Ruiniert die AfD unsere Wirtschaft, Herr Haeusgen?
- Tischgespräch: Wie Karl Lauterbach eine Cannabis-Legalisierung durchdrückt, von der er selbst nicht überzeugt ist.
- Gast am Runden Tisch: Karl Haeusgen, Präsident des VDMA, entzaubert den Mythos, die AfD würde den Standort Deutschland fördern.
- Nachtisch: Wie gesund ist das Arbeiten im Homeoffice?
Die AfD würde den Wirtschaftsstandort Deutschland ruinieren. Mit dieser drastischen Warnung hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau vor der rechtspopulistischen Partei gewarnt. Im Gespräch mit Helene Bubrowski erklärt VDMA-Präsident Karl Haeusgen, warum der von der AfD propagierte mögliche Dexit und die Blockade weiterer Zuwanderung ein Irrweg sind. Haeusgen erklärt zudem, welche weiteren Fallstricke sich hinter den Forderungen im AfD-Parteiprogramm verbergen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Table Today, Ihrem Podcast für die gute Laune am Morgen. Miese Petrigkeit ist hier verboten und natürlich genauso die intellektuelle Flachheit. Hier geht's in die Tiefe. So, heute ist Mittwoch, der 21. Februar. Der Monat neigt sich schon dem Ende entgegen, der Frühling steht bevor. Darauf freuen wir uns sehr. Michael Brücker sitzt mir gegenüber, auch er ist heute guter Laune. Und warum? Weil es heute um Drogen geht.
Sprecher 3: Was soll das denn jetzt eigentlich heißen?
Sprecher 2: Du hast selber in unserem kleinen Vorgespräch so viel zur Transparenz gesagt, dass du selber mal gekifft hast und deswegen diese Gesetzgebung, die die Ampel jetzt vorhat, gar nicht so schlecht findest.
Sprecher 3: Aber nicht auf Lunge, ich habe nur gepafft.
Sprecher 2: Ah ja, das ist I didn't inhale. Genau, kommt mir bekannt vor. So, ernsthaft wird es nicht nur in unserem Gespräch, das gleich ansteht, weil es wirklich um ganz konkrete Fragen, um Gesundheitsgefährdung und so weiter, um organisierte Kriminalität und diesen ganzen Bereich geht. Und darüber werden wir gleich in der Tiefe sprechen. Rechtliche Aspekte gibt es übrigens auch. Außerdem haben wir im Gespräch heute Karl Heusken. Und er ist der Präsident des VDMA, des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagebau. Und wir sprechen über die Frage, was die Wirtschaft tun kann gegen die AfD, beziehungsweise warum. dass AfD-Programm eigentlich so überhaupt nicht wirtschaftsfreundlich ist, auch wenn diese Partei gelegentlich das Gegenteil behauptet. Ich bin Helene Bobrowski und ich freue mich, dass Sie dabei sind.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Michael, nach dieser kleinen, gut gelaunten Anmoderation müssen wir jetzt wirklich mal ernsthaft über Cannabis sprechen. Es geht in Berlin derzeit hoch her und ich lese mal vor, was die Ampel, die sogenannte Fortschrittskoalition, sich im Koalitionsvertrag vorgenommen hat. Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein. Dadurch wird die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet. Insbesondere dieser letzte Punkt ist natürlich interessant, wenn man sich überlegt, dass Liberalisierung plötzlich mehr Jugendschutz bedeuten soll. Viele Fragen sind offen. Die Kritik an diesem Vorhaben ist groß, nicht nur von Seiten der CDU, CSU, sondern auch von Einzelstimmen der SPD.
Sprecher 5: Also in der Regierung gibt es ein paar Vorbehalte.
Sprecher 2: In der SPD?
Sprecher 5: Auch in der SPD, ja. Vor allem in der SPD. Ja, das gehört aber zum Geschäft dazu in dem Sinne, wir diskutieren in der Sache. Und ich glaube, das bringt uns auch weiter. Wir haben jetzt zum Beispiel dieses Gesetz nochmal ein bisschen verändert, dass wir die Belange der Innenpolitiker aufgenommen haben, indem wir bereits nach zwei Jahren das Gesetz noch einmal evaluieren, auch unter Beteiligung des BKAs. Daran bin ja auch ich interessiert, dass das Gesetz sich gut umsetzen lässt.
