in Brüssel. Wenn es aber um die Thüringer Themen ging, haben die Leute klar der Union das Vertrauen geschenkt. Deswegen sind wir auch als stärkste Kraft aus den Kommunalwahlen herausgegangen, mit einem riesigen Potenzial auch für die Landtagswahl und das Duell. CDU gegen AfD ist das, was den Herbst bestimmen wird. Und dafür geht die Union gestärkt aus den Kommunalwahlen, aber mit großer Achtsamkeit auch für die Sorgen der Leute in die nächsten Monate.

Sprecher 3: Die Parteien der politischen Mitte werden von zwei Seiten in die Zange genommen und dass jetzt eine neue Partei auf die Bühne getreten, das Bündnis Sarah Wagenknecht, aus dem Stand hat sie bundesweit über 5% bekommen und ist auch im Osten besonders stark. Und ich habe meine Kollegin Vera Weidenbach vom Berlin Table gefragt, warum die Menschen gerade im Osten so eine Begeisterung für Sarah Wagenknecht haben.

Sprecher 12: Das, was dem BSW im Moment am meisten nützt, ist, dass es wirklich für Neuanfang steht. Also die Leute haben das Gefühl, diese Partei könnte jetzt wirklich etwas verändern. Und das wird sich natürlich mit den... jetzt guten Wahlergebnissen, auch jetzt in der Europawahl, noch potenzieren. Und gleichzeitig lässt das BSW auch genug Projektionsfläche. Vielleicht gibt es da im Osten tatsächlich ein größeres Bedürfnis bei den Menschen nach Veränderung, eine größere Sehnsucht, dass sich etwas verbessert. Und da bietet auf jeden Fall das BSW für die Menschen mehr Grund, daran zu glauben, als es wahrscheinlich die Linkspartei. Noch kann.

Sprecher 2: Vera hat das Bündnis Sarah Wagenknecht analysiert und sie nimmt natürlich ein Argumentationsmuster auf, was wir auch von der AfD kennen, nämlich diesen Frust, diesen Protestwillen gegen die da in Berlin, gegen die etablierten Parteien der Mitte zu zeigen. Das ähnelt sich ganz links und ganz rechts ziemlich. Dieser Frust gegen die Eliten, diese Anti-Haltung, die würde aus meiner Sicht, Helene, korrigiere mich, von der Ampel verstärkt. Zwei Jahre lang viele politische Prioritäten, die nicht die Sorgen und Nöte der Menschen, gerade im ländlichen Raum, aber auch jenseits der Berliner Bubble wirklich berühren, wurden nicht so angegangen, wie man es gewünscht hätte. Also die Ampel ist ein Turbo, ein Konjunkturprogramm für die AfD gewesen, so sehe ich es.

Sprecher 3: Ja, so kann man es jedenfalls sehen. Ich war gestern im Bundesinnenministerium und schaute aus dem Fenster und guckte auf diese riesige Baustelle für den Erweiterungsbau des Bundeskanzleramts, der 800 Millionen Euro kosten soll. Und ich habe mir gedacht, wird jetzt einfach weiter gebaut? Wird einfach so getan, als wenn nichts wäre? Dem Frust in der Bevölkerung zum Trotz. Ein Symbol, aber der Eindruck entsteht eben schon, dass die Politik sehr um sich selber kreis eine Nabelschau begeht, sich gegenseitig mit Posten versorgt. Alles Narrative, die natürlich so einfach nicht stimmen. Und auch für diesen Bau gibt es ganz gute Gründe. Aber man muss sich schon Gedanken machen über das Bild von Politik in der Gesellschaft. Was schlechter ist als je zuvor, mangelnder Respekt vor Autoritäten in der Gesellschaft. Und das hat natürlich auch mit der Politik zu tun. Die muss anfangen, vor ihre eigenen Haustür zu kehren. Und dennoch, Michael, bleibe ich bei meiner These, die du schon öfter gehört hast. Wenn wir immer davon reden, die Menschen sind so frustriert, dann denke ich mir, Ganz ehrlich, ich kann es leider auch nicht mehr hören. Es geht uns insgesamt gesehen so gut in diesem Land. Und auch die Menschen, die sagen, sie sind frustriert, sind im Vergleich zu vielen, vielen anderen Menschen auf dieser Welt so wahnsinnig gut dran. Kann man das nicht auch mal sehen? Und ein Minimum, man muss ja nicht dankbar sein, aber zumindest nicht die AfD wählen.

