Zerstört die Bürokratie Ihr Geschäft, Herr Deppe?
- Tischgespräch: Die blockierte Republik. Die Ampel wollte anders sein und scheitert.
- Gast am Runden Tisch: Der Unternehmer Dirk Deppe berichtet, wie er vorerst mit dem Versuch scheiterte in ein einzelnes Windrad für sein energieintensives Unternehmen aufstellen zu lassen.
- Nachtisch: Wie Frauen beim Sport und den Effekten auf die Gesundheit deutlich im Vorteil sind.
Dr. Dirk Deppe ist Geschäftsführer und Unternehmer der Ziegelei Deppe Backstein in Uelsen. Das Unternehmen, das er in fünfter Generation führt, produziert Backsteine und Klinker für Häuser und Büroimmobilien. Die Baukrise und die hohen Energiekosten bringen die Firma an den Rand der Insolvenz. Mit einem eigenen Windrad als Stromlieferant für sein Werk wollte Deppe sein Unternehmen netzunabhängig und zugleich CO2-neutral aufstellen - doch dann kam ihm die Bürokratie und die Fledermäuse dazwischen.
Table.Media - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Media. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Media bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/registrierung.
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Table Today, Ihrem Podcast für den informierten Wochenausklang. Ich freue mich, dass Sie heute dabei sind. Mein Name ist Helene Bubrowski. Heute ist Freitag, der 23. Februar und ich freue mich, dass Sie dabei sind. Wir sprechen heute über die blockierte Republik. Michael, hallo Michael.
Sprecher 3: Warum kommst du dann auf mich, wenn du blockiert sagst? Das finde ich jetzt irgendwie gedanklich sehr flexibel.
Sprecher 2: Weil du natürlich brandheiße Informationen hast, was die Blockade ist und vor allem, also was die Blockade ist, weiß ich auch, aber wie wir sie lösen können. Du als konstruktiv denkender Mensch gehst voran.
Sprecher 3: Endlich mal den Optimisten fragen hier.
Sprecher 2: Ja, jetzt mal den Optimisten geben.
Sprecher 3: Sehr gut.
Sprecher 2: Ich hoffe, ich bin gespannt. Das wollen wir tun. Wir wollen reden über die, warum ist die Ampel blockiert? Die Blockade zwischen Ampel und Opposition und die Blockade ansonsten im Land. Das Gefühl besteht, es geht nicht voran. Wir diskutieren darüber, ob an diesem Gefühl was dran ist, was dran ist und was man ändern kann. In unserem Tischgespräch haben wir Herrn Dr. Dirk Deppe, Geschäftsführer einer Ziegelei, der was tun wollte für den Klimaschutz und woran ist er gescheitert? An der Bürokratie und an den Fledermäusen. Wir können sehr gespannt sein. Zum Nachtisch haben wir noch die ganze Ungerechtigkeit der Welt, dass es Frauen so viel besser haben als Männer und zwar auch. auch wenn es darum geht, fit und gesund zu werden. Michael, Mittwochabend war Vermittlungsausschuss, das Wachstumschancengesetz, das doch schon seit über einem halben Jahr ganz dringend kommen muss, sagt jedenfalls die Wirtschaft, ist nun durch den Vermittlungsausschuss durch mit einem relativ knappen Ergebnis 17 zu 15. Kommt es aber in deutlich abgespeckter Form. Ist das nicht zumindest ein kleiner Bruch durch den Damm, der den Fortschritt in diesem Land hemmt?
Sprecher 3: Ja, im Ergebnis sind jetzt Entlastungen für die deutsche Wirtschaft von ungefähr drei Milliarden Euro, davon finanziert 1,5 durch den Bund, ausgereicht worden. Es waren mal neun Milliarden Euro im Spiel. Es geht eigentlich darum, dieses fast schrumpfende Land irgendwo mal wieder ins Mittelfeld der europäischen Volkswirtschaften zu bringen. Anstattdessen werden solche Maßnahmen sogar geschrumpft. Weder von der Opposition finde ich das besonders sinnvoll, was sie da in den letzten Wochen gemacht hat, noch finde ich es von der Ampel ambitioniert und mutig. Und deswegen ist die blockierte Republik eigentlich ein ganz guter Satz für dieses Thema.
