Wird die EM ein neues Sommermärchen, Herr Horeni?
Michael Horeni hat 15 Europa- und Weltmeisterschaften beobachtet und kennt die Fußball-Nationalmannschaft wie kaum ein anderer. Der langjährige FAZ-Sportjournalist ist unser EM-Kolumnist. In Table Today erklärt er, wie die Chancen der deutschen Mannschaft stehen und was das Ganze mit Leverkusen zu tun hat.
- Tischgespräch: Wie der Kanzler Huawei im deutschen 5-Netz gewähren lässt.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die Sonne scheint über Berlin und noch viel sonniger ist es natürlich da, wo sich Michael Bröker befindet, nämlich, Sie glauben es nicht, auf Mallorca. Gestern Abend haben tatsächlich Freddy Bobic und Jürgen Klopp neben ihm Platz genommen. Hallo Michael.
Sprecher 3: Hallo liebe Helene, schöne Grüße von Mallorca.
Sprecher 2: Was hast du da mit diesen Sportsfreunden gemacht?
Sprecher 3: Ja, das war der Auftakt der Wirtschaftskonferenz Neudenken, die heute und morgen, also Freitag und Samstag stattfindet. Und das ging sportpolitisch los. Aber heute geht es vor allem um Wirtschaftspolitik, um Europa. Morgen geht es um KI, künstliche Intelligenz in der Industrie. Wir sind Partner, wir sind Medienpartner. Im Berlin-Table war das zu sehen. Und es sind spannende Gäste da, unter anderem der Vizepräsident von Google, der CEO von der Otto Group oder auch Politiker wie Thomas de Maizière, der ehemalige Innenminister und der persönliche Berater von Christian Lindner, Lars Feld. Gestern Abend ging es allerdings mal ausnahmsweise nur um Fußball, um Sport, um die EM. Freddy Bobic war da, Jürgen Klopp war da, der hier um die Ecke gerade ein Haus baut. Und Oliver Bierhoff, der ehemalige Nationalmannschaftsmanager, war da. Zwei Europameister 96. Helene, also ein gutes Omen für diese EM.
Sprecher 2: Ein gutes Oben für diese EM, ein gutes Oben für diese Sendung, denn auch wir haben den Sport heute im Zentrum. Zu unserem Tischgespräch kommt gleich Michael Horeni, Sportjournalist. Er hat 15 Europameisterschaften und Weltmeisterschaften in den vergangenen Jahren begleitet, war lange Zeit, wie ich auch, aber noch ein bisschen länger für die FAZ tätig und ist jetzt unser EM-Kolumnist für diese Europameisterschaft bei Table Media. Darüber freuen wir uns sehr und genauso wie auf das Gespräch, das Michael gleich mit ihm führen wird.
Sprecher 4: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft und hat dafür einen Ausschuss gebildet.
Sprecher 5: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen. Damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt. Ihr Verband der chemischen Industrie.
Sprecher 2: Ja, Michael, wir müssen aber reden über das, was gestern im Kanzleramt war, von einem Showdown war im Vorfeld die Rede. Es geht um 5G und natürlich insbesondere um den chinesischen Einfluss. Also um die Frage, welche Rolle sollen eigentlich die chinesischen Telekommunikationsunternehmen Huawei und ZTE im deutschen Netz spielen? Sollen sie verboten werden? Oder ist es für den schnellen Netzausbau, wie man damals in der Regierung Merkel meinte, eben unerlässlich, dass sie dabei sind? Die Frage ist, haben wir eine Zeitenwende auch gegenüber China? Ja oder nein? Was ist deine Bilanz des Gipfels im Kanzleramt?
Sprecher 3: Ja, Helene, formal haben wir sie ja längst eigentlich beschlossen in der Bundesregierung, aber ich glaube auch in der Gesellschaft, nämlich De-Risking ist angesagt. Und wenn De-Risking ernst gemeint wird, dann muss man diese technologischen Komponenten, die Abhängigkeit unseres 5G-Netzes von einem chinesischen Anbieter, nämlich Huawei, der offensichtlich und nachweislich mit der chinesischen Staatspartei zusammenarbeitet, muss man dann beenden. Die Amerikaner haben das 2022 bereits ganz klar gemacht. Ich weiß gar nicht, warum wir so lange darüber diskutieren.
