Warum sind so viele Chefs cholerisch, Frau Bornmann?
Laura Bornmann gehört zu den gefragtesten Expertinnen im Land, wenn es um moderne Führung geht. Bornmann ist New Work-Beraterin und Leadership Coach. Sie leitete bis 2022 die Personalentwicklung bei der REWE Gruppe.
Im Gespräch mit Michael Bröcker erklärt die 32-jährige Betriebswirtin, welche Techniken und Methoden Chefinnen und Chefs einsetzen können, um ihre Mitarbeiter zu motivieren und warum dabei die Kommunikation auf Augenhöhe so wichtig ist. Als Manager-Vorbild in der Wirtschaft hat sie VW-Chef Oliver Blume ausgemacht.
- Tischgespräch: Der Antisemitismus an den Deutschen Hochschulen
- Nachtisch: Der Fahndungserfolg gegen Cyberkriminalität
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Der Mai begann mit antisemitischen Demonstrationen in Hamburg und er hört auf mit einer Diskussion über Antisemitismus an einer Berliner Universität. Darüber reden wir gleich. Es wird ernst für Geraldine Rauch.
Sprecher 3: Und es ist ernst für Deutschland.
Sprecher 2: Sowieso immer. Zum Tischgespräch heute eine kluge Frau, die weiß, wie New Leadership geht und wie empathische Führung geht. Eigentlich müsste es also Helene Bubrowski sein. Es ist aber nicht Helene Bubrowski. Es ist Laura Bornmann, die ehemalige Rewe-Personalchefin, Unternehmerin, Beraterin, New Work-Expertin. Wir freuen uns sehr darauf. Und zum Nachtisch gibt es endlich mal wieder etwas aus der IT-Infrastruktur, was uns gut tut. Denn unsere Rechner sind sicherer geworden. Dazu später mehr. Helene, wann hast du zu Recht etwas geliked, was du eigentlich gar nicht liken wolltest?
Sprecher 3: Ein Auftritt bei Malchberger vorgestern.
Sprecher 2: War zu Recht geliked, würde ich sagen.
Sprecher 3: Ja, natürlich. Nein, kleiner Witz. Ich bin sehr zurückhaltend beim Liken insgesamt. Aber ich versuche ja, was auch immer.
Sprecher 2: Obwohl du so likable bist.
Sprecher 3: Ja, aber not everything else is so likable.
Sprecher 2: Es sind düstere Zeiten.
Sprecher 3: Es sind düstere Zeiten, ja. Und insgesamt muss man sagen, auf Twitter ist es nicht netter geworden. Man muss immer so aufpassen. Und insgesamt, ich versuche ja ein Vorbild mir zu nehmen, an dir und anderen auch mehr aktiver zu sein. Aber ich merke dann doch so ein ganz, ganz bisschen fremdel ich noch damit.
Sprecher 2: Jedenfalls hat Geraldine Rauch, die Präsidentin der Technischen Universität Berlin, ein Tweet geliked, der an sich die Situation in Gaza und Rafah aufgreift und jetzt kritisch mit der Regierungspolitik Israels umgeht. Das ist alles wohl in Ordnung. Aber es war eben unter diesem Text auch ein Foto, wo ein Benjamin Netanyahu als Nazi auch optisch gezeigt wurde oder karikiert wurde. Und das ist ein Problem. Es sind nun Rücktrittsforderungen im Raum unter anderem von der CDU, auch dem CDU-Bürgermeister und seiner Partei hier in Berlin, die sehr kritisch auf dieses Verhalten sehen. Sie hat sich jetzt entschuldigt. Sie habe einige Tweets geliked, welche die Situation in Gaza aufgreifen, die aber antisemitischen Inhalt oder Ursprung sind, sagt sie und entschuldigt sich. Damit hofft sie, dass das Thema durch ist. Ja, was macht man jetzt mit so einem Fall?
Sprecher 3: Naja, das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs. von einem generellen Antisemitismusproblem, das wir in Deutschland haben, das insbesondere an deutschen Universitäten sich ausbreitet. Das war auch in der HU ein Problem und an vielen anderen Stellen, dass man mit Menschen in Palästina mitleidet, ist nicht nur verständlich, sondern natürlich auch vollkommen akzeptabel, aber dass es immer wieder zu antisemitischen Ausbrüchen kommt, dass jüdische Studierende Angst haben, das ist natürlich überhaupt gar kein Zustand und dass eine Universitätspräsidentin, die natürlich auch ein Vorbild ist, eine Orientierungsfigur ist und so weiter, sowas auf gar keinen Fall machen kann, ist völlig klar.
