Ist 'Made in Germany' noch ein Gütesiegel, Herr Adrian?
- Tischgespräch: Nach dem Habeck-Lindner-Treffen: Wohin steuert die SPD in der Wirtschaftspolitik?
- Zu Gast am Runden Tisch: Peter Adrian vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag spricht darüber, wie Standortvorteile anderer Länder immer mehr zum Nachteil Deutschlands werden.
- Nachtisch: Fahrräder ohne Motor werden inzwischen überholt
Peter Adrian spricht über einen Trend, der Politik, Unternehmen und Beschäftigte beunruhigen muss: Deutsche Unternehmen investieren inzwischen mehr im Ausland als in ihrer Heimat.
Adrian sieht auch den Fachkräftemangel als Hemmnis für den Wirtschaftsstandort. Aus seiner Sicht ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Teil der Lösung. „Wir müssen Frauen die Chance geben, aus der Teilzeit herauszukommen“, sagt Adrian. Er rechnet vor: „Zwei Stunden Mehrarbeit bei den Teilzeitbeschäftigten pro Woche würden 500.000 Stellen pro Jahr entsprechen.“
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Sie sind wieder dabei, wie schön. Und ich bin auch da. Helene Poprowskis mein Name. Und heute ist Donnerstag, der 14. März. Herzlich willkommen zu Table Today. Wir haben heute ein volles Paket und es geht um Wirtschaft in allen Bereichen. Aber zuerst möchte ich mal den Kollegen Michael Bröker, den geschätzten Kollegen aus der Chefredaktion, begrüßen. Hallo Michael.
Sprecher 3: Hallo Helene.
Sprecher 2: Ja Michael, wir reden heute über die Wirtschaft, die ja stagniert. Für dieses Jahr ist ein ganz minimales Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent prognostiziert. Aber das kommt im Grunde genommen einer Stagnation gleich. Weil die Lage so krisenhaft ist, hat gestern um die Mittagszeit im Bundeswirtschaftsministerium ein ziemlich klandestines Treffen stattgefunden, wo im Laufe des Tages das eine oder andere bisschen durchgesickert ist, von dem wir Ihnen hier berichten können. Im Bundeswirtschaftsministerium kamen Robert Habeck und Christian Lindner zusammen. Das für sich ist natürlich schon eine Nachricht, weil die beiden sich nicht richtig grün oder nicht richtig gelb sind. Der eine ist für die Lockerung der Schuldenbremse, der andere dagegen. Der eine will mehr Geld ausgeben, der andere weniger. Also die Meinungen gehen vollkommen auseinander, wie man diese Wirtschaftskrise löst. Dazu, sie waren nicht zu zweit, sondern dazu kamen vier Wirtschaftswissenschaftler, nämlich... Monika Grimm und Ulrike Malmendier, die beiden Wirtschaftsweisen. Außerdem Moritz Schularik und Lindners Chefberater Lars Feld. Außerdem die Chefs von BDI, DIHK und BDA und ZDH. Also wirklich die Crème de la Crème der deutschen Wirtschaft. Und einer von ihnen ist heute auch zu unserem Tischgespräch da, nämlich DIHK-Chef Peter Adrian. Darauf können Sie sich gleich schon freuen, was es aus dem Gespräch rausgesickert. Es ist gegangen gestern um Bürokratieabbau, um die Frage von Abschreibungen, um Steuererleichterungen. Und offensichtlich gibt es eine vorsichtige Annäherung zwischen Lindner und Habeck in puncto Schuldenbremse. Also eine Lösung, die für alle Seiten gesichtswahrend ist und trotzdem die Wirtschaft wieder in Gang setzt. Auch um Fachkräfte und Arbeitszeit sei es gegangen. Und das ist das eigentlich Interessante, denn diese Themen begleiten uns ja schon lange. Das eigentlich Interessante ist, dass sich alle einig sind, dass es, halten Sie sich fest, ein Big Picture, einen großen Wurf braucht. Dazu, so war es aus Regierungskreisen zu hören, liegen die Ideen jetzt auf dem Tisch. Sie werden jetzt vertraulich weiter beraten und sollen dann umgesetzt werden. Wir schauen drauf. Außerdem und parallel dazu, wo Grüne und Gelbe im Wirtschaftsministerium sitzen, arbeitet auch die SPD an einer eigenen Wirtschaftsstrategie.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Ja, die SPD will sich ganz offensichtlich zur Wirtschaftspartei mausern, nachdem sie zuletzt doch vor allem als Partei des, na ich würde schon sagen, Paternalismus wahrgenommen worden war. Wir wollen schauen, wie viel Wirtschaft steckt in dieser Partei. Michael, was hat die SPD vor?
