Wie gefährlich ist TikTok, Frau Niejahr?
- Tischgespräch: Wie sieht die Zukunft für die Northvolt-Batteriefabrik an der Nordseeküste aus?
- Zu Gast am Runden Tisch: Elisabeth Niejahr, Geschäftsführerin der Hertie-Stiftung, sieht Social Media als Gefahr für die Demokratie
- Nachtisch: Hunde verstehen Wörter ganz genau
Ab sofort präsentiert Table Media seinen täglichen Podcast Table Today einmal monatlich in Kooperation mit der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Wie Demokratie gelingen kann, wo sie verbessert werden muss und wie sie gegen ihre Feinde verteidigt wird, werden die Themen in diesen Folgen sein. Elisabeth Niejahr sieht die Sozialen Medien als einen der entscheidenden Verbreitungswege für rechtsextremes Gedankengut. Ein unglaubliches Maß an Desinformation werde zum Beispiel über TikTok verbreitet. Niejahr ist allerdings skeptisch, ob ein Verbot von TikTok der richtige Weg sein kann.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today. Democracy Spezial. In Kooperation mit der Hertie Stiftung.
Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Table Today, Ihrem elektrisierenden Podcast von Ihrem Medium des Vertrauens, Table Briefings. An meiner Seite wie immer und heute besonders unter Strom Michael Bröker.
Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, liebe Elin.
Sprecher 2: Genau so kennen wir ihn. Ja, Michael, wir wollen über Elektrizität sprechen. Die All Electric Society, Olaf Scholz und Robert Habeck, der Vizekanzler, sind in Dithmarschen, um die Firma Northvolt zu besichtigen, wo die Batterien der Zukunft entstehen sollen. Und was das alles für uns bedeutet, darüber wollen wir gleich sprechen. Zu unserem Tischgespräch kommt Elisabeth Nija. Wir haben heute wieder eine Folge von Table Today Democracy in Kooperation mit der Hertie Stiftung. Und wir sprechen über Social Media und ob TikTok eigentlich verboten werden müsste. Und zum Nachtisch haben wir etwas über Hunde. Und das ist interessant, ob man nun Hundeliebhaber ist oder nicht. Diese netten Wesen sind noch intelligenter, als wir dachten. Sie können mit ihrer Nase ganz unfassbare Dinge anstellen. Olaf Scholz und Robert Habeck waren gestern im Kreis Dithmarschen, wo ein großes Batteriewerk steht, der schwedischen Firma Northvolt. Dort sollen die Batterien der Zukunft entwickelt werden, mit dem Wind, der an der Küste weht. Deutschland hat es am Ende doch geschafft, dieses Unternehmen, das fast nach Amerika abgewandert wäre, für Deutschland zu gewinnen, mit einer kleinen Zugabe von um die 700 Millionen Euro von Land und Bund. Ist das nun unsere Zukunft?
Sprecher 4: Ist Heide die Blaupause für die neue energieintensive Industrie in diesem Land, Helene? Das ist eigentlich die große Frage dahinter, denn wenn wir es schaffen, die grünste Batterie der Welt in Deutschland zu produzieren, an einem Ort, wo es so viel grüne Energie gibt wie nirgendwo anders, dann könnte das echt ein Game Changer sein. Allein es fehlt mir noch der Glaube, sonst gäbe es wahrscheinlich auch nicht 700 Millionen Euro Staatsgeld, damit die überhaupt hier hingekommen sind. Aber es ist eine optimistische und konstruktive Bewertung dieses Vorgangswerts.
Sprecher 2: Interessanterweise ist ja von dem heutigen Stromverbrauch, der liegt im Jahre 2023 bei 517 Terawattstunden, also eine enorme Menge. Wird ja, das ist die gute Nachricht, über 50 Prozent schon aus erneuerbaren Energien produziert. Allerdings die Batterien kommen ja Stand heute zu einem großen Teil. Da reden wir von um die 90 Prozent aus Korea, aus China und so weiter. jetzt nachlegen und die Frage ist schon, die man sich stellen muss, sind wir da wettbewerbsfähig?