Sprecher 2: Dankbarkeit ist keine politische Kategorie, Helene, weißt du ja. Und ironischerweise noch ein Wort zum Kanzleramt. Es war ja gerade Helge Braun und Angela Merkel, die vermeintlich unprätentiöse, die es geplant hat und jetzt stur weitergebaut wird. Und ich finde eben nicht, dass es Symbolik ist. Ich finde gerade die Politik muss zeigen, wenn es irgendwie schwieriger läuft, dass sie auch einen eigenen Maßnahmen sparen kann. Und die 300.000 Mitarbeiter in der Bundesverwaltung sind eben nicht dieses Zeichen. Also ich weiß, dass die das immer mit Symbolik abtun, aber der Frust kommt schon auch durch solche kleinen Entscheidungen. Aber so oder so, ich finde, die Lage ist schwierig und man darf meckern, weil man meckern muss gerade. Und wenn die Politik jetzt sich mal zusammensetzen würde und einen großen Fünf-Punkte-Wirtschaftsplan mit der Union am besten umsetzt, dann würden die Zahlen im Herbst im Osten wahrscheinlich schon anders aussehen. Das ist zumindest meine Prognose.

Sprecher 13: Keiner ist gut beraten, der jetzt einfach zur Tagesordnung übergehen will. Gleichzeitig geht es aber auch darum, dass wir unsere Arbeit machen, dafür zu sorgen, dass unser Land modern wird, dass es vorankommt und im Übrigen sich darauf vorzubereiten, dass die Zustimmung immer größer werden wird, sodass man auch bei der nächsten Bundestagswahl die Ergebnisse dieser Arbeit zur Wahl stellen kann und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger für die Arbeit hat. Das muss jetzt für alle der Maßstab sein, sich anzustrengen und die Aufgaben zu lösen, vor denen wir stehen.

Sprecher 2: Wer Table Briefings liest oder Helene Bubrowski bei Twitter folgt, der wusste es seit ungefähr einer Woche. Der Präsident Zelensky kommt heute an diesem Dienstag nach Berlin zur Ukraine-Wiederaufbau-Konferenz. Da geht es schon jetzt darum, wie dieses zerschundene Land irgendwann mal wieder aufgebaut werden wird. Und eins ist klar, es wird sehr viel Geld kosten.

Sprecher 3: Und weil der Wiederaufbau der Ukraine so teuer ist, Michael, kommen jetzt tatsächlich in Berlin auf dem Messegelände 2000 Menschen aus 60 Ländern zusammen. Es sind Politiker, Zelensky ist dabei, du hast es gesagt, aber auch viele andere und natürlich Wirtschaftsvertreter, weil die am Ende das Geld haben. Denn wenn wir die Zerstörung sehen, die in der Ukraine angerichtet wurde, dann wissen wir, Wiederaufbau ist sehr, sehr teuer.

Sprecher 2: Ja, und Deutschland ist bereits der größte Zahler in Europa für diese Ukraine-Hilfen. Und eins hat Christian Lindner in den Gesprächen schon klar gemacht, es gibt jetzt keinen neuen Sondertopf für die Ukraine. Alles muss in den bisherigen Plänen erarbeitet werden. Man ahnt, dass selbst bei diesem wichtigen Thema Ukraine die Ampel am Ende wieder mal übers Geld streiten muss. Ausgerechnet Dortmund. Eigentlich eine ziemlich verbaute Stadt, die in den Nachkriegsjahren schnell wieder hochgezogen werden musste, wegen der industriellen Arbeiter, die in die Stadt strömten. Immer wieder in den letzten Jahren hat diese Stadt dann auch Schlagzeilen gemacht durch Neonazi-Gruppen, die Dortmund, die Westfalenmetropole, ins rechte Licht gerückt haben, buchstäblich. Also eigentlich gibt es, wenn man an Dortmund denkt, doch nur den BVB, der ja immerhin schon mal im Champions-League-Finale jetzt Real Madrid Paroli bieten konnte. Doch ausgerechnet die britische Times, das altehrwürdige Magazin aus London, veröffentlicht nun ein Loblied auf das Westfalenstädtchen Dortmund. Das ist doch mal überraschend. Diese unbekannte deutsche Stadt, so heißt es dort, bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Und dann kommen Tipps, warum man unbedingt mal ein Wochenende in Dortmund verbringen sollte. So viel grüner sei diese Stadt als irgendwo anders in Nordrhein-Westfalen. Das wunderbare deutsche Fußballmuseum und natürlich die Currywurst bei Phoenix West. Und die vier süßen Pinguin-Babys, die gerade im Zoo geschlüpft sind, die werden auch sorgsam als Ausflugstipp genannt. Also Dortmund, die neue Touristenmetropole in Deutschland. Wer hätte das gedacht? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen und entspannten Dienstag. Bleiben Sie bitte bei uns auch morgen. haben wir wieder viel Politik und etwas Kurioses für Sie. Ich freue mich auf Sie, Ihr Michael Bröker.

Sprecher 14: She's so pretty. I got a hint. And the people flying up in the air. I'm saying I hate you. Deal, deal. We're the kid in the mail. All the strikes like you didn't care. So I took a big chance. I had a hot school day. I was ready to play. I was a bitch. She was cool. She was new. And I knew. No one's here to say.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.