Wie politisch ist der Fußball, Herr Rettig?
Dauer: 36:03

Wie politisch ist der Fußball, Herr Rettig?

Der Geschäftsführer Sport des Deutschen Fußball-Bundes, Andreas Rettig, hat vor einer Politisierung der Fußball-Europameisterschaft gewarnt. „Wir dürfen den Fußball nicht überschätzen. Gesellschaftliche Veränderungen kann nur eine Zivilgesellschaft erreichen“, sagte Rettig im Podcast von Table.Briefings. Leider sei die „Schwelle der Empörungskultur“ immer niedriger geworden, sagte er mit Blick auf Kritik an den neuen pinkfarbenen Trikots der Nationalmannschaft. Die EM in Deutschland, die am 14. Juni beginnt, werde besonders nachhaltig sein, verspricht Rettig. Der Spielplan ermögliche besonders kurze Wege von Fans und Mannschaften: „Der größte CO2-Verursacher im Sport sind Reisewege.“ 


  • Tischgespräch: Wie Habeck und Lindner an der Wirtschaftswende arbeiten
  • Nachtisch: Wie man Mücken mit Mücken bekämpfen kann



Table.Media - For better informed decisions.

  

Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Media. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Media bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.  

Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/registrierung.



Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Auf geht's in eine frühlingshafte Woche natürlich mit Ihrem Podcast für die gute Laune Table Today und mit Ihrer Chefredakteurin der klugen Erkenntnis, Helene Bubrowski. Hallo Helene.

Sprecher 3: Wenn überhaupt die Chefredakteurin der Herzen, denn ich bin ja bekanntermaßen Stellvertretende.

Sprecher 2: Aber auf jeden Fall der Herzen. 29. April, Montag, wir haben einen überraschend harmonischen FDP-Bundesparteitag erlebt und erahnen eine mögliche Wirtschaftswende zwischen Robert Habeck und Christian Lindner. Dazu gleich mehr mit Helene und mir. Im Interview des Tages an unserem Tisch, an unserem runden Table-Today-Tisch, nimmt ein außergewöhnlicher Manager erstmals Platz, nämlich Andreas Rettig, der DFB-Geschäftsführer, sozusagen der Chef von Julian Nagelsmann, der Mann, der mithelfen soll, dass die EM in Deutschland ein kleines Sommermärchen wird. Und zum Nachtisch unsere Rubrik für das gute Gefühl beim Start in den Tag. Ein wirklich ernsthaftes Problem jetzt im angehenden Sommer sind die Mücken. Und wie man Mücken mit Mücken bekämpfen kann, das hat Kalifornien für uns herausgefunden. Dazu gleich mehr. Helene, die Sonne scheint, die Liberalen sind glücklich, trotz 5% Umfragen. Irgendwie scheint nach diesem Wochenende und dem FDP-Bundesparteitag das Koalitionsaus, bevor es überhaupt eigentlich gekommen ist, schon wieder abgeblasen zu sein. Wie ist dein Eindruck?

Sprecher 3: Naja, mein Eindruck ist, dass man da irgendwas feiert, wo es eigentlich nicht zu feiern gibt. Also mal abgesehen davon, dass Wolfgang Kubicki bei Gerhard Spöder das Geburtstag zu Gast war, wo die Liberalen sich vielleicht auch mal Gedanken machen müssten, finde ich, mit 5% hast du jetzt die positiveren Meinungsumfragen zitiert. Es gibt auch welche, die sie bei 4% sehen. In den ostdeutschen Bundesländern liegen die Liberalen unterhalb der 5%-Hürde und zwar teilweise weit drunter. Also ich weiß nicht, was es da zu feiern gibt. Ich sehe diesen Bundesparteitag eher als Versuch der Selbstvergewisserung in schwierigen Zeiten. Aber für die Stabilität der Ampel und für das Land insgesamt ist es sicherlich gut, wenn es denn hilft.

Sprecher 2: Solange noch mehr Sozialdemokraten wie zum Beispiel Bodo Hombach, Thomas Steg oder Bela Ander auf dem Geburtstag von Gerhard Schröder war, hat wahrscheinlich Kubicki noch irgendwie die Rolle des außergewöhnlichen Onkels von den Liberalen da gespielt. Aber du hast recht, er war übrigens auch beim FDP-Bundesparteitag. Immerhin hat er es dahin auch geschafft. Und die Lage der Liberalen ist jedenfalls deutlich besser, also die Stimmung, als die Umfragen es sagen. Denn man hat sich so ein bisschen therapeutisch darauf eingeschworen, dass es tatsächlich jetzt die richtigen Themen für eine Wirtschaftspartei sind, für eine selbsternannte Wirtschaftspartei. Und deswegen drängt Lindner auch abseits dieses Parteitags auf den Fluren, war das immer wieder zu hören, auf diese Wirtschaftswende. Er will bis zum Sommer mit Robert Habeck etwas vorlegen, was die Wirtschaft stimuliert, was eine angebotsorientierte Politik ausmachen könnte. Und ich habe das Gefühl, Helene, Robert Habeck ist heute ja auch unterwegs im Land, der grünen Minister könnte mitmachen.

Sprecher 3: Ja, ich meine, die Grünen haben natürlich auch ein Interesse daran, gerade bei der stagnierenden Wirtschaft voranzukommen, auf Fortschritte zu verweisen. Ehrlich gesagt auch, um es der Union nicht allzu leicht zu machen, die sich ja erstens als Wirtschaftspartei ihrerseits präsentiert und zweitens natürlich auch als Partei der inneren Sicherheit und so weiter. Also alle diese Felder, auf denen die Ampel derzeit wirkliche Defizite hat. Beziehungsweise man kann auch sagen, es gibt Defizite im Land, die der Ampel zugerechnet werden, ob sie jetzt alleine auf das Konto gehen, darüber kann man streiten. Aber natürlich ist ein Wirtschaftswachstum für dieses Jahr von 0,2 Prozent, was faktisch eine Stagnation ist. Und für das nächste Jahr sieht es auch weniger gut aus als gedacht. Das ist natürlich kein Zustand, mit dem sich ein Wirtschaftsminister abfinden kann und deswegen tourt er durchs Land. Deswegen versucht er, Lösungen zu finden und will sich natürlich auch nicht von der FDP bloßstellen lassen, als grüner Naivling, der träumt, aber keine Wirtschaftspolitik kann.

