Wie stopfen wir die Investitionslücke, Herr Brandis?
Dauer: 27:33

Wie stopfen wir die Investitionslücke, Herr Brandis?

  • Tischgespräch mit Erdal Yalcin, Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Hochschule Konstanz: Sind Erdoğans Tage in der Türkei gezählt? 
  • Zu Gast am Runden Tisch: Investor Hendrik Brandes über Milliarden-Bürgschaften für mehr Wachstum, an denen der Staat mitverdienen könnte.
  • Nachtisch: Neue Gadgets sollen das Smartphone ersetzen 


Der Münchner Investor Hendrik Brandis schlägt einen Weg vor, wie Milliarden in das Wachstum innovativer, junger Unternehmen fließen könnte, ohne dass der Staat subventionieren muss oder die Schuldenbremse angreift. 


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Sie sind zurück, wahrscheinlich jedenfalls im Job aus den Osterfeiertagen. Wir waren in diesem Podcast nie weg und haben Sie hoffentlich ganz gut unterhalten und noch besser informiert. Mein Name ist Michael Bröker und mir geht's wie vielen von Ihnen. Ich bin in dieser Woche so etwas wie ein Strohwitwer, beruflich zumindest. Denn Helene Bubrowski weilt noch im Osterurlaub, aber ich verspreche Ihnen schon jetzt, morgen wird sie sich melden mit erhellenden Details zur italienischen Regierung Meloni. Mal schauen, was da zu erzählen ist. Es ist Dienstag, der 2. April, an dem wir an diesem Morgen mit ein bisschen Abstand ein Fazit ziehen wollen zu den durchaus überraschenden Kommunalwahlen in der Türkei. Sehen wir da etwa den Anfang vom Ende der Ära Erdogan? Antworten und die Prognose eines Türkei-Experten gibt es gleich. Unser Gast am runden Podcast-Tisch ist heute Hendrik Brandes. Wenn es um Risikokapital und die Gründerszene in diesem Land geht, dann ist dieser studierte Maschinenbauer und Gründer des Venture Capital Investors Early Bird einer der gefragtesten Gesprächspartner. Zusammen mit ihm werde ich mal darüber diskutieren, wie wir in Deutschland die Investitionslücken schließen können, ohne gleich die Schuldenbremse komplett zu zerschießen. Und zum Schluss wie immer was Konstruktives. Sie hören davon, wie wir das Smartphone in unserem Alltag etwas eingrenzen und die berüchtigte Screen Time zurückdrängen können. Die Antwort wird Sie vielleicht überraschen, denn wie man Feuer mit Feuer bekämpft, so lässt sich Technologie am Ende eben nur mit Technologie begegnen. Später mehr davon. Mein Name ist Michael Bröker und ich freue mich sehr, dass Sie heute wieder bei uns am Tisch von Table Briefings sind.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar. Ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 2: Als Recep Tayyip Erdogan an die Macht kam, das war 2002, regierte in Deutschland noch ein gewisser Gerhard Schröder.

Sprecher 4: Wir wollen eine internationale Politik machen, bei der Solidarität zum Bündnis völlig klar ist, aber auch klar ist, dass Solidarität nicht heißt Verzicht auf die existenziellen Entscheidungen, die wir selber zu treffen haben. Und diese internationale Politik, selbstbewusst, ohne Überheblichkeit, die will ich mit meinem Außenminister auch die nächsten vier Jahre miteinander und mit ihm zusammen machen.

Sprecher 2: Der Ketchup-Song war der Sommerhit des Jahres und wir hielten erstmals Euro-Bargeld in unseren Händen.

Sprecher 5: Am Frankfurter Hauptbahnhof gab es am Morgen noch leichte Irritationen.

Sprecher 6: Heute hatte ich zum Beispiel einen Kunden, der zahlte erst D-Mark, dann Euro und dann kam der Rest wieder D-Mark. Ich habe gesagt, Hilfe.