Sprecher 2: Also die Präsidentin muss Vorbild sein und kein Deut weit solchen Umtrieben natürlich in irgendeiner Weise eine Plattform geben. Insofern hat sie zu Recht ein Problem meines Erachtens. Nicola Kurt, unsere Research Table Redaktionsleiterin, hat berichtet, dass die Antisemitismusbeauftragten jetzt an allen Hochschulen sprießen, weil, wie du sagst, zu Recht da offenbar ein Problem ist. Also der Antisemitismus in Deutschland, er ist omnipräsent.
Sprecher 3: Ja und in der Tat haben wir wieder das alte bekannte Problem der Abgrenzung von Antisemitismus und Israelkritik, die natürlich berechtigt ist. Dann gibt es aber auch den sogenannten Israel-bezogenen Antisemitismus. Das ist eine vermeintliche Kritik an der Politik Israels, die aber in Wahrheit antisemitischen Ursprungs ist. Und da ist ganz klassischerweise solche Bilder Netanyahu mit einem Hakenkreuz und anderes, also wo Stereotypen bedient werden, antisemitische Stereotypen, wo man sagt, das sind die, was weiß ich, die Ra. Affgierigen von der Regierung oder diese ganz klassische Täter-Opfer-Umkehr, dass also diejenigen, die die Shoah überlebt haben, die jetzt sich in dem Schutzraum befinden, den man aufgebaut hat, um den Juden dieser Welt ein neues Zuhause zu geben, dass das in Wahrheit diejenigen sind, die andere ins Verderben stürzen, die den Holocaust angeblich nun an anderen begehen. Das sind ja nicht nur Klischees, sondern das ist ganz entsetzlicher Antisemitismus, den wir hier sehen. Aber im Einzelfall diese Linie zu ziehen, wie weit geht eigentlich die Meinungsfreiheit, wo beginnt der Bereich des Extremismus, zu dem ja der Antisemitismus gehört, das ist ganz schwierig. Aber im Fall von Geraldine Rauch ist es ehrlich gesagt nicht schwierig. So weit können wir uns, glaube ich, hier einigen, oder Michael?
Sprecher 2: Das Leben der Juden in Deutschland, es gab durchaus bessere Tage als die jetzigen und wir sollten mal darüber reden, was genau jetzt passieren muss an den Hochschulen. Und dazu hast du mit einem Mann gesprochen, der sich qua Amt von Amts wegen damit befasst, nämlich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung. Ein neues Amt gibt es erst seit wenigen Jahren. Er heißt Felix Klein.
Sprecher 3: Herr Klein, die erste Frage an Sie. Ist es Antisemitismus, so einen Tweet zu liken?
Sprecher 4: Die Tweets, die hier in Frage stehen, verbreiten eindeutig antisemitischen Inhalt. Da gibt es überhaupt keine Diskussion. Und so etwas zu liken ist absolut problematisch und verbreitet antisemitische Narrative, weil das das ja natürlich in ein positives Licht stellt.
Sprecher 3: Welche Konsequenzen müssen jetzt gezogen werden?
Sprecher 4: Es darf jetzt nicht zur Tagesordnung kommen. übergegangen werden. Die Universitätsgremien müssen sich mit dem Fall beschäftigen. Es reicht auch nicht nur, dass sie sich entschuldigt hat. Das ist natürlich schon mal der richtige Weg. Aber hier ist eine umfangreiche Aufarbeitung erforderlich. Die Universitätspräsidentin ist ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht geworden.
Sprecher 3: Haben wir ein generelles Problem mit Antisemitismus an deutschen Universitäten?
Sprecher 4: Ja, Antisemitismus an deutschen Universitäten ist weit verbreitet, bis in den Lehrkörper hinein an vielen Unis. Und das muss ganz genau jetzt beleuchtet werden. Und bei allen Maßnahmen, die jetzt geprüft werden, sollte auch die Perspektive der jüdischen Studierenden unbedingt gehört und ernst genommen werden.
Sprecher 3: Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Klein.
Sprecher 4: Danke auch.
