Was hat Google mit KI vor, Herr Justus?
Google will mit Künstlicher Intelligenz die Suche revolutionieren und dabei den Konkurrenten ChatGPT angreifen.
Der KI-Assistent Gemini soll in allen Google-Produkten wichtige Funktionen übernehmen. Philipp Justus, Deutschland-Chef und Vice President Central Europe, sieht sein Unternehmen gut aufgestellt im Wettbewerb der KI-Unternehmen. Justus hält auch die geplante Regulierung von KI in der EU grundsätzlich für richtig.
- Tischgespräch: Ein Jahr nach dem „Fall Till Lindemann“
- Nachtisch: Neue Wege beim Nahrungsmittelanbau in Äthiopien
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Wir reden über Macht, wir reden über Männer, wir reden über eine sehr berühmte Band, alles gleich im Opening, Rammstein und die Row Zero.
Sprecher 3: Fast auf den Tag vor einem Jahr wurden die Vorwürfe gegen den Sänger Till Lindemann öffentlich gemacht. Und jetzt ist ein Buch erschienen. Wir werden auch mit der Autorin Lena Kampf darüber sprechen.
Sprecher 2: Zum Tischgespräch kommt dann ein sehr interessanter Manager, der für einen Weltkonzern hier in Europa das Sagen hat. Es ist Philipp Justus, der Vice President Google Central Europe. Und wir sprechen mit ihm natürlich über KI und was Google mit der KI vorhat. Und zum Nachtisch die gute Nachricht. Diesmal geht es um Wasser und Äthiopien und Afrika. Und wie das alles zusammenhängt, erfahren Sie gleich.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Helene Rammstein, ist das eigentlich so ein bisschen auch deine Musik?
Sprecher 3: Nee, wirklich gar nicht.
Sprecher 2: Wir haben auch ein ganz anderes Abendstundenthema, nämlich die Row Zero und ein Buch, das heute rauskommt, richtig?
Sprecher 3: Genau, ein Buch, das heute rauskommt mit dem Titel Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie, geschrieben von den beiden SZ-Autoren Lena Kampf und Daniel Drepper, dass die Vorgänge, die vor einem Jahr publik wurden, um die Row Zero bei Rammstein-Konzerten, analysiert und aufarbeitet und die Schlüsse daraus zieht, was das jetzt eigentlich alles für unsere Gesellschaft bedeutet.
Sprecher 2: Es geht um die Nordirren Shelby Lindy, das alles öffentlich gemacht hat, weil sie am 25. Mai 2023 bei einem Rammstein-Konzert in Vilnius offenbar aus dieser Row Zero, also dieser Reihe Null, rekrutiert würde für das, was dann hinter den Kulissen passiert. Man muss sagen, angeblich, denn so richtig bewiesen ist das ja alles noch nicht, was Rammstein da in vielen Texten dann auch vorgeworfen wurde, oder?
Sprecher 3: Man muss trennen zwischen der strafrechtlichen Seite und dem, was Machtmissbrauch ist, was sicherlich auch moralisch und in anderer Hinsicht anstößig ist, aber nicht strafrechtlich relevant. Tatsächlich gab es ja hier in Berlin ein Ermittlungsverfahren gegen Till Lindemann, das dann aber eingestellt wurde, weil es abgesehen von Shelby Lynn nicht genügend Frauen gab, die sich dann gemeldet haben und die Schilderungen gestützt haben. Es fehlte schlicht an Beweisen und da gab es dann auch in den Medien eine wilde Debatte, ob das eigentlich ein Freispruch ist oder ob man sagt, naja, vielleicht melden sich ja auch noch Frauen und irgendwann kommt es dann eben doch zu einem Ermittlungsverfahren und zu einer Verurteilung. Das kann man tatsächlich so. oder so sehen. Aber am Ende muss man sagen, Till Lindemann ist nicht strafrechtlich dafür belangt worden, dass es aber ein System gab und wahrscheinlich in der ganzen Musik- und auch Filmindustrie, Stichwort Weinstein, gegeben hat und gibt, in dem Frauen möglicherweise erstmal freiwillig mitgemacht haben und dann doch Grenzen überschritten wurden. Darum geht es in dem Buch von Kampf und Treppe. Das ist sicherlich ein Thema, über das man sprechen muss, ein gesellschaftliches Thema und nicht nur ein juristisches.