Sprecher 2: Was wir hören ist, dass es ein Wachstumschancengesetz 2.0 geben soll. Also die Dinge, die eigentlich bisher nicht durchgesetzt werden konnten, werden vor der Sommerpause, wenn die Wirtschaft immer noch nicht angekurbelt wurde, wieder dem Parlament und auch dem Bundesrat vorgelegt. Es geht wohl um Investitionsprämien, es geht um eine höhere, längere Sofortabschreibung für die Unternehmen. Man will die Investitionen im Privatbereich stärken. Stimulieren, da sind sich Habeck und Lindner, die seit Wochen miteinander verhandeln, auch mit dem Kanzleramt, einig. Allerdings Reformen beim Arbeitsrecht, also beim Sozialstaat, da hat Olaf Scholz weiterhin den Deckel drauf. Das will er nicht. Keine Kürzung von irgendwelchen Sozialleistungen. Das Einzige, was wir gehört haben, ist, dass man bei den älteren Arbeitnehmern, die in die Rente gegangen sind, dass man deren Hinzuverdienste bei der Rente nochmal anpacken will. Also ein kleines Wirtschaftspaket scheint dort wirklich gerade vorbereitet zu werden.

Sprecher 3: Ja, und dann gibt es natürlich noch die Frage nach der Rüstungsindustrie, die ja auch drängt. Nicht nur, weil die Bundeswehr in einem katastrophalen Zustand ja nach wie vor ist, trotz der 100 Milliarden Euro, die ja schon teilweise verausgabt wurden, sondern natürlich auch aufgrund der Lage in der Ukraine. Die Ukraine, die dringend auch von Deutschland weiterhin Unterstützung braucht, auch militärische Unterstützung. Und die Frage ist nun, die auch Robert Habeck beschäftigt, was kann man tun, um die Herstellung von Rüstungsgütern in Deutschland zu beschleunigen? Was ja mit, wie alles in Deutschland, aber das eben besonders mit wahnsinnig aufwendigen Genehmigungsverfahren verbunden ist und natürlich einer Industrie, die erst dann anfängt zu produzieren, wenn die letzte Genehmigung auf dem Tisch liegt. Die wollen nicht ins Risiko gehen und produzieren und dann nimmt es ihnen keiner ab, verständlicherweise. Die Dinge sind wahnsinnig teuer. Aber die Frage ist nun, gibt es eine Möglichkeit, dort, was die Verfahren angeht, ranzugehen und etwas zu finden, das ähnlich wie bei den LNG-Terminals, wir erinnern uns. Die auf einmal sehr schnell gebaut werden konnten. weil man die Verfahren verkürzt hat, weil man bestimmte Auflagen nicht ganz so streng gehandhabt hat, geht das auch bei der Rüstung.

Sprecher 2: Ja, und Helene, die Idee scheint so ein bisschen zu sein, auf Kosten von Steffi Lemke erneut Industrieproduktion ausweiten zu können. Denn es waren umweltrechtliche Standards, die geschleift wurden. Es waren Instanzen, die weggefallen sind bei den Flüssiggasterminals. Und das ist die Idee von Habeck. Das könnte doch auch bei der Ausweitung der Produktion für heimische Rüstungsunternehmen passieren. Denn er versteht sich, und das ist schon interessant, Helene, als Industrie- oder Rüstungsindustrie-Minister. Und er ist im Wahlkampf als Klimaschutzminister aufgetreten, ist dann als Energieminister in die Ampel gegangen in der Krise und jetzt irgendwie Industrie first, oder?

Sprecher 3: Naja, es ist jedenfalls einer seiner Schwerpunkte geworden, durch ja auch das sehr, sehr klare Bekenntnis seinerseits zur Unterstützung der Ukraine und zwar auch zur militärischen Unterstützung. Wir erinnern uns, er war der erste Grüne, der schon Monate vor Ausbruch des Krieges als einziger Grüner damals für Lieferung von Rüstungsgütern in die Ukraine geworben hat, das damals wieder zurücknehmen musste aufgrund auch des Drucks, den Baerbock und andere Grüne insbesondere aus der Fraktion ausgeübt haben. Also er steht da sehr klar und dann kommt natürlich die Frage, woher kommen diese Rüstungsgüter? Er hat kürzlich im Wirtschaftsministerium einen Gipfel veranstaltet, zu dem er alle möglichen CEOs deutscher Rüstungsunternehmen geladen hat. Er ist jetzt in die Ukraine gereist und hat Rüstungsunternehmen mitgenommen. Also er positioniert sich auf dieser Ebene sehr klar und möglicherweise ist das eben auch eine Gelegenheit zu zeigen, wie... breit er sich aufstellt mit Blick auf das, was im nächsten Jahr kommt, nämlich der Bundestagswahlkampf mit, so vermute ich, einem Kanzlerkandidaten Habeck.