Sprecher 2: Wir reden jetzt über ein Thema, das wahrscheinlich am meisten diskutiert wird in der Kaffeeküche, in den Betriebskantinen, auf dem Flurfunk der deutschen Unternehmen, nämlich die Frage, wie ist der Chef eigentlich oder die Chefin? Und wie führt man eigentlich heutzutage? Modern, empathisch, lesen wir immer, progressiv, hierarchiefrei. Aber wie geht das eigentlich? Kaum einer weiß das besser als Laura Bornmann. Sie ist HR-Beraterin, Leadership-Coach. Sie war Personalchefin und Leiterin der strategischen Personalentwicklung für rund 18.000 Mitarbeitende bei der Rewe, ist danach bei den Start-up-Teams gewesen, eine tollen, jungen, digitalen Plattform für Gründerinnen und ist Beiratsmitglied in diversen Unternehmen und Institutionen. Ihr Thema ist modernes Führen. Los geht's. Einen schönen guten Tag erstmals bei uns. Ich freue mich darüber sehr. Hallo Laura.
Sprecher 5: Lieber Michael, ich freue mich bei dir zu sein.
Sprecher 2: Sag mal, 4-Tage-Woche, gilt die eigentlich auch für dich?
Sprecher 5: Nein.
Sprecher 2: Aber hättest du gerne.
Sprecher 5: Ja, also ich kann mich da mit vielen Forderungen, die da gerade gestellt werden, kann ich mich schon gut identifizieren. Aber das heißt nicht, dass ich nicht Lust auf Leistung habe und was zu bewegen in dieser Welt und was zu verändern.
Sprecher 2: Geht beides zusammen?
Sprecher 5: Auf jeden Fall.
Sprecher 2: Wie macht man das? Wie managt man das?
Sprecher 5: Ich glaube, vieles ist eine Organisationsfrage. Ich bin auch der Überzeugung, das wird jetzt gerade sehr pauschal überall dargestellt. Alle wollen jetzt die Viertagewoche. Ich glaube, da müssen wir ein bisschen differenzieren. Es will nicht jeder die Viertagewoche. Und ich glaube, wir müssen nochmal ein bisschen mehr reingehen, was sind denn die Ursachen und Gründe. Also wir sehen, es ist ein riesengroßer Fachkräftemangel. Viele Menschen sind krank. Die Krankenquote ist so hoch wie noch nie. Die Menschen, die jetzt noch jeden Tag zur Arbeit kommen, die sind stark überlastet und die sagen sich einfach, ich schaffe das nicht mehr, ich kann das nicht mehr, ich brauche vielleicht noch einen Ausgleichstag. Also auch das ist zum Beispiel... Ein Argument.
Sprecher 2: Genau, woher kommt die Motivation, woher kommt die Debatte jetzt? Weil wir alle uns überfordert fühlen oder tatsächlich zu viel gearbeitet haben oder sind die Ansprüche an unsere Selbstverwirklichung, Stichwort Gen Z, und so einfach hoch geworden, dass die Arbeit dabei runtergerankt wird?
Sprecher 5: Ich glaube, es ist eine Kombination aus vielen Sachen. Wenn wir uns mal die Evolution von Arbeit anschauen, wir haben früher mal viel mehr gearbeitet, es ist immer weniger geworden. Also das ist einfach eine Entwicklung, die wir sehen. Und natürlich ist der Anspruch an Arbeit heute auch ein anderer. Arbeit ist nicht mehr nur dazu da, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, sondern es geht um Sinn und viele andere Dinge. Und natürlich wird das Leben an sich auch wichtiger. Wir haben ja gerade über gelingende Beziehungen und so weiter gesprochen. Also Menschen wollen heute auch Zeit haben für ein Privatleben, für die Menschen, die ihnen wichtig sind und so weiter. Das spielt natürlich auch eine große Rolle.
Sprecher 2: Also die Selbstverwirklichung als Mensch ist wichtiger als die Karriere als berufliche Person?
Sprecher 5: Es spielt einfach heute auch eine Rolle. Also es geht eher darum, wie bin ich eigentlich gesamt in meinem Leben? Und da spielt Arbeit natürlich eine wichtige Rolle. Es ist aber nicht alles. Wie kann ich ein glückliches, gesundes Leben führen? Weil das sehen wir auch. Burnout-Quoten steigen extrem. Und deswegen glaube ich, viele Entwicklungen sind da gerade auch sehr positiv.