Sprecher 2: Also was man weiß, ist, dass es ein Fanforum gab, wo eine gewisse Casting-Direktorin, eine russische Mitarbeiterin dieser Produktion offenbar, dann Frauen gecastet hat, dass sie doch zu dieser Backstage-Party kommen sollen. Und an einer anderen Gruppe wurde ihnen dann gesagt, was sie anziehen sollen. Also das ist alles schon nicht ganz... Irrelevant, was da passiert ist, aber du hast ja mit der Autorin gesprochen. Lass uns nochmal kurz in den Rammsteinfall direkt mit der reingehen, die dieses Buch heute Abend vorstellt.
Sprecher 3: Mit Lena Kampf. Sie ist Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung und Autorin des Buches Row Zero. Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie, das sie zusammen mit Daniel Dreper geschrieben hat und das heute erscheint. Toll, dass du bei uns bist. Hallo Lena.
Sprecher 5: Danke für die Einladung.
Sprecher 3: Lena, ist das ein Einzelfall, über den besonders viel gesprochen wurde oder habt ihr Strukturen in der Musikindustrie erkannt?
Sprecher 5: Wir haben mit 200 Personen gesprochen, die in der deutschen Musikindustrie arbeiten und die beschreiben schon, dass es definitiv, also wie gesagt, ein krasser Auswuchs, aber relativ normal ist, dass so ein sogenanntes Girlscouting, stattfindet bei Konzerten. Also da ist auch Genre unabhängig. Und das passiert natürlich immer in einem problematischen Machtverhältnis zu einer sehr bekannten Person und Fans, die die Person anhimmeln. Und da ist es auch schon so, dass die Musikbranche schon lange sich mit dieser Frage auch beschäftigt. Wollen wir überhaupt noch Fans Backstage lassen? Da ist es schon so, dass diese Branche, das haben wir festgestellt, Es berichten uns Leute, die dort arbeiten, schon noch sehr geprägt ist von diesem Mythos Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Das setzt sich natürlich hinter der Bühne auch fort. Da hängen einfach sehr, sehr viele Jobs dran und da sind die Abhängigkeiten wahnsinnig groß, sodass es da grundsätzlich schwerfällt, Grenzen zu ziehen.
Sprecher 3: Jetzt wurde ja aber Till Lindemann nicht verurteilt. Es gab ein Ermittlungsverfahren, das eingestellt wurde, weil am Ende nicht genug Frauen eine Aussage gemacht haben. Und da sprachen dann viele von einem Freispruch für Till Lindemann, davon, dass er zu Unrecht verdächtigt wurde. Ist das Strafrecht da der richtige Weg oder war vielleicht die Medienberichterstattung, musst du jetzt selbstkritisch auf dein eigenes Tun schauen und sagen, seid ihr da vielleicht am Anfang zu weit gegangen?
Sprecher 5: Wir haben uns in der Berichterstattung sehr stark auf das sogenannte Castingsystem beschränkt, was ein System des Machtmissbrauchs ist, aus unserer Sicht aber überhaupt nicht strafrechtlich relevant. In diesem System, da gibt es mehrere Frauen, die uns gegenüber... Beschrieben haben, wie sie sozusagen da reingeraten sind, wie sie auch da vielleicht auch unter Druck gesetzt wurden von den Helferinnen und Helfern. Das, was Ihnen da passiert ist, für sich als sexuelle Übergriffe, Wir haben uns sehr eng an die Schilderung der Frauen gehalten und natürlich aus unserer Sicht ausgewogen berichtet und auch entlastend das natürlich immer mitberichtet, nämlich, dass es sehr viele Frauen gab, die da sehr gerne hingegangen sind, die da Spaß hatten und die da auch irgendwie unversehrt wieder rausgekommen sind. Was wir in der Recherche für das Buch festgestellt haben, ist, dass viele dieser MeToo-Vorwürfe ebenso auf der Schwelle sind. Die sind im Bereich, wo eben das Strafrecht vielleicht gar nicht unbedingt die Schwelle ist, die sie erreichen. Und es gibt immer noch sehr, sehr viele Frauen, die große Vorurteile haben und große Sorgen, sich überhaupt den Ermittlungsbehörden zuzuwenden.
