Wie holen wir Fachkräfte nach Deutschland, Frau Rasche?
- Tischgespräch: In seiner Rede zur Lage der Nation droht Putin dem Westen. Eine Analyse gemeinsam mit Vassili Golod.
- Zu Gast am Runden Tisch: Uta Rasche von Talent Orange über den Bedarf und die Hürden für ausländische Fachkräfte in Deutschland
- Nachtisch: Wie ein Zahnarzt-Termin die enge Verbindung zwischen einem Pferd und einem Schaf untermauert.
Uta Rasche arbeitet bei Talent Orange, einem Unternehmen aus Frankfurt/Main. Es hat für das Wachstum der Wirtschaft und die funktionierende Gesellschaft in diesem Land eine erhebliche Bedeutung, denn es hat sich darauf spezialisiert, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen - in die Pflege, das Gesundheitswesen und in den sozialen Sektor.
Am heutigen Freitag, an dem die zweite Stufe des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes in Kraft tritt, spricht Helene Bubrowski mit ihr über die Hürden, die es für Fachkräfte aus dem Ausland in Deutschland gibt und wie sich Talent Orange einen "One-Stop-Shop" bei den Anerkennungsverfahren vorstellt.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Table Today. Hier ist Ihr Podcast für Einblick und Durchblick. Auf geht's in diesen Freitag, der vielleicht das Ende Ihrer Arbeitswoche bedeutet. Auf jeden Fall ist er ein Auftakt. Es ist nämlich der 1. März. Herzlich willkommen. Und bei uns geht es heute um einen Mann, der 2001 das hier im Deutschen Bundestag gesagt hat.
Sprecher 3: Und ich bin überzeugt, wir schlagen heute eine neue Seite in der Geschichte unserer bilateralen Beziehungen auf. Und wir leisten damit unseren gemeinsamen Beitrag zum Aufbau des Europäischen Hauses.
Sprecher 2: Das Europäische Haus hat Putin mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine natürlich längst beschädigt. Er würde es wahrscheinlich am liebsten zum Einsturz bringen, wie er gestern in seiner großen Rede zur Lage der Nation zum Besten gegeben hat. Die Analyse dazu heute bei uns unter anderem vom ARD-Journalisten Vassili Golot. Außerdem geht es bei uns um das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Die zweite Stufe tritt heute in Kraft. Wir sprechen dazu mit Uta Rasche von Talent Orange, einem Unternehmen, das ausländische Pflegefachkräfte nach Deutschland holt. Und am Ende dieses Podcasts hören Sie noch von einem Zahnarztbesuch und was die tiefe Freundschaft zwischen einem Pferd und einem Schaf damit zu tun hat. Es ist genauso verrückt, wie es jetzt klingt. Ich bin Michael Bröker und an meiner Seite wie immer...
Sprecher 4: Helene Bobrowski, seien Sie herzlich gegrüßt, auch von mir.
Sprecher 2: Helene, es wird ein denkwürdiger Tag heute in Moskau, wenn dort mittags unserer Zeit der Oppositionelle, der Inbegriff der Opposition in Russland, Alexej Nawalny, beerdigt wird. Zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Russland geht das System Putin noch unnachgiebiger gegen kritische Kundgebungen vor. Was sich nach dem Tod Nawalnys rund um seinen Leichnam und seine geplante Beisetzung abgespielt hat, lässt einen erschaudern. Der Fall Nawalny zeigt die düstere Fratze des Systems Putin. Gestern nun hat der russische Staatschef erneut klargemacht, dass er sich eigentlich längst im Krieg gegen den Westen sieht.
Sprecher 5: Der Westen muss verstehen, dass wir auch einige Waffen haben. Ich habe schon einige jetzt aufgezählt, die auch Ziele auf ihrem Territorium treffen können. Und alles, was sie sich jetzt ausdenken, alles, womit sie uns einschüchtern wollen, oder die ganze Welt einschüchtern wollen, dass das alles zu einem reellen Konflikt und der Benutzung von Nuklearkräften bringt. Und das würde bedeuten, das Ende der Zivilisation. Wissen Sie, verstehen die das überhaupt nicht?