Sprecher 2: Der dann als Teuro zum Wort des Jahres gewählt wurde. Die AKP, übersetzt heißt das die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, erreichte damals im November 2002 die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen. Sie versprach Demokratie, die Achtung der Menschenrechte und die baldige Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Von einem neuen Zeitalter sprach Parteichef Erdogan. 22 Jahre später werden in der Türkei Regimegegner und oppositionelle Medien unterdrückt. Der Islam ist mehr denn je zur Staatsdoktrin geworden, die parlamentarische Demokratie weitgehend abgeschafft. Und die Mitgliedschaft... in der EU in weiter Ferne. Der Autokrat aus Ankara hat sich den Staat weitgehend zu eigen gemacht. Man muss gar nicht die Sprache verstehen, um zu hören, dass hier jemand gerne agitiert.

Sprecher 7: Ya, Üstüran, sen buradara nasıl geldin? Nasıl girdin? Sen bir işgalci sin. Sen bir örgütsün. Dolayısıyla, Türk milleti bu biliyor. İsrail, biz de seni savaş suchtusu olarak dünyaya ilan edeceğiz.

Sprecher 2: Immerhin, die freien Wahlen hat auch Erdogan noch nicht gänzlich abschaffen können. Und sie könnten nun das Ende seiner Ära eingeleitet haben. Denn bei den kommunalen Wahlen am vergangenen Wochenende musste Erdogans AKP eine herbe Niederlage, für viele eine überraschende Niederlage, einstecken. Darüber wollte ich jetzt sprechen mit Erdal Yalcin. Er ist Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Hochschule Konstanz und Forschungsmitglied am Weltwirtschaftsinstitut in Kiel. Zuvor war er stellvertretender Direktor des Bereichs Außenwirtschaft am IFO-Institut in München. Er ist ein ausgewiesener Türkei-Experte. Meine erste Frage an ihn natürlich erstmal, waren diese Wahlen überhaupt fair und demokratisch?

Sprecher 8: Man kann ganz klar festhalten, dass die Wahlen in der Türkei insofern nicht fair sind, da die Oppositionspartei in keinster Weise dieselben Möglichkeiten erhalten hat, sich in öffentlichen Medien wie Fernsehen und Radio den Wählern zu präsentieren, wie es der regierenden Partei, AKP-Partei in den meisten Medien möglich ist. Das führte dazu, dass die Oppositionspartei, die CHP insbesondere, über neue Medien wie YouTube und anderen Webportalen versucht hat, die Wählerschaft zu erreichen. Und in der Tat gelingt das in den jüngeren Jahren deutlich besser. Und gleichwohl ist es bemerkenswert, mit welcher Klarheit in den meisten Metropolen unter diesen schwierigen Bedingungen die Oppositionspartei gewonnen hat. In Ankara beispielsweise hat der CHP-Kandidat Yavash mit 30 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Die gute Nachricht wiederum ist, trotz der schwierigen, widrigen medialen Bedingungen ist die Umsetzung der Wahl weitestgehend dann doch sauber gelaufen. Es gibt auch bisher keinen Widerspruch vom Wahlrat der Türkei. Letztlich ist das insgesamt zunächst einmal eine positive Nachricht.

Sprecher 2: Also markiert jetzt dieser Erfolg der Oppositionspartei CHP bei diesen Wahlen eine Zeitenwende und vielleicht das Ende der Ära Erdogan?

Sprecher 8: Man kann ganz klar beim Wahlsieg der Oppositionspartei CHP in der Türkei von einer politischen Zeitenwende sprechen. Die CHP stellt in vielen Metropolen nunmehr den Bürgermeister und Zugleich hat sie auch die Mehrheit in den kommunalen Parlamenten erreicht, was bisher in vielen Städten nicht der Fall war. Beispielsweise in Istanbul hatte ja bereits schon Ekrem Imamoglu als republikanisches Mitglied das Amt des Bürgermeisters, aber im Parlament hatte weiterhin die AKP die Mehrheit. Das hat sich nun weitestgehend in vielen Städten zugunsten der Republikanischen Partei geändert. Das heißt, die Opposition wird in den kommenden Jahren sichtbare Politik auf dieser unteren kommunalen Ebene für die Bürger umsetzen können und für sich beanspruchen können. Die Vorbereitung auf Parlamentswahlen und Präsidentswahlen ist damit für die Oppositionspartei deutlich besser. Erdogan, der Präsident der Türkei, hat einmal gesagt, wer Istanbul beispielsweise regiert, wird auch die Türkei regieren. Ekrem Imamoglu, der Bürgermeister von Istanbul, hat somit jetzt wirklich eine Ausgangslage für sich geschaffen, dass er bei den nächsten landesweiten Wahlen dann sich zum Präsidenten wählen lassen kann.