Sprecher 3: Und umgekehrt gibt es natürlich dann auch diejenigen, die sich jetzt schützend vor die Männer stellen und sagen, da bleibt eben auch immer was kleben. Selbst wenn es am Ende keine Beweise gibt für ein strafrechtlich relevantes Verhalten, wird man immer sagen, ach der vergewaltiger Lindemann, ach der Kevin Spacey und wie sie alle heißen. Ist das nicht auch eine Gefahr, die man zumindest berücksichtigen muss?
Sprecher 5: Wir suchen immer das Gespräch auch natürlich mit denjenigen, gegen die die Vorwürfe erhoben werden. Leider wird selten von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Aber ich glaube, dass wir insgesamt noch als Gesellschaft lernen müssen, mit diesen Vorwürfen besser umzugehen. Es ist extrem schnell sehr polarisiert gewesen, gerade die Debatte um Lindemann, aber auch in den anderen Fällen. Und ich habe das Gefühl, dass wir... Eben weil es oft die Schwelle des Strafrechts nicht erreicht. uns als Gesellschaft noch besser im Zuhören üben müssen.
Sprecher 3: Vielen Dank, Lena.
Sprecher 5: Sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung.
Sprecher 3: Einerseits müssen wir Medien, Michael, auch aufpassen mit Vorverurteilung, eben weil für immer was kleben bleibt. Und andererseits muss man über diesen Machtmissbrauch, über diese Systeme sprechen, die es ja in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen gibt. Das Ganze fing an vor einigen Jahren, MeToo am Fall Rainer Brüderle, darüber könnten wir jetzt wahrscheinlich streiten. Aber insbesondere gab es natürlich auch eine weitere Welle, in der das ganze Publikum wurde, am Fall Weinstein, der amerikanische Filmproduzent.
Sprecher 2: Ja, und bei Weinstein ist es ja so, zwar wurde ein Urteil gerade wieder aufgehoben, da gibt es juristische Verfahrensprobleme, warum das Urteil wieder aufgehoben wurde. Inhaltlich ist das ziemlich klar. Es gab die Schauspielerin Rose McGowan, die in ihrem Buch Harvey Weinstein, der damals mächtigste Mann Hollywoods, gesagt, klar gesagt hat, er habe sie vergewaltigt. Und dann kamen plötzlich hunderte Frauen, die sich hinter sie gestellt haben. Und das war dann natürlich ziemlich deutlich. Unter ihnen waren Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Salma Hayek. Also insofern ist das, glaube ich, eine der relevantesten Aufklärungsgeschichten, die da die Washington Post-Kollegin dann auch aufgetragen hat. Dürfen wir denn erst berichten, wenn das Urteil steht? Oder weil so lange die Unschuldsvermutung gilt?
Sprecher 3: Nein, natürlich nicht. Das wäre ja eine wirklich übermäßige Beschneidung des Presserechts, wenn man erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung berichten dürfte. Aber natürlich müssen sich die Medienvertreter an die Regeln der Verdachtsberichterstattung halten. Sie dürfen also nicht vorverurteilen. Sie dürfen nicht Tatsachen als Tatsachen darstellen, die nicht wahr sind. noch gar keine sind, sondern man muss eben sagen, der Angeklagte oder der Verdächtige oder mutmaßlich, weil, und das ist auch aus guten Gründen, weil die Unschuldsvermutung eben in Deutschland gilt.
Sprecher 2: Aber das ist natürlich das große Problem, Helene, wenn wir mutmaßlich schreiben, wenn wir vermeintlich schreiben, aber es trotzdem schreiben, ist der Social-Media-Mob natürlich längst los und du kriegst ihn eigentlich gar nicht mehr einkassiert.