Sprecher 4: Ja, zunächst mal muss man ja sagen, bei der Batteriezellenproduktion soll ausschließlich grüner Strom genutzt werden, was Experten übrigens für fraglich halten. Denn eine Batteriezellenfabrik braucht diesen grünen Strom rund um die Uhr. Den gibt es selbst in Heide nicht. Und deswegen sagen Experten wie Stefan Bratzel vom Automotive Research Center in Bergisch Gladbach, dass sie auch konventionellen Strom beziehen werden in Heide. Das heißt, dieser Experte aus Bergisch Gladbach glaubt schon mal nicht, dass man da wirklich komplett mit grünem Strom eine Batteriezellenproduktion aufziehen kann.
Sprecher 2: Ja, das wird man wahrscheinlich erst in Zukunft sehen. Die Hoffnung im Bundeswirtschaftsministerium ist ja, dass gerade die überschüssige Windkraft dort eingespeist werden und genutzt werden kann. Also teilweise weht der Wind im Norden eben so stark, dass das... Netz, das Stromnetz, diesen Strom gar nicht absorbieren kann, weil der Verbrauch gar nicht so groß ist und das mit der Weiterleitung und Speicherung eben noch nicht so gut funktioniert, sodass diese Energie, die so produziert wird, eben grün produziert wird, für die Batterieherstellung genutzt werden kann.
Sprecher 4: Also wenn alle Träume und Wünsche aufgehen, Helene, ist es natürlich wirklich die Blaupause für das neue grüne Industrieland. Denn wenn dort Batterien grün produziert werden, die dann wiederum als Produkt zentral, fundamental für die Energiewende auch im Automobilmarkt sind, dann würde ich natürlich sagen, herzlichen Glückwunsch. Denn die Batterie soll ja schließlich als zentrales Element eines Elektroautos. uns komplett vom Verbrenner lösen. Und wer weiß, ob wir nicht doch die Nachfolgetechnologie des Verbrenners dann hier in Deutschland auch wesentlich mitgestalten können.
Sprecher 2: Interessant ist ja schon, wie diese Batterien funktionieren, Michael. Die Idee ist ja die eines Akkus, das ins Auto eingebaut wird. Und wenn ich es richtig verstanden habe, soll die nicht nur Energie speichern, sondern möglicherweise auch als Steckdose dienen. Oder du bist der Experte in diesem Bereich. Du bist der bessere Autofahrer auf jeden Fall. Also erzähl uns, wie...
Sprecher 4: Es geht hier um das bidirektionale Laden. Also du nutzt nicht nur elektrischen Strom zum Antrieb deines Autos, sondern dein Auto selbst funktioniert wie ein Akku und kann den Strom durch diese großen Batterien zurückgeben an externe Geräte. Also du kannst mit deinem Elektroauto dann am Ende vielleicht sogar auch noch den Kercher oder die Wärmepumpe oder vielleicht das Haus wieder zurückladen, weil dieses Auto am Ende als Stromspeicher funktioniert. Das ist die Idee. Und moderne Elektroautos, übrigens die aus China zum Beispiel, BYD, können das bereits.
Sprecher 2: Ja, in der Tat, im Kreis Dithmarschen entscheidet sich auch die Zukunft Deutschlands. Und interessant ist, was die Ampelkoalition in ihren Koalitionsvertrag reingeschrieben hat. Das sind durchaus ambitionierte Ziele. Dort ist die Rede von einem Bruttostrombedarf im Jahr 2030 von 680 bis 750 Terawattstunden. Das ist wirklich enorm viel. Derzeit gehen Berechnungen davon aus, dass man etwas weniger brauchen wird. Um die 650 Terawattstunden. Also es könnte etwas unter dem liegen, was die Koalitionäre vereinbart haben, weil wir eben doch noch nicht so weit sind mit der Elektrifizierung. Und weiteres Ziel des Koalitionsvertrages ist, dass 80 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen sollen. Dafür braucht es einen noch größeren Netzausbau, auch die Trassen, die von Norden nach Süden verlegt werden müssen und so weiter. Also das ist natürlich auch die Krux an der Sache. Dieser Koalitionsvertrag geht von 21 bis 25, wenn die Ampel denn hält. Ziele werden ausgegeben für 2030, wo möglicherweise und ziemlich wahrscheinlich, würde ich heute sagen, nicht mehr die Ampel an der Regierung ist.