Sprecher 4: Ich würde sagen, zugespitzt, zumindest Lars Klingbeil sieht es so, mehr Gerhard Schröder, weniger Saskia Esken. Es gibt einen berühmten Spruch des ehemaligen Bundesgeschäftsführers Peter Glotz, der hat gesagt, die SPD darf nicht immer nur im Betriebsrat dieser Nation sitzen, sondern sie muss auch mal in den Vorstand wechseln. Also Wirtschaft ist ein Kernthema eigentlich für die SPD, für die Arbeitnehmerschaft. Und Lars Klingbeil will wieder stärker in diese Richtung gehen. Klammer auf, die Frage ist, welche Maßnahmen schlägt er wirklich vor, die der Wirtschaft helfen? Eines hat schon mal Olaf Scholz klar gemacht, nämlich bei der Sozialstadt gibt es keinerlei Reformen. Es gibt ja einen eingefrorenen Sozialstaat, laut Olaf Scholz. Also ich bin mal gespannt, welche wirklich entlastenden Maßnahmen für die Wirtschaft auch von der SPD kommen könnten.
Sprecher 2: Weil die SPD ja sehr klar definiert hat, was ihre heiligen Kühe sind. Und das ist nicht nur die Rente mit 63, sondern es ist auch das Bürgergeld, mit dem ja die SPD ihr Trauma Hartz IV überwinden wollte. Also wo da eigentlich Raum sein soll für... Dynamisierung ist mir nicht ganz klar.
Sprecher 4: Ja, Bürokratieabbau einerseits. Es soll auch steuerliche Entlastungen geben für die Mitte. Also das, was auch die Union fordert, auch die FDP fordert. Also die Fachkräfte, die Arbeitnehmer jenseits des Bürgergelds und weit unter den reichen Steuer- oder Spitzensteuersätzen, die sollen entlastet werden. Allerdings... Durch eine höhere Abgabe bei den Reichen. Also die Reichensteuer soll ausgeweitet werden. Es soll eine Art vorübergehende Krisenabgabe dieser Reichen geben, die heute schon reichensteuerpflichtig sind. Und den Soli, den die FDP abschaffen will, den die Union abschaffen will, den wünscht sich Lars Klingbeil als eine Art Zukunftsabgabe für Investitionen. Und sie wollen an die Schuldenbremse ran. Also sehr viel mehr Geld, mehr Staat erstmal reinholen, um dann an anderer Stelle zu entlasten.
Sprecher 2: Ja, das ist ja immer die Frage, ob mehr Staat eigentlich Wirtschaftsdynamisierung bringen kann. Mir kommt das alles immer sehr paternalistisch vor. Was ja überhaupt die Haltung von Olaf Scholz ist, alle diese Botschaften, you never walk alone, wir haben die Bazooka, wir haben noch diese und jene Hilfe für euch, weil no one will be left behind. Ein Ansatz des Kümmerers, der aber eigentlich nicht den Leuten das Gefühl gibt, nehmt euer Leben selbst in die Hand und macht was damit.
Sprecher 4: Voll richtig, Helene. Die Selbstverantwortung ist irgendwie in Wahlkämpfen oder in Programmen der SPD immer erst an zweiter oder dritter Stelle, wenn überhaupt genannt. Und ich verstehe nicht, warum er nicht jetzt, gerade jetzt, die Weichen stellt für dauerhaften, dauerhaften Wachstum in diesem Land. Und das geht natürlich nur, indem man auch an der Angebotsseite der Unternehmen runtergeht, zum Beispiel bei den Abgaben und Steuern im Energiebereich. Das ist und bleibt ein internationales Standortproblem für uns, denn die Steuern und Abgaben sind, selbst wenn sie wieder im Vorkrisenniveau sind, sind immer noch höher als in fast jedem anderen OECD-Land. Das muss doch auch die SPD mal verstehen. Gerhard Schröder hätte es verstanden.