Sprecher 2: Unser Bundesgesundheitsminister, der für das Gesetz verantwortlich ist, ist selber, so viel kann man glaube ich sagen, nicht der größte Fan dieser Geschichte, erträgt es aber mit. Es gibt aber profilierte Innenpolitiker der SPD, zum Beispiel Sebastian Fiedler, der ehemalige Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, der explizit seine Bedenken äußert. Also auch in der Koalition ist wieder einiges los. Aber dieser Liberalisierungsgedanke in diesem Bereich ist der Kitt, der die Ampel überhaupt noch zusammenhält. Der angebliche gesellschaftliche Fortschritt, den ich übrigens nicht als Fortschritt ansehe, ist ein Projekt, in dem sich mit wenigen Ausnahmen abgesehen die Ampelparteien einig sind. Wie siehst du es?
Sprecher 6: Ja, Cannabis-Social-Clubs halten diese Koalition jetzt zusammen. Ist schon irgendwie erstaunlich, wenn wir Fortschritt auf diesen Begriff reduzieren, dass man irgendwie Cannabis legalisiert. Also ich bin sehr, sehr skeptisch, denn das Beispiel Niederlande, Amsterdam zeigt ja eigentlich, dass eine Legalisierung des Cannabis-Konsums und auch eines Besitzbesitzes, Zu 25 Gramm. Ich habe gelernt, das sind drei weibliche blühende Pflanzen, die dann auf dem Balkon erlaubt sind. Dass das jetzt der Durchbruch sein soll, um mehr Kontrolle über den Markt zu bekommen, das ist ja ein zentrales Ziel. In Amsterdam, in den Niederlanden zeigt sich das Gegenteil. Es ist eine unglaublich große, organisierte Kriminalität entstanden. Der Hotspot in Europa ist dort und ich habe die große Sorge, dass diese Social Clubs am Ende nur die Architektur für ganz große Drogenkriminalität sind und nicht irgendwie die Legalisierung eines kleinen, ganz harmlosen Kiffertums in Deutschland.
Sprecher 2: Ja, Michael, 25 Gramm steht im Gesetz, aber tatsächlich weiß ja niemand, wie kräftig so eine weibliche Hanfpflanze blüht. Es gibt aus der Union Berechnungen, dass... Dass auch bis zu 50 Gramm Ernteertrag sein kann. Und das wäre dann Stoff für, sage und schreibe, 150 Joints, also schon einige extreme Rauschzustände.
Sprecher 6: Ich bin ja ohnehin der Meinung, dass Cannabis nicht so harmlos ist, wie es viele machen. Es gibt Mediziner, es gibt Gehirnforscher, die sagen, das hat wirklich nachhaltige psychische Gefahren, dieser Cannabiskonsum. Und deswegen werden wir ihn dadurch sicherlich nicht einhegen. Das ist die medizinische Seite, aber ich finde, die darf man auch mal sagen. Das ist ausgerechnet der Mediziner Karl Lauterbach. Jetzt Cannabis legalisiert, sehe ich jetzt auch ein bisschen schwierig und sehen auch viele Ärzte schwierig. Aber es hat eben auch noch den Aspekt, dass der Konsum und die Regulierung, die sie jetzt anstreben, am Ende gar nicht so durchgehalten werden kann. Wenn ich sehe, 100 Meter von einer Schule darf nicht gekifft werden. Wer soll denn das alles kontrollieren? Diese Social Clubs dürfen... 500 Mitglieder haben, aber nicht 1000. Und was da wirklich passiert, das kann doch alles keiner kontrollieren. Also ich sehe die Ordnung in diesem Bereich einfach noch nicht, die da versprochen wird.
Sprecher 2: Ja, in der Tat, die Innenministerkonferenz, Michael, hat ja auch gerade erst im Dezember 2023 sich gegen dieses Liberalisierungsvorhaben gestellt und hat das insbesondere begründet, dass es negative Auswirkungen gebe eben auf die Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Allerdings muss man schon sagen, dass auch die bisherige Rechtslage jetzt nicht besonders gut war, was damit zu tun hat, dass die Frage, was eine geringe Menge ist an Cannabis in den verschiedenen Bundesländern eben sehr unterschiedlich gehandhabt wurde. Das heißt, es hing wirklich vom Zufall ab, in welchem Bundesland du bist, ob ein Ermittlungsverfahren eröffnet wurde oder ob es eingestellt wurde. Wir reden hier über den Paragrafen 31a des Betäubungsmittelgesetzes und dort steht drin, dass das Verfahren eingestellt wird, wenn kein besonderes öffentliches Interesse besteht und wenn, und das ist eben jetzt der Fachausdruck, eine geringe Menge zum Eigenverbrauch angebaut, hergestellt, eingeführt oder sonst was wird. So und jetzt ist die interessante Sache, was ist eine geringe Menge? Da gehen die Meinungen zwischen den Bundesländern eben sehr auseinander. In elf Bundesländern ist eine geringe Menge bei sechs Gramm festgelegt. In Berlin aber zum Beispiel ist die geringe Menge zehn Gramm und sogar bis zu 15 Gramm kann man bei sich führen und konsumieren und das Verfahren wird trotzdem eingestellt. Das ist natürlich auch ein Zustand innerhalb Deutschlands, der so, finde ich, nicht tragbar ist. Deswegen muss man es schon reformieren. Aber auch meine Meinung ist sicherlich nicht so wie jetzt.