Sprecher 2: Helene, I read your lips und ich glaube, da wirst du recht behalten. Heute ist er unterwegs in Hessen, unter anderem bei Industrieunternehmen, zu Besuch bei der IHK. Ich glaube, das sind alles deutliche Signale. Am Dienstag dann zu Gast bei Markus Lanz. Wir werden diesen Mann eng begleiten, selbstverständlich, und uns genau anschauen, wie Robert Habeck sich Schritt für Schritt, ja vielleicht sogar Christian Lindner annähert. Er ist der Geschäftsführer Sport beim Deutschen Fußballbund und damit so eine Art CEO der Nationalmannschaft. Jedenfalls einer, der die Europameisterschaft in wenigen Wochen, in knapp 50 Tagen hier in Deutschland zum Erfolg machen will, hinter dem Nationaltrainer Julian Nagelsmann. Es geht um Andreas Rettig. Er war Manager beim SC Freiburg, er war Manager beim 1. FC Köln, aber vor allem war Andreas Rettig immer ein politischer Kopf, der sich eingemischt hat in gesellschaftspolitische Debatten und nicht nur Fußball als Sport, wo es um 1 oder 0 und Tor oder nicht Tor geht, verstanden, sondern auch als gesellschaftspolitisches Anliegen. Denn, wie wir wissen, spätestens zur EM werden wir wieder 82 Millionen Nationaltrainer haben. Und was diese elf Kicker da auf dem grünen Rasen dann zustande bringen, ist immer auch ein nationales Ereignis. Deswegen haben wir zum Tischgespräch jetzt Andreas Rettig geladen. Wir wollten wissen, wie soll diese Europameisterschaft aussehen, wie sind die Rahmenbedingungen und wie politisch ist eigentlich der Fußball? Einen schönen guten Tag bei uns hier im Table Today Podcast. Andreas Rettig. Ja, guten Morgen, grüß Sie. Als was sind Sie jetzt eigentlich hier? Als Leverkusener Meisteranhänger, weil Sie da geboren sind? Oder als Rot-Weiß-Essen-Fan? Oder doch als FC-Ehemaliger Manager? Was ist jetzt Ihre politische Farbe heute hier? Fußballliebhaber. Sehr gut. Aber Sie freuen sich darüber, dass endlich mal ein Nicht-Bayerischer Verein Meister ist. Darf man das als DFB sich darüber freuen?

Sprecher 4: Ja, ich bin ja zur Neutralität verpflichtet. Deswegen drücke ich natürlich auch allen gleichermaßen die Daumen.

Sprecher 2: Wir wollen ein bisschen weg vom Rasen und hin zu dem, was der Fußball längst in diesem Land ist, nämlich vor allem auch ein gesellschaftspolitischer Ort. Wie politisch ist der Fußball heute geworden?

Sprecher 4: Naja, der Sport insgesamt ist ja politisch geworden. Er wird manchmal zu unserem Leidwesen ja auch instrumentalisiert. Und Sie können Sport, Fußball und Politik nicht trennen. Das ist nun mal so. Wer was anderes erzählt, erzählt nicht die richtigen Botschaften. Schauen Sie an, überall haben wir die Themen gehabt, ob Olympia-Boykotte, ob jetzt in jüngster Vergangenheit Katar, in der nahen Zukunft Saudi-Arabien. Also wir haben Themen, die Politik besetzt auch diese Felder. Wir haben Ehrenvorsitzende von rechten Parteien, die sich keine farbigen Nachbarn wünschen. Also wir haben alles, Kunterbund.

Sprecher 2: Wir haben vor allem aber auch eine Politisierung des Fußballs erlebt, durch die, Sie haben es angesprochen, die WM in Katar, jetzt kommt demnächst Saudi-Arabien. Müssen wir uns einfach ehrlich machen, dass die Welt da draußen, die große Welt des Fußballs, vor allem eine Welt, der Geldgeber ist und wir mit unserem kleinen deutschen moralischen Anspruch in der Minderheit sind?

Sprecher 4: Naja, was heißt moralischer Anspruch? Ich denke schon, dass...

Sprecher 2: Dass Saudi-Arabien keine WM haben dürfte.

Sprecher 4: Ja, da bin ich ja bei Ihnen. Das ist ja unstreitig in der Frage. Aber wir dürfen auch den Fußball nicht überfordern. Ich denke schon, dass es unsere Aufgabe ist, dass auch der Fußball die Stimme erhebt und da auch sich klar macht, wofür er steht. Ich denke schon, dass man einem guten Manager nicht sagen muss, wann er Haltung zu zeigen hat. Das gilt gleichermaßen, hat aber nichts mit dem Fußball zu tun. Wir dürfen aber nicht den Fußball überschätzen, weil am Ende gesellschaftliche Veränderungen wird ja keine Fußballmannschaft oder kein Verband herbeiführen. Gesellschaftliche Veränderungen kann nur eine Zivilgesellschaft erreichen. Das heißt, wir können nur unterstützend wirken in der Frage, aber am Ende muss es die jeweilige Zivilgesellschaft richten und dabei müssen wir helfen.

Sprecher 2: Aber hat sich der Fußball nicht vielleicht auch reinziehen lassen? Also na klar, die Entscheidung für die Fußball-WM in Katar ist zehn Jahre vor der WM getroffen worden und dann macht man es aber so, dass man da plötzlich mit einer One-Love-Binde aufläuft, dass man versucht Zeichen zu setzen als Mannschaft. Hätte man dann, als die Entscheidung getroffen wurde, es nicht auch sein lassen müssen und zu sagen, jetzt geht es halt um Fußball, die Entscheidung ist vorher getroffen worden. Also die Nationalmannschaft zieht die sich nicht selbst immer rein in diesen Drang, ich muss jetzt eine politische Botschaft senden.

Sprecher 4: Nein, das haben Sie, finde ich, richtig zusammengefasst. Ich finde auch, da müssen wir ehrlich sein, das war keine Meisterleistung der Verantwortlichen und des DFB insgesamt, diese ungeklärte Situation mit in das Turnier zu tragen. Das muss man vorher abräumen. Da bin ich zu 100 Prozent bei Ihnen. Das wissen, glaube ich, auch alle mittlerweile. Das dürfen Sie dann auch nicht verlagern, dieses Problem. auf die Mannschaft und in die Kabine. Das, finde ich, war der Kardinalfehler. Das müssen Sie als Verantwortliche vorher regeln, damit das, worauf es ankommt, tatsächlich das Spiel mit dem Ball dann auch im Vordergrund steht.

Sprecher 2: Aber jetzt bei der Auswahl des Auswärtstrikots für die Nationalmannschaft wurde es ja auch wieder politisiert. Ein aus meiner Sicht sehr schickes, cooles, pinkes Shirt, aber wurde sofort als Botschaft der Diversität der LGBTQ-Gruppe interpretiert und es gab sofort einen Riesenstreit. Also weil man es wollte, immerhin sagen sie ja auch, wir wollen die grünste, die nachhaltigste und diverseste EM aller Zeiten bauen. Also ihr erhöht doch selber dieses Fußballturnier.