Sprecher 2: Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass die Amerikaner eigene Interessen haben. Sie haben nämlich Cisco, eine Firma, die selber in der Lage ist, das 5G-Netz auszubauen und zu bespielen. Und das Traurige ist ja, dass Deutschland, das Land der Ingenieure, dafür nach wie vor keine Kompetenz hat. Wir haben kein deutsches Unternehmen, das in der Lage ist, ein 5G-Netz aufzubauen. Und in Europa gibt es überhaupt nur zwei Unternehmen, die das können, nämlich NU. Nokia und Ericsson. Und das ist vergleichsweise teuer. Deswegen hat ja die alte Bundesregierung immer wieder, auch insbesondere Peter Altmaier, gesagt, nein, wir brauchen die Chinesen für den schnellen Ausbau des Netzes. Also damals hieß es, Digitalisierung ist wichtiger als Sicherheit. Das hat sich geändert. Aber die Frage ist ja, wie nachhaltig hat es sich eigentlich geändert?
Sprecher 3: Ja, wir sind zu langsam, Elene. Du hast ja recht. Ich muss ja gar nicht mit Amerikanern deswegen zusammenarbeiten. Nokia, du hast ihn genannt. Es gibt Chip-Giganten, TSMC und Samsung, die ihre Werke, ihre Produktion ja jetzt auch in europäische Standorte verlagern, weil wir doch ja alle sehen, wir brauchen diese technologische Souveränität. Wir hätten da frühzeitiger auch schon investieren sollen in mögliche Konkurrenzprodukte oder eben eigene Technologien aufbauen. Aber ich glaube, die Zusammenarbeit mit Huawei, und da gab es leider ja gestern keine finale Entscheidung im Kanzleramt mit den beteiligten Ministern, die fehlt noch und die sollte klar ausfallen.
Sprecher 2: Es war natürlich auch rückblickend ein Fehler, dass Siemens diese Sparte, die es ja mal hatte, verkauft hat. Es wäre sicherlich nicht unmöglich, 5G made in Germany zu haben. Jetzt gibt es gewisse Hoffnungen, dass zumindest 6G in europäischer Hand ist. Dass wir hier das, was unter dem Stichwort digitale Souveränität diskutiert wird, dass das auch irgendwann kommt. Wir werden es sehen. Und in der Tat, das Ergebnis ist eher dürftig. Es bleibt im Wesentlichen, wie es ist, und zwar im Kernnetz, dem Netz mit den Backbones, wo besonders sensible Informationen kursieren, was besonders anfällig ist für Spionage und Sabotage. Da sind die Anforderungen schärfer. Da soll künftig überhaupt kein Huawei mehr verbaut werden. Und im Antennenzugangsnetz der sogenannten Peripherie, was eben nicht ganz so gefahrträchtig ist, da sind die Voraussetzungen etwas laxer. Und da sollen die Betreiber noch mehr Zeit haben, nämlich bis 2029 keine Huawei-Hardware mehr zu verbauen. Wir werden gucken, wie realistisch das alles ist. Das hängt natürlich auch davon ab, wie die anderen Telekommunikationskonzerne dieser Welt nachrüsten. Diese Themen wollen wir jetzt vertiefen mit Finn Mayer-Kukuk, unserem China-Table-Ressortleiter, der wie kein anderer weiß, wie die chinesischen Unternehmen mit der KP, mit der Kommunistischen Partei Chinas kooperieren und was da zu befürchten ist.
Sprecher 6: Hallo Helena.
Sprecher 2: Aus dem Kernnetz Finn sind ja die chinesischen Bestandteile schon ausgebaut worden und werden auch künftig nicht mehr verbaut. Das darf auch nicht mehr passieren. Aber im Zugangsnetz sind sie noch enthalten, insbesondere in Form von Antennen. Wie gefährlich ist das?