Sprecher 3: Naja, aber mich befremdet.
Sprecher 2: Das ist schon, wo du jetzt Gerhard Schröder ansprichst, sehr dieses Diktum mehr Gerhard Schröder. Denn Gerhard Schröder ist, wenn wir uns erinnern, jemand, den die SPD eigentlich ausschließen wollte und aus meiner Sicht auch aus gutem Grund ausschließen wollte. Er ist der, der ein enger Freund nach wie vor Wladimir Putins ist, der Deutschland in die Abhängigkeit des Gases geführt hat und auch in die politische Abhängigkeit. Also Stichwort ist Moskau Connection. Wie kann man sich als SPD auf diesen Kanzler noch beziehen?
Sprecher 4: Ja, indem man differenziert, liebe Helene, das ich eigentlich ja bei dir immer lerne, nämlich zwischen der Wirtschaftspolitik des Gerhard Schröder, zwischen der Reformagenda des Gerhard Schröder und seiner Russland-Politik, die übrigens, Klammer auf, bei Frank-Walter Steinmeier, bei Lars Klingbeil und Saskia Esken und Manuela Schwesig und wie sie alle heißen, in den letzten 10, 15 Jahren nicht anders intoniert wurde, vielleicht außer der persönlichen Freundschaft von Gerhard Schröder zu Putin.
Sprecher 2: Ja, aber er war die Bezugsperson. Ja, natürlich, aber er war die Bezugsperson. Er hat das Ganze aufgegleist und es ist ja auch ein Teil seiner Wirtschaftspolitik gewesen, denn das billige Gas hat die deutsche Wirtschaft angekurbelt und für das billige Gas zahlen wir, aber allen voran die Ukrainer, jetzt einen extrem hohen Preis.
Sprecher 4: Alles richtig und trotzdem geht es mir eigentlich um Reformen, die struktureller Natur sind. Die hat damals Gerhard Schröder angepackt, 2003, und ich habe das Gefühl, Olaf Scholz traut sich dies nicht. Es gibt keine demografiefeste Rente, wenn man alles so weitermacht wie bisher und sogar das Rentenniveau einfrieren lässt. Es gibt keinen echten Umbau des Staates im Sinne von mehr Effizienz. Wenn er sagt, der Sozialstaat soll so bleiben, wie er ist, das bedeutet ja auch, man darf gar nicht mehr über Effizienz reden, über Treffsicherheit. Da kommt eine Kindergrundsicherung mit 5. 1000 neuen Stellen in der BA und niemand redet darüber, ob man nicht vielleicht auch den Staat effizienter an der einen oder anderen Stelle gestalten kann, ohne den Sozialstaat irgendwie zu schreddern. Das verlangt doch keiner. Aber mehr Treffsicherheit ist doch wohl erlaubt.
Sprecher 2: Natürlich mehr Treffsicherheit. Gießkannenprinzip haben wir schon in der Pandemie gemerkt, dass sich das nicht lohnt. Und natürlich ist auch der Stellenaufbau innerhalb der Bundesregierung, auch der Landesregierung wahnsinnig teuer. Und man fragt sich, du hast es bei der Kindergrundsicherung angesprochen, kann es wirklich sein, dass es im Jahr 2024 Tausende neuer Stellen braucht, um Anträge zu bearbeiten? Kann man das nicht automatisiert tun?
Sprecher 4: Ja, und ich glaube, wir brauchen auch eine Föderalismusreform, also mutigere, radikalere Ideen eigentlich, um die Wirtschaft wieder leben zu lassen. Bürokratieentlastungsgesetze haben wir jetzt vier Stück, aber immer noch klagt jeder Unternehmer, der mal versucht, ein Unternehmen zu gründen, über das, was in den nächsten Monaten dann auf ihn zukommt. Also ich wünsche mir von SPD und gerade auch von Lars Klingbeil, der eigentlich ein pragmatischer Sozialdemokrat ist, mal den einen oder anderen überraschenden, modernen Vorschlag jenseits von der Reform der Schuldenbremse, über die man ja diskutieren kann.