Sprecher 3: Ja, richtig. Und es gibt natürlich auch die Fälle in Amerika, zum Beispiel Fall Kevin Spacey. Bevor es überhaupt zu einem ersten Verfahren gab, war der Mann im Grunde genommen öffentlich tot, wurde aus der Produktion von House of Cards dann rausgenommen. Das muss man alles im Kopf behalten, was das auch für die Menschen bedeutet. Und deswegen ist natürlich das Problem in dem Moment, in dem Medien darüber berichten, ist das Ding in der Welt. Und die Wahrheit ist auch, dass über einen Freispruch oder die Einstellung des Verfahrens die Meldungen in der Regel sehr viel schmaler aussehen und meistens nicht auf Seite 1 stehen.
Sprecher 2: Ja, und der Anwalt von Till Lindemann, also zurück zu Rammstein, der heißt Christian Scherz und der hat jüngst in einer Doku mal gesagt, warum er nicht nur dieses Mandat angenommen hat, sondern auch, welche Fehler die Medien aus seiner Sicht gemacht haben. Hören wir kurz rein.
Sprecher 6: Es bleibt immer etwas hängen. Und wenn ein Mensch erstmal einem medialen Tsunami oder einer öffentlichen Stigmatisierung ausgesetzt ist, kommt er davon eigentlich nie wieder weg. Und bei dem einen führt es zu endgültigen Zerstörung eines Lebensentwurfs als Arzt oder Operndirektor. Ich habe keine Ahnung. Was noch? Bei anderen, die halten das irgendwie aus und kommen wieder hoch. Aber da frage ich mich wirklich, Ist den beteiligten Journalistinnen nicht immer bewusst, was sie eigentlich mit den Leuten anrichten, was sie da machen?
Sprecher 3: Ja, Michael, das ist ja natürlich auch ein Appell an uns. Aber man darf natürlich auch die Medien nicht in Bausch und Bogen verdammen. Sie sind es am Ende auch, die über diese Machtsysteme, über diesen Machtmissbrauch berichtet haben, die es öffentlich gemacht haben, die die Möglichkeit auch gegeben haben, dagegen anzuarbeiten, dagegen vorzugehen. Und das eben auch oft, siehe jetzt Kampf und Trepper, sehr ausgewogen tun und auch mit der größten und gebotenen Zurückhaltung.
Sprecher 6: Journalismus ist eben Handwerk. Wenn wir uns dran halten, dann kann eigentlich nicht viel schief gehen.
Sprecher 2: Dieser Konzern, und man kann es gar nicht anders sagen, ist wirklich krass. Weltweit gibt es pro Tag rund 8 Milliarden Suchanfragen. Google, die Suchmaschinenmaschine, muss man sagen, ist mit einem Anteil von 82% an allen Website-Views Ende 2023 der unangefochtene Marktführer im Internet. Der Umsatz lag 2023 weltweit bei über 300 Milliarden US-Dollar. Ein Konzern, der es in sich hat. Und jetzt kommt auch noch die künstliche Intelligenz dazu. Dass Google dabei mitspielen will und mit seiner Fähigkeit, mit seinem Potenzial und vor allen Dingen mit seinen Finanzen diesen Markt nicht nur links oder rechts kleineren Unternehmen wie Aleph Alphal überlassen will, das ist selbstverständlich. Vergangene Woche auf der Wirtschaftskonferenz Neudenken auf Mallorca, Table Briefings war Medienpartner, habe ich über die KI und was Google mit ihr vorhat mit Philipp Justus gesprochen. Er ist der Deutschlandchef von Google und der Vice President Central Europe. Los geht's. Einen schönen guten Tag, Herr Justus.
Sprecher 7: Hallo, grüß Sie, Herr Brücker.
Sprecher 2: Herr Justus, KI, ist das jetzt die große Erlösung, weil man all diese nervigen Arbeiten endlich abschaffen kann, die man nicht mehr machen wollte? Oder ist das eigentlich die Bedrohung, weil wir irgendwie doch alle überflüssig werden?