Sprecher 6: Akut ist das nicht gefährlich, weil solange kein Konflikt mit China besteht, gibt es auch kein Problem. Es ist mehr so, dass 5G ja nicht eine beliebige Technologie ist. 5G ist der Mobilfunkstandard, der das Internet der Dinge verbindet. Selbstfahrende Autos können sich darüber absprechen, wie sie dem Radfahrer an der Kreuzung ausweichen, den das eine Auto vielleicht schon sieht, das andere nicht. Ärzte können auf Daten von Herzschrittmachern zugreifen in einer Zukunft, wo die Dinge noch sehr viel mehr vernetzt sind als heute. Siemens-Fabriken, da sprechen sich die... Roboter untereinander über 5G ab. Und den Schlüssel zu so einer wichtigen Technik, einer fremden und rivalisierenden Macht zu geben, ist einfach nicht schlau, auch wenn akut keine Gefahr besteht.
Sprecher 2: Ich war vor einigen Jahren mal bei einer Veranstaltung von Huawei in Berlin und da wurde gesagt, es gibt schlicht keinen Beweis von jeglichen Versuchen, von irgendwelchen Versuchen von Sabotage oder Spionage, es war einfach Schlechtrednerei eines Konkurrenten und man habe eine absolut weiße Weste und im Übrigen arbeite man mit der chinesischen Regierung auch gar nicht zusammen. Was ist von solchen Verlautbarungen zu halten?
Sprecher 6: Alle diese Punkte sind richtig und trotzdem an der geopolitischen Realität vorbei. Ja, Huawei ist ein reines privates Unternehmen, in Privathand, kein Staatsbetrieb. Und ja, bisher hat noch niemand die Smoking Gun, den rauchenden Colt gefunden. Die eine Codezeile, die es auf Befehl aus Peking ermöglicht, das deutsche Netz abzuschalten. Aber im Gesamtbild ist es ja so, dass man solche Technologien vielleicht selber können möchte. Und deswegen ist es viel schlauer, so etwas von europäischen Anbietern machen zu lassen. Außerdem brauchen Mobilfunknetze genauso wie alle anderen Computer, wie dein Handy, wie mein PC hier, brauchen ständig Updates. Und wenn es zum Konflikt mit China käme, dann würde China keine neuen Versionen der nötigen Software mehr an die Telekom liefern. Ohne Updates veraltet die Technik sehr schnell. Das hat man dann auch zum Beispiel im Umgekehrten. Wir hatten einen Fall gesehen, als die USA China von Android-Technik, von Google-Technologie abgeschnitten haben. Die Huawei-Handys konnten ab einem bestimmten Punkt keine neuen Google-Betriebssysteme mehr bekommen und sahen plötzlich sehr alt aus.
Sprecher 2: Letzte Frage, Finn. Der Kompromiss, den die Bundesregierung gefunden hat, einerseits de-risking, aber andererseits auch keine vollständige Abkopplung von Huawei im deutschen Netz, ist das vernünftig?
Sprecher 6: Ich finde ihn eigentlich gut. Das ist so ein Zeichen, wie die Abwägung zwischen Extrempositionen dann auch eine ganz vernünftige Kompromissposition erzeugen kann. Es ist ja so, wir verlangen von den Chinesen immer, sie sollen den eigenen Markt für deutsche Produkte offen halten, weil deutsche Unternehmen ja so abhängig sind vom China-Geschäft. Außerdem wollen wir, dass die Chinesen uns weiterhin die Sachen liefern, die wir brauchen, um unsere Wirtschaft am Laufen zu erhalten. Das ist ein misslicher Zustand. Das ist sicherlich nicht ideal, aber es ist die Realität, mit der wir leben. Und jetzt ohne eine triftige Begründung, ohne dass die Smoking Gun auf dem Tisch liegt, Huawei einfach zu verbieten, das wäre ein Schritt, der halt eine sehr gute Begründung bräuchte. Ein hohes Risiko, ein akutes Risiko würde so etwas sicherlich rechtfertigen, aber das akute Risiko ist halt nicht gegeben. Und die nächste Mobilfunkgeneration, 6G, die steht vor der Tür. Ende des Jahrzehnts ungefähr wird es soweit sein, dass 5G der veraltete Standard von gestern ist. 6G-Ausbau, dann kann man schlicht und ergreifend auf Huawei verzichten. Dazu ist kein Verbot nötig, sondern nur eine Bevorzugung europäischer Anbieter. Und dann passiert der Wechsel von der einen Technologie zur anderen komplett organisch.