Sprecher 2: Jedenfalls ist es... Ausbremsendes Wachstumschancengesetz. Also das Ausbremsen der Chance ist natürlich paradigmatisch für die Gesamtsituation. So könnte man es sehen. In der Tat, ich verstehe auch nicht die Rolle der Union, die sich doch aufschwingen wollte als große Fürsprecherin der Wirtschaft, als Blockadelöserin. Und jetzt ist sie selber am Blockieren und muss sich vom Bund des Wirtschaftsministers vorhalten lassen, eine Voodoo-Politik in diesem Kernbereich zu machen.
Sprecher 3: Ja, und es scheint auch nicht besser zu werden, Helene, denn Friedrich Merz hat seine AG-Sprecher und AG-Vorsitzenden wohl angewiesen, dass es keinerlei Zustimmung mehr zu Initiativen der Ampel geben soll oder sie zumindest vorher über seinen Schreibtisch laufen müssen. Also die Blockade zwischen Opposition und Koalition, die ist vielleicht systemimmanent, aber in so einer Krise wünschte man sich schon mal ein gemeinsames, großes Projekt, damit wir hier vorwärts kommen.
Sprecher 2: Genau, und da finde ich auch, muss man unterscheiden, weil ja immer die Angst aller Parteien ist, ein Einheitsbrei zu sein, sodass die AfD die einzige Alternative ist. Darum geht es aber gar nicht. Es geht ja nicht um programmatische Angleichung und das Nivellieren von Unterschieden, sondern es geht darum, deutlich zu machen, dass man in der Krise, wenn es überall brennt, zusammensteht und gemeinsam eine Lösung findet. Das Wesen des Kompromisses ist, dass man zwar bei seiner Überzeugung bleibt, aber um die Blockade, sind wir wieder bei dem Wort, zu lösen, einen Schritt macht. Und das erwartet man in diesen Tagen auch von der Opposition, auch von der Regierung.
Sprecher 3: Und innerhalb der Ampel ist es ja auch nicht besser, Helene.
Sprecher 2: Ja, in der Tat. Grüne und FDP sind sich ja wohl vor allem in dem Punkt einig, dass sie beide Freude an Blockaden haben. Bei der FDP ist es das Lieferkettengesetz.
Sprecher 3: Oder das Luftreinerhaltegesetz.
Sprecher 2: Oder das Verpackungsgesetz.
Sprecher 3: Und neuerdings jetzt auch noch die Reform des Vergaberechts von Minister Habeck. An sich eine gute Sache, wird jetzt blockiert, indem wiederum die FDP ist verknüpft mit dem Bundestariftreuegesetz. von Arbeitsminister Heil, dass sie so nicht haben wollen. Wenn alles mit allem verknüpft wird, dann geht nichts mehr voran.
Sprecher 2: So, und die Grünen sind natürlich auch immer schon gewesen Weltmeister der Blockade. Wir kennen das im vergangenen Sommer. Wir erinnern uns, hat sich Lisa Paus gegen das Wachstumschancengesetz gewandt. Da kam das Veto aus den eigenen Reihen nicht von der Opposition, weil sie es mit der Kindergrundsicherung verknüpft hatte. Jetzt haben die Grünen ihr Veto eingelegt gegen die Bezahlkarte, über die wir hier schon gesprochen haben. Also die Ampel blockiert einander und der Kanzler spricht wieder kein Machtwort.
Sprecher 3: Ich wünschte mir, Helene, Sie würden einfach mal auf den Tisch legen, die Dinge, die Sie zwar von einem Koalitionspartner vorgeschlagen bekommen haben, aber wo Sie mitgehen würden. Also dass man mal anders denkt und sich da so ein Gedankenspiel macht. Was bin ich bereit eigentlich aufgrund der Situation im Land mitzutragen, obwohl es nicht von mir kommt? Denn ein Thema hast du noch vergessen. Habeck blockiert auch das Rentenpaket 2, weil dort wiederum die Aktienoptionen von Christian Lindner drin sind. Also die Vorsorge an den Aktienmärkten für die jungen Generationen. Zugleich ist es aber auch ein Herzensanliegen von Arbeitsminister Heil. Aber die Grünen wollen das nicht. Also es hört gar nicht mehr auf. Vielleicht, liebe Helene, müssen wir der Wahrheit ins Auge schauen. Eineinhalb Jahre Wahlkampf.