Sprecher 2: Fazit, es wird also für den sonst so selbst- und machtbewussten Präsidenten Erdogan deutlich schwieriger in den kommenden Jahren. Und wir erfahren einmal mehr, nichts wert ewig. Auch Autokraten nicht. Seit 1997 gehört Dr. Henrik Brandes zu den großen Risikokapitalgebern in diesem Land. Seine Investmentfirma Early Bird investierte zum Beispiel in Firmen wie Interhyp oder TIP24. Den studierten Maschinenbauer und früheren McKinsey-Manager treibt seit Jahren um, wie junge Firmen auch in Deutschland nach den ersten Finanzierungsrunden richtig wachsen können. Woher kommt dann das Geld? Wer unterstützt innovative, technologisch orientierte Firmen? Er schlägt nun eine Lösung vor, die privates Geld mit staatlicher Absicherung in diese digitalen Firmen fließen lassen könnte. Es ist ein Deutschlandplan, der die Wirtschaft ankurbeln soll, ohne die Schuldenbremse angreifen zu müssen und gleich Subventionsmilliarden zu verteilen. Das wollte ich mir mal direkt anhören und habe deshalb Dr. Henrik Brandes in seinem Büro in München erreicht. Einen schönen guten Tag, Herr Brandes. Guten Tag, Herr Brücker. Wenn man an die Wirtschaftswunderjahre zurückdenkt, an die guten Jahre 50er, 60er Jahre, da hat Deutschland fast drei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts investiert in junge Wachstumsunternehmen. Wenn man das überträgt auf heute, wären das fast 150 Milliarden Euro. Jetzt erleben wir, dass ein Wachstumschancengesetz nach Monaten der Debatte mit einem Volumen von drei Milliarden Euro endlich beschlossen wurde. Verpassen wir gerade. große Chancen und tun einfach zu wenig, Herr Brandes?

Sprecher 9: Ich glaube ja. Ich glaube, wir investieren signifikant zu wenig, um auch das nochmal ins Verhältnis zu setzen. Die Gesamtinvestition in Wachstumsunternehmen im Jahr 2023 waren 7 Milliarden. Das im Verhältnis zu den 150 Milliarden sind gerade mal 5 Prozent. Und wir wissen aus jeder unternehmerischen Tätigkeit, die Investitionen kommen vor dem Wachstum und nicht umgekehrt. Und wenn wir heute nicht investieren, werden wir auch zukünftig nicht wachsen. Schon heute erleben wir die Konsequenzen des Unterinvestments der letzten 20 Jahre, und zwar in allen Bereichen der Volkswirtschaft.

Sprecher 2: Dann klären Sie uns auf, woher könnte das Geld für diese Investitionen kommen?