Sprecher 2: Ja, dann hoffen wir mal, dass tatsächlich dann deutsche oder jedenfalls europäische Unternehmen ganz vorne mit dabei sind. Und wir hoffen, dass nicht bis dahin eine Smoking Gun auftaucht und es dann möglicherweise zu spät ist. Das ist ja immer das Problem. Vielleicht hat es den Knall dann eben doch schon gegeben. Wir bleiben gemeinsam dran. Danke für deine Zeit, Finn.
Sprecher 6: Vielen Dank.
Sprecher 2: Ja, und alles Weitere lesen Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, in unserem China Table heute Morgen. Registrieren Sie sich, Sie können ihn für vier Wochen kostenlos testen und ich bin mir sicher, Sie werden danach ein schlauerer Mensch sein. And now we proudly present den Top-Sportjournalisten, Fußball-Experten und Table-Briefings-EM-Korrespondenten Michael Horeni. Er sitzt jetzt am Tisch mit Michael Bröker und spricht über die EM natürlich, die Erfolgsaussichten der Deutschen, was die Leverkusen-Achse für die Nationalmannschaft bedeutet und alles Weitere. Sie können sich darauf freuen.
Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, lieber Michael.
Sprecher 7: Einen schönen guten Tag, lieber Michael.
Sprecher 3: Michael, bist du denn selbst schon ein bisschen in EM-Stimmung?
Sprecher 7: Noch nicht ganz, muss ich sagen. Es sind ja noch drei Wochen bis zum Start. Aber durch die letzten beiden Spiele und das, was sich in der letzten Zeit noch in den Gruppmannschaften getan hat, hat sich auch meine Stimmung und meine Perspektive auf die Europameisterschaft klar verbessert. Und ich freue mich deutlich mehr darauf, als das jetzt noch vor drei oder vier Monaten der Fall war.
Sprecher 3: Ist die Stimmung besser als die Lage oder andersherum?
Sprecher 7: Also die Lage, wenn man sich die letzten Turniere anschaut, schlechter konnte die Lage eigentlich gar nicht mehr sein. Jetzt haben wir ja immerhin mal zwei Spiele gegen sehr gute Gegner gehabt, wo die Mannschaft auch zwei gute bis sehr gute Spiele gemacht hat. Das ist etwas, was es in den letzten fünf, sechs Jahren schon nicht gegeben hat. Also wir sind ja mittlerweile mit schon sehr wenig zufrieden. Es ist auf jeden Fall jetzt eine Periode. Perspektive da, dass diese Europameisterschaft deutlich besser werden kann aus sportlicher Sicht, als die letzten großen Turniere mit den Deutschen, wo es ja immer nach der Vorrunde bzw. Im Achtelfinale zu Ende gegangen war und immer berechtigterweise zu Ende gegangen war.
Sprecher 3: Dann wollen wir mal reingehen in die Analyse. Ich sprach zufällig gestern mit Freddy Bobic, dem Europameister von 1996. Und er hatte die Sorge, er war durchaus positiv gestimmt, aber die Sorge, dass Nagelsmann sein richtiges Team, also seine erste Formation, zu spät gefunden hat, als dass sie sich richtig hätte einspielen können. Am Ende waren es zwei gute Spiele in der A-Formation, aber reicht das, um ein Turnier erfolgreich zu bestreiten?
Sprecher 7: Das ist ehrlicherweise auch genau mein Punkt. Diese Veränderung hat wirklich sehr, sehr spät stattgefunden und es war ja im Grunde auch der letzte Versuch. Er hat gemerkt, dass er mit der Mannschaft, die er übernommen hatte, wo er nicht viel verändert hat, dass das keinen Erfolg bringt. Die Spiele gegen Österreich und die Türkei waren so enttäuschend, dass das Neues geschehen musste. Und Tatsache ist natürlich jetzt, dass das eine wahnsinnig kurze Vorbereitungszeit ist für die Mannschaft, dass es keine Möglichkeiten gibt zum Einspielen, die ausreichend sind. Und andere Mannschaften, man muss wachsen als Nationalmannschaft, um bei Turnieren am Ende erfolgreich sein zu können. Es wird sicher besser werden, aber das wird der Mannschaft sicher fehlen. Sie hat dann jetzt ein oder zwei Varianten, mit denen sie spielen können. Aber da ist noch nicht viel an Variationsmöglichkeiten da. Die sind sozusagen froh, wenn sie... die eine System durchbringen und da werden andere Mannschaften auch Lösungen finden im Laufe des Turniers für. Und das ist sicher, wie Freddy Bogic vollkommen zu Recht sagt, das ist eigentlich von der Vorbereitungszeit, dass die Mannschaft sich gefunden hat, dass sie sich einspielen kann, dass sie Varianten erprobt, dass sie auch mal mit Rückschlägen lernt umzugehen. All das hat es bisher nicht gegeben. Und normalerweise braucht das eben, um wirklich bei dem Turnier bis ganz nach vorne zu kommen.