Sprecher 4: Deswegen müsste man eigentlich fragen, wie viel Strom steckt eigentlich noch in dieser Ampelkoalition. Aber das ist ein anderes Thema für ein anderes Opening.
Sprecher 2: Du bist jedenfalls unter Strom, musst sofort weiter, Michael. Danke für diese energetischen Minuten. Wie ich bereits angekündigt habe, haben wir heute ja wieder eine Sonderfolge Demokratie Spezial und deswegen sitzt mir gegenüber am Tisch Elisabeth Nija, Geschäftsführerin der Hertie Stiftung. Hallo Elisabeth.
Sprecher 5: Hallo Helene, schön bei euch zu sein.
Sprecher 2: Wir wollen heute sprechen über Social Media und die Risiken, aber vielleicht auch die Chancen, die darin liegen für die Demokratie. Ich fange an mit einem Zitat von Roderich Kiesewetter, dem CDU-Abgeordneten, der kürzlich dem Handelsblatt sagte, TikTok sei eine Gefahr für die Demokratie. So hat es Kiesewetter gesagt. Wie siehst du das?
Sprecher 5: Er hat recht. Also generell sind Social Media immer beides. Also den arabischen Frühling hätte es ohne Social Media nicht gegeben. Die Opposition im Iran teilt der Welt mit, was sie tut über Social Media und nutzt digitale Medien aller Art dafür. Allerdings haben wir auch gelernt, schon im arabischen Frühling, dass sich die ganzen Hoffnungen oder auch die, die die Piratenpartei hatte, dass Social Media unbedingt zu einer, die ganze Liquid Democracy sozusagen eine bessere Welt ist. Da gab es ja tolle Prognosen, die haben sich halt bekanntlich auch nicht erfüllt. Und ich glaube, es ist auch nicht überraschend, dass sich gerade Rechtsextreme und auch Rechtspopulisten so auf Social Media wie TikTok, Twitter und andere, stürzt haben. Der Grund dafür ist ganz einfach, dass sie bei regulären klassischen Medien weniger Gehör gefunden haben und weniger durchgedrungen sind. Also der Leidensdruck war sozusagen auch größer und die Notwendigkeit, an ihre Wähler potenzielle Anhänger zu kommen, einfach sehr viel größer als bei anderen Parteien. Deswegen haben wir eben das Phänomen, dass viele von diesen Medien, die gerade von Jugendlichen besonders intensiv genutzt werden, TikTok allein 1,5 Milliarden weltweit, eben ein unglaubliches Ausmaß an Hass und Hetzen und Desinformationen auch transportieren.
Sprecher 2: Ja, Elisabeth, du sagst es, die Gefahr von Desinformation, die von TikTok ausgeht und nicht nur TikTok, sondern natürlich auch alle anderen sozialen Medien. Übrigens auch ansonsten, der öffentliche Raum wird geflutet von Desinformation, von interessierter Seite, von Russland, von anderen autoritären Mächten. Das ist das, was man als hybride Kriegsführung ansieht, als hybride Bedrohung. Dass auf verschiedenen Ebenen eben Verunsicherung gestiftet werden soll und man eben einfach gar nicht mehr weiß, was nun stimmt und was nicht stimmt. In Amerika hat jetzt ein Bundesstaat TikTok bereits verboten mit einem weiteren Argument, nämlich dass die Daten einfach nicht sicher seien, dass über diese App auch Spionageaktivitäten laufen könnten. Jedenfalls, dass die Daten der Nutzer eingesaugt werden wie eine Krake. Wie siehst du das? Ist das wirklich nur der... Kampf für die Erhaltung unserer Demokratie oder stecken da noch andere Dinge hinter? Und was bedeutet das für Deutschland? Sollen wir TikTok auch verbieten?