Sprecher 2: Über die man diskutieren kann, über die die Ökonomen diskutieren. Aber in der Tat, Bürokratieabbau, sagte ja neulich der VDMA-Präsident Heusgen, so treffend am allermeisten würde ihm helfen, wenn einfach nicht so viele Gesetze verabschiedet würden. Jedes Gesetz, das nicht in Kraft tritt, ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau.
Sprecher 4: Aber das Hauptargument, Helene, ist doch für mich, die Fachkräfte, die Arbeitnehmer, sie gehen doch nicht mehr zur Wahl und wählen die SPD. Wenn die SPD also eine Arbeiterpartei ist, warum sind sie dann bei 2? 12, 13, 14 Prozent. Hat das nichts mit der vielleicht Priorisierung der Politik der SPD in den vergangenen Jahren zu tun? Viele Themen haben sie aufgemacht, aber die Kernthemen eines Arbeiters, Inflation, Mieten, Wohnungen, auch Entlastungen, auch Bürokratie, auch Abgaben sind nicht angegangen worden. Und das ist aus meiner Sicht der Grund, warum die SPD bei 12, 13, 14 Prozent liegt.
Sprecher 2: Ja, die SPD hat das Image der paternalistischen Kümmererpartei. Jedenfalls sehen wir das an diesem Tisch so. Aber interessant ist doch, dass die SPD nun mit Vorschlägen um die Ecke kommen will. Denn bislang hatte man ja den Eindruck, Olaf Scholz glaubt allein an die Kraft der Autosuggestion. Das Ganze werde sich schon von selber so entwickeln. Allein die vielen Journalisten und die vielen Demoskopen in diesem Land sehen es nicht. Er hat aber das Zauberrezept gefunden und die Landschaften werden blühen in diesem Land, ohne dass man sehr viel tun muss. Vor allem wird es nicht sehr viel kosten. Allein wie es gehen soll, hat er nicht erzählt, außer dass er das in Hamburg angeblich schon mal geschafft haben soll. Und da muss ich als Hamburgerin, als stolze Hamburgerin sagen, nur blühende Landschaften gibt es in dieser wunderbaren Stadt auch nicht. Und insofern gehen Grüße raus an alle Hamburger.
Sprecher 4: Aber Helene, ich finde es auch manchmal ein bisschen mickrig zu sagen, Hamburg, ich habe es doch schon in Hamburg gemacht. Hamburg ist doch nicht Deutschland. Wir haben einen vielfältigen Industriestandort, der gerade leidet massiv. Und dann verweist er darauf, dass er beim Wohnungsbau in Hamburg schon mal was geleistet hat. Aus meiner Sicht müsste man mal ein bisschen aufhören mit diesen Verweisen auf Hamburg.
Sprecher 2: Ja, sowieso. Verweise auf Erfolge in der Vergangenheit helfen einem meistens in der Aktualität nur sehr begrenzt. Und wie du sagst, Hamburg ist nicht doch. Deutschland in Klammern leider. Nein, das nehme ich sofort zurück. Das ist alleine mein kleiner Patriotismus, den ich mir leiste. Es ist ansonsten auch tatsächlich so, dass in Hamburg leider auch noch Luft nach oben ist.
Sprecher 4: Lars Klingbeil jedenfalls, Helene, wahrscheinlich ist, dass er das jetzt antreibt aus der Partei. Da ist auch ein kleiner Fingerzeig, wo er die SPD nach einer möglichen Ära Olaf Scholz hintreiben möchte. Denn er ist der Mann nach Olaf Scholz. Und vielleicht ist das auch ein Fingerzeig, wie er die SPD entwickeln möchte.
Sprecher 2: Also er dann doch der ehemalige Mitarbeiter im Büro von Gerhard Schröder. Also doch in den Fußstapfen. Jedenfalls in denen möglicherweise ins Kanzleramt. Wir werden es sehen. An unserem Tisch nimmt jetzt Peter Adrian Platz, der Chef der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Er vertritt sage und schreibe 3,5 Millionen Unternehmen in diesem Land und ist einer der mächtigsten Wirtschaftsführer. Auf dem Weg zu dem Treffen im Bundeswirtschaftsministerium, über das wir gerade schon gesprochen haben, hat er bei Table Briefings vorbeigeschaut und Michael Bröker konnte mit ihm sprechen.