Sprecher 3: Ja, du hast ja mehr als 15 Europameisterschaften und Weltmeisterschaften als FAZ-Korrespondent begleitet. Deswegen die Frage an dich. Das sind ja alles gestandene Fußballer. Das sind die Besten der Besten. Wie entscheidend ist denn, ob die auch noch miteinander fungieren können überhaupt?
Sprecher 7: Im Grunde macht das den Unterschied. Und das ist ja auch der Unterschied des Kaders. Es sind jetzt sicher bei den letzten Turnieren von den Einzelspielern bessere Einzelspieler dabei gewesen als jetzt in der Gesamtheit. Man sieht ja, Mats Hummels ist nicht dabei. Das ist ja sozusagen der prominenteste, der mitgenommen worden ist. Von der individuellen Leistungsklasse hätte man sicher sagen müssen, der gehört eigentlich dazu. Aber am Ende ist es extrem wichtig, wie eine Mannschaft in diesen vier, fünf beziehungsweise sechs Wochen miteinander harmoniert, dass jeder seine Rolle findet, dass jeder seine Rolle akzeptiert, dass dort was wachsen kann, dass dort was entstehen kann. Das ist extrem wichtig bei diesen Turnieren. Und deswegen ist es auch wichtiger, dass man eine Konzeption hat, wo man eine Mannschaft formt und einen Kader formt, mit dem man glaubt, diesen Weg aufzubauen. erfolgreich gehen zu können. Von daher halte ich die Entscheidung, die der Bundestrainer getroffen hat, jetzt absolut richtig, es so zu machen.
Sprecher 3: Entscheidend sind ja oft auch die Spieler, die bei einem Turnier, wie es so schön heißt, über sich hinaus wachsen. Man erinnert sich an Philipp Lahm oder Schweinsteiger oder Podolski 2014. Könnte eine solche... Explosion auch der Leistungsfähigkeit bei Wirtz und Musiala passieren. Hältst du das für möglich?
Sprecher 7: Ich glaube, der entscheidende Faktor werden nicht diese beiden Spieler sein. Der entscheidende Faktor wird das defensive Mittelfeld sein. Es wird der Faktor sein um Toni Kroos. Und der mit Robert Andrich zum ersten Mal aus meiner Perspektive seit der WM 2016 ein starkes, defensives, zentrales Mittelfeld bilden kann. Und sie werden auch dann die Innenverteidigung zusätzlich noch stärken mit den Innenverteidigern aus Madrid und aus Leverkusen, mit Tahar und Antonio Rüdiger, dass das ein Sicherheitszentrum wird, über das hinaus man sein Spiel aufbauen kann. Und wenn die Defensive steht, dann haben auch die Spieler vorne, die diese Möglichkeiten haben, von denen du eben gesprochen hast, über sich hinaus zu wachsen, die haben dann den Rücken frei. Und das brauchen sie auch. Ansonsten sind die Mannschaften, die so exzellente Spiele haben, wie Wirtz oder Musiala, wenn sie hinten antällig sind, dann nutzt dir das vorne relativ wenig, wenn du immer zwei oder drei Gegentore bekommst, was in der Vergangenheit ja regelmäßig der Fall war. Aber sie werden ihre Quali... dann am nutzbringendsten ausspielen können, wenn die Defensive um Toni Kroos im Mittelfeld, wenn die steht. Und da, glaube ich, wird die Mannschaft deutliche Fortschritte machen im Vergleich zu den letzten Jahren.