Sprecher 7: Ich glaube, KI ist das große spannende Thema, das uns alle bewegt als Unternehmen. natürlich, aber auch uns als Anwenderinnen und Anwender von Technologie natürlich begeistert. Also wir sehen das, wenn wir auf Google Trends gucken, wonach die Menschen so suchen. Da ist das Thema KI geradezu explodiert.
Sprecher 2: Seit wann? Seit ein paar Monaten?
Sprecher 7: Seit 18 Monaten ungefähr.
Sprecher 2: Interessant eigentlich. Kam es alles mit Chat-GPT?
Sprecher 7: Also das hat sicher dazu beigetragen, dass KI auch in die Hand von vielen Nutzern zum ersten Mal bewusst gekommen ist. Ich meine, KI ist in vielen Produkten drin, die wir jeden Tag nutzen, ohne viel darüber nachzudenken. Aber mit ChatGPT und mit anderen Chatprogrammen ist dann einfach ein Zugang gekommen, wo plötzlich man merkt, ich spreche hier mit einer KI und die gibt mir auch eine Antwort. Und das ist schon ein besonderer Moment.
Sprecher 2: Google war ja eigentlich sehr früh da. 2001, die erste Rechtschreibprüfung ist eigentlich eine KI-Anwendung und trotzdem ist das Thema erst richtig mit dem Chatbot ChatGPT gekommen, der nicht von euch kommt. Habt ihr das verschlafen, das Thema?
Sprecher 7: Das Thema ist tatsächlich in vielen Produkten ganz lange drin und nicht nur in der Richtschreibprüfung. Google Translate ist ein gutes Beispiel. Das funktioniert überhaupt nur mit maschinellem Lernen und jetzt mit KI in über 100 Sprachen, hoffentlich bald in bis zu 1000 Sprachen. Aber ganz viel von der KI passiert so, dass man das als Nutzer gar nicht direkt sieht. Und das ist auch gut so. Die Technologie soll sich ein bisschen im Hintergrund halten und der Nutzungsanfall soll einfach bequemer werden. Ich nehme mal das Beispiel der Google-Suche. Da steckt seit 20 Jahren KI drin in der Art und Weise, wie Suchergebnisse gerankt werden. Also wenn ich nach einem Suchbegriff suche, muss ich natürlich irgendwie Millionen Webseiten in eine Reihenfolge bringen. Alles KI-basiert. Das denken wir nur im Alltag nicht so viel drüber nach. Jetzt ist natürlich interessant, dass es Chatbots gibt. Wir arbeiten auch seit langem daran. Wir haben unsere eigene Generation von Chatbots unter dem Namen Gemini. Gibt es unsere KI-Modelle? Die können nicht nur Textfragen und Antworten geben, sondern auch Bilder verarbeiten, Videos bearbeiten oder zum Beispiel Computercode generieren. Also das ist ganz spannend, was sich da tut.
Sprecher 2: Was uns ja Sorge macht, ist nicht der Algorithmus, der auch eine KI vielleicht immer war, sondern dass die KI selber lernen kann, dass sie immer besser wird, je mehr Daten man ihr zuspeist und dass sie selbst kreativ werden kann. Ist das nicht etwas, was Sie sogar sorgt, dass diese Technologie irgendwann sich verselbstständigt?
Sprecher 7: Ich glaube, man muss von vornherein, wenn man KI-basierte Anwendungen entwickelt, eine Reihe von Prinzipien haben, nach denen man das tut. Wir haben solche KI-Prinzipien seit 2018, die genau sagen, ich muss von Anfang an verstehen, was die KI tut. Ich muss da auch Grenzen einbauen. Ich muss sozusagen sicherstellen, dass sie sinnvolle und nützliche Dinge tut und nicht plötzlich mir links oder rechts wegläuft. Und ebenso wie man das für Datenschutz und Datensicherheit seit vielen Jahren, sicherlich die meisten Unternehmen tun, braucht man solche Prinzipien jetzt auch für die KI-Entwicklung. Das kann ich auch nur jedem Unternehmen empfehlen, was selbst KI entwickelt, frühzeitig zu sagen, AI Safety by Design, sozusagen, was sind die Mechanismen, die ich einbaue, damit meine KI genau das tut, was ich will.