Sprecher 4: Ja, aber ich muss sagen, die Schwelle der Empörungskultur ist ja immer niedriger geworden. Also das ist ja irre. Jetzt echauffieren wir uns über die Farbenlehre des Trikots. Zum Glück bin ich farbenblind.

Sprecher 2: Ich kann Ihnen sagen, es sieht gut aus.

Sprecher 4: Ja, okay, das beruhigt mich. Wobei ich fairerweise sagen muss, ich habe Augenzwinkern seit Geburt eine Rot-Grün-Schwäche. Aber ich muss sagen... Wir wollten doch über Politik nur in Sachen Gesellschaftspolitik reden. Nein, das finde ich, haben wir aber antizipiert mit unserem Partner Adidas. Diese Empörungskultur, wenn man an das schicke Video, was ja unmittelbar den Spiegel all denjenigen, die sich empört haben, vorgehalten hat, hat mir gefallen, wenn ich ehrlich bin. Aber denken Sie mal an die Diskussion um die 44. auf dem Trikot, die an NS-Runden und Symbole abheben sollte. Ich habe mir das wirklich angeguckt, die vier. Da hört wirklich viel Fantasie dazu. Bei der 44 kann man etwas heran.

Sprecher 2: Ja, fand ich aber, ich fand schon, dass die 44 aussah wie die SS-Runden.

Sprecher 4: Ja, bei der 44 sage ich das auch. Das kann man zumindest so ansatzweise, aber die 4, schade, ich hätte sie sonst nochmal mitgebracht. Also wenn wir vorher nicht drüber gesprochen hätten, bei der 4 kommt keiner auf die Idee.

Sprecher 2: Wer will denn überhaupt die 4 tragen? Man will die 10, die 11, die 9.

Sprecher 4: Ja, Sie vielleicht mit Ihrem Anspruch, weil Sie sich überschätzen in der Frage. Aber ich denke, Sie sollten auch mal mit der 4 anfangen.

Sprecher 2: Herr Reddich, trotzdem nochmal zur Politisierung dieses Fußballs. Was müssen wir bei dieser EM denn erwarten? Botschaften. Nummer eins war die grünste und nachhaltigste EM. Und gleichzeitig wird ein riesiger Kunstrasen vor das Brandenburger Tor gelegt, wo man auch nicht weiß, wo kommt der eigentlich danach hin. Also scheitert man nicht ständig auch an dem Anspruch, daraus irgendwie etwas besonders Grünes, Nachhaltiges, Diverses zu machen, weil irgendwas dann doch dem widerspricht?

Sprecher 4: Ich habe den Eindruck, Sie wollen der kritischste Journalist dieser EM werden.

Sprecher 2: Ich will nur alle kritischen Fragen vorher schon mal stellen und mich dann freuen.

Sprecher 4: Ah, okay. Also ich finde, das ist jetzt keine gute Sache, sich... Einen einzelnen Punkt rauszupicken bei den vielen guten Punkten, die wir haben. Ich hätte mir gewünscht, die hätten sich vielleicht mal dafür interessiert, wie beispielsweise der Spielplan unter dem Aspekt Nachhaltigkeit. Kurze Wege. Kurze Wege, ja. Es ist der größte CO2-Verursacher im Sport. Denkt man an die Fußball-Bundesliga, wo dann viele, viele Tonnen CO2-Ausstoß durch Reisewege der Fans verursacht werden. Dieses Thema haben wir bei der Europameisterschaft tatsächlich in den Vordergrund gerückt, indem der Spielplan genau nach diesen kurzen Wegen gewählt wurde. Also nehmen Sie mal die deutsche Mannschaft. Wir sind auf der Südtour. Wir beginnen in München, spielen in Stuttgart und in Frankfurt.

Sprecher 2: Und Sie wohnen in Herzogenaurach.

Sprecher 4: Und wohnen im Süden in Herzogenaurach und im Basecamp von unserem Partner Adidas. Das gab es vorher noch nie in der Frage. Denken Sie an andere Europameisterschaften, die quer durch alle Lande sogar noch stattgefunden haben. Ich finde, diese Frage hätten Sie auch wieder.

Sprecher 2: Ich freue mich darüber sehr. Ich stelle ja die kritischen Fragen. Dafür sind wir Journalisten sehr zuständig, Herr Rettig. Lob kriegen Sie woanders. In Ihrem Gremium, Frau Fettig.

Sprecher 4: Das hätte ich Ihnen aber vorher sagen sollen. Dann hätte ich vielleicht die Zeit etwas anders eingeteilt.

Sprecher 2: Herr Rettig, also wir loben Sie weiterhin, wenn die EM so wird, wie sie wird. Die politische Frage, die ich aber noch vorher stellen wollte, ist, Sie haben ja damals bei dem Deal von Bayern München mit Katar durchaus kritische Worte gefunden. Weil Sie gesagt haben, nicht alles, was man macht, aufgrund von vielleicht auch monetären Zielen, muss man machen. So sinngemäß. Bei Nike und Adidas sagen Sie aber jetzt selber, Entschuldigung, wir haben ein deutlich besseres Angebot von Nike, also machen wir es. Obwohl die Fans sich natürlich alle Adidas wünschen. Also manchmal müssen sie doch selber dann... Ihre geschäftlichen Interessen den Interessen der Fans vorstellen, oder?