Sprecher 3: Michael, ich sehe schon, du kommst mit den alten Tugenden. Erstmal hinten sicher stehen. Wir erleben eine neue Achse im Nationalmannschaftsgefüge durch Tarr. Du hast ihn angesprochen, Andrich und vorne vielleicht Wirz. Also eine Leverkusen-Achse, die es so nicht gab. Wir hatten in vielen Turnieren über die Bayern-Achse gesprochen oder die Dortmund-Achse. Spielt das eine Rolle, dass zentrale Bestandteile einer Mannschaft, gerade jetzt Verteidigung, Mittelfeld und Sturm, im Verein bereits miteinander auf diesen Positionen gespielt haben?
Sprecher 7: Auf jeden Fall ist es sinnvoll, weil es gibt ja auch gar nicht mehr so viel Zeit. Das ist ja auch dieser Punkt, den wir eben schon besprochen hatten, dass dort eine Eingespieltheit notwendig ist. Wenn die aus den Vereinen kommt, ist das immer hilfreich gewesen. Und das muss man natürlich eben auch nochmal dazu sagen, wenn man kritisiert, dass der Bundestrainer seine Mannschaft jetzt eigentlich erst so spät gefunden hat. Vor einem Jahr, als er begonnen hat, war nicht absehbar, dass Bayer Leverkusen so eine Saison spielen würde und auch nicht, dass der VfB Stuttgart so eine erfolgreiche Saison spielen würde mit hochattraktivem Fußball, mit hochattraktiven Spielern. Da kommt jetzt das eine Momentum Leverkusen, das andere Momentum Stuttgart dazu und eben die Rückkehr von Toni Kroos. Das ist überhaupt nicht zu unterschätzen. Es ist nicht nur, dass wir damit einen der besten Mittelfeldspieler haben, sondern der hat auch die Fähigkeit und die Gabe, die Spiel... um ihn herum alle besser zu machen. Und das hat man in diesen letzten beiden Spielen schon sehr stark gemerkt.
Sprecher 3: Wie groß ist das Risiko, lass uns über Toni Kroos reden, dass der Mann satt ist, dass der fertig ist, dass der vielleicht nochmal ein schönes großes Turnier spielen wollte, aber eigentlich gedanklich schon im Ruhestand ist. Der ist der erfolgreichste deutsche Fußballer mit Thomas Müller zusammen, zumindest was die Trophäen betrifft. Dreimal Deutscher, viermal Spanischer Meister, aber eigentlich hat er ja auch schon alles erreicht. Er war auch schon Weltmeister.
Sprecher 7: Ich glaube, in dem Fall ist es eher das Gegenteil der Fall. Das beendet seine Karriere nach dieser Saison. Ganz klar das Ziel jetzt mit dem Europapokalfinale bzw. Mit der Europameisterschaft als letzten Höhepunkt seiner Karriere. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere nochmal seine absolute Leistungsfähigkeit international unter Beweis zu stellen. Und was man nie unterschätzen darf, wir hatten einige Spieler aus der 2014er Mannschaft, die tatsächlich so die Mentalität von echten Champions gehabt haben, die Hochleistungen über viele Jahre gebracht haben, die nach dem zweiten, dritten, vierten, fünften Titel bei Bayern München nie satt waren, sondern am nächsten Tag in der neuen Saison sofort dort weitergemacht haben, wo sie aufgehört haben. Und das ist etwas, einmal Meister werden, das können viele, aber dauerhaft erfolgreich zu sein, so wie es Toni Kroos exzellent getan hat und noch einige andere Spieler des FC Bayern München in früheren Jahren, davon haben wir nicht viele. auch weltweit nicht so viel. Und Toni Kroos gehört absolut dazu. Und ich erwarte von ihm, dass er bei diesem Turnier wahrscheinlich eine seiner besten Leistungen bringt oder die Leistungen bringt, die man sich von ihm erhoffen kann.
Sprecher 3: Dein Wort in Nagelsmanns Ohr, aber Michael, über die Bayern müssen wir auch nochmal eben reden. Kein deutscher Meistertitel im Champions League Halbfinale ausgeschieden und dann jetzt durchaus letzte schwierige Spiele bei Kimmich, bei Musiala, der angeschlagen ist, bei Pavlovic, der auch angeschlagen ist. Sind die Bayern inzwischen die Problemkinder in der Nationalmannschaft? Und Thomas Müller, der ja auch nicht mehr 100% Rückendeckung hat.