Sprecher 2: Das wollen wir gleich nochmal wissen, was die eigentlich unternehmen. Wir hatten nochmal einmal zu. Zu Google selbst. Ihr habt ja auch eine Abteilung oder eine Unterfirma, die Google DeepMind heißt, die sich damit beschäftigt. Geben Sie uns mal einen Einblick in diesen Maschinenraum von Google. Was sind die KI-Anwendungen, an denen Sie gerade forschen?
Sprecher 7: Also Google DeepMind macht wahnsinnig spannende Sachen, gerade im wissenschaftlichen Bereich, die dann die Grundlage für die Anwendung in Produkten von Google werden. Im wissenschaftlichen Bereich haben wir vor einigen Jahren AlphaFold als Algorithmus entwickelt. Und AlphaFold ist ein Algorithmus, der vorhersagt, wie eigentlich Proteine aussehen. Also stellen Sie sich vor, Sie haben die Aminosäurensequenz eines Proteins. Jetzt wollen Sie aber wissen, wie ist das eigentlich gefaltet, um zu verstehen, was das Protein macht. Das war bisher ein wahnsinnig langwieriger Prozess, der tatsächlich mehrere Jahre Forschungszeit in Anspruch nehmen konnte, um ein einziges Protein zu verstehen. So Google DeepMind hat inzwischen vor drei Jahren... Anhand von einem neuen Algorithmus es geschafft, für 200 Millionen solcher Proteine die Prognose zu treffen, wie die eigentlich aussehen und wie die gefaltet sind. Und das ist ein bahnbrechender Durchbruch.
Sprecher 2: Für die Medizintechnologie am Ende, für die Gesundheit.
Sprecher 7: Genau, für Gesundheitsforschung, für die Biologie ist das sozusagen das große Thema. Wir haben jetzt 1,8 Millionen Forscherinnen und Forscher, die bereits die Anwendung nutzen. Da gibt es nämlich in der öffentlich publizierten Datenbank, wo man all diese Moleküle, all diese Proteine nachschauen kann. Das ist so ein Anwendungsfeld. Das zweite, was Google DeepMind entwickelt, sind die Modelle von Google. Also Gemini zum Beispiel, das große KI. AI-Modell, über das ich gerade sprach, das also Bilder, Videos, Text verarbeiten kann, das hat Google DeepMind entwickelt. Und da ist dann immer der nächste Schritt, das in alle Produkte von Google einzubauen.
Sprecher 2: Geben Sie uns mal ein Beispiel aus dem Alltag. Nicht die große Medizinforschung, nicht die Krebsforschung, wo ja auch schon KI-Algorithmen offenbar mögliches Krebszellenwachstum berechnen sollen. Das klingt alles sehr spannend. Aber wo kann im Alltag die KI richtig nützlich sein und dadurch vielleicht auch Ängste bei den normalen Menschen abbauen und wirklich praktikable Nutzen stiften?
Sprecher 7: Google Maps würde ich als Beispiel nennen. Wenn ich in Google Maps suche, wie komme ich eigentlich aus der Frankfurter Innenstadt nach Köln, dann kann ich verschiedene Wege angezeigt bekommen über Google Maps, konnte ich schon immer. Die beste Route zu finden, ist ein KI-Problem. Wir haben jetzt über KI, über ein neues Modell auch die am... Umweltfreundlichsten ausgegebene Route dazu.
Sprecher 2: Also die mit einer grünen Welle.
Sprecher 7: Spritsparend, CO2-minimierend, je nachdem, was Sie für ein Fahrzeug fahren. Also Sie können sich anzeigen lassen, was ist die CO2-minimierende Route. Das funktioniert nur mit KI. Und solche Anwendungen führen tatsächlich dazu, dass wir mit jeder Entscheidung, die wir so treffen, im Alltag auch in diesem Fall Energie sparen können.