Sprecher 5: Ja, schönen guten Tag, Herr Brücker.
Sprecher 4: Es gibt eine spannende Umfrage der DIHK unter 1900 Unternehmen, da geht es um die Auslandsinvestition. Und wenn ich den Koordinator dieser Umfrage richtig verstehe, Herrn Notnagel, gibt es erstmals eine Trendwende, dass die Investitionen Deutscher in Unternehmen nicht mehr dem Standort Deutschland zugutekommen, sondern zusehends im Ausland getätigt werden. Ist das eine dauerhafte Trendwende weg vom Standort Deutschland?
Sprecher 5: Zumindest im Moment ist es eine erkennbare, dauerhafte Trendwende. Und das Bedenkliche an dieser Trendwende ist, dass Sie feststellen, dass die Entscheidungsgründe für diesen Wegzug damit begründet wird, dass die Kostenstrukturen in Deutschland schlechter sind als in anderen Ländern und deshalb Standorte in anderen Ländern gewählt werden. Das heißt, wir sehen hier klar eine Wettbewerbsverzerrung zulasten Deutschlands.
Sprecher 4: Wir kennen natürlich die Klagen der Unternehmer, der Wirtschaft über die Abgaben- und Steuerbelastung der Wirtschaft seit Jahrzehnten. Wir wissen auch, Auch die Infrastruktur, die Fachkräfte ist auch ein Thema, was nicht erst seit gestern auf dem Tapet liegt. Warum ist es jetzt offenbar auch in den Zahlen erstmals so spürbar, dass der Standort Deutschland leidet?
Sprecher 5: Ich glaube, der Auslöser war die extreme Kostenverteuerung im Bereich der Energie. Wir sind ja wieder zurückgenommen. Aber wenn Sie gerade tagesaktuell mal schauen, was zahlen Sie für die Megawattstunde Gas in den Vereinigten Staaten?
Sprecher 4: Wissen Sie es jetzt?
Sprecher 5: 6 Euro. Was zahlen Sie in Deutschland? Irgendwo 20, 25 Euro. Also das heißt, da ist ganz klar erkennbar, die Standortvorteile bei den Energiekosten sind in anderen Ländern viel besser.
Sprecher 4: Also Sie sagen, nur weil wir jetzt zwar wieder Vorkrisenniveau erreicht haben, heißt das nicht, dass wir besser sind als andere große Standorte, mit denen wir uns vergleichen?
Sprecher 5: Genau, die anderen Standorte haben sich ja auch in den Kosten nochmal nach unten entwickelt, dass Delta bleibt. Also wir haben in den Vereinigten Staaten ein Fünftel der Energiekosten, die Sie in Deutschland haben.
Sprecher 4: Die IHKs sind ja vor allem auch für die Ausbildung zuständig und ich möchte mit Ihnen mal einmal über Fachkräfte reden. Seit 1. März gibt es das Fachkräftezuwanderungsgesetz. Sie haben es auch gelobt. Viele Vertreter der Wirtschaft haben es gelobt. Man kann jetzt wahrscheinlich noch keine Folgen spüren. Aber wenn zwei Millionen offene Stellen auf zweieinhalb Millionen Arbeitslose treffen, was läuft da gerade in diesem Land falsch?
Sprecher 5: Wenn Sie diese Zahlen betrachten, dann muss man sagen, da ist ein Matching wohl kaum möglich. Das heißt, aus den zweieinhalb Millionen Arbeitslosen können Sie die zwei Millionen offene Stellen nicht bedienen. Das ist, glaube ich, auch dem Bundesarbeitsminister klar. Das heißt, wir müssen hier andere Instrumente... Aber wir dürfen natürlich auch nicht aus dem Auge verlieren, die zweieinhalb Millionen Arbeitslose so nachzuqualifizieren und so, sage ich mal, zu betreuen und zu beraten, dass wir sie weitgehend auch nochmal in den Arbeitsprozess integrieren.