Sprecher 7: Das ist oft so gewesen, wenn die Bayern keine gute Saison gehabt haben und dann ein Turnieranstand, war das für das Turnier eigentlich nicht besonders gut. Umgekehrt war es zuletzt aber auch schon so, die Bayern wurden Meister und die Nationalmannschaft war auch ziemlich gut.
Sprecher 3: Also keine neue Gesetzmäßigkeit, die wir hier gefunden haben.
Sprecher 7: Kann ich nicht erkennen. Ich glaube, es liegt tatsächlich jetzt, dass diese Nationalmannschaft einen neuen Geist findet. Dass sie einen Spirit findet, der sich unterscheidet. Dass es eben nicht der Bayern-Spirit ist, der jetzt irgendwie in der Nationalmannschaft weitergetragen wird, sondern dass diese Mannschaft aus sich selbst heraus mit diesen neuen jungen Spielern und auch mit dem alten Toni Kroos als Spiritus Vector im defensiven Mittelfeld, dass diese Mannschaft ihren eigenen Weg, ihren eigenen Geist findet. Und dafür, finde ich, hat der Bundestrainer eigentlich eine ganz gute Mannschaft, einen guten Kader zusammengestellt, um das möglich zu machen.
Sprecher 3: Lass uns noch kurz über die anderen Länder sprechen, also unsere Konkurrenten. Welche Überraschungsmannschaften siehst du? Österreich, Kroatien, wen gibt es da? Im Teilnehmerfeld, den man vielleicht noch nicht so auf dem Zettel hat.
Sprecher 7: Also jetzt nicht lachen, aber Österreich.
Sprecher 3: Ich bin ein großer Anhänger von Toni Polster als FC-Mitglied. Insofern, ich habe die Österreicher noch nie unterschätzt.
Sprecher 7: Also abgesehen davon, dass sie gegen uns gewonnen haben, sozusagen, zuletzt, wäre relativ klar. Aber Werangnik hat dort eine sehr, sehr gute Mannschaft beisammen. Und die eben auch schon, wir hatten das Thema am Anfang, auch eingespielter ist. Die hat schon einige Erfahrungen gesammelt und gehen sicher sozusagen auch als eine unterschätzte Mannschaft in dieses Turnier. Sie ist jetzt sicher nicht der große Favorit, aber das könnte eine Mannschaft sein, die deutlich über den Erwartungen spielt. Und Favoriten haben wir natürlich die üblichen. Also England erwarte ich, auch wenn die Grips jetzt nicht so erfolgreich gewesen sind. Aber ich glaube, wenn da jetzt nochmal ein bisschen Pause dazwischen ist, wenn die sich auch nochmal ein bisschen regenerieren können, dann, wenn diese Mannschaft körperlich beieinander ist, jetzt wird das eine sehr starke Mannschaft sein. Die Franzosen sind individuell wahrscheinlich die beste Mannschaft. Da wird es die Frage sein, ob der Trainer das schafft, sozusagen diese Individualisten, um es so neutral wie möglich zu formulieren. Sag doch ruhig Egoist. Ja, und das sind sie natürlich alle in einer gewissen Weise, aber die leben das auf eine Art und Weise stärker aus, als in anderen Mannschaften passiert. Aber das sind sicher die beiden, vom Papier her, die beiden Mannschaften, denen ich am meisten zutraue. Und Spanien auch mit einer jungen, veränderten Mannschaft, die auch schon noch ein bisschen mehr Erfahrung hat. die werden sicher auch ihre Rolle spielen.
Sprecher 3: Man darf sich auf die Gruppe D jedenfalls freuen. Frankreich, Niederlande, Polen und Österreich. Das ist eine sehr spannende Gruppe. Wir müssen zugeben, dass die Deutschen Glück gehabt haben mit ihrer Gruppenauslosung, oder? Schottland, Schweiz, Ungarn, das ist jetzt alles durchaus machbar.