Sprecher 4: Ja, aber ich finde, dass sie jetzt Äpfel mit Birnen vermischen und vor allen Dingen die Entscheider-Ebene vermischen. Bayern München ist durch 50 plus 1 am Ende auch in der letzten Konsequenz seinen Mitgliedern verpflichtet. Das heißt, wenn die Mitglieder als wichtigste Gesellschafter sagen, wir wollen Katar nicht als Partner, dann ist das zumindest ein klares Votum und muss in den Entscheidungsprozess einfließen, möglicherweise auch entscheidungsrelevant sein. Unsere Mitglieder, unsere Gesellschafter sagen aber, ihr habt eine Verpflichtung, den bestmöglichen, größten wirtschaftlichen Erfolg in An- und Abführung unter Berücksichtigung der satzungsgemäßen Ordnungen herbeizuführen. Wir sprechen ja hier bei Adidas, Nike, von keinem, ich will nicht sagen Schurkenstaat, ist Katar vielleicht auch nicht direkt, aber es ist ein Unterschied, finde ich, schon in der Frage der Bedeutung des Partners, ob ich sage, ich lege mich mit Katar ins Bett oder ich lege mich mit Nike oder Adidas ins Bett. Also da finde ich schon, dass man das nicht richtig auf der Ebene gleichzusetzen hat.

Sprecher 2: Die Frage ist ja so ein bisschen, wie oft muss man dem Wunsch der Fans nachgeben, um den Fußball so rein wie möglich zu halten?

Sprecher 4: Am Ende können wir natürlich nicht bei jeder Entscheidung eine Volksbefragung oder eine Mitgliederbefragung durchführen. Da bin ich zu 100 Prozent bei Ihnen. Das geht nicht, dann werden Sie auch keinen Entscheidungsträger mehr finden. der den Rücken gerade macht und sagt, dafür stehe ich jetzt. Aber ich denke schon, dass eine Entscheidung pro Nike am Ende verständlich ist, wenn man die Rahmenbedingungen kennt. Also wenn ich Ihnen alle Zahlen, Fakten und Dinge hier vorlegen würde, Sie würden zu dem gleichen Ergebnis kommen, ohne dass Sie Wirtschaftswissenschaften studiert haben.

Sprecher 2: Habe ich sogar.

Sprecher 4: Haben Sie, okay, dann fällt es Ihnen noch leichter, das zu verstehen.

Sprecher 2: Ich glaube Ihnen das. Die Frage ist immer nur, wie gab es danach Druck zum Beispiel aus der Politik? Ihr Präsident, Herr Neundorf, war ja selber mal in der Politik tätig. Ist das dann eine Frage, wo man den Druck der Gesellschaft, der Politik gespürt hat, weil man sich schon vorab so entschieden hatte?

Sprecher 4: Was heißt Druck? Also ich fand, es war schon das eine oder andere Geplapper dabei, das muss man leider sagen. Wir haben das sehr bedauert, dass man hier über dieses Populismus-Stöckchen direkt gesprungen ist, weil niemand kannte die Zahlen. Und ich hätte schon erwartet, dass man sich zumindest erstmal sachkundig macht und dass Politiker, die ihren Wahlbezirk in der Nähe von Herzogenaurach haben, da keinen Beifall spenden, das ist klar, aber darauf konnte man keine Rücksicht nehmen in der Frage, wenn ihnen dort Herzogenaurach vielleicht besser gefällt als das Headquarter von Nike. Also das war relativ durchsichtig und man hat ja auch gemerkt, als wir dann aufgeklärt haben und wenn ich jetzt mal die inhaltlichen Punkte abräume, neben den wirtschaftlichen, auch die Frage, die ja, oder das, was uns... Wofür wir kritisiert wurden, nämlich nach dem, ja, wie geht der mit dem Partner um? Das war ein einwandfreier Ausschreibungsprozess seit Monaten. Also jeder wusste, woran er dran ist. Wir sind keine Mauschelbude, die dann irgendwo im Hinterzimmer bei einem Glas Rotwein sagt, komm, nehmen wir noch Schnipsen drauf. Sondern wir haben hier ganz klar gesagt, okay, jeder wusste, wo er dran ist in der Frage. Jeder hatte die fairen und gleichen Chancen. Das war ein transparentes, diskriminierungsfreies Verfahren. Und alle Partner, das waren ja nicht nur die, die am Ende jetzt öffentlich wurden, sondern alle Partner haben dann auch gesagt, teilt uns bitte unmittelbar mit, wenn die Entscheidung getroffen ist. Warum? Weil Frankreich und Brasilien auch noch ihre Ausrüsterdeals ausgeschrieben haben. Das heißt, das ist ja ein Riesenunterschied auch in meinem Investitionsverhalten, ob ich jetzt nun sage, ich habe das Pulver noch trocken gehalten, weil ich nicht zum Zuge gekommen bin und kann dann eben halt bei Frankreich, Brasilien ganz anders am Markt agieren, als wenn ich im Unklaren bin und damit rechne, vielleicht dann noch Beträge freihalten zu müssen.

Sprecher 2: Wir kommen nochmal zurück zur EM, Herr Rettig. Und ich frage Sie so ein bisschen, wie sehr Sie auf die Politik auch angewiesen sind, um dieses Turnier zu einem Erfolg zu machen. Denn wir haben ja das Sommermärchen erlebt. Alle vergleichen jetzt immer diese EM mit dem Sommermärchen. Nervt Sie das inzwischen eigentlich?

Sprecher 4: Nee, das nervt mich nicht, weil ich finde, das Sommermärchen ist ja positiv besetzt.

Sprecher 2: Absolut, aber man kann es halt nicht wiederholen wahrscheinlich.

Sprecher 4: Ja, das müssen wir ja auch nicht. Es soll ja auch kein Sommermärchen drauf. 3.0 werden oder was auch immer.

Sprecher 2: Wir wollen ja auch einen Titel holen.