Sprecher 9: Ja, das ist in der Tat eine interessante Frage, insbesondere wenn wir uns vergleichen mit anderen großen Volkswirtschaften, allen voran der USA. Die profitieren davon, dass sie ein anderes Pensionssystem haben. Die haben ja kein Umlageverfahren, sondern die haben ein kapitalstockbasiertes Pensionsverfahren. Und da werden enorme Summen angespart, die über viele Jahrzehnte langfristig angelegt werden. Und diese großen Kapitalpools dienen als Basis für Wachstumsinvestitionen. In anderen Worten gesprochen, in den USA kommen 70, 75 Prozent der gesamten Wachstumsinvestitionen aus diesen Pools. Versionsfonds und Stiftungen. Das steht in der Form in Europa und gerade in Deutschland nicht zur Verfügung. Also müssen wir uns andere Kapitalquellen suchen, aus denen das kommen kann. Jetzt ist es aber nicht so, dass es in Europa dieses... Geld nicht gebe. Allein die deutsche Versicherungsindustrie investiert jedes Jahr 300 Milliarden Euro. Diese 300 Milliarden Euro gehen vornehmlich in Staatsanleihen oder hochsichere Unternehmensanleihen oder Immobilien. Wenn es uns gelänge, nur einen Teil dieser 300 Milliarden Euro, umzulenken, das ist ja nur, das ist ja nicht Europa, das ist ja nur die deutsche Versicherungsindustrie, muss man sich mal vorstellen, wenn ein Teil davon umzulenken, wäre das Kapital da. Jetzt fragt man sich, warum investieren die denn nicht in attraktive Wachstumsunternehmen?

Sprecher 2: Sie wollen ja selber auch eine Rendite haben.

Sprecher 9: So ist das. Und die Wachstumsinvestitionen haben ja eine weit höhere Rendite, eine weit höhere Rendite als das, was ich mir bei Staatsanleihen versprechen kann. Das ist ein regulatorisches Problem. Und zwar, wir haben uns in Europa Regularien ausgedacht für die Eigenkapitalinvestitionen von institutionellen Investoren, die mit anderen Leuten Geld handeln, also Versicherungen und auch Banken. Und das nennen wir Solvency II. Und da wird aus richtigen Überlegungen des Anlegerschutzes gefordert, dass bestimmte Investitionen mit einem hohen Grad an Eigenkapital von den jeweiligen Investoren unterliegt wird. Das ist bei Staatsanleihen null. Also ich brauche, es wird davon ausgegangen, dass Staatsanleihen komplett ausversichert sind, egal ob sie aus Griechenland oder aus Deutschland kommen.

Sprecher 2: Also komplett risikofrei.

Sprecher 9: Deswegen ist diese Investition in Staatsanleihen äußerst attraktiv für Versicherungen, weil sie eben kein Eigenkapital dafür aufbringen müssen. Wachstumsunternehmen ist die Eigenkapitalunterlegung extrem hoch, gerne 100 Prozent und sogar noch darüber hinausgehend. Und damit sehr teuer und entsprechend unattraktiv. Das ist nicht sachgerecht, was das tatsächliche Ausfallrisiko anbelangt. Während eine einzelne Wachstumsinvestition tatsächlich ein hohes Teilverlustrisiko hat, wie wir alle wissen, wenn ich in ein Startup investiere, ist das Teilverlustrisiko selbst bei professionellen Investoren 50%. Wird dieses Teilverlustrisiko abgemildert, wenn ich Portfolios bilde von Investitionen, die nicht miteinander korrelieren, die nicht voneinander abhängig sind, die völlig unabhängig sind in ihrem Erfolgsaussichten. Das geht, wenn ich erstmal Funds bilde auf einen kleinen zweistelligen Betrag, Risiko zurück, typischerweise wenn man rechnet 13 Prozent und wenn man dann verschiedene dieser Fonds miteinander kombiniert in einem sogenannten Fundaufwand, geht es auf ein Risiko zurück, das liegt unter einem Prozent, Teilverlustrisiko, nicht Vollverlust, Teilverlustrisiko, von unter einem Prozent bin ich. Also unter einem Prozent. Risiko habe und aber 100% Einkapital unterlegen muss, ist das nicht sachgerecht und führt dazu, dass diese Kapitalströme eben an Wachstumsinvestitionen komplett vorbeilaufen.