Sprecher 2: Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ausgerechnet, das wirtschaftliche Potenzial von KI bei der Wertschöpfung liegt bei 300 Milliarden Euro. Zugleich ging es auch um eine Arbeitsersparnis von 100 Stunden pro Jahr, 100 Arbeitsstunden pro Jahr, die durch die KI ersetzt werden könnte. Was raten Sie Unternehmen, die nicht aus der KI-Welt, aus der KI-Denke kommen, wie man sich mit diesem Thema auseinandersetzt? was befassen sollte.
Sprecher 7: Ja, diese Studie des Instituts für Wirtschaft ist wahnsinnig spannend, weil sie im Grunde sagt, dieses Potenzial, was vor uns liegt, kann dann gehoben werden, wenn mindestens jedes zweite Unternehmen in Deutschland KI auch wirklich aktiv einsetzt und anwendet. Heute ist es aber nur jedes sechste Unternehmen. Das heißt, wir reden von einem großen Sprung, den wir tun müssen, in der Bereitschaft von Unternehmen, generative KI und überhaupt KI einzusetzen. Was rate ich den Unternehmen? Experimentieren. Anwendungsfelder suchen, in denen KI eine Rolle spielen könnte. Erstmal klein anfangen und die Produktivitätsmöglichkeiten suchen, denn die sind typischerweise die einfachsten. Also wo kann ich Arbeitsabläufe vereinfachen? Wo kann ich Arbeitszeit rausnehmen, die ich wieder einsetzen kann? Dann im ganz kreativen Bereich, Bilderstellung, Texterstellung, im ganzen Marketingbereich kann ich natürlich auch KI einsetzen. Und da gibt es Felder, die sich unmittelbar aufdrängen und die auch, glaube ich, nicht so kompliziert sind.
Sprecher 2: In Europa oder in Deutschland ist das einzige KI-Startup, das in Unicorn-Nähe kommt oder Unicorn ist DeepL, ein Translator, nicht Google Translate.
Sprecher 7: Nein, DeepL ist super. Ich freue mich darüber.
Sprecher 2: Kaufen Sie die jetzt auf oder wie ist die Logik im Markt?
Sprecher 7: Ein herzlichen Glückwunsch an DeepL erstmal zu einer tollen Finanzierungsrunde. Die machen einen super Job und das seit vielen Jahren. Das beobachten wir natürlich genau. Wir glauben, Google Translate ist auch ganz gut dabei und der Wettbewerb beflügelt sich ja beide Seiten, oder? Also ich glaube, wir haben auch gesehen, dass DeepL bestimmte Dinge gut kann und das führt dazu, dass wir auch nochmal nachlegen.
Sprecher 2: Bewerb für Google.
Sprecher 7: Unbedingt.
Sprecher 2: Die KI-Act der Europäischen Union gilt als das erste Regulierungsvorhaben weltweit beim Thema AI. Die europäischen Bürokraten, ich sage es mal etwas despektierlich, sind sehr stolz darauf. Ist es richtig und wegweisend oder ist es bürokratisch vorauseilend und vielleicht sogar schädlich bei der KI-Forschung in Europa?
Sprecher 7: Ich glaube, es ist richtig, dass wir uns jetzt Gedanken machen, wie KI eigentlich reguliert werden sollte. Denn KI als Thema ist zu wichtig, um es nicht zu regulieren. Und gleichzeitig gilt aber auch, KI als Thema ist so wichtig, dass wir es gut regulieren sollten, sprich nicht zu kompliziert, sodass Unternehmen es anwenden und verstehen können. Als großes Unternehmen, würde ich jetzt mal sagen, können wir bei Google mit solchen Gesetzen umgehen und verstehen, wie wir sie implementieren. Aber denken Sie mal an das nächste Startup, was gerade gegründet wird. Wenn dort das Startup-Team sich als erstes mit mehreren hundert Seiten KI-Regulierung beschäftigen muss, ist das schon schwierig. Also unser Rat in diesem Prozess war, ja, KI regulieren, möglichst einfach, sodass möglichst viele Unternehmen nicht überfordert werden damit. Und es risikobasiert tun. Was heißt das? Man sollte KI nicht als Ganzes regulieren, sondern die Anwendungsfelder von KI. Und zwar getrennt danach, wie risikoreich sie eingeschätzt werden. Und da ist natürlich wieder wichtig, dass nicht jeder Anwendungsfall dann ein Hochrisiko-Anwendungsfall wird, sondern dass man dann mit Augenmaß vorgeht und sagt, es gibt Anwendungen, die sind einfach, die brauchen ganz wenig Regulierung. Jetzt welche, die sind in der Tat zum Beispiel aber die mit Gesundheitsdaten oder treffen wichtige Entscheidungen und die sollten dann mehr reguliert werden.