Sprecher 2: Helene, lass uns diese Rede nochmals genauer betrachten. Was ist deine Einschätzung zu Putins Rhetorik?
Sprecher 4: Ja, das war ja eine säbelrasselnde Rhetorik, um es mal zu sagen, mit unserem... Bundespräsidenten und damaligen Außenminister Steinmeier, der der NATO ja ein Säbelrasseln vorgeworfen hat. Aber lassen wir das beiseite und sprechen über das, was Putin gesagt hat. Er hat ja wirklich bemerkenswerte Sätze gesagt, die einen erschaudern lassen. Also er hat der USA vorgeworfen, die Sicherheit Europas zu demontieren. Er hat offen damit gedroht, dass die Überlegungen... Des Westens Truppen in die Ukraine zu senden, tragische Konsequenzen haben könne. Damit hat er natürlich angespielt auf Macron und dessen Äußerungen vor einigen Tagen. Er hat auch eine unverholene Drohung. Russland weiß, wie Krieg geht und natürlich absurderweise Russland verteidigt seine Freiheit. Also Russland, der Aggressor, der die Freiheit der Ukraine unterjocht. Behauptet nun selbst einen Freiheitskampf zu führen. Also absurder geht es ja nicht. Und das Schlimme ist, die Russen in vieler großer Zahl glauben es ihm.
Sprecher 2: Ja, und er hat auf angebliche Umfragen rekurriert, die die Mehrheit der Russen hinter ihm und seiner Politik stehen lassen. Keiner weiß, ob das stimmt. Niemand kennt diese Befragungen. Jedenfalls ist er sicher im Sattel. Das kann man diesen selbstbewussten Worten doch entnehmen. Und ich habe mir nochmal gedacht, Macrons Rede am Montag, das war wirklich ein fataler strategischer Fehler. Ich bin inzwischen der Meinung, das hat ja genau das hervorgerufen, was Putin immer will, nämlich eine katastrophale Spaltung der europäischen Staatschefs. 18 Staatschefs sollen dagegen gewesen sein. aufgestanden sein am Montagabend, als Macron diesen Vorschlag gemacht hat. Andere haben sich inzwischen öffentlich geäußert, dass man das durchaus diskutieren sollte, unter anderem Kaya Callas. Also genau die Uneinigkeit, die wir doch gar nicht brauchen können gerade.
Sprecher 4: Ja, stimmt. Wenn der Westen sich zerlegt, dann knallen im Kreml die Krim-Sektkorken. Und trotzdem finde ich es richtig, diesen Vorschlag zu diskutieren. Man hätte es nicht so machen dürfen, wie Macron unabgesprochen mit einer Sache nach draußen zu gehen und dann den Widerspruch der versammelten Staats- und Regierungschefs zu ernten. Aber natürlich ist das Prinzip Stärke am Ende das, was Putin hört. Und das bedeutet, das komplette Arsenal, das man zur Verfügung hat, inklusive alles, inklusive Bodentruppen, auch mal zu zeigen. Und ich verstehe es nicht, warum dann Olaf Scholz abermals auf das Prinzip Angst setzt und irgendwie sagt, das können wir nicht machen. Es wäre schlau gewesen, hätten die Regierungschefs einfach gesagt, natürlich ist das eine Option, die immer auf dem Tisch liegt. Meine Meinung. Zumal Macron ja nicht gesagt hat, wir schicken morgen Bodentruppen, sondern hat gesagt, man darf nichts ausschließen. Und ich finde ja, Prinzip der Stärke heißt, keine Option ausschließen.