Sprecher 2: Ja, der hat ja deutlich erkennbar schon angefangen. Was ich mich frage und wirklich nicht verstehe und was mich zuweilen zur Verzweiflung bringt, ist der Umstand, dass man doch sagt, wenn es einen Zeitpunkt gibt, sich am Riemen zu reißen, dann müsste er doch wirklich jetzt sein. Wir sehen die riesigen Herausforderungen, den demografischen Wandel. Wir sehen die Schwierigkeiten. innerhalb der EU, wie problematisch es ist. Wir sehen, was sich in Amerika tut und zusammenbraut. Und das alles von dem Hintergrund eines großen Krieges, der weiterhin mitten in Europa tobt.
Sprecher 3: Und bei dem sich die Ampel ja auch nicht einig ist, Helene.
Sprecher 2: Und ich darf jetzt nochmal einen Satz vorlesen, der die ganze Widersprüchlichkeit auch mit Blick auf die Ukraine zeigt. Und der Satz lautet, der Deutsche Bundestag fördert die Bundesregierung unter Einhaltung der haushälterischen Vorgaben auf... Dem Versprechen der unverbrüchlichen Unterstützung des ukrainischen Selbstverteidigungsrechts, entsprechend sich dem russischen Angriff auf die Ukraine und so weiter entgegenzustellen. Also in einem Satz verknüpft ist einerseits die Einhaltung der Schuldenbremse, nämlich unter Einhaltung der haushälterischen Vorgaben und andererseits die unverbrüchliche Unterstützung. Also all that it takes im Rahmen der Schuldenbremse. Das eine will die FDP, das andere wollen die Grünen. Ganz so einfach kann man es nicht sagen, aber das zeigt doch, die wollen die Quadratur des Kreises und gelingt die Nein.
Sprecher 3: Genau, und ich wünschte mir tatsächlich, dass es vielleicht sogar einen Vierergipfel gibt von Lindner, Habeck, Scholz und Merz, die sich mal in Meseberg vielleicht sechs Stunden zusammensetzen und sagen, pass auf, diese drei, vier Maßnahmen machen wir jetzt, weil wir alle davon profitieren würden. Wir würden ja alle als Parteichefs davon profitieren, wenn sie sich mit dem vermeintlichen Gegner an einen Tisch setzen und etwas zusammen beschließen. Aber davon sind wir weit entfernt. Warum, liebe Helene? Weil es immer auch, und das ist ja so anders als zum Beispiel bei uns beiden, es um persönliche Eitelkeiten geht. Warum ein Olaf Scholz nicht mehr mit Friedrich Merz kann. Persönliche Eitelkeit. Habeck und Lindner nicht ganz so schlimm. Da ist es, glaube ich, eher die kulturelle, soziologische Parteienideologie. Aber auch Lindner und Scholz sind sich jetzt über die Haushaltskrise wieder irgendwie verquarkt. Also am Ende sind es alles vielleicht auch zu viele Männer.
Sprecher 2: It takes a woman. Und hier darf ich erinnern an den Spruch, leicht abgewandelt, des früheren Außenministers Guido Westerwelle, Gott hab ihn selig. Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, braucht es eine Frau, die die Dinge regelt. Michael und auch in deinem Leben. Für unser Tischgespräch gehen wir jetzt ganz in den Westen der Republik, in das schöne Örtchen Oelsen. Und dort sitzt der Unternehmer Dirk Depp und möchte gerne energieautark sein und kann es nicht. Und das erklärt er jetzt im Gespräch. Michael Brücker.
Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, Herr Depp.
Sprecher 4: Guten Tag, Herr Brücker.