Sprecher 2: Du hast bei Rewe als Leiterin der Personalentwicklung Verantwortung für über 16.000 Menschen gehabt. Lass uns mal über Leadership reden. Wie kriegt man das, wenn man weiß, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so ticken? Wie bekommt man dann die ideale Führung hin, also die empathische Führung, die zugleich das Unternehmen auch bei der Rendite, bei der Leistungsfähigkeit nach vorne bringt?
Sprecher 5: Also vielleicht nochmal einmal nochmal einen Schritt zurück. Mick, was ich auch sehe ist, dass viele Menschen in den falschen Jobs sind. Also viele Menschen haben eben nicht das, dass sie eine Leidenschaft in ihrem Job haben, dass sie einen Sinn in ihrem Job sehen und so weiter. Jetzt können wir uns fragen, wie wichtig ist das eigentlich? Muss jeder eine Sinnerfüllung im Job haben? Manche Jobs sind einfach auch hart. Und ich glaube, wir haben sehr, sehr viel Potenzial, wenn wir uns mal, ich zitiere die Studie gerne, die Gallup-Studie, die jedes Jahr rauskommt, die die emotionale Bindung an den Arbeitgeber misst. Da sehen wir, wie wenig Menschen emotional gebunden sind an ihr Unternehmen. Und ich glaube, und ich habe selber in der Realität immer wieder festgestellt, viele Menschen kennen ihre Stärken nicht, wissen nicht, was sie wirklich antreibt und so weiter. Und ich glaube, da müssen wir investieren. Und wenn wir das schaffen, das Potenzial, was wir eigentlich haben, aber heute nicht nutzen, das heißt einen optimalen Fit zwischen Stellenanforderungen und Kompetenzen, glaube ich, haben wir ganz viel Potenzial.
Sprecher 2: Das klingt in der Theorie natürlich super, aber wie mache ich es als Führungskraft im Unternehmen? Wie kann ich das praktisch umsetzen, dass ich jeden Mitarbeiter dort abhole, auch so ein schlimmes Wort, wo seine Stärken und sein Profil am besten ist?
Sprecher 5: Ist richtig, das ist der Schlüssel. eigentlich jetzt auch für ganz, ganz viele Dinge. Ich spreche mit vielen Unternehmern, Entscheidern, die genau das sagen. Wir müssen hier was verändern. Wir dürfen nicht mehr die beste Fachkraft zur Führungskraft machen. So, das ist ja oft der Fall. So, und dann kommen Menschen in Führungspositionen, die super fachlich sind, aber eigentlich gar kein Interesse an Menschen haben, gar kein Interesse daran haben, Menschen weiterzuentwickeln, das Potenzial zu sehen, sich mit Menschen zu beschäftigen. Das ist ein großes Problem. So, und wie schaffen wir das? Also ich frage mich eigentlich immer, was ist daran eigentlich so schwer, empathisch zu sein und trotzdem große Ziele zu haben, trotzdem Leistung einzufordern. Ich verstehe manchmal diesen Widerspruch eigentlich gar nicht. Ich glaube, für viele, das kannst du vielleicht beantworten, und das ist vielleicht irgendwie auch aus der Vergangenheit dieses, das wird oft mit Schwäche assoziiert. Also mir wurde früher gesagt, Laura, du bist viel zu nett, viel zu nah an deinen Leuten, so wirst du nie Karriere machen. Punkt. Also erklärst du mir.
Sprecher 2: Naja, ich bin Chefredakteur eines Medienunternehmens, das von Experten lebt. Und die jeweiligen Redakteurinnen und Redakteure unserer Tables haben alle mehr Ahnung als ich in dem Thema. Insofern kann ich eigentlich...
Sprecher 5: Gute Einstellung.
Sprecher 2: Aber es ist so und ich kann also eigentlich nur führen durch Koordinieren, durch Anregungen, durch Anreize, aber gar nicht durch irgendwie inhaltliches Besserwissen. Also ich glaube wahrscheinlich, wenn man die Analyse schon mal hat, ist es schon mal gut. Total. Schau mal auf, aber wozu braucht es mich dann noch?
Sprecher 5: Ja, eben für all die anderen Dinge. Da können wir jetzt drüber sprechen. Du bist inspirierend, du motivierst und so weiter. Ich glaube, darum geht es, das Potenzial zu sehen der Menschen, das weiterzuentwickeln. Und jetzt neulich war ich bei Porsche, da gab es ein P. Das habe ich moderiert, da war der Olli Blume da. Und da mal wirklich, also so ein bodenständiger CEO habe ich...