Sprecher 2: Ja, wir müssen auf jeden Fall jetzt über militärische Antworten reden. Das könnte eine Zeitenwende nochmal auf dem Schlachtfeld sein. Ich habe das Gefühl, wenn man auch ukrainischen Politikern und Regierungsvertretern zuhört, jetzt in diesen Wochen entscheidet sich, ob die Ukraine das Blatt nochmal wenden kann oder eben nicht. Wir brauchen dringend diese militärische Logik, jetzt schnell weltweit Geräte einzukaufen, die wir ohnehin jetzt... Jetzt schon liefern, aber eben zu wenig, wie Munition, wie Raketenabwehrsysteme. All das, was es jetzt braucht, muss schnell rüber in dieses Land. Irgendwie habe ich das Gefühl, Helene, in diesem Frühling entscheidet sich, in welche Richtung dieser Krieg geht.
Sprecher 4: Naja, dieses Gefühl hatten wir natürlich schon mehrfach, Michael, in der Vergangenheit. Frühjahrsoffensive, Herbstoffensive. Es ist am Ende ganz schwer, das hier aus unserem gemütlichen Podcaststudio heraus zu beurteilen. Klar ist, dass die Ukraine bestimmte Gebietsverluste hinnehmen musste, die die Russen erobert haben. Klar ist auch, dass Rückeroberungen ganz schwierig sind. Aber wir haben einen Gast, der das besser beurteilen kann als wir und den fragen wir.
Sprecher 2: Vasily Golod, ARD-Journalist mit einer besonderen Vita. Er hat eine russische Mutter, einen ukrainischen Vater. Er arbeitet in der Ukraine, war aber auch oft in Russland. Und er beantwortet uns jetzt die Frage, ob wir näher oder doch deutlich weiter entfernt sind von einem Frieden in der Ukraine. Und wir wollen natürlich wissen von ihm, ob es überhaupt einen militärischen Weg noch geben kann, wie die Ukraine das Blatt wendet.
Sprecher 6: Es ist sehr schwer, sich mit diesem kriminellen Regime einen Frieden vorzustellen. Es war in erster Linie eine Art Wahlkampfrede, die Putin gehalten hat. Es war seine 19. Rede zur Lage der Nation. Und Wahlkampf ist auch etwas zynisch, denn das, was wir in zwei Wochen erleben werden, ist eine Wiederwahl eines Diktators. Und aus ukrainischer Sicht ist es einfach schwer, sich Friedensverhandlungen vorzustellen mit jemandem, mit dem es ja schon immer wieder Verhandlungen gegeben hat, beispielsweise in der Ukraine. Minsk-Format. Und diese Verhandlungen wurden immer wieder gebrochen. Und auch das hören wir ja, wenn wir den Eliten in Moskau zuhören. Die betonen immer wieder, dass es vielleicht eine Pause geben könnte, aber das Ziel sei auf jeden Fall Kiew. Denn aus deren Lesart ist Kiew russisch und es gibt keine Ukraine. Dieser Staat hat keine Existenz aus der Sicht von Wladimir Putin. Deshalb Verhandlungen. Möglicherweise werden wir so etwas in diesem Jahr erleben. Aber dass die zufrieden führen, das ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer vorstellbar.
Sprecher 2: Kanzler Olaf Scholz spricht von roten Linien, die er nicht überschreiten will und der Gefahr eines Dritten Weltkriegs. Aber hat Wladimir Putin nicht längst jede rote Linie selbst definiert und sie schon auch gleich wieder überschritten?
Sprecher 6: Putin definiert immer wieder eigene rote Linien, vor allem bricht er aber ständig rote Linien. Er hat mit der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim vor zehn Jahren eine große rote Linie überschritten. Und seit zwei Jahren überschreitet er in der Ukraine jeden Tag mit Raketen, mit Drohnen, mit anderen Angriffen rote Linien. Nicht nur verbal, sondern konkret mit kriegerischen Auseinandersetzungen. Das heißt, der Westen sollte sich weniger beeindrucken lassen von irgendwelchen formulierten roten Linien, sondern sich eine klare Strategie überlegen, wie er mit dieser Bedrohung, mit dieser Gefahr durch Russland umgehen will.
Sprecher 2: Vassili, du sprichst mit vielen ukrainischen Offiziellen, mit Militärs, mit Vertretern der Regierung. Gibt es militärisch aus deren Sicht noch einen Weg, diesen Krieg für die Ukraine zu gewinnen?