Sprecher 4: Genau, genau. Wobei der dritte Platz damals seinerzeit war ja so schlecht ja auch nicht. Also wollen wir uns jetzt mal die Latte nicht zu hoch legen in der Frage. Wir dürfen und können es deshalb nicht vergleichen, weil die Rahmenbedingungen sich verändert haben. Also wir haben jetzt einen Krieg, wir haben bis vor kurzem noch eine hohe Inflation gehabt. Wir haben eine Situation, dass jeder in unserem Lande mehr Steine im Rucksack hat, was er jeden Tag mit sich rumschlägt oder trägt. Und da denkt man nicht an Schottland und den Anpfiff in München, sondern da ist man mit sich selbst beschäftigt. Aber da ist natürlich auch eine große Chance, weil je näher wir da rankommen und wir merken das ja, was diese zwei Siege Frankreich-Niederlande ausgelöst haben, welche positive Begeisterung da ist. Und wenn es uns gelingt, wieder dieses Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, ich denke schon, dass das auch eine Chance ist, dass in den Köpfen was passiert in unserem Lande, ohne dass wir uns überhöhen, aber dieses Gefühl, dass man sich identifiziert mit einer Mannschaft, dass man sich freut, dass man gemeinsam vielleicht auch Dinge wieder zusammen erlebt.

Sprecher 2: Sie wünschen sich ein neues Wir-Gefühl.

Sprecher 4: Ja, das ist wichtig und da können wir einen kleinen Beitrag leisten in der Frage, dass wir uns unterhaken und sagen, das wollen wir doch mal sehen, ob wir aus dem Tal der Tränen nicht langsam rauskommen.

Sprecher 2: Weil im Moment hat man das Gefühl, die Gräben sind sehr tief, die ideologischen, die politischen, auch im Netz natürlich der Hass gegen die Andersdenkenden. Nennen es so ausgeprägt, kann der Fußball die Gesellschaft einen Schritt, ein Stück zusammenführen? Das ist die Frage.

Sprecher 4: Ja, das ist nicht so einfach zu beantworten. Wir würden es uns wünschen. Wir werden unseren Beitrag leisten. Und ich sage mal, das sind so Kleinigkeiten. Ich will das mal konkret werden. Wir haben in Vorbereitung auf die EM, beispielsweise auch bei der Auswahl der Vorbereitungsorte, sind wir ganz bewusst in den Osten gehen wir jetzt, in zweimal Land. Auch das ist für uns eine wichtige Botschaft zu sagen, wir kommen auch zu euch. Also wir wollen auch gar nicht dieses Gefühl, was ja viele im Osten ja spüren, abgehängt zu sein und wir sind nicht Teil der Gemeinschaft, dem auch entgegenzuwirken. Genau darauf einzahlen, zu sagen, nee, wir sind da. Wir kommen eben zu euch und sind da in dem Bereich, wo sonst vielleicht kein Spitzenfußball stattfindet. Auch das war uns ein Anliegen.

Sprecher 2: Das Teilnahmefeld ist ja politisiert jetzt durch die Ukraine, die sich qualifiziert haben. Haben Sie Sicherheitsbefürchtungen oder anders gefragt, gibt es ein so großes Sicherheitsaufgebot bei dieser EM, wie wir es noch nie erlebt haben?

Sprecher 4: Naja, die Rahmenbedingungen zwingen uns dazu. Und alle, die Verantwortung tragen, erkennen die Besonderheit in der jetzigen globalen Situation. Also wir müssen alle wachsam sein, gar keine Frage.

Sprecher 2: Können Sie es konkretisieren?

Sprecher 4: Nö.

Sprecher 2: Zehntausende Sicherheitsbeamte.

Sprecher 4: Da sind wir nicht Herr des Verfahrens.

Sprecher 2: Aber der Austausch ist da mit dem Innenministerium und mit den Ländern und das wird...

Sprecher 4: Ja, das...

Sprecher 2: Weil man hat ja schon Sorge auch vor Anschlägen, weil das ist eben ein symbolisches Turnier. Natürlich ist es ein großes, wichtiges Turnier und die Aufregung und die Sorgen sind groß.

Sprecher 4: Ja, ich bin Optimist in der Frage. Ich habe da wirklich großes Vertrauen in unseren Rechtsstaat, in unseren Sicherheitsapparat. Also ich freue mich mehr, als dass ich Angst habe.

Sprecher 2: Wie groß ist Ihr Zutrauen in Julian Nagelsmann?

Sprecher 4: Sehr groß und er hat uns ja auch große Freude bereitet mit der Vertragsverlängerung.

Sprecher 2: Hat er sich wirklich gegen Bayern entschieden und für den DFB? Man kann es ja gar nicht glauben.

Sprecher 4: Gut, also laden Sie mal ein. Julian ist ja sehr eloquent. Der wird Ihnen ganz sicher die richtigen Antworten auf diese Fragen geben. Wir haben uns deshalb gefreut, weil Julian schon das richtige Signal jetzt gesetzt hat, zum richtigen Zeitpunkt. Also wir haben eben davon gesprochen, Vorkartathemen abzuräumen. Wir haben hier eine ganz wesentliche, und ich möchte Rudi Völler mit dazu nehmen, der kurz vorher uns ein Ja-Wort gegeben hat. Und von daher denke ich, sind das sowohl nach innen als auch nach außen wunderbare Signale gewesen, dass die beiden wichtigsten Protagonisten hier bei uns an die Story glauben.

Sprecher 2: Und ihr habt euch als Team gefunden.

Sprecher 4: Ich denke schon, ich möchte das Team auch erweitern. Unser Präsident Bernd Neuendorf. der die wunderbare Gabe hat, hier wirklich als integrative Kraft aufzutreten, der hier keiner ist, der pausenlos auf die Pauke haut, sondern der ruhig und besonnen hier auch unterschiedliche Themen auflöst. Ich möchte auch Aki Watzke nennen, der hier für uns ein ganz wichtiger Ansprechpartner ist. Auch das ist eine neue Qualität, dass die beiden Verbände, DFB und DFL, ganz anders miteinander umgehen. Da ist ein Grundvertrauen entstanden in der Frage, gerade an den Personen Neuendorf und Watzke festgemacht. Also hier Jahrmarkt der Eitelkeiten und Wettrennen um Deutungssoheiten, das war gestern.

Sprecher 2: Und wenn wir trotzdem in der Vorrunde ausschalten, bleibt Nagelsmann?

Sprecher 4: Ich denke, das ist kein Szenario, was ich mir vorstellen kann und deshalb beschäftige ich mich damit auch nicht.