Sprecher 2: Vorstandsvorsitzender von VW.
Sprecher 5: Genau, von VW und Porsche. Selten gesehen. Also wirklich, der war so bodenständig.
Sprecher 2: Aber war er das nur, weil er mit dir auf dem Podium war oder ist er das wirklich?
Sprecher 5: Das ist er wirklich. Also ich habe das so gemerkt, wie er mit seinen Mitarbeitenden umgegangen ist. Und ich kenne auch einige in meinem Unternehmen, die haben mir das bestätigt, wie er auch im Alltag mit den Menschen umgeht. Und das finde ich krass und das gibt mir auch wieder Hoffnung, dass man in solchen Positionen wirklich auch empathisch sein kann und trotzdem was bewegen kann.
Sprecher 2: Das ist ein gutes Beispiel. Jetzt machen wir ja einen Podcast für Professionals nochmal konkret in den Handwerkskasten. Wenn du Unternehmen berätst, kann man das erlernen, empathisches Leadership?
Sprecher 5: Was ich nochmal einmal sagen will, weil es wichtig ist. Es werden gerade so viele Anforderungen an Führungskräfte gestellt. Also dann gibt es da noch oft das konservative Management, die wollen, dass du noch alles im Detail weißt. Dann gibt es einfach die junge Generation, die will, dass man sich jetzt mit ihnen beschäftigt, am besten jede Woche ein Feedbackgespräch und so weiter. Also als Führungskraft, ich meine, das wissen wir beide, man kann es heute nicht einrechnen machen. Deswegen glaube ich, als Unternehmer müssen wir auch Führungskräfte befähigen, unterstützen und auch sagen, was erwarten wir in Zukunft nicht mehr von ihnen. Weil das ist gerade sehr, sehr viel. Der andere Punkt ist, kann man das erlernen? Da gibt es widersprüchliche Meinungen. Aus meiner Sicht, Führung ist ein Handwerk, Führung kann man lernen. Es gibt Menschen, die sind vielleicht von ihrer Persönlichkeit, haben es vielleicht einfacher, wenn wir jetzt auf das Thema empathische Führung gehen, haben es einfacher, weil sie bessere Grundlagen haben, empathisch zu führen. Grundsätzlich, und das ist die gute Nachricht, bin ich der Überzeugung, jeder Mensch, wenn er es wirklich aufrechtlich will, wenn er reflektiert ist, wenn er sich Feedback zu Herzen nimmt, jeder kann es lernen.
Sprecher 2: Und Empathie ist mehr als zuhören. Das muss man, glaube ich, auch nochmal klarstellen.
Sprecher 5: Genau. Empathie bedeutet ja eigentlich, sich in die Lage meines Gegenübers hineinzuversetzen. Natürlich ist Zuhören ein wichtiges Element. Und sind wir mal ehrlich, wir beiden auch. Wir haben so viel zu tun. Wir sprechen mit so vielen Menschen. Einmal mal einen Takt probieren, wirklich zuzuhören und nicht sofort zu sagen, oh Gott, okay, was sage ich denn dazu und bin schon wieder beim nächsten Thema. Das ist schon eine Herausforderung.
Sprecher 2: Ja, schon beim nächsten Termin, gedanklich. Warst du gerade eben schon beim nächsten Termin in diesem Gespräch?
Sprecher 5: Du bist die einzige Ausnahme, da war das nicht so.
Sprecher 2: Laura, lass uns über Gen Z nochmal kurz sprechen. Sind die eigentlich so... Unbekümmert, faul, leistungsunwillig, wie es geschrieben wird, oder ist es genau das Gegenteil?
Sprecher 5: Also Mick, es gibt keine wissenschaftliche Studie, die sagt, dass junge Menschen weniger Leistung bringen wollen. Fakt ist aber, sie hinterfragen gerade sehr viel, sie fordern neue Rahmenbedingungen, wo viele denken oder viele assoziieren das mit, okay, da will jemand von zu Hause arbeiten. Das heißt, er ist faul und möchte nicht arbeiten, sondern möchte den ganzen Tag Netflix auf der Couch gucken. Und ich glaube, da müssen wir uns von frei machen, da mal wirklich zuhören, was sind eigentlich die Bedürfnisse dahinter. Es geht um Flexibilität. Es geht um selbst Dinge entscheiden zu können. Und ich glaube, das ist es einfach. Sie fordern neue Rahmenbedingungen, damit sie... Gute Arbeit machen können.