Sprecher 2: Also jetzt habe ich verstanden, es gibt also politische institutionelle Regulatorik, die verhindert, dass diese Milliarden, die dort liegen, in Pensionsfonds, Versicherungsunternehmen nicht aktiviert werden. Nun hat aber doch gerade der Bundesfinanzminister eine... WIN-Initiative gestartet über die Staatsbank KfW und deren CEO Windels. Reicht das nicht oder ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Sprecher 9: Ich denke, dass das eine sehr gute Initiative ist, die sehr unterstützenswert ist. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir hier über die richtige Dimension nachdenken. Also es gibt ja eine Initiative, auch von der KfW, die auch erfolgreich war, die im ersten Schritt eine Milliarde zur Verfügung gestellt hat als zusätzliche Mittel, die über drei, vier Jahre zu investieren sind. Das heißt, wir reden dort über irgendwas zwischen 250 und vielleicht 350 Millionen Investitionen pro Jahr. Wenn wir jetzt diese Initiative mit der gleichen Methodik erneuern und vergrößern und vielleicht auf drei Milliarden auswerten, ist das in jedem Fall gut und richtig. Allerdings liegen wir dort um Größenordnung oder zumindest um eine Größenordnung daneben dessen, was eigentlich die Volkswirtschaft bräuchte. Deswegen denke ich, sollten wir versuchen, tatsächlich diese enormen Summen an institutionellen Geldern, ich habe das Beispiel Versicherungsindustrie genannt, es gibt aber auch andere, umzulenken in die dringend benötigten Wachstumsinvestitionen, indem wir das Regelwerk ändern. Problem ist jetzt, Solvency II als europäisches Regelwerk ist jetzt nicht über Nacht änderbar, weil dafür braucht es eben die Übereinstimmung der EU-Mitgliedstaaten. Das wird jetzt nicht innerhalb von ein, zwei, drei Jahren möglich sein, vermute ich. müssten wir uns unterhalten, was tun wir in der Zeit, bis wir dieses Regelwerk entsprechend sachgerecht angepasst haben.

Sprecher 2: Also was können wir national tun?

Sprecher 9: Oder auch europäisch, aber zumindest können wir mal national anfangen. Man kann aus dieser Not eine Tugend machen, weil es auf der einen Seite eine hohe Rendite gibt, bei einem ganz geringen Ausfallrisiko. Da könnte der Staat hineingehen mit seiner hohen Bonität. Und eine solvenzig gerechte Ausfallsicherheit zur Verfügung stellen.

Sprecher 2: Also lassen Sie uns das nochmal konkretisieren und damit man es versteht. Also der Staat, der hat eine AAA-Bonität, darauf ist ja Christian Nitten auch immer besonders stolz. Und der würde dann quasi wie bei einer Hermes-Bürgschaft für besonders sensible Exporte von Unternehmen in geopolitisch risikohafte Länder, würde er reingehen und sagen, ich übernehme für dich als Privatunternehmen das Ausfallrisiko auf Kosten des Steuerzahlers, damit dieses Investment passiert. Richtig verstanden?

Sprecher 9: Die Analogie zu Hermes ist sehr gut. Das ist exakt das, was wir vorschlagen. Dass man sagt, für ein weitgehend ausfallsicheres Portfolio von Wachstumsinvestitionen geht der Staat hinein und übernimmt eine in Anführungsstrichen Hermes-Bürgschaft, also eine Ausfallbürgschaft. Lässt sich dafür aber bürstlich bezahlen. Denn dann... Wenn ein solches Portfolioausfall gesichert ist durch den Staat, werden die Versicherungsinvestoren bereit sein, bei weit geringeren Renditen schon zu investieren, als das Portfolio tatsächlich liefert. Also in Zahlen gesprochen, wenn das... Portfolio 13 bis 15 Prozent liefert, dann ist eine ausfallgesicherte Investition sicherlich bei 6, 7 Prozent für die Versicherung attraktiv. Und dann kann der Staat die Differenz 7, 8 Prozent für sich als Kompensation nur für die Hermes-Bürgschaft, ist keine Hermes-Bürgschaft, also Ausfall-Bürgschaft, Wenn der Staat also tatsächlich dort mit einer Milliarde Bürgschaft antritt oder 10 Milliarden, wie wir es jetzt vorgeschlagen haben, pro Jahr, sind das eben 700, 800 Millionen pro Jahr.