Sprecher 3: Herr Depp, 90 Mitarbeiter seit der fünften Generation ist Ihr Unternehmen im Familienbesitz und Sie haben es gerade nicht leicht als energieintensives Unternehmen. Es sind nicht nur die Preisschocks der letzten Jahre für Sie schwierig. Als Backsteinverkäufer macht Ihnen natürlich auch die Probleme beim Wohnungsbau zu schaffen. Deswegen erste Frage, wie geht es Ihnen aktuell? Wie war Ihr vergangenes Geschäftsjahr?
Sprecher 4: Das Geschäftsverhalten ist tatsächlich nicht gerade berauschend. Wir haben natürlich mit einem schwierigen Marktumfeld zu kämpfen gerade. Der Wohnungsbau ist total eingebrochen. Einfamilienhäuser werden quasi nicht mehr gebaut. Das hat sich bei uns in der Form ausgewirkt, dass wir im letzten Jahr, 30 Prozent weniger verkauft haben und am Ende 20 Prozent weniger produziert haben und sehr viel aufs Lager gestellt haben. Insofern aufgrund der Fixkosten auch nicht wirklich Geld verdient haben. Also die Herausforderungen sind schon enorm aktuell.
Sprecher 3: Machen Sie es mal konkret. Wie groß ist der Energiekostenanteil zum Beispiel am Umsatz?
Sprecher 4: Ja, die Energiekosten, die machen ungefähr 20 bis 25 Prozent vom Umsatz aus. Das ist natürlich schon eine Hausnummer. Und vor dem Hintergrund, also es war natürlich schon immer ein hoher Anteil, aber das ist jetzt in den letzten zwei, drei Jahren natürlich, hat sich das nochmal massiv verändert. Wir müssen jetzt natürlich schauen, wie wir damit umgehen und welche Möglichkeiten wir haben, um dagegen zu steuern.
Sprecher 3: Zur Einordnung für die Hörerinnen und Hörer, ein energieintensives Unternehmen par excellence. Sie brauchen das Erdgas zum Brennen der Ziegel in den Öfen und verbrauchen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, 40 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Vergleichen Sie mal, wie viel ist das?
Sprecher 4: Ja, 40 Millionen Kilowattstunden Erdgas zu brennen ist richtig. Und wenn man das mal in Relation setzt, dann entspricht das ungefähr 2000 vierköpfigen Einfamilienhaushalten, die dann irgendwie einen Verbrauch von ungefähr 20.000 Kilowattstunden pro Jahr haben.
Sprecher 3: Also Sie sind abhängig von Energie und haben deswegen die Idee gehabt, als Unternehmen sich autark zu machen, eigene grüne Energiequellen zu erschließen für den Bedarf, den Sie im Unternehmen haben. Habe ich das richtig verstanden?
Sprecher 4: Genau, wir wollen ja auch den Weg der CO2-Neutralität beschreiten und haben dafür auch extra noch einen Ingenieur eingestellt, damit wir da schneller vorankommen. Das sind natürlich riesen Herausforderungen. dem Erdgasverbrauch auch einen Stromverbrauch von 3,6 Millionen Kilowattstunden in der Größenordnung. Da sind wir bisher an dem Punkt, dass wir davon ungefähr 1,4 Millionen Kilowattstunden selbst erzeugen an Strom über eine PV-Anlage und über eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die hoch effizient ist, wo wir die Abwärme zu 100 Prozent nutzen können. So und die Zukunft sieht ja so aus, dass wir irgendwie auch schauen müssen, wo haben wir die Möglichkeit noch weiter zu elektrifizieren. Niederthemische Prozesse können wir noch elektrifizieren, Mobilität, das heißt unser Strombedarf, der wird wachsen. Wir werden versuchen zu kompensieren, die Primärenergie, also den Erdgasverbrauch auch teilweise zu elektrifizieren. Das wird uns auf Dauer nicht ganz gelingen. Wir werden da auch noch andere Wege beschreiten müssen. Stichwort Wasserstoff, Biogas oder was weiß ich. Aber erstmal wollen wir natürlich an den Strom ran. Und wie gesagt, PV haben wir. Das liefert uns aber natürlich nur tagsüber Strom. Wir sind eine Ziegelei. Die Öfen laufen rund um die Uhr. Wir sind ein 24-7-Betrieb. Wir brauchen auch Nachtstrom. Und vor dem Hintergrund würden wir gerne hier ein Windrad am Werk installieren, was sich aber tatsächlich als sehr schwierig erweist.