Sprecher 2: Sie sind ja auch für den Nachwuchs zuständig, die Akademie. Und wie kann der DFB eigentlich helfen, Talente zu scannen? Es ist ja alles heute hoch digitalisiert. Datenbanken werden hoch und runter gescannt. Wie macht man das? Wie findet man die?

Sprecher 4: Naja, also ich kenne das noch aus der Zeit, als der deutsche Fußball 98 und 2000 am Boden lag. 98 WM Frankreich, desaströs 2000, Europameisterschaft, sind wir hinter der Musik hergelaufen. Dann hatte der damalige DFB-Präsident Meier Vorfelder das Amt übertragen, Vorsitzender der Kommission der Leistungszentren. Dann haben wir die Vereine zu ihrem Glück gezwungen, Nachwuchsförderung zu betreiben. Das war ja zu der damaligen Zeit. Aber wir haben es dann verpasst, den Hebel umzulegen in der Frage. Wenn ich jetzt die Zeitreise mache auf heute, ich denke, dass wir einen falsch verstandenen Professionalismus viele Jahre an den Tag gelegt haben, indem wir den Nachwuchsspielern die Unterhosen gebügelt haben und haben das als professionelles Verhalten gesagt, wir müssen denen alles aus dem Weg räumen, damit sie am Ende sich nur auf den Fußball konzentrieren können. Das, finde ich, ist der falsche Weg. Und wir haben gepaart dann noch mit auch der Entwicklung junger Trainer, Laptop-Trainer. Dann wollten Nachwuchstrainer peppiger sein als Pep. Auch das waren Entwicklungen. Ich sage immer, auch jetzt bei KI und künstlicher Intelligenz, wenn Sie von Daten gesprochen haben, Ja, brauchen wir alles, aber die wichtigste Gabe ist emotionale Intelligenz. Und wir brauchen Laptop genauso wie Bauchgefühl und Erfahrung. Wir dürfen diese Themen nicht gegeneinander ausspielen. Und das ist eben die Frage, weg davon, Trainertypen in Schubladen zu legen, sondern wir brauchen beides.

Sprecher 2: Das ist aber natürlich eine schwierige Anforderung.

Sprecher 4: Ja, aber am Ende, wir haben es ja immer mit jungen Menschen zu tun und da brauchen sie am Ende genau das in den Arm nehmen, genauso wie eine Fehlerkultur zu erklären. Und auch der Führungsstil hat sich ja völlig verändert. Also wissen Sie, die Zeit von Befehl und Gehorsam ist längst vorbei. Zum Glück. Ja, zum Glück. Und das können sie auch nicht mehr. Sie müssen mit jungen Leuten ganz anders umgehen. Ich denke, dass wir schon auch mit den Konzepten, Hannes Wolf möchte ich erwähnen, Hier auch das inhaltlich, nämlich zu sagen, ganz einfach erklärt, wir müssen einfach auf kleineren Spielfeldern mit mehr Ballkontakten mehr Freude bekommen. Das sind ja wichtige Signale, aber das geht auch nicht von heute auf morgen in dem Punkt. Und wir können eben halt auch nicht sieben, acht, neunjährige, wie es früher der Fall war, auf große Tore über den ganzen Platz spielen lassen, mit großen Bällen und 2,44 mal 7,32 Tore spielen. Das ist ja irre. Also da sind wir ja zum Glück deutlich weiter.

Sprecher 2: Als E-Jugendtrainer bin ich selber im Breitensport aktiv und denke mir manchmal, es fehlt ganz unten an einfachsten Infrastrukturmaßnahmen. Ich habe gar nicht mehr das Gefühl, dass wir so eine Fußballnation sind, wenn ich sehe, wie viel Platzmangel wir haben, wie die Plätze aussehen, wie die Ausstattung dieser Vereine aussehen, die nicht die Top-Vereine sind, wo die Nachwuchszentren, also zum Beispiel die Bundesliga-Vereine logischerweise, wo die funktionieren, haben wir da inzwischen auch so ein Gap, wie wir es vielleicht auch in der Gesellschaft haben, zwischen den Top-Vereinen und denen ganz unten.

Sprecher 4: Naja, aber da, wo Sie früher und ich früher auf Bolzplätzen gespielt haben, da sind jetzt Straßen und Wohngebäude. So ist es. Wo sind die Bolzplätze? Ja, also das ist in der Tat ein Problem und da komme ich eigentlich zu einem viel größeren Thema, weg vom kleinen Fußball auf den Gesamtsport. Der Sport muss eine andere Bedeutung in unserem Lande bekommen.

Sprecher 2: In der Städteplanung, in der finanziellen Planung.

Sprecher 4: In allem, ganz genau. Der Sport ist der Schlüssel. Der Sport umfasst alle Bereiche. Wir werden immer dicker und fetter. Keiner kann mehr einen Purzelbaum machen, ohne dass er Kreislaufbeschwerden hat. Das heißt, das sind ja alles Themen, gucken Sie mal an, wie viele am Ende an Übergewicht und sonstigem leiden. Gesundheitlich, Thema Integration, Thema Sprache. Wo lernst du es einfacher und schneller als beim Kicken? Also wir haben ja nun wirklich, das kann der Schlüssel sein. Und wenn ich dann noch sehe, dann sind wir wieder bei der Politik, der Schulsport, ja zu meiner Zeit, ich bin Jahrgang 63, da gab es vier Schulsportstunden. So, viele Jahre später wurde die vierte Sportstunde einkassiert. Heute haben wir zwei. Und die fällt meistens noch aus, die zweite Stunde, da schmeißt der Musiklehrer einen Ball in die Mitte und sagt, mach Sport. So, das ist der Schulsport an unseren Schulen in der Frage. Und da wünsche ich mir ein ganz anderes, klares Bekenntnis. Denken Sie mal an England, als die Olympiade nach England vergeben worden ist. Da hat das Parlament entschieden, wir machen jetzt vier Sportstunden und wir träumen ja alle von der täglichen Sportstunde. Das wären Signale, das wären die richtigen Themen. Da würde ich mir einen breiteren Rücken auch von der Politik wünschen.