Sprecher 5: Also ich bin da bei solchen Verboten sehr skeptisch. Ich glaube, man braucht mehrere Dinge. Also zum einen in den USA spielt mit Sicherheit auch eine grundsätzliche Skepsis gegenüber China eine Rolle. Also TikTok ist ja eine chinesische Plattform. Das hat die ganze Kontroverse sicher noch angeheizt. Trotzdem ist es auch richtig, dass TikTok ein Instrument für Datenklau und Datenabsaugen ist und natürlich Kunden auch geschützt werden müssen. Ich glaube, der Staat kann und muss sinnvoll regulieren. Also genau sowas kann er, also Datenschutzgesetze kann er natürlich durchsetzen, er kann Strafgelder verhängen, wie das jetzt zum Beispiel auch bei TikTok der Fall gewesen ist. Aber am Ende ist mindestens genauso wichtig eine gute Medienbildung für Konsumenten. Sowohl Schüler als auch Erwachsene im Unterricht Medienbildung einzubauen, ist ja sogar noch das Einfachere für Erwachsene, die sich vielleicht einfach damit nicht beschäftigen, die keine Digital Natives sind für ältere Menschen. Da ist das Problem mit Desinformation teilweise sogar noch größer. Und die zu erreichen, das ist wirklich auch eine Aufgabe für alle, auch für die Zivilgesellschaft. Unsere Stiftung macht da auch einiges. Wir arbeiten mit Arbeitgebern zusammen, die wiederum ihre Beschäftigten schulen zum Thema Desinformation. Da müssen, glaube ich, ganz unterschiedliche Kräfte mitwirken.
Sprecher 2: Ja, mein Gefühl ist auch, dass Verbote... dazu kurz greifen, denn meistens, wenn man eine Plattform verbietet, ist die nächste schon da. Und wir haben es schon gesagt, TikTok ist nicht die einzige Plattform, auf der Desinformation verbreitet wird. Deswegen gibt es auch Stimmen wie etwa die Grünen, die sagen, man solle nicht verbieten, ganz ungewöhnlich für eine Partei, die den Ruf hat, alles verbieten zu wollen, man solle nicht verbieten, sondern das etwa lösen über den Digital Services Act, also die Rechtsvorschriften, die die Europäische Union erarbeitet hat, die eben dazu zwingen, falsche Inhalte zu löschen. Die Frage ist aber, du hast es angesprochen, viel größer, was tun wir, was können wir tun als Gesellschaft? Als wehrhafte Demokratie gegen Desinformation. Es ist ja gar nicht so einfach und wir müssen vielleicht jetzt mal auseinanderdröseln, was davon ist staatliche Aufgabe, worum müssen sich die Verfassungsschutzbehörden und auch das Bundesinnenministerium wirklich kümmern und was ist Aufgabe der Zivilgesellschaft, auch der Medien, weil es ja eben in Deutschland kein Wahrheitsministerium gibt, das verbindlich entscheiden kann, was nun stimmt und was nicht stimmt. Also fangen wir mal mit dem ersten Punkt an. Elisabeth, was ist primär staatliche Aufgabe im Kampf gegen Desinformation, insbesondere aus dem Ausland?
Sprecher 5: Gerne. Also ganz grundsätzlich, glaube ich, gehört zum Kampf um die Demokratie auch immer der Kampf um Medien und Journalismus. Wer darf wem wann was sagen? Wo fängt die Propaganda an und wo hört die Information an? Also es gibt ja viele, viele Historiker, die nachgewiesen haben, die Bedeutung von Propaganda für die NS-Herrschaft. Und so hat jedes Schreckensregime sich immer auch der Medien bedient und manipuliert, um an die Macht zu kommen. Insofern ist aber auch die Frage, wer ist heutzutage überhaupt grundsätzlich noch ein Journalist? Kann jeder, der irgendwie ein Video postet, auf YouTube für sich beanspruchen, dass er qualitätsvoll die Öffentlichkeit informiert? Also das sind ja alles neue Bereiche, wo Grenzen sozusagen neu vermessen werden. Medien können nicht mehr so wie früher die Wahrheit kuratieren. Das sind erstmal so die Rahmenbedingungen, unter denen alles stattfindet. Und