Sprecher 6: Und die zentrale Frage, Helene, ist doch, wird es einfacher, an Cannabis zu kommen? Ja, selbstverständlich. Und natürlich steht im Gesetz drin, zur Ehrenrette von Karl Lauterbach, Minderjährige dürfen nicht und es darf auch nicht gedealt werden. Aber wenn ein Cannabis-Verein bis zu 25 Gramm Blüten oder Harz pro Tag verkaufen darf, das heißt an seine Mitglieder, ja wer will denn da kontrollieren, wessen Mitglied jetzt an seinen Kumpel das weitergegeben hat. Also die Wahrheit ist, es entstehen Dutzende, Tausende Cannabis-Shops, wo ich Cannabis kaufen kann. Der Konsum wird in die Höhe schnellen. Das hat gravierende medizinische Auswirkungen und ich bin immer noch sehr skeptisch, obwohl ich früher selber mal gekifft habe.
Sprecher 2: Das wollte ich jetzt gerade sagen, mein Lieber. Ich habe ja in der Anmoderation schon verraten. Du nicht oder was? Ich habe in der Anmoderation ja schon verraten, dass du gelegentlich früher offensichtlich gekifft hast. Woher kommt jetzt, ist das das Alter, das dich weise gemacht hat? Ist es die schlechte Kifferfahrung oder was hat dich eigentlich...
Sprecher 6: Nichts gegen den richtig guten Lachflash, aber den habe ich als Rheinländer und erst recht im Gespräch mit dir natürlich ohnehin auch ohne Cannabis. Aber es ist auch, es macht träge, es ist oftmals der Einstieg in eine Drogenkarriere gewesen, finde ich.
Sprecher 2: In der Tat, also ich bin so groß geworden. Mit diesem Satz meiner Eltern, so ungefähr heute die Zigarette, so fängt es an, morgen der Joint und übermorgen steckt die Nadel in deinem Arm. Also dieses Rolltreppe-Abwärts-Phänomen noch dann gefüttert in den 80er Jahren durch den Film Christiane F. Und so weiter, hat mir so viel Angst gemacht, dass ich immer die Finger von diesen Dingen gelassen habe, habe aber irgendwann übrigens den sehr empfehlenswerten Film Lambok geguckt. Mega witzig. Ein unfassbarer... Lustiger Film, von dem viele Menschen sagen, man kann nur bekifft drüber lachen. Ich habe unbekifft Tränen gelacht, habe dann aber irgendwann den nochmal geguckt, dann mit anderen Freunden, die fanden es dann überhaupt nicht witzig und beim zweiten Mal war es auch nicht mehr so witzig. Ansonsten aber schon großartig mit Moritz Bleibtreu als großen Kiffer.
Sprecher 6: Unser Fazit, mehr Cannabis ist auch keine Lösung.
Sprecher 2: Zu unserem Tischgespräch des heutigen Tages begrüße ich jetzt sehr herzlich Karl Heusken, den Präsidenten des VDMA, des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, der 3600 Unternehmen vertritt. Herzlich willkommen. Hallo Herr Häusgen.
Sprecher 7: Ja, hallo, grüß Gott. Freut mich, dass ich da bin.