Sprecher 2: Verstehe ich, Laura, aber können wir mit diesen Rahmenbedingungen, die diese jungen Menschen, also unsere Zukunft, fordern, können wir mit diesen Rahmenbedingungen weiter die Leistungsfähig... die größte Volkswirtschaft, die Nummer drei auf der Welt sein und mit USA und China konkurrieren? Oder müssen wir dann sagen, okay, wenn ihr das so haben wollt, liebe junge Leute, wenn das eure neuen Rahmenbedingungen sind, dann müssen wir aber auch beim Wohlstand Abstriche machen.
Sprecher 5: Ich verstehe diese Diskussion, ich verstehe auch die Sorgen, da beschäftige ich mich auch viel mit. Ganz klares Ja trotzdem zu deiner Frage. Ich bin da wirklich optimistisch, weil, und das möchte ich nochmal voneinander trennen, es geht ja nicht darum, weniger zu leisten. Es geht um neue Rahmenbedingungen, damit junge Menschen, und ich sehe das wirklich sehr, sehr positiv, wenn wir Rahmenbedingungen verändern, wir haben gerade kurz über das Thema Führung, was ja sehr weich ist, was schwer messbar ist. Wenn wir endlich mal die richtigen Menschen zu Führungskräften befördern oder sie richtig ausbilden, was meinst du, wie viel Potenzial dahinter steckt, dass die Leute wieder Bock haben auf Arbeit? Darum geht es doch. So, deswegen glaube ich, wenn wir Rahmenbedingungen verändern, jetzt müssen wir vielleicht einen Schritt auf die Arbeitnehmer, den Arbeitnehmenden zugehen. Das war früher immer anders. Wenn wir diesen Schritt gehen, neue Rahmenbedingungen schaffen, da können wir auch nochmal eine neue, eine separate Podcast-Folge drüber machen, dann bin ich der Festüberzeugung, haben die Menschen Bock, das liegt doch in uns, was zu bewegen, was zu verändern, was positiv zu gestalten und auch zu arbeiten.
Sprecher 2: Mit diesem wunderbaren Appell lassen wir es für diese Folge sein. Die nächste Episode kommt auf jeden Fall. Vielen Dank, liebe Laura Bornmann.
Sprecher 5: Vielen Dank, hat mich sehr gefreut.
Sprecher 2: Man liest es jeden Tag, die Welt wird vermeintlich immer unsicherer. Und da ist es auch mal gut, dass wir gerade beim Bereich Cyberkriminalität, wo wir über viele Jahre immer nur schlechte Nachrichten hören mussten, inzwischen auch mal Erfolge vermelden können. Denn weltweit haben sich erstmals Ermittler zusammengetan, um gegen Cyberkriminalität in ganz großem Stil vorzugehen. Insgesamt 100 Server wurden beschlagnahmt, rund 1300 gefährliche oder schädliche Internetseiten in einer groß angelegten Aktion vom Netz genommen. Dazu noch zehn internationale Haftbefehle und vier Festnahmen. Die Ermittler sprechen vom größten Erfolg im Kampf gegen die Cyberkriminalität. Und sie glauben es nicht, selbst deutsche Ermittler hatten ihren Anteil daran. Trotz oder wegen, man weiß es nicht, unserer Datenschutzgesetzgebung. Also die gute Nachricht zum Schluss, wenn das Internet wahrscheinlich auch nie wirklich hundertprozentig sicher sein wird, mancher Erfolg gegen die Cyberkriminellen, der gelingt uns dann doch. In diesem Sinne wünsche ich ein erholsames, ruhiges und sicheres Wochenende. Helene Bubrowski wird Sie an dieser Stelle am Montag wieder begrüßen. Genießen Sie das Wochenende. Bis dahin. Auf Wiederhören. Ihr Michael Bröker.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 6: Ich bin völlig blind. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tage und Nächte sind auf den Kopf gestellt, weil ich Schwierigkeiten habe, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu bleiben. Ich leide unter 924, einer seltenen Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung, die viele völlig blinde Menschen betrifft. Möchtest du mehr über diese Erkrankung in Verbindung mit völliger Erblindung erfahren? Rufe kostenfrei an unter 0800 24 24 005.