Sprecher 6: gibt es ganz klar und zwar durch eine deutlich konsequentere Unterstützung durch den Westen. Es gibt Waffen, die der Ukraine konkret helfen können. Das sind aus deutscher Sicht beispielsweise die Taurus-Marschflugkörper. Diese Raketen fliegen weit. Diese Raketen können russische Logistik zerstören und die können dafür sorgen, dass der Überfluss an Munition, den Russland hat, dass der gar nicht erst in Richtung Front kommt. Wenn also alle Staaten mehr tun würden für die Ukraine, schneller liefern würden, nicht nur Dinge versprechen, die dann in der Zukunft liegen, dann gibt es auf jeden Fall militärische Möglichkeiten, Russland zurückzudrängen. Es braucht also einen konkreten politischen Willen, das auch zu tun.
Sprecher 4: Ja, die Worte von Vasily Golot geben uns zu denken, machen uns betroffen und natürlich blicken wir sorgenvoll in die Zukunft, denn wir wissen alle, dass der Hunger Russlands mit der Ukraine alleine sicherlich nicht zu stillen ist. Deswegen sind alle diese Überlegungen über Abschreckung und Prinzipstärke nach wie vor hochaktuell und werden uns weiter beschäftigen.
Sprecher 2: Zu uns an den runden Tisch setzt sich jetzt Uta Rasche. Sie arbeitet bei Talent Orange. Das Unternehmen aus Frankfurt ist ziemlich wichtig für das Wachstum der Wirtschaft und vor allen Dingen für eine funktionierende Gesellschaft, denn es hat sich darauf spezialisiert, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. In die Pflege, in das Gesundheitswesen oder in den sozialen Sektor. Uta Rasche kennt die Hürden und Stolpersteine für Menschen, die gerne nach Deutschland kommen und hier arbeiten wollen. Heute, wo die zweite Stufe des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes in Kraft tritt, sprechen wir genau deswegen mit ihr darüber. Und das tut Helene Bukborowski jetzt.
Sprecher 4: Hallo Uta.
Sprecher 7: Hallo liebe Helene, danke für die Einladung.
Sprecher 4: Als kleinen Transparenzhinweis muss ich hinzufügen, dass Uta Rasche und ich vor vielen, vielen, vielen Jahren mal gemeinsam in der Nachrichtenredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung saßen und uns daher kennen und deswegen duzen.
Sprecher 7: Und schätzen.
Sprecher 4: Und schätzen. Und umso mehr freue ich mich, dass wir heute hier über dieses wichtige Thema sprechen. Uta, die Zahlen sind erschreckend. Es gibt Studien, nach denen in der Pflege bis zum Jahr 2035 ungefähr 350.000 Arbeitskräfte fehlen. Und da sind die Ergotherapeuten, die Ärzte und die anderen offenen Stellen noch gar nicht eingerechnet. Wie groß ist das Problem, das Deutschland hat?
Sprecher 7: In der Pflege bzw. Im ganzen Gesundheitswesen ist es riesig. Jeder, der zuletzt mal im Krankenhaus war, wird das gesehen haben. Zum Teil sind Stationen geschlossen, weil wir nicht genug Pflegefachkräfte haben. Wir haben auch immer weniger Auszubildende in dem Bereich. Und es trifft uns der demografische Wandel ganz stark. Also die Kräfte gehen in den Ruhestand, es kommen nicht genug neue nach. Gleichzeitig werden immer mehr Menschen pflegebedürftig in den Altenheimen. Also in der Seniorenpflege ist das Problem auch massiv.
Sprecher 4: Und das Problem ist jetzt nach der Analyse eures Unternehmens durch Einwanderung aus dem Ausland zu lösen?