nur einen wirklich kleinen Teil kann man durch Regulierung lösen. Stichwort Datenschutz hatten wir eben schon. Und das zweite ist, glaube ich, die ganz offensichtliche Volksverhetzung. Also sobald irgendwelche Hakenkreuze, Runen, andere NS-Symbole gezeigt werden, offen rassistische, menschenverachtende Dinge gesagt werden, Antisemitismus. Ist eins von vielen Feldern. Da ist es, glaube ich, ganz klar, dass sowas angezeigt werden kann und muss und der Staat auch kräftige Strafen verhängen kann. Ich glaube, da haben wir eher ein Umsetzungs- und Anwendungsproblem als ein Regelungsproblem. Da reicht eigentlich sogar die gesetzliche Grundlage, was also definiert ist als verboten, reicht eigentlich schon aus, sondern da geht es eher darum, ist unsere Polizei, sind unsere Sicherheitsinstitutionen eigentlich gut ausgestattet dafür, sowas zu erkennen, Gerichte sowas zu verurteilen, sowas zu... Sanktionieren, das ist ja ein relativ neues Phänomen und insofern muss man leider auch den Nutzern sagen, es ist total sinnvoll, Hassrede oder Verhetzung irgendwie anzuzeigen. Es ist aber auch kein Gewehr dafür, dass alles sofort geahndet und sanktioniert wird. Ist, glaube ich, eine grundsätzliche Frage. Soll man etwas unter Strafe stellen, was der Staat nicht immer bestrafen kann? Ich finde ja, da gibt es ja so einige Beispiele dafür, bis hin zur Vergewaltigung in der Ehe. Also der Staat kann auch Normen setzen und sagen, das ist in der Gesellschaft nicht erlaubt, auch wenn es seine Behörden nicht schaffen, jeden einzelnen Straffall sofort zu sanktionieren.
Sprecher 2: Ja, ja, in der Pandemie hatten wir all diese Diskussionen, was machen wir mit den Kontaktbeschränkungen, die gar nicht verfolgbar sind, die gar nicht kontrollierbar sind. Und da gehen die Meinungen ja durchaus auseinander. Man kann es so sehen, dass der Staat eine Art von Werteordnung vorgibt, was gewünschtes Verhalten ist und was nicht gewünschtes Verhalten ist, auch wenn es nicht kontrolliert werden kann. Man kann natürlich auch sagen, das ist reine Symbolgesetzgebung und da macht sich der Staat unglaubwürdig, wenn er Regeln vorgibt, auf deren Einhaltung er am Ende gar keinen Einfluss hat. Also es ist in der Tat... schwierig. Ich habe das selber gerade kürzlich wieder erlebt, eine totale Hetzkampagne auf Twitter wegen einer Sendung, in der ich eigentlich keine besonders überraschenden Dinge gemacht habe, wo dann wirklich schlimmste, tatsächlich auch antisemitische Äußerungen gefallen sind auf Social Media bis hin zu dem Wort Judenfotze. Ich sage es jetzt einfach mal so ungeschützt, um auch mal zu sagen, was man sich so anhören muss. War es aber natürlich nicht. unter Klarnamen war und da stellt man sich dann eben auch als betroffene Person die Frage, soll man das überhaupt anzeigen mit der sehr geringen Wahrscheinlichkeit, dass es verfolgt wird. Lass uns nochmal über ein konkretes Beispiel sprechen und zwar die Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die kürzlich abgebildet wurde mit dem Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Und es sich kurze Zeit später herausstellte, dass das auch ein Fake-Post war. Was aber, und das gestehe ich offen, nicht auf den ersten Blick zu erkennen war, auch ich habe das erst für echt gehalten. Und dann erst, wenn man wusste, naja, vielleicht hätte sie freundlicher geguckt, wenn das jetzt wirklich ein Foto ihrer PR-Abteilung gewesen wäre. Und mittlerweile ist ja das, was man als Deepfake bezeichnet, einfach so gut, dass es echt schwer zu erkennen ist. Das ist dann die Aufgabe wahrscheinlich für die Medienerziehung. Nancy Feser sagt sogar für die Kindergärten. Wie siehst du das?