Sprecher 3: Das müssen Sie uns genau erklären, weil das ist ja eigentlich genau das, was die Politik will, dass Unternehmer wie Sie sich in Eigenregie Energie autark machen mit grünen Energien. Ein Windrad, da müssten Sie doch eigentlich Applaus und viel Unterstützung aus der Politik bekommen haben.
Sprecher 4: Das habe ich auch gedacht. Ich habe Anfang 2022 nach dem Anstieg der Energiepreise in 2021 schon den Hörer in die Hand genommen und bei unserem Landkreis angerufen, um zu fragen, wie es aussieht. ob wir eine Windkraftanlage installieren können. Und ja, ich habe gedacht, ich kriege da Applaus oder einen roten Teppich ausgerollt, aber tatsächlich war man nicht besonders begeistert und hat mir gesagt, ich sollte doch erstmal das Habecksche Osterpaket abwarten, weil dort ja angeblich deutliche Erleichterungen. Hervorgehen sollten.
Sprecher 3: Also die Förderung für Solar- oder Windkraftanlagen bei kleinen Gewerbeeinheiten, das war das Osterpaket?
Sprecher 4: Ja, das Osterpaket ist ja dann ein Juli-Paket geworden und der wesentliche Satz, der dann ja da auftaucht, war das übergeordnete öffentliche Interesse, wo ja irgendwie alle gedacht haben, damit muss jetzt alles einfacher gehen. Das ist tatsächlich mitnichten so. Wir haben erstmal Riesenprobleme gehabt, was das Thema Baurecht anging. Man war also der Meinung, dass das überhaupt nicht bei uns möglich ist, ein Windrad zu installieren. Dann haben wir also massiv auch unter Zunahme von Fachanwälten versucht, dagegen zu argumentieren. Was uns dann am Ende auch gelungen ist, die Gemeinde Oelsen hat uns dann unterstützt als regionale Gemeinde. Und dann irgendwann hatten wir den Punkt Baurecht dann durch und dann kam das Thema Naturschutz. Und das war dann die nächste große Ernüchterung. Wohlgemerkt, wir wollen ja keinen Windpark bauen, wir wollen ein einzelnes Windrad bauen am Werk, wo wir den Strom eben selbst nutzen. Das Windrad ist 100 Meter hoch, was wir hier geplant haben. Es gibt auch im Grunde nur einen einzigen möglichen Standort. Aber wir müssten dieselben Sachen liefern wie beim Windpark auch. Das heißt, zwölf Monate lang Gast-, Rast- und Brutvögel kartieren. Also schauen, was ist hier unterwegs. Fledermäuse das Thema, sodass wir erstmal Gutachten beauftragen mussten und dann ein Jahr lang erstmal untersuchen mussten.
Sprecher 3: Also Sie zahlen dann bei der Naturschutzbehörde erstmal Gutachten dafür, welche Vögel fliegen in welcher Höhe in Ihrer Region?
Sprecher 4: Genau, für diese ganzen Gutachten, die haben wir auf eigene Kosten beauftragt und das ist eine Summe, das sind ungefähr 100.000 Euro, die wir da bisher in Vorleistung gegangen sind. Und die große Ernüchterung, die folgte im Grunde jetzt ein Jahr später oder ein knappes Jahr später, Mitte Januar, ist uns das Fledermaus-Gutachten zugegangen. Und in diesem Fledermaus-Gutachten, ja, da steht als Empfehlung drin, dass wir doch unser Windrad in den Monaten März bis November von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang abschalten sollen, damit wir keine Fledermäuse töten.
Sprecher 3: Und das macht aus wirtschaftlichen Erwägungen dann keinen Sinn mehr für Sie als Unternehmer?