Sprecher 7: Also es sind mindestens drei Säulen, um den Fachkräftemangel zu lösen. Man muss in diesen Berufen ordentliche Bedingungen schaffen durch gute Gehälter und Nützliche Dienstpläne. Man muss für Fortbildung und Qualifizierung, also auch für Karrieremöglichkeiten sorgen. Man muss genug einheimische Kräfte ausbilden. Und eine der Säulen ist die Anwerbung aus dem Ausland. Also wir werden es nur mit einheimischen Kräften hier aufgrund der Demografie auf keinen Fall schaffen.
Sprecher 4: Jetzt war ja Deutschland in Sachen Einwanderungsland sehr spät dran. Noch die Große Koalition und Angela Merkel hat sich mit dem Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland schwer getan. Trotzdem gab es ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Jetzt wurde ein neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg gebracht. Und trotzdem klagen Menschen, die nach Deutschland wollen, über die Bürokratie, über die Schwierigkeiten hier anzukommen, über die Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Abschlüssen, über die Schwierigkeiten, ihre Zeugnisse übersetzen zu lassen, über die Schwierigkeiten, überhaupt ein Visum zu bekommen, worauf sie teilweise Monate warten. Ich habe mir das mal angeschaut. Am Generalkonsulat in Lagos, was für einen Turm an Anträgen sich da stapeln, das hat verschiedene Gründe. Was kann Talent Orange da tun?
Sprecher 7: Ja, wir nehmen unseren Kandidaten, die nach Deutschland wollen, den kompletten Behördenweg ab und nehmen auch den Arbeitgebern diesen Aufwand ab. Und wir haben natürlich inzwischen aus den Ländern, aus denen wir rekrutieren, dort haben wir gute Kontakte zu den Botschaften und Konsulaten, was aber nicht unbedingt heißt, dass es immer schneller geht, aber wir finden oft Wege. Und wir kennen natürlich diesen ganzen Prozess gut. Und das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in seinen jetzigen Reformen führt nicht dazu, dass es in reglementierten Berufen, also staatlich anerkannten Berufen wie Pflege oder Erziehung, schneller geht. Denn da sind einfach... Viel zu viele Behörden beteiligt. Und das Schwierigste daran ist die Berufsanerkennung. Aber auch darum kümmern wir uns und nehmen das unseren Kandidaten ab.
Sprecher 4: Fordert ihr als Unternehmen eine Vereinfachung der Anerkennung?
Sprecher 7: Also wir würden uns eigentlich eine Art One-Stop-Shop wünschen, wo man als Dienstleister oder als Kandidat, der einwandern möchte, selbst alle Dinge auf einen Schlag an einer Stelle erledigen kann. Wir haben so einen Prozess, wo vier Behörden nacheinander beteiligt sind und die machen das nicht irgendwie gleichzeitig, sondern erst, wenn eine ihr Ding erledigt hat. Und wenn eine Behörde vier, fünf, sechs Monate lang einen Antrag auf dem Stapel liegen lässt, die eigentliche Bearbeitungsdauer aber nur eine halbe Stunde ist, dann verzögert sich das alles auf zum Teil eineinhalb Jahre, bis alles hintereinander weg erledigt ist.
Sprecher 4: Also Deutschland, deine Probleme. Im Ausland geht es teilweise schneller. Was ist eure Erklärung? Ist das wirklich die komplizierten staatlichen Strukturen und dieses Mehrebenenprinzip oder ist es auch eine Mentalitätsgeschichte, weil Deutschland sich eben so spät dazu bekannt hat, Einwanderungsland zu sein?
Sprecher 7: Wir erleben große Konkurrenz von anderen Zielländern im Ausland. Also im Grunde alle entwickelten Industrieländer werben in... diesen Berufen an, USA, Kanada, Neuseeland, Australien, alle werben quasi um die gleichen Menschen. Und wenn die Prozesse in den anderen Ländern schnell und digital gehen und man alles quasi am heimischen Computer hochladen kann und noch dazu zum Beispiel Familiennachzug ermöglicht wird, dann haben wir es echt schwer, Leute dazu zu bewegen, überhaupt noch nach Deutschland zu kommen. Wir müssen nicht denken, dass draußen in der Welt lauter junge Menschen sind, die unbedingt nach Deutschland wollen. Die wollen vielleicht genauso gerne woanders hin, wo es einladendere Angebote gibt.