Sprecher 7: Wir hatten Schweden, wir hatten Mexiko, wir hatten Südkorea. Das war für uns zu viel. Wir hatten Ungarn und andere Mannschaften. Das war auch schon zu viel. Also in den letzten Jahren konnte die Gruppe eigentlich nicht einfacher sein, als sie war. Und trotzdem hat es nicht gereicht. Es wird am Ende tatsächlich nicht an den einzelnen Gegnern liegen. Es wird sein, wie diese Mannschaft in dieses Turnier findet. Das erste Spiel wird von daher schon ziemlich wichtig sein. Gegen Schottland, die auch nicht mehr diesen klassischen, britischen, schottischen Fußball spielen, sondern die können das mittlerweile alle auch ganz gut. Und was die Kombinationsfähigkeit angeht, spielen alle in der Premier League. Und das wird so ein richtungsweisendes Spiel sein. So eine kleine Reminiscenz vielleicht an 2006, da war ja dieses Spiel in der Vorrunde gegen Polen. Ganz entscheidend, um so einen Knoten platzen zu lassen. Das Eröffnungsspiel mit dem 4-2 gegen Costa Rica hat ja auch schon Vorfreude gemacht, hat ja auch schon Freude erzeugt. Und das erwarte ich jetzt für dieses Turnier auch, dass die ersten beiden Spiele auf jeden Fall richtungsweisend sein werden. Ob die Mannschaft was entwickeln kann, auf dem sie auch emotional aufbauen kann, wo man andocken kann, wo sie sich an sich selbst begeistert. Deswegen wird es sehr wichtig sein, die ersten beiden Spiele.
Sprecher 3: Auf deine Analysen, deine Texte, deine Podcast-Einschätzungen. Alles, was du zu Papier bringst, ist bei uns im Berlin Table zu lesen. Liebe Zuhörer und Zuhörer, unser kostenloser Hauptstadt-Newsletter, den Sie jeden Abend bei Table Briefings bekommen können. Und wir erleben dich hier im Podcast natürlich dann auch immer wieder. Letzte Frage an dich vorerst vor der EM nochmal. Was ist das in ein oder zwei Sätzen? Was ist das Typische an unserem Bundestrainer? Was ist der Fußball, für den Nagelsmann steht oder stehen will?
Sprecher 7: Risikobereit und attraktiv. Das ist, glaube ich, das, was er möchte. Und wir hoffen, dass wir es kriegen.
Sprecher 3: Das klingt nach einer spektakulären EM. Wir freuen uns darauf und vor allem, dass du bei uns bist. Das war Michael Horeni. Vielen Dank für dieses erste Gespräch und bis bald.
Sprecher 7: Bis zum nächsten Mal. Es ist mir eine Freude.
Sprecher 2: Und zum Nachtisch wollen wir noch einmal das Grundgesetz feiern, denn die Festlichkeiten in Berlin dauern ja noch bis Sonntag an. Gestern haben wir hier bemängelt, dass es nicht emotional genug zugeht, dass wir uns wünschen, dass doch auch mal vielleicht die Tränen fließen, dass wir Geschichten hören und nicht immer nur das staatsaktige stattfindet. Und genau das ist nämlich passiert. Frank-Walter Steinmeier, der Bundespräsident, hat eine solide Rede gehalten, aber nichts daran war überraschend, nichts daran leider, muss ich sagen, war mitreißend. Wir wollen das hier anders feiern und deswegen haben wir uns ein Lied ausgesucht von Lena Meyer-Landrut und diese Künstlerin wird am Sonntag auftreten und dann werden hoffentlich viele Berlinerinnen und Berliner Deutsche, die aus anderen Teilen des Landes angereist sind und viele, viele andere Menschen gemeinsam tanzen. Das wäre doch schön, wenn man auf diese Art und Weise mal Patriotismus feiert und lebt und auf 75 Jahre Grundgesetz. zurückblickt. Und das können Sie jetzt auch schon zu Hause tun. Drehen Sie Ihren Podcast-Player auf und viel Spaß. Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle schon ein schönes Wochenende. Machen Sie es gut. Wir freuen uns gemeinsam auf die kommende Woche. Ihre Helene Bobrowski
Sprecher 8: And you feel you hit the ground. And the truth is to be found. There's a place where we can go When the time has come we know It's engraved inside our soul Here's to being brave Here's to better days We are standing strong All the horses shake the dirt, throw the dust back to the earth. A change is coming soon. And the new day's gonna rise And the sun will kiss the sky Then the stars shine with the moon Here's to being braver. Here's to better days. And we are standing stronger. I wanna be running wild and free