Sprecher 4: Naja, das ist natürlich so. Wir bauen ja nicht das Windrad, um hier irgendwie einzuspeisen und sowas. Das wird sich sowieso niemals lohnen, weil der ganze Voraufwand für so ein einzelnes Windrad natürlich in einem ganz anderen Verhältnis steht. Aber unser Ziel ist ja, eigenen Strom zu produzieren und damit, sag ich mal, Stromeinkauf zu vermeiden. Und da sprechen wir eher über 20 Cent die Kilowattstunde Strompreis. So, und wenn wir jetzt das Windrad nachts abschalten sollen, das ist... Das ist ja genau die Zeit, wir wollen es ja als Ergänzung zu der PV-Anlage haben. Nachts scheint ja nun mal die Sonne nicht. Und weil wir eben nachts auch Strombedarf haben, würde das wunderbar passen und wir könnten die Energie, die dem durch das Windrad nachts produziert wird, selbst nutzen und würden damit dann eben 20 Cent Stromeinkauf vermeiden. Und wenn wir das jetzt nachts abschalten sollen, dann sprechen wir von 40.000 Euro Ertragseinbußen und damit ist das Windrad einfach wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, objektiv.
Sprecher 3: Das heißt, Sie haben das Projekt eigentlich abgeblasen?
Sprecher 4: Ja, wir müssten es eigentlich abblasen, aber ich persönlich, ich sage ganz ehrlich, ich bin jetzt auf dem Standpunkt, alle reden von Energiewende. Es wird auf uns ein massiver Druck aufgebaut, dass wir sowohl gesellschaftlich, politisch als auch von Kundenseite erwartet man, dass wir CO2-neutral werden und was machen. Dann wollen wir was machen. Wir gehen ins Vorleihen, wir nehmen 100.000 Euro und das ist für uns ein Haufen Geld. Und jetzt sollen wir es nicht mehr machen. Mir fällt es schwer, das zu akzeptieren. Und mein Ziel ist jetzt, irgendwie die Politik aufzurütteln und alle, die da was zu sagen können und uns einen Weg ebnen können, die sollen uns bitte helfen und sagen, wie es geht. Und am Ende des Tages muss man entscheiden, wo liegen die Prioritäten? Was wollen wir jetzt? Wollen wir wirklich CO2-Neutralität? Wollen wir die energieintensive Industrie in diesem Land, wollen wir der eine Chance geben, dass sie sich entwickeln kann? Oder setzen wir den Naturschutz an erste Stelle? Bitte mich nicht falsch verstehen, ich bin auch ein Naturfreund, aber ich finde, an diesem Punkt müssen wir mal ein Stück weit abwägen. Haben wir kein Fledermausproblem, es wimmelt hier von Fledermäusen. Und wir haben hier extra ein Windrad ausgewählt, wo die Flügelspitze bis maximal 40 Meter über der Erde rauskommt. Und die meisten Fledermäuse bewegen sich unterhalb dieser 40 Meter. Das heißt, man muss hier auch irgendwo vielleicht ein Stück weit die Risiken abwägen. Es ist schon sehr ernüchternd. Ich sage es ganz ehrlich, als ich dieses Gutachten in den Händen gehalten habe, ich war selten in meinem Leben so frustriert wie an dem Tag.
Sprecher 3: Das klingt besorgniserregend, aber wenn Sie das Projekt jetzt dennoch weiter treiben würden, was käme dann auf Sie zu?
Sprecher 4: Na gut, das nächste Gutachten, was ja dann auch noch eintrudelt, ist das Vogelgutachten. Da müssen wir auch noch mit rechnen, dass da auch noch Kompensationsmaßnahmen auf uns zukommen. Das können wir im Moment noch gar nicht richtig abschätzen.
Sprecher 3: Das heißt, dass Sie an anderer Stelle Naturschutzmaßnahmen fördern müssten?
Sprecher 4: Ja genau, es geht im Grunde darum, wenn jetzt irgendwelche Vogelarten durch das Windrad beeinträchtigt werden, da gibt es dann eben Maßnahmen, die man vornehmen muss, um das an anderer Stelle zu kompensieren. Und da können, sage ich mal, nochmal irgendwie Kosten in der Größenordnung 50.000 bis 250.000 Euro auf uns zukommen. Das muss man auch so sagen. Diese Kosten, die sind in den letzten Jahren schon massiv aus dem Ruder gelaufen. Und da muss man natürlich, wenn das wirklich in diese Region kommt, auch nochmal abwägen, ist es dann auch wirtschaftlich oder nicht. Und wenn wir dann das Windrad bauen, dann sind wir nochmal mit mindestens irgendwo 2 bis 2,2 Millionen Euro dabei für das Windrad. inklusive Anschluss ans Werk.