Sprecher 4: Das Vorurteil besteht ja gelegentlich, dass junge Menschen in Deutschland zu diesem ja sehr anstrengenden, auch sehr belastenden Pflegeberuf nicht mehr bereit sind, der ja auch leider nicht besonders gut bezahlt wird. Deiner Erfahrung nach trifft dieses Vorurteil zu?
Sprecher 7: Also wir merken ja, dass jungen Arbeitnehmern Dinge wichtig sind, die es im Krankenhaus nicht gibt. Also Homeoffice, gleitende Arbeitszeiten, irgendwie viel Selbstbestimmung und sowas. Das geht da alles nicht. Homeoffice in der Pflege funktioniert nicht. Und wir erleben und bekommen auch die Rückmeldungen aus den Kliniken, dass junge Fachkräfte aus dem Ausland mit einer gigantischen Motivation hier ankommen. Und es ist nicht so, dass wir den Herkunftsländern die Menschen wegnehmen, die sie selber brauchen würden, sondern dort ist die Alterspyramide genau andersrum. Es gibt viele junge Menschen und wenige Jobs. Und es wird Überbedarf ausgebildet. Und wir rekrutieren nur aus solchen Ländern, in denen Überbedarf ausgebildet wird. Wir holen quasi die jungen Menschen aus der Arbeitslosigkeit und geben ihnen hier die... auf einen sicheren, gut bezahlten oder stetig bezahlten Job mit einem festen Arbeitsvertrag in einem Land mit sicheren, stabilen Lebensbedingungen, so viel wir selbst auch an Deutschland zu kritisieren haben. Aber das ist eine Chance für beide Seiten und die Motivation ist hoch. Und das ist der große Unterschied gegenüber jungen Menschen, die hier unter hervorragenden Bedingungen und im Wohlstand aufwachsen und das vielleicht so nicht mehr machen wollen.
Sprecher 4: Und nicht mehr zu schätzen wissen häufig, was sie eigentlich haben. Und jetzt klinge ich selber schon wahnsinnig alt.
Sprecher 7: Wie deine Oma und ich wie meine.
Sprecher 4: Es ist schrecklich und trotzdem hört man es eben immer wieder. Und interessant, dass das auch deine Erfahrung ist. Uta, wir müssen nochmal politisch sprechen und zwar... Gemeinhin, insbesondere aus der Union, wird ja der Vorwurf erhoben, dass Fachkräfteeinwanderung eben in dieser Zeit insgesamt, wo wir so ein massives Migrationsproblem haben, also ein Problem der irregulären Migration, möglicherweise nicht das richtige Signal ist. Also auch wenn darauf Bestand wird, man müsste das eine oder das andere trennen, dass dann gesagt wird, naja, aber alles in allem kommen eben doch einfach viel zu viele Menschen nach Deutschland. Ist das überhaupt gerade unter dem Stichwort Spurwechsel so klar zu trennen? Was ist dein Take darauf?
Sprecher 7: Also ungeregelte Migration von Asylbewerbern oder Flüchtlingen kann man überhaupt nicht vergleichen und nicht in einen Topf stecken mit geregelter Fachkräfteeinwanderung. Die Fachkräfte, die mit uns oder auf eigenen Füßen oder mit einem anderen Dienstleister kommen, haben von Tag 1 an einen... Arbeitsvertrag, zahlen von Tag 1 in die Krankenversicherung, Rentenversicherung, zahlen Steuern, zahlen in die Arbeitslosenversicherung und erledigen hier Aufgaben, für die wir nicht mehr genug einheimische Kräfte finden. Also das ist vom ersten Tag an ein Gewinn für unser Land. Und das ist nicht das Gleiche wie Menschen, die hierher fliehen, aus welchen Gründen auch immer. Dafür gibt es aber auch gute Gründe, die dann aber Jahre brauchen, bis sie hier Fuß fassen und in der Lage sind zu arbeiten und einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Wir tun uns unheimlich schwer, Geflüchtete in die Arbeit zu integrieren und haben natürlich auch, muss man sagen, ein attraktives Paket an Sozialleistungen, das wenig andere Länder haben, wo es nicht immer ganz klar ist, warum ich mir 40 Stunden in der Woche mit Wechselschichten, Dreischichtsystemen im Krankenhaus zumuten soll, wenn ich auch ohne zu arbeiten mehr Geld habe, als ich in meinem Heimatland jemals haben würde. Vielleicht machen wir da auch was falsch.