Sprecher 4: Was kann die Bundesregierung tun, um das Matching dann vielleicht durch ein höheres Inlands-Erwerbskräfte-Potenzial, Stichwort Frauen, Ältere oder eben durch eine verstärkte Zuwanderung auszugleichen?
Sprecher 5: Also wir haben nach wie vor... Große Defizite im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir haben ja gerade vor wenigen Tagen nochmal erfahren, Frauen in unserer Gesellschaft werden schlechter bezahlt, aber vor allen Dingen deshalb schlechter bezahlt, weil wir nach wie vor die Situation haben, dass viele oder viel zu viele in Teilzeit sind. Also wir müssen Frauen die Chance geben, aus der Teilzeit rauszukommen. Nur zwei Stunden mehr Arbeit, bei denen Teilzeit beschäftigen würde, uns im Schnitt pro Woche würden 500.000 Vollzeitarbeitskräfte pro Jahr ergeben. Das heißt, da steckt ein Rieseneffekt drin.
Sprecher 4: Das heißt Betreuung, Kitas, Infrastruktur.
Sprecher 5: Genau, trotz guter Kita-Gesetz funktioniert die Kinderbetreuung in Deutschland nicht zufriedenstellend für die jungen Familien. Dann brauchen wir natürlich auch nochmal Anreize. Um Menschen, die eigentlich schon aus dem Arbeitsprozess ausscheiden, altersbedingt, um die noch zu halten, um ihnen vernünftige Übergangsregelungen zu ermöglichen, Anreize zu schaffen.
Sprecher 4: Dass sie mehr von ihrem Einkommen im Alter haben dürfen.
Sprecher 5: Genau. Und dass sie vielleicht mit ein bisschen weniger Arbeit einen angenehmen Übergang machen. Situation bekommen, der sie auch körperlich dann auch gut gerecht werden können. Und last but not least, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist meiner Meinung nach ein guter Wurf, aber jetzt fehlen die Instrumente, um ganz schnell im Ausland Fachkräfte zu gewinnen. Bei der Visa-Erteilung zu helfen, unkompliziert und ihnen dann auch unkompliziert hier in Deutschland mit einer Willkommenskultur entgegenzutreten. Das fehlt ja auch. Das fängt bei der Wohnungssuche an, die Aufenthaltsgenehmigung. Da sind viele Strukturen nochmal zu verbessern, um einfach... Zu sagen, es macht Spaß, nach Deutschland zu kommen.
Sprecher 4: Ich komme auf die Zuwanderung zurück. Nur eine Frage nochmal zum älteren Erwerbspotenzial. Sollte man die Rente mit 63 abschaffen?
Sprecher 5: Ja.
Sprecher 4: Nächste Bundestagswahl, Pflichtbedingungen aus Sicht der Wirtschaft.
Sprecher 5: Wir haben ja mal einen sozialdemokratischen Arbeitsminister gehabt, der hat die Rente mit 67 eingeführt. Das war eine gute Entscheidung und wir sehen es ja einfach, dieses Rentenversicherungssystem wird auf Dauer kollabieren, wenn wir da nicht klar gegensteuern.
Sprecher 4: Und zum Thema Zuwanderung, würden Sie vorschlagen, dass die Asylbewerber, die ja ohnehin da sind, die nach allen Studien auch kaum wieder, selbst wenn sie eigentlich keinen echten Schutzstatus haben, kaum abgeschoben werden können, dass sie dann wenigstens möglichst schnell und direkt arbeiten sollen dürften?
Sprecher 5: Unbedingt. Also es gibt eigentlich ja gute Ansätze. Vor allen Dingen ja jungen Menschen aus den zentralen Aufnahmeeinrichtungen so schnell wie möglich raus. zu bekommen, sie in Arbeitsprozesse zu integrieren, ihnen damit auch eine schnelle Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Und umgekehrt der Gesellschaft, den Unternehmen damit zu helfen, dass wir die Lasten nicht alleine tragen müssen.
Sprecher 4: Sie meinen nicht eine Arbeitspflicht, aber eine Arbeitsmöglichkeit von Tag 1?
Sprecher 5: Arbeitsmöglichkeit von Tag 1, ja.