Sprecher 2: Voll bei Ihnen. Trotzdem wünsche ich mir auch eigentlich andere Signale des DFB, wenn ich jetzt sehe, dass beim E- und F-Jugendtraining bitte nicht zu viel Leistungskultur entstehen soll. Die Ergebnisse werden in Frage gestellt. Meine Tochter ist acht und spielt Basketball. Die kriegt bei ihrem Basketballspiel am Wochenende kein Ergebnis mehr mitgeteilt, weil es sie emotional beschädigen könnte, wenn sie dann verloren hat. Und beim Fußball eben jetzt diese Neuregelung bei der EU. Und F-Jugend, wo ich mich frage, warum? Natürlich wollen diese Jungs gewinnen und diese Mädchen.

Sprecher 4: Aber das wollen wir doch auch, Herr Brücker. Also das ist doch Unsinn zu sagen, wir wollen am Ende keine Leistungskultur mehr und ergibt, sondern hier geht es darum, dass wir, und ich fange mal oben an, um das zu erklären, das Beispiel, auch daran entzündete sich der Streit ja auch, was den Auf- und Abstieg angeht, beispielsweise auch in den Junioren-Bundesligen. Wir treiben die Vereine dazu, Millionen in den Nachwuchs zu investieren in der Frage, in der Bundesliga und wir haben mehr Leistungszentren, nämlich über 50, als wir Plätze in den Bundesligen haben, nämlich 3x14, 42. Das heißt, wenn am Ende jeder seine Arbeit gut macht, steigen ja trotzdem welche ab in der alten Regelung. Das heißt, es führte dazu, dass Jugendtrainer am Ende nicht mehr die Ausbildung in den Vordergrund gestellt haben, sondern das Ergebnis in den Vordergrund, weil sie gesagt haben, wenn wir absteigen, bin ich meinen Job los. Das heißt, das Thema der Ausbildung zu erklären, wie ich den Ball sauber mit der Innenseite von A nach B spiele, war nachrangig, sondern es war das Ergebnis im Vordergrund. Das führte dazu, dass Mannschaften abgestiegen sind und dann setzt, ich sage mal, der NLZ, also der NLZ-Tourismus, also dass am Ende junge Spieler gewechselt sind nach Abstieg, weil sie gesagt haben, ich will aber weiterhin in der Bundesliga spielen. Das heißt, dann sind Familien umgesiedelt worden, von A nach B, damit sie in der Spielklasse spielen. Und es gibt mittlerweile Studien, die ganz klar sagen, sagen, je länger die Verweildauer in demselben NLZ ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass du oben ankommst im Profifußball. Und das sind ja alles Dinge, die sie nicht ignorieren können. Und das hat aber nichts damit zu tun, wenn wir einen Abstieg abschaffen, dass wir die Leistungskultur abschaffen. Sondern das Ziel muss ja schon sein, natürlich möchte ich oben ankommen und natürlich muss ich auch mal einen Ellenbogen einsetzen. Ist doch gar keine Frage. Das gehört dazu, sonst wirst du auch keine Spiele mehr gewinnen später.

Sprecher 2: Sie waren ja selber mal in der Oberliga Nordrhein als Rechtsaußen tätig. Rettig jetzt können wir nur auf dem Platz. Nur auf dem Platz. Und kicken Sie selber noch?

Sprecher 4: Nein, ich laufe noch regelmäßig. Meine Knie machen das nicht mit. Aber ich war auch, muss ich fairerweise sagen, mit mäßigem Talent ausgestattet.

Sprecher 2: Trotzdem sind Sie heute ein wichtiger DFB-Fußballfunktionär. Und Sie wissen, spätestens wenn die EM beginnt, haben Sie wieder 82 Millionen Nationaltrainer und DFB-Chefs um sich herum. Wir wünschen Ihnen trotzdem viel Erfolg und bedanken uns für dieses Gespräch.

Sprecher 4: Hat Spaß gemacht, danke.

Sprecher 2: Während Sie mir hier zuhören, kratze ich mich ständig in der Kniekehle, am Bein, am Schienbein, überall Mückenstiche. Mit den sommerlichen Temperaturen sind auch die Mücken wieder unterwegs. Ein Ärgernis, wie Sie wissen, wie ich weiß. Und deswegen habe ich heute eine besondere Nachricht für Mückengeplagte Sommer- und Sonnenanbeter. In Kalifornien haben Gesundheitsbehörden eine neue Methode entwickelt, wie man zu vielen Mücken Herr werden kann und wie man sie los wird, ohne chemische Pestizide einzusetzen. Sie setzen einfach die Biologie dieser Insekten gegen sich selbst ein, indem sie sterilisierte Männchen freisetzen. Diese Mücken, die paaren sich also ohne neue Mücken zu produzieren und so sinkt automatisch die Population dieser dann doch relativ nervigen kleinen Viecher. Der Bezirk West-Berlin-Kalifornien. Sechs Städte rund um San Bernardino County, der führte im vergangenen Jahr das erste Mal dieses Programm ein. Und es scheint sehr erfolgreich zu sein, denn es soll jetzt ausgeweitet werden. Also liebe Gesundheits- und Umweltbehörden, auch hier im Berliner Westen oder gerne auch im Berliner Osten, bitte schaut euch doch mal diesen Modellversuch aus Kalifornien an und überlegt, ob wir die Plage der Mücken, die in diesem Sommer wieder droht, ob wir die nicht ein bisschen eingrenzen können. Ein Sommer ohne ständigen Juckreiz, das wäre doch mal eine wunderbare Aussicht. Er kommt ja ohnehin. immer viel zu spät dieser Sommer hier in Berlin, dann kann er doch mal wenigstens ohne Jucken und Kratzen auskommen. Ich würde mich freuen, auch wenn Sie morgen wieder bei uns dabei sind bei Table Today. Bis dahin, Ihr Michael Bröker.

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.