Sprecher 2: Die der Staat zur Verfügung bekommt als quasi Risikorendite.

Sprecher 9: Genau. Ohne ein Euro aufzuwählen.

Sprecher 2: Ja, weil das Verhetzungspotenzial, wenn ich Ihrem Vorschlag folge, ist natürlich groß, wenn ich an die Linke, politisch Linke denke, die sofort sagt, warum soll der Staat jetzt auch noch die Zockerei der privaten Unternehmen in Deutschland in irgendwelche Startups absichern?

Sprecher 9: Naja, es ist eine Rendite, eine Geschäftsmöglichkeit, um den Haushalt zu stärken. Also der Staat kriegt Geld. Umdrehen erreicht er damit, dass umfänglich Kapital in Bereiche hineinfließt, wo wir es gerne hätten und aus Bereichen herausfließt, wo wir es gerne nicht so hätten. Und wir leisten die Zukunftsinvestitionen in unsere Volkswirtschaft, um Wachstum auch für unsere Kinder zu sichern. So wie wir es damals im Zeitalter des ersten Wirtschaftsrundes gemacht haben.

Sprecher 2: Aber ja, das stimmt. Da musste der Staat im Grunde die Volkswirtschaft ja auch neu aufgebaut werden. Jetzt sind wir in einem saturierten Markt. Und natürlich ist die Frage dann auch berechtigt bei einem Privatvermögen, ein privates Geldvermögen von sieben Billionen Euro in Deutschland ungefähr. Fragen natürlich dann auch zu Recht viele politische Beobachter, warum investiert die Wirtschaft nicht ohnehin in diese Risikoklassen, stärker in diese Wachstumsunternehmen, so wie es in anderen Ländern zum Beispiel in den USA ja auch der Fall ist. Das Geld ist ja da. Warum will die Wirtschaft dieses Risiko jetzt teilweise auf den Staat verlagern? Die Frage muss ja erlaubt sein.

Sprecher 9: Ich möchte nochmal darauf hinweisen, die USA investiert in wesentlichen Stiftungen und Pensionsfonds. Warum ist das so? Weil nämlich die Kapitalbindung in Wachstumsunternehmen sehr groß ist. Also die Zeitdauer, wo das Kapital illiquide ist, ist sehr hoch. Nämlich gerne bei zehn Jahren, manchmal sogar darüber. Da fühlen sich private Investoren in aller Regel außerordentlich unwohl, es sei denn, es sind bestimmte Investoren, die sehr geduldig sind. Und dazu gehören typischerweise eben Pensionsfonds, dazu gehören Stiftungen, dazu gehören auch in Ausnahme Family Offices, die sich sehr lange verpflichten und sehr langfristig denken. Jetzt haben wir leider diese großen Stiftungen, Pensionsfonds nicht. Deswegen müssen wir versuchen, wie wir andere Kapitalquellen, die tatsächlich vorhanden sind, für uns erschließen. Und was wir tun de facto ist, mit unserer selbstgemachten, hausgemachten Regulatorik, wir verhindern, dass private, langfristig orientierte Investoren, die es machen, machen könnten, nämlich wie zum Beispiel Versicherungen, die ihr Kapital langfristig anlegen können, dass diese in diese Asset-Klassen hineingehen. Und ich glaube, diese selbstgemachte Hürde sollten wir abräumen. Nur braucht das eben, ich weiß es nicht, eine gewisse Anzahl von Jahren, die ich schwer einschätzen kann als Nicht-Politiker. Und die Zeit dazwischen würde ich ungern verlieren. Deswegen sage ich, lass uns doch die Zeit dazwischen nutzen. Und der Staat kann sogar einen Vorteil daraus generieren und eine Stärkung des eigenen Haushalts erreichen, indem er das überbrückt mit seiner eigenen Bonität. Niemand muss irgendwelches Geld auf dem Tisch legen. Und es haben alle Vorteile.

Sprecher 2: Das klingt so logisch, dass der Finanzminister und der Bundeskanzler und der Wirtschaftsminister, der ja Standortpatriotismus angemahnt hat, doch eigentlich sofort einschlagen könnte. Haben Sie denen das Modell schon mal vorgestellt?

Sprecher 9: Ja, das habe ich. Und ich habe auch den Eindruck, es stößt auf Interesse. Ich würde es mir zumindest wünschen. Ich werbe dafür. Und leicht wird das nicht sein, weil da gibt es natürlich alle möglichen Regulatorien, wo ich gar nicht so richtig tief drin bin. Das geht von Beihilfe-Problemen auf EU-Ebene aus, also so von dann für Europafonds öffnen. Das wird sicher so sein, dass natürlich der Verdacht an vielen Stellen, die möglicherweise auch nicht so genau in dem Thema drin entsteht, dass hier sozusagen private Investoren mit öffentlichen Garantien subventioniert werden sollen, was nicht Sinn der Sache ist. Dafür muss man aufklären und überzeugen und das versuche ich.

Sprecher 2: Herr Brandes, Sie sind seit fast 30 Jahren Investor, Early Bird, Mitgründer 1997 und Sie entscheiden täglich, wohin das Geld Ihrer Anleger fließen soll. Wer entscheidet in Ihrem Modell denn genau, wohin die Milliarden, die vom Staat abgesichert werden, dann fließen sollen? Wo gibt es überhaupt diese renditestarken Unternehmen in einer schrumpflen deutschen Wirtschaft noch?

Sprecher 9: In meinem Modell wäre der Vorschlag, dass das die KfW Capital tut, als letztlich eine halbstaatliche Bank. Und die könnte auswählen, welche... Privatwirtschaftlichen Investmentfonds sie für geeignet hält, hier zu unterstützen und dort dann entsprechend Fondsanteile zeichnen. Und die direkte Investition in die jeweiligen Wachstumsunternehmen, diese Entscheidungen werden dann von den Investmentcommittees dieser privaten Investorenfonds, die ja nicht nur finanziert sind von staatlichem Geld, sondern zum Teil mit staatlichem Geld dann finanziert werden würden. Die Entscheidungen würden dann lokal getroffen werden. Und es würde eben ein ganz breit diversifiziertes Portfolio entstehen, das aufgrund seiner Breite und seiner Diversität extrem robust und stabil sein wird.

Sprecher 2: Zum Abschluss, Herr Brand, ist noch ein kleiner persönlicher Anlagetipp. Wo sind denn als Investor gerade in Deutschland die starken, wachstumsfähigen Branchen und Unternehmen, auf die Sie gerade schauen und wir auch schauen sollten?

Sprecher 9: Also was ich beobachte, ist, dass die technologischen Fähigkeiten in Deutschland, im Grunde die wissenschaftliche Basis, Technologiebasis ist fantastisch. Nach wie vor fantastisch. Das Grad an Innovation, die wir beobachten, ist enorm. Und das geht von Raketenunternehmen wie Easy Aerospace über generative AI-Unternehmen wie Alpha, aber auch in sehr innovative Kernfusionsthemen wie Marvel Fusion. Das geht in den Bereich Quantum Computing, Unternehmen wie Elektron oder auch Climate Tech Unternehmen wie Greenlight, die CO2 wieder aus der Luft holen mit einer innovativen Technologie. Aber auch in vielen Bereichen wie Fintechs, ob es jetzt ein N26 oder Trade Republic ist, der Grad der Innovativität und des Unternehmertums in Deutschland ist etwas, was mir überhaupt keine Sorge macht. Das Einzige, was mir Sorge macht, ist, dass unser Anteil an tatsächlich dann global führenden Technologieunternehmen weit zu gering ist. Wir haben kein Google, kein Meta und kein Apple hier aus Deutschland heraus. Und nicht, weil wir nicht die Technologie oder den unternehmerischen Drive hätten, sondern weil schlicht in der späteren Wachstumsphase die Kapitalvolumina fehlen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Und das müssen wir ändern. Und diese Initiative soll dem dienen.

Sprecher 2: Die Ideen sind da, das Geld noch nicht. Gut, dass wir über einen konstruktiven Vorschlag gesprochen haben. Ich bedanke mich für diese Idee an diesem Tag, lieber Herr Brandes. Einen schönen Tag nach München.

Sprecher 9: Vielen Dank, Herr Brücker, für Ihr Interesse.

Sprecher 2: Wenn Sie mögen, dann testen Sie sich doch heute mal selbst. Machen Sie die Probe aufs Exempel. Haben Sie über die zurückliegenden freien Ostertagen mit Familien und Freunden das Smartphone und andere digitale Geräte mehr oder weniger genutzt? Ich gebe zu, selbst an dem einen oder anderen Feiertag war meine Bildschirmzeit bei mehr als vier Stunden. Eine kleine Wischgeste auf Ihrem Smartphone gibt Ihnen nämlich ganz detailliert die Bildschirmzeit oder Screentime genannt, die das Smartphone für Sie im Hintergrund misst. Fast drei Stunden sind es im vergangenen Jahr bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gewesen. Pro Tag, versteht sich. Und fast zweieinhalb Stunden sind es noch, wenn Sie, wie ich, zu Generation X oder auch den verruchten Boomer gehören. Also rund 38 Tage im Jahr verbringen wir vor den digitalen Geräten. So richtig gesund kann das nicht sein. Weder für die Augen noch für die Körperhaltung und noch viel weniger für unsere sozialen Beziehungen. Aber Lösung scheint jetzt in Sicht. Und diese Lösung ist doch mehr Technologie, die uns umgeben soll. Was auf den ersten Blick paradox erscheinen mag, könnte uns vom ständigen Gestarrer auf die Bildschirme tatsächlich befreien. Es ist eine Kombination aus Wearables und künstlicher Intelligenz. Seit der Consumer Electronics Show Anfang des Jahres bekommt ein kleines Gerät namens Rabbit R1, sehr viel Aufmerksamkeit.

Sprecher 10: This is what I got in the fridge. Can you make me a nice dish that's low in calories?

Sprecher 11: Let me see. How about a green garden omelette? It's a delicious and low-calorie dish that combines the freshness of broccoli and cabbage with the creaminess of eggs. Here's a simple recipe for you.

Sprecher 2: R1 ist eine Art Smartphone, aber ohne Apps und Gedöns. Stattdessen ist dieses, man will fast schon sagen, Anti-Smartphone voll und ganz darauf ausgerichtet, auf Fragen seiner Nutzer zu reagieren und dank künstlicher Intelligenz diese verbal zu beantworten. Auch AI-Pin aus Kalifornien. Natürlich ist ein vielversprechendes Gerät. Es ist noch kleiner und noch smarter. Es ist kleiner als eine Dose Creme, lässt sich am Hemd oder am Revers befestigen und kann Texte verschicken, Anrufe machen, fotografieren oder Musik abspielen. Was es allerdings nicht hat, ist Apps oder einen Bildschirm.

Sprecher 12: Tell Andrew I'll be there later tonight.

Sprecher 13: Your message to Andrew says I'll be there later tonight. Okay to send?

Sprecher 12: Make me sound more excited.

Sprecher 13: Your message to Andrew says I'll be there later tonight. Can't wait. Okay to send?

Sprecher 12: Yes.

Sprecher 2: Es ist eine Art Chat-GPT am Hemdkragen. Und es könnte damit bedeuten, viel mehr Me-Time und viel weniger Screen-Time. Mit diesem optimistischen Ausblick wünsche ich Ihnen... einen großartigen Dienstag. Ich freue mich über Ihr Feedback, Ihre Kritik und Anregungen unter podcast.table.media und hoffe, dass Sie morgen wieder dabei sind. Dann ist auch Helene Bubrowski wieder dabei. Ihr Michael Bröcker.

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.