Sprecher 4: Wir haben verschiedene Standorthemmnisse jetzt gerade diskutiert. Das Thema Bildung ist eins, was wir nochmal detaillierter machen müssen. Herr Adrian, zweieinhalb Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss, 50.000 Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss pro Jahr. Haben wir vielleicht die Bildungsrepublik noch schlimmer vernachlässigt als die Infrastruktur in Deutschland?
Sprecher 5: Ich weiß nicht, ob wir sie schlimmer vernachlässigt haben, aber wir haben sie beide schlimm vernachlässigt. Das ist richtig. Wir haben eine marode Infrastruktur und wir haben auch ein Bildungssystem, das sicherlich, sage ich mal, ganz anders gestützt werden muss, um hier wieder zu besseren Ergebnissen zu kommen. Und ich glaube, der erste Ansatz ist auch eine andere Anerkennung, denjenigen zukommen zu lassen, die in diesem Bildungssystem die Bildungsaufgabe übernehmen. Das sind die Erzieher, das sind die Lehrer, die eigentlich in unserer Gesellschaft vielleicht in den letzten Jahrzehnten etwas zu kurz gekommen sind. Also diese Berufe müssen wir wieder aufwerten.
Sprecher 4: Auch mit mehr Geld, mehr Gehalt.
Sprecher 5: Mit mehr Geld, aber auch mit mehr Freiheit in der Erziehung und Ausbildung, wenn ich daran denke, wie sehr heute durch Curricula die Lehrer eingeschränkt werden. In ihrer Individuellen Unterrichtsgestaltung. Also da müssen wir wieder hinkommen, dass die Lehrer ihre Aufgabe realisieren können, junge Leute zu motivieren, zu begeistern und nicht einen Lehrplan Punkt für Punkt abzuarbeiten.
Sprecher 4: Sie wünschen sich eigentlich auch einen Wettbewerb der Schulen, sodass die Kreativeren, die Engagierteren mehr machen dürfen innerhalb von bestimmten Leitplanken eben eines Kurses.
Sprecher 5: Unbedingt. Und wir brauchen vor allen Dingen auch wieder diesen Aspekt, wir müssen wieder mehr einbringen, den Aspekt der Leistung und des Leistungswettbewerbs. Es ist einfach gut, wenn sie Exzellenzschulen haben, es ist gut, wenn sie exzellente Abschlüsse haben und das wünschen wir uns, dass wir da auch wieder ähnlich wie beim Sportfest, was wir leider Gottes auch abschaffen wollen, dass wir sehen, wer kann am schnellsten laufen, wer kann am weitesten springen und wer ist der beste Rechner und wir müssen einfach diese Leistungspotenziale wieder in anderer Weise fördern.
Sprecher 4: Jeder Wirtschaftsvertreter sagt uns hier im Podcast mehr Leistungsbereitschaft. Ich frage mich, ist die wirklich gesunken oder ist das das Wegklagen der Wirtschaft, die immer schon mehr Leistung, mehr Fleiß, mehr Arbeiten gefordert hat? Ich erinnere an den Satz des Bundeskanzlers, der Gruß des Kaufmanns ist die Klage.
Sprecher 5: Also es ist, glaube ich, absolut gerechtfertigt, mehr Leistung zu fordern und auch Leistung wieder anders anzuerkennen. Die Leistungsanerkennung hängt natürlich auch damit zusammen, dass wir die Unterschiedlichkeit zum Ausdruck bringen. Wenn Sie keine Leistung anbieten, dann können sie alle irgendwo gleich behandeln. Dann fällt da keiner aus dem Raster. Das mag vielleicht auf der einen Seite wünschenswert sein, aber ich wünsche mir schon, dass wir diesen Wettbewerb wieder fördern und dass wir damit natürlich auch zeigen, das ist der Bessere und das ist der weniger Gute.
Sprecher 4: Sie vertreten dreieinhalb Millionen Unternehmen in Deutschland, kleine bis große, Industrie bis Handel, eigentlich einen Wirtschaftsvertreter mit der vielleicht breitesten Basis. Müsste der Kanzler nicht einmal in der Woche bei Ihnen mal nachfühlen und anrufen und fragen, Mensch, was können wir noch tun? Ist er ein Kanzler auch der Wirtschaft?
Sprecher 5: Also ich glaube, mittlerweile hat der Bundeskanzler natürlich erkannt, dass wir im Moment eine schwierige Situation haben und dass es da gilt, gegenzusteuern. Es gibt ja auch eine ganze Reihe von Ansätzen. Es gibt auch auf der Arbeitsebene sehr viele Gespräche und einen sehr vernünftigen Dialog zwischen dem Bundeskanzleramt und den Wirtschaftsverbänden. Was wirklich erkennbar ist, wir haben viele Jahre in Deutschland Wirtschaft nicht als das erkannt, was es ist, nämlich die Grundvoraussetzung für Wohlstand in unserer gesamten Gesellschaft. Das heißt, wirtschaftliche Prosperität dient letztendlich dazu, allen Menschen hier Wohlstand und ein gutes Leben zu ermöglichen. Und ich glaube, das muss wieder mehr in die Köpfe, auch in die Köpfe der Politik.
Sprecher 4: Hat der DIHK-Präsident die Handynummer des Kanzlers?
Sprecher 5: Nein.
Sprecher 4: Herr Adrian, die wirtschaftspolitische Agenda 2030, die die Union fordert, Robert Habeck und Christian Lindner haben angekündigt, dass Sie einen Maßnahmenplan noch vor der Sommerpause vorstellen. Erwarten Sie noch einen wirtschaftspolitischen Impuls dieser Regierung?
Sprecher 5: Also ich glaube, dass die Bundesregierung noch etwas zeigen wird, weil sie ganz klar erkennt, sie ist im Moment auf einem schwierigen Weg. Die Wirtschaft ist auf einem rezessiven Pfad, von dem man wieder abkommen möchte. Aber ob wir tatsächlich kluge und auch gut funktionierende Vorschläge präsentiert bekommen, da bin ich sehr gespannt.
Sprecher 4: Oder man könnte auch sagen skeptisch.
Sprecher 5: Vielleicht auch ein bisschen skeptischer.
Sprecher 4: Herr Adrian, vielen Dank für das Gespräch.
Sprecher 5: Bitteschön.
Sprecher 2: Und jetzt kommen wir zum Nachtisch. Und da haben wir heute eine Nachricht, die auf den ersten Blick wirklich gut klingt und auf den zweiten gar nicht so wahnsinnig schön ist. Der E-Bike-Markt boomt in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr E-Bikes als normale Fahrräder verkauft. In Zahlen sind das 2,1 Millionen E-Bikes gegen 1,9 Millionen herkömmliche Fahrräder. Das ist natürlich toll, weil die Leute wahrscheinlich zur Arbeit mit dem E-Bike fahren und nicht mehr mit dem Auto, weil sie sich beim E-Bike nicht das Hemd verschwitzen und trotzdem nicht das Auto nehmen müssen. Alles begrüßen wir natürlich sehr. Und gleichzeitig, was sind diese schweren Maschinen mit ihren hässlichen Batterien und ihren häufig unförmigen Aufbauten? Gegen ein wunderschönes Pinarello aus den 90er Jahren, das man sich so wunderschön in seine Berliner Altbauwohnung hängen kann. Insofern eine deutliche ästhetische Einbuße, die wir hier im Nachtisch heute betrauern. Und jetzt verabschiede ich mich mit umso mehr Stil von Ihnen heute. Danke, dass Sie dabei waren, dass Sie uns zugehört haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das Wochenende, das ja wirklich in einem Tag auch schon anfängt, nutzen können, um selber Fahrrad zu fahren. Und da bin ich ganz offen für jegliches Rad, auf das Sie sich setzen. Viel Spaß dabei. Aber vielleicht sind Sie ja morgen wieder dabei. Ich würde mich darüber sehr freuen. Und verbleibe mit herzlichen Grüßen, Ihre Helene Puprowski.
Sprecher 6: You say Coke, I say K. You say John, I say Wayne. Hot dog! I say, cool, man, I don't want to be the president of America. I say, smile. I say, cheese. I say, please. I say, Jesus, I don't want to be a candidate for being number one again. Because all I want to do is...
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.