Sprecher 4: Uta, wir reden ja nicht im luftleeren Raum, sondern vor dem Hintergrund einer erstarkenden AfD. Nicht nur in Umfragen, sondern auch in Wahlergebnissen abzulesen. Im Herbst stehen drei Wahlen in Ostdeutschland an. Wie groß ist der Standortnachteil für die Anwerbung von Fachkräften, den Deutschland hat, allein aufgrund dieser rechtspopulistischen Partei?
Sprecher 7: Oh, der ist groß. Wir erleben in Südamerika gerade, dass uns dort Sprachschüler in Kursen fragen, ist Deutschland noch ein sicheres Land? Plan noch auf, kann ich noch kommen? Wir hatten einen ganzen Kurs, Ergotherapeuten aus Chile, 15 junge Menschen, die gesagt haben, kann ich meinen Vertrag lösen, ich möchte das nicht mehr. Da gab es missverständliche Medienberichterstattung, sensationsheischende, wo die Demonstrationen, die hier gegen die AfD stattgefunden haben, dargestellt wurden als Demonstrationen für die Remigration von Menschen. Und da mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu erklären, dass es andersrum war und dass sie weiterhin hier gewollt sind und dass die Krankenhäuser auf sie warten und dass das Gesundheitssystem schon heute total multikulturell ist und die Hälfte der Beschäftigten im Krankenhaus aus vielen Nationen kommt und sie hier weiter sicher sind. Aber das macht einen extrem schlechten Eindruck.
Sprecher 4: Ja, das ist ja wirklich sehr bedenkenswert, was du da sagst. Informationsheischende Berichterstattung, das machen wir hier bei Table auch nicht. Danke, dass du uns erklärt hast, wie man den Weg von Fachkräften aus dem Ausland nach Deutschland vereinfachen kann.
Sprecher 7: Vielen Dank, liebe Helene. Danke für die Einladung.
Sprecher 2: So, und zum Schluss geht es noch zum Zahnarzt. Klingt nicht verlockend, ich weiß, aber ich verspreche Ihnen, es wird Sie gut gelaunt zurücklassen. Es geht um Jojo, ein Pferd, und Hattie, ein schwarzes Schaf und ihre therapeutische Beziehung zueinander. Die 19-jährige Stute in Wales musste zu einer einstündigen Zahnbehandlung und wurde von ihren Besitzern in Begleitung des Schafes Hattie zum Tierarzt gebracht. Die wunderten sich natürlich über das seltsame Duo, bekamen dann aber von den Besitzern erklärt, dass die Stute und das Schaf eben unzertrennlich sind. Und das hätte sich schlicht weigerte, von der Seite von Jojo zu weichen. So als habe es gewusst, dass die Stute eben Angst vor dem Zahnarztbesuch haben könnte. Bei der Zahnbehandlung schmiegte sich das Pferd dann permanent an das Schaf. Und der Tierarzt kommentierte, in meinen 28 Jahren Karriere habe ich noch nie so eine enge Bindung zwischen Pferd und Schaf gesehen. Manchmal sind eben die schrägsten Paare die schönsten. Egal, ob es um Tiere oder Menschen geht. In diesem Sinne, ich wünsche Ihnen ein sonniges und erholsames Wochenende. Am Montag hören wir uns an dieser Stelle hoffentlich wieder. Dann ist übrigens Lars Klingbeil, der Parteichef der SPD, zu Gast hier bei uns am Tisch. Bis dahin, Ihr Michael Bröker.