Sprecher 2: Ist weltweit das Rennen um die großen KI-Unternehmen, und da gehört Iris natürlich dazu, ist das eins zwischen amerikanischen Großkonzernen, den großen Oligopolisten oder Monopolisten und den Chinesen? Und gibt es da eigentlich, wenn man ganz ehrlich ist, am Ende eine Winner-takes-it-all-Mentalität?
Sprecher 7: Wir sind ganz früh in diesem Rennen um KI. Und eine Botschaft, die ich hätte, ist, es ist nicht zu spät, um früh bei KI dabei zu sein. Was meine ich damit? Ich glaube, wir werden nicht nur ein paar Jahre von KI-Innovation vor uns haben, sondern wahrscheinlich Jahrzehnte, die uns technologische Durchbrüche in vielen Bereichen geben. Und wir stehen in Deutschland gut da. Wir haben starke industrielle Unternehmen, die verfügen über enorme Datenschätze, mit denen sich viel anfangen lässt. Und da sollten wir nicht sozusagen uns zurücklehnen und sagen, dieses Race werden andere machen. Ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland mit Mut und Entschlossenheit und kraftvoll die Chancen der Karriere greifen.
Sprecher 2: Geht das mit dem europäischen Datenschutz?
Sprecher 7: Unbedingt. Ich glaube, man muss die Anwendung so bauen und den Datenschutz berücksichtigen. Das müssen wir natürlich auch. In allen Produkten, die wir in Europa anbieten, müssen wir uns genauso an den Datenschutz halten wie europäische Unternehmen. Also das geht schon. Ist es einfach? Nein, aber man kriegt das hin.
Sprecher 2: Herr Justus, vielen Dank.
Sprecher 7: Danke Ihnen.
Sprecher 2: 1,2 Millionen Kinder, so sagt es die UNO, leiden unter Mangelernährung in Afrika. Es ist immer noch ein wachsendes Problem, gerade in einzelnen Regionen, wie zum Beispiel in Äthiopien. Die Dürre ist natürlich schuld. Nahrungsmittelunsicherheit und andere Krisen haben sie immer wieder befördert. Jetzt hat die UNICEF, das Kinderhilfswerk im Norden des Landes Äthiopien, eine kleine, immerhin einen kleinen Lösungsansatz entwickelt, der nicht nur sehr effizient scheint, sondern auch ökologisch nachhaltig ist. Es handelt sich um hydroponischen Gemüseanbau. Die Idee dahinter scheint ziemlich einfach zu sein. Normalerweise braucht man beim Anbau ja Wasser, Regen oder Bewässerung. Aber der hydroponische Anbau, der braucht ganz, ganz wenig Wasser. Ein kleines Projekt, das immerhin im Norden Äthiopiens für gesunde, zuverlässige Nahrung auch ohne Wasser sorgt. Vielleicht schauen wir in diese Orte dieses Kontinents mal ein bisschen genauer hin, um uns vielleicht auch innovative Ideen an anderen Stellen dieser Welt zu überlegen. In diesem Sinne, ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Dienstag. Bleiben Sie Table Today gewogen. Gehen Sie doch einfach mal in Ihre App. Geben Sie uns ein oder zwei oder drei oder am besten fünf Sternchen. Abonnieren Sie unseren Kanal. Leiten Sie uns weiter. Wir freuen uns, wenn Sie auch morgen wieder bei uns sind. In diesem Sinne, Ihr Michael Bröker.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.