Sprecher 2: Schön, dass Sie da sind. Sie sind ja nicht nur Verbandspräsident, sondern auch Hauptaktionär der HW Hydraulik, Aufsichtsratsvorsitzender dort. Ein Unternehmen, das in Bayern ansässig ist und insbesondere Pumpen und Ventile herstellt. Also Sie sind auch selber im... Geschäft und wir wollen heute reden über die hohen Umfragewerte für die AfD, die für die kommenden Wahlen nichts Gutes verheißen und uns fragen, was bedeutet das eigentlich für die deutsche Wirtschaft. Herr Heusgen, der VDMA hat kürzlich eine Pressemitteilung rausgegeben mit dem doch sehr erschütternden Titel, nämlich die Wirtschaftspolitik der AfD würde den Standort Deutschland ruinieren. Drastische Worte, was meinen Sie damit?
Sprecher 8: Ja, zunächst beziehen wir uns speziell mit dieser Formulierung auf das 10-Punkte-Sofortprogramm der AfD, das sie im September 2023 veröffentlicht hat, wo sie sagt, dass die derzeitige Regierung unser Land in den Ruin führt. Und da wollten wir bewusst einen Kontrapunkt setzen. Im Wesentlichen setzen wir auf zwei Argumente. Das ist die Argumentationslinie EU und Euro einerseits und das Thema Fachkräftemangel und Zuwanderung andererseits. Wir wissen, dass die AfD den Euro abschaffen will und die EU nicht nur reformieren, sondern eigentlich verlassen will. Das hätte fatale Folgen für die deutsche Industrie mit ihrem hohen Exportanteil und der EU als Hauptmarkt. Und wir wissen eben auch, dass die Fachkräftelücke sich ohne qualifizierte Zuwanderung nicht lösen lässt. Auch das lehnt die AfD ab. Das sind die beiden Hauptargumente neben vielen anderen im Detail.
Sprecher 2: Jetzt gibt es ja aber auch unter Unternehmern durchaus Sympathien für die AfD. Wie ist das in Ihrem Verband und wie gehen Sie damit um?
Sprecher 8: Ja, ich glaube, es ist wichtig zu sehen, wenn wir die formalen Schriftstücke der AfD anschauen, dann finden wir da ganz viele wirtschaftspolitische Positionen, die überhaupt nicht originell oder am Rand sind. Es gibt eine ganze Reihe von Mainstream-Positionen, niedrigere Energiepreise, Bürokratie drastisch abbauen, die Schuldenbremse muss eingehalten werden, die AfD fordert Technologieoffenheit. Da ist natürlich einiges dabei. Das ist deckungsgleich mit den sogenannten oder von der AfD sogenannten Mainstream-Parteien. Und dem können natürlich dann auch wir zustimmen. Allerdings gibt es eben eine Reihe von Standpunkten, die diese Argumente wieder zunichte machen. Was nutzt uns Technologieoffenheit in geschlossenen Märkten zum Beispiel?
Sprecher 2: Das heißt, Sie leisten dann auch Aufklärungsarbeit unter Unternehmern und sagen, das, was da geschrieben steht, ist eben nicht die ganze Wahrheit, sondern dahinter steckt eben ein Rassismus, der die Fachkräfteeinwanderung, wie Sie es gesagt haben, verkompliziert mal mindestens und so weiter. Also Sie erklären dann, warum Sie zu dem Schluss kommen, dass die AfD den Standort Deutschland ruinieren würde.
Sprecher 8: Ich will den Begriff Rassismus an dieser Stelle gar nicht oder noch gar nicht nutzen. Ich will, wie soll ich sagen, auf Moral, auf Haltung, auf Menschlichkeit zu sprechen, kommen Sie demnächst einfach mal schauen, was fordert die AfD und wie wirkt sich das aus. Und wir haben eben eine jährliche Unterdeckung von 400.000 Arbeitskräften durch die Demografie in Deutschland. Jetzt fordert die AfD als Lösung eine Familienpolitik, die zu einer höheren Geburtenrate führt. Ja, wunderbar, das ist eine gute Idee, die wirkt in 16 bis 25 Jahren, je nach Ausbildungsweg. Und dann sind wir halt längst weg vom Fenster der Industrieländer. Die AfD will inländische Potenziale nutzen über Qualifizierung. Das sind alles gute Ideen. Wir wissen aus vielen Studien, das reicht maximal für ein Drittel bis der Hälfte des Bedarfs. Qualifizierte Zuwanderung plus Qualifizierung der Migranten, die schon hier sind, Wohlstandssicherung für Deutschland.