Sprecher 3: Also Fazit stand jetzt, sagen Sie als Unternehmer, ich wollte meinen Laden komplett CO2-neutral machen, aber ich werde es wohl nicht hinkriegen?
Sprecher 4: Naja, zumindest nicht so schnell, wie Sie das uns wünschen. Man muss ja auch sagen, im letzten Jahr hatten wir eine Diskussion über Industriestrompreise. Davon ist ja jetzt nichts mehr zu hören. Dann gab es die Energiesteuerkappung auf den europäischen Mindestwert. An gleicher Stelle haben wir aber eine enorme Kostensteigerung bei den Netzentgelten. Wenn wir bezahlbaren Strom haben möchten, dann geht es im Grunde nur darum, dass wir ihn selber erzeugen. Und das dann auch irgendwie zu einer halbwegs wirtschaftlichen Situation. Nicht so, wie es sich im Moment darstellt. Weil das ist ein wichtiger Schlüssel, um weiterzukommen. Im Moment ist es so, Strom kostet uns irgendwo 20 Cent die Kilowattstunde. Tendenz steigend. Erdgas kostet uns aktuell inklusive CO2-Kosten, die muss man auch berücksichtigen, da sind wir in der Größenordnung 6 Cent. Wenn wir aber elektrifizieren sollen in Zukunft, dann müssen wir ja irgendwie auch elektrische Energie bekommen, die in der Region ist, was Primärenergie kostet. Wie sollen wir es denn sonst darstellen?
Sprecher 3: Vielen Dank, Herr Depp, für diesen Praxischeck in Sachen Energiewende. Wir wünschen Ihnen als Unternehmer in der fünften Generation, dass es auch noch eine sechste und siebte gibt und weiterhin viel Erfolg. Vielen Dank für diesen Bericht.
Sprecher 4: Danke, Herr Bröker.
Sprecher 2: Und zum Nachtisch haben wir passend zur Fastenzeit heute nichts Süßes, sondern etwas Sportliches. Und es sind gute Nachrichten, insbesondere für die Frauen, von denen wir schon gesagt haben, dass sie diejenigen sind, die so wichtige Aufgaben haben, wie die Schiffe in dieser Republik zu lenken und die Dammbrüche zu organisieren. Jedenfalls die Dammbrüche, die die Blockaden lösen. Und nun hat eine Studie aus Großbritannien ergeben, dass sich Sport für Frauen noch viel mehr lohnt als für Männer. 400.000 Erwachsene wurden in einem Zeitraum von 20 Jahren untersucht und das Ergebnis ist völlig klar. Frauen, die Sport treiben, senken das Risiko, an einer Erkrankung zu sterben, um 24 Prozent gegenüber Frauen, die nicht regelmäßig Sport treiben. Bei Männern ist dieser Unterschied nur 15 Prozent. Das heißt, auch Männern rate ich natürlich, aktiv zu bleiben. Aber für Frauen ist der Nutzen einfach noch ein bisschen größer. Und das ist die schöne Nachricht des Tages. Also gehen Sie am Wochenende joggen, gehen Sie raus in die Natur, lassen Sie sich vom Regen nicht irritieren. Das ist nämlich egal. Gute Laune macht es sowieso. Vielleicht gehen Sie auch, weiß ich nicht, schon rudern oder anderes. Viel Spaß dabei. Vielleicht hören Sie unseren Podcast sogar, während Sie Sport machen. Auch das ist schön. Dafür machen wir demnächst auch mal wieder einen Song am Ende. Das ist jetzt schon versprochen. Sie können uns über das Wochenende auch gerne kommentieren. Tare schreiben unter der bekannten Adresse chefredaktion at table.media. Und wir sind am Montag morgens um sechs wieder für Sie da und freuen uns darauf und wünschen jetzt ein schönes Wochenende. Ihre Helene Bobrowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.