Sprecher 5: Also ich glaube, dass gerade jetzt dieses sogenannte Superwahljahr und auch das nächste Jahr, das Jahr der Bundestagswahl, gerade so eine kritische Übergangsphase sind. Ich bin ganz optimistisch, dass so in ein, zwei Jahren viel mehr Menschen gelernt haben, Deepfakes vielleicht nicht immer sofort zu erkennen, aber zumindest zu wissen, dass es sowas gibt, ein bisschen skeptisch drauf zu gucken, was sie so auf ihrem Smartphone entdecken. Aber im Moment haben diejenigen, die solche Deepfakes produzieren, eigentlich noch recht gute Voraussetzungen, damit auch viele, viele Menschen zu täuschen, weil der erste natürliche Impuls ja erstmal ist, zu sagen, das habe ich mit... meinem eigenen Augen gesehen und so und das zu glauben. Ich habe selber gerade bei einer Dienstreise letzte Woche so ein Problem mit Desinformation erlebt, wo ich sagen muss, das ist wirklich ganz, ganz schwer mit Regulierung oder staatlichen Maßnahmen dagegen anzukommen. Das war ein Besuch in einer sächsischen Kleinstadt, wo Jugendliche Dinge erzählt haben über Kriminalität von Migranten, von Vergewaltigung und so weiter. Und mir hinterher der zuständige Bürgermeister sagte, das sei alles überhaupt nicht so, das sei total übertrieben und hatte auch die Kriminalstatistiken angewiesen. Und für mich klang das sehr, als ob das vielleicht auch dem Medienkonsum dieser Jugendlichen zuzuschreiben ist. Und wir haben ja wirklich das Phänomen, dass gerade junge Menschen, gerade in Thüringen und Sachsen gab es jetzt einige Untersuchungen, zu den größten Fans der AfD gehören und sehr stark auch so dieses Thema Sicherheit und so, wo man früher dachte, das engstigt vor allem ältere Menschen, gerade diejenigen, das sehr, sehr stark artikulieren. Und das sind Dinge, die kriegt man nicht gesetzgeberisch ohne weiteres in den Griff, welche Narrative verbreitet werden und wer sozusagen die Deutungshoheit hat, einfach qua Masse und qua Personal und so. Und ich glaube, da sind vor allem zwei Dinge wichtig. Also zum einen so die Medienerziehung und zum anderen auch einfach Ressourcen. Also auch andere Parteien müssen sich überlegen, ob sie auf TikTok präsent sein wollen, mit wie viel Mittel sie dafür haben. Und auch die Zivilgesellschaft muss sich dieses Themas annehmen. Und Gegenrede ist so das Stichwort der Stunde, glaube ich. Also auch einfach nicht alle Sachen unwidersprochen stehen lassen.
Sprecher 2: Ja, also so sagt es ja auch Luisa Neubauer. Wir gehen jetzt erst recht da rein. Also wir überlassen TikTok, wir überlassen die anderen sozialen Medien eben nicht der AfD und den Trolls und den Rechtsextremisten oder denen, die es mit der Demokratie nicht gut meinen, sondern wir müssen eine laute Gegenwehr bilden und auch die Demokratie verteidigen. Das ist jetzt die Frage in der Tat auch an die Parteien. Es geht das Gerücht um, dass die AfD viel, viel mehr Mitarbeiter eingestellt habe für Social Media als andere Parteien. Das sind eigentlich Zahlen, die man mit Vorsicht genießen muss. Die Rede ist von über 100. Man weiß nicht ganz genau, ob das wiederum auch schon Propaganda der AfD ist, die sagt, wir sind bei Social Media so super aufgestellt und die anderen sind so schlecht aufgestellt. Muss man da, wie gesagt, vorsichtig sein. Und trotzdem, was klar ist, ist, dass die AfD und in anderen Ländern sind es andere populistische Parteien, das Potenzial von Social Media sehr klar und deutlich erkannt haben, während viele der anderen Parteien, kürzlich war ein SPD-Abgeordneter hier, der erzählte, dass er gerade erst angefangen habe, überhaupt ein Profil anzulegen. Also die anderen Parteien sind relativ langsam damit. Ist das der Appell, jetzt mal loszulegen und auch als demokratische Partei? aktiv zu werden?