Sprecher 2: Ich habe es eingangs gesagt, Sie sind auch Hauptaktionär der HW Hydraulik. Wie gehen Sie selber mit der AfD als Partei um, wenn es zum Beispiel Anfragen gibt aus dem Parlament? im parlamentarischen Raum der AfD, Landtagsfraktionen in Bayern etwa, die gerne eine Werksbesichtigung machen möchten oder Ähnliches mit Ihnen ins Gespräch kommen. Haben Sie da intern eine Policy, wie Sie solche Anfragen handhaben und gibt es da einen Unterschied zwischen der AfD und den anderen Parteien?
Sprecher 8: Wir sind bisher von der AfD nicht angesprochen worden, von daher sind wir noch nicht konkret mit dem Problem konfrontiert worden. Wir würden allerdings aller Voraussicht nach die Anfrage ablehnen. Da sind wir dann tatsächlich beim Thema Grundhaltungen, Mitmenschlichkeit. Deswegen würden wir das nicht machen. Ich glaube, wichtig ist auch, welche Aufgaben haben denn Führungskräfte, Eigentümer, Aufsichtsräte? Wir bei HW, wir thematisieren tatsächlich das Thema AfD und politische Situation. Und das haben wir so in der Vergangenheit bei anderen politischen Situationen nicht gemacht. Es reicht aber nicht, wenn man das ex cathedra macht. Wir verkünden jetzt mal Leute, die AfD, die taugt uns nicht. Sondern man muss Diskussionen ermöglichen. Und da sind wir dabei, über Chatraume Diskussionen zu ermöglichen und Mitarbeitern, die sich äußern wollen, dies auch zu ermöglichen, solange sie sich nicht anonym äußern. Für uns war sehr interessant, wir hatten in unserem Intranet Stellung genommen zur AfD. Alle positiven Rückmeldungen kamen unter Klarnamen und alle negativen Rückmeldungen kamen anonym. Wir wollen die Diskussion führen, aber die Anonymität natürlich aufheben und den Leuten Mut machen, sich zu äußern.
Sprecher 2: Und wie handhabt das der Verband, dem Sie vorstellen? Ich habe es gesagt, Sie vertreten 3600 Unternehmen. Insgesamt sind es drei Millionen Menschen, drei Millionen Beschäftigte. 1,2 Millionen in Deutschland. Das ist ja eine riesengroße Gruppe, wo man sicherlich auch einen Teil von AfD-Anhängern hat, mindestens mal bei der Belegschaft, möglicherweise auch an den Chefetagen. Wie gehen Sie als Verband damit um?
Sprecher 8: Ja klar, ich meine, wir sagen zu einem Maschinenbau immer, wir sind die Guten.
Sprecher 2: Müssen die selber lachen, ja.
Sprecher 8: Aber natürlich sind auf dem Maschinenbau anteilig viele Menschen, die dem einen oder anderen Standpunkt und sogar der AfD in Summe zuneigen. Wir führen diese Diskussion offen. Wir entwickeln Verbandspositionen, die dann oft von Mitgliedern kritisiert werden. Und ich als Präsident, die Hauptgeschäftsführung, wir stellen uns dieser Diskussion auf Ebene der Landesverbände, auf Ebene der Fachverbände. Und es gibt dort Unternehmer und Manager, die auch mutig genug sind, aus der Anonymität rauszukommen und zu sagen, wir teilen diesen und jeden Standpunkt der AfD. Und dann diskutieren wir das. Wir tabuisieren nicht, wir grenzen nicht aus, wir diskutieren, auch wenn das manchmal schwierig ist.
Sprecher 2: Und eben in der Sache, wie Sie gesagt haben, und gar nicht so sehr auf der moralischen Ebene. Das ist sicherlich ein vielversprechender Ansatz, wenn ich die Diskussion der letzten Jahre hier beobachte.
Sprecher 8: Ich finde das nicht nur interessant aus Sicht der Unternehmen, ich finde es vor allem interessant aus Sicht der Arbeitnehmer, aus Sicht der ganz normalen Menschen in Deutschland. Die AfD hat ja im Wahlprogramm 2021 die meisten Kürzungen von Sozialleistungen aller Parteien im Wahlprogramm gehabt. Die AfD hat die Mindestlöhne von 12 Euro im Bundestag abgelehnt. Die AfD will die Erbschaftssteuer abschaffen. Die AfD will den Rest, Soli, den ja nur Spitzenverdiener zahlen, abschaffen. Das muss man sich vor Augen halten. Ich glaube, man muss den ganz normalen Leuten, die da draußen hart arbeiten, sagen, Achtung, die AfD ist nicht auf eurer Seite und sie ist eine Antisozialpartei.
Sprecher 2: Wir wollen diesen thematischen Bereich mal verlassen und jetzt sprechen über den Jahreswirtschaftsbericht, der heute vorgestellt wird, Herr Häusgen. Und da interessiert mich natürlich Sie als Unternehmer, Ihr Blick darauf, insbesondere vor dem Hintergrund der Wachstumsagenda, die Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck angekündigt haben. Was soll da drinstehen? Sie haben jetzt 60 Sekunden Zeit, um Ihre Forderungen nochmal unter die Leute zu bringen, dass sie gehört werden mögen in den nächsten Wochen.
Sprecher 8: Also zunächst, Ankündigungen sind super, aber es gilt das schöne alte Gedicht von Erich Hestner, es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Übrigens, der Titel dieses Gedichts lautet Die Moral.
Sprecher 2: Sehr passend.
Sprecher 8: Und wenn wir darauf schauen, dann ist das Allerwichtigste, dass diese drei Parteien endlich sich zusammenfinden und ihre Egoismen überwinden, ihre Partikularklientel hinter sich lassen und zu schnellen, klaren Entscheidungen kommen, die nicht zwei Tage später, wenn ein paar Bauern bis Brandenburg durchfahren, wieder in Frage gestellt werden. Das Gleiche gilt für die Opposition. Wir brauchen das Wachstumschancengesetz. Wir brauchen es so umfänglich wie möglich, um das jetzt nicht zu verstehen, dass mit föderalen Argumenten von der Opposition dieses Gesetz blockiert wird. Also Wachstumschancen. Bürokratie-Entlastungsgesetz, Genehmigungsbeschleunigung. Da ist schon einiges auf den Weg gebracht bei der Beschleunigung von Genehmigungen. Aber es gibt noch weitere Gesetzespakete, die auf den Weg gebracht werden müssen. Umsetzung, Umsetzung, Umsetzung. Ich glaube sogar, dass die Ampelkoalition in den ersten anderthalb Jahren für die Wirtschaft einen guten Job gemacht hat. Aber jetzt sehen wir eben schon seit geraumer Zeit diese Zersplitterungen der Meinungen und diese Partikular-Egoismen. Und das führt zur Politikverdrossenheit der Menschen.
Sprecher 2: Interessant. Sie sprechen jetzt die Union an, die ja im Bundesrat derzeit Schwierigkeiten hat mit dem Wachstumschancengesetz und sagen, sie sind zufrieden eigentlich mit der Performance der Ampel. Gilt das auch für den Bundeswirtschaftsminister, dem ja ansonsten von der Union immer nachgesagt wird, er verstehe sein Geschäft nicht?
Sprecher 8: Also dem Bundeswirtschaftsminister und uns, auch mich persönlich, trennt vor allem eine Grundhaltung. Vereinfacht gesagt ist es die Frage unternehmerische Freiheit versus granulare Regulatorik des Gesetzgebers. Und da steht der Wirtschaftsminister eben eher bei der Regulatorik und wir stehen ganz stark auf der Seite des freien Unternehmertums. Und mein Appell an Robert Habeck ist immer, vertrauen Sie den Menschen dort draußen in den Unternehmen. Dieses gesagt, kann man schon sagen, dass auf der Arbeitsebene von Herrn Habeck sehr viel bewegt worden ist. Herr Habeck versteht die Wirtschaft gut. Herr Habeck geht raus in die Unternehmen, er spricht mit den Menschen, er kapiert ganz schnell, wie manche Branchen ticken. Und wenn wir die Gesetzgebung in den ersten anderthalb Jahren oder knapp zwei Jahren der Ampelkoalition anschauen, dann sind eben tatsächlich eine Reihe von Gesetzen auf den Weg gekommen. kommende durchaus wirtschaftsfreundlich waren, mehr als in den vier Jahren der Großen Koalition zuvor.
Sprecher 2: Interessante Analyse. Und auch bei der Schuldenbremse sind Sie bei Robert Habeck?
Sprecher 8: Also zunächst mal gilt es, die Schuldenbremse muss halten, muss sie in der heutigen Form halten. Darüber kann man diskutieren und ich finde, es gibt ja auch aus der Wissenschaft der Ökonomen sehr gute Vorschläge, wie man die Schuldenbremse dynamischer gestalten kann und da ist einiges Gutes dran. Vorsicht allerdings, das muss immer so gestaltet werden, dass die Spielräume der Politik zur Verschuldung eben tatsächlich