Sprecher 5: Also ich glaube, gute Parteien sind da, wo ihre Wähler sind. Und da kann man nicht sagen, das interessiert mich nicht. Wenn viele Menschen am ehesten durch Social Media erreichbar sind, dann muss man genau dort sein, so wie man auf Marktplätze gehen muss und Haustürwahlkampf machen muss, um erfolgreich zu sein. Also ich glaube, das markanteste Beispiel war eigentlich Donald Trump und Twitter, der ja auch schon irgendwie vor einigen Jahren da wirklich unheimlich viele Menschen erreicht hat, wo das ein großes Thema war und wo am Ende aber Twitter ihn auch von der Plattform verbannt hat. Also es can be done. Und spätestens da hätten eigentlich viele, die jetzt sagen, sie fangen jetzt gerade mal an, sich um zu gucken, wach geworden sein müssen. Und ich finde, die Debatte kommt in Deutschland wirklich ein paar Jahre zu spät.
Sprecher 2: Kommt zu spät, deswegen ist unser Appell von heute, wacht auf, geht dahin, wo die Menschen sind und das ist eben auch auf den sozialen Medien. Haltet dagegen, wenn Falschinformationen kursieren, stellt sie richtig, meldet sie und schreibt vor allem selber was. Auch die Politikerinnen und Politiker haben Diskurs sich zu beteiligen. Meine Überzeugung ist am Ende, dass eine lebendige Demokratie vor allem dann... Beständig bleibt, wenn ein ständiger Diskurs stattfindet und wenn die Mehrzahl der Stimmen diejenigen sind, die die Demokratie verteidigen und man den Platz nicht denen überlässt, die sie abschaffen wollen.
Sprecher 5: Und erklärt es euren Kindern, aber vielleicht auch manchmal euren Großeltern, weil die haben sonst keinen.
Sprecher 2: So ist es. Vielen Dank, da sind wir uns zum Ende hin doch sehr einig in unserem gemeinsamen Appell, Elisabeth. Vielen Dank, dass du heute bei uns warst.
Sprecher 5: Ja, schön bei euch zu sein. Danke, Helene.
Sprecher 2: In unserem Nachtisch geht es um Hunde. Und ich muss gestehen, dass ich eigentlich nicht die große Hundeliebhaberin war, bis ich einmal beim Frankfurter Zoll als Journalistin dabei war und gesehen habe, wie unfassbar intelligent Hunde sind, wie sie Bargeld riechen können, große Mengen an Bargeld, wie sie Drogen riechen können, wie sie sogar Elfenbein und eingelegte Schlangen im Gepäck rausgezogen haben. Also diese Nasen sind einfach Wahnsinn. Die haben 25 mal mehr Geruchsrezeptoren als wir Menschen und sind tatsächlich 10.000-fach feiner. Hunde können, auch das ist schon bekannt, bei der Krebstherapie helfen, weil sie tatsächlich riechen können, ob jemand zum Beispiel Lungenkrebs hat, aber auch Darmkrebs können sie erkennen. Das hat mich doch überzeugt, einen anderen Blick auf Hunde zu werfen, die natürlich auch als Blindenhunde und in vielerlei Hinsicht einfach ganz, ganz toll sind. Und jetzt, und das ist unser Nachtisch, gibt es eine Studie aus dem Journal of Current Biology, in dem gesagt wird, dass Hunde nicht nur riechen können, sondern auch Worte verstehen können. Und zwar nicht nur im Sinne des Pavlovschen Reflex. Es passiert irgendwas, der Hund weiß. wie er reagieren muss, damit er ein Leckerli bekommt, also dieses Reflexhafte, sondern dass Hunde tatsächlich Worte verstehen können und Worten bestimmte Objekte zuordnen können. Das heißt, wenn man zum Beispiel sagt Ball, dann weiß der Hund nicht nur gleich wird irgendwas geworfen, das muss ich holen und kriege ein Leckerli, sondern er weiß, dass der Ball ein rundes Ding ist, mit dem man spielen kann. Also das Fazit ist, Hunde sind total schlau und jeder, der einen Hund an der Seite hat, kann sich glücklich schätzen. Das sagen meine Kinder auch. Ich bleibe trotzdem erstmal dabei, dass wir einen Vierbeiner in unserer Wohnung nicht haben werden. Und das war es schon wieder heute am Dienstag, den 26. März. Ich freue mich, wenn Sie morgen wieder dabei sind. Kommen Sie gut durch diesen Tag. Der Frühling nähert sich. Ostern steht vor der Tür. Machen Sie es gut. Ihre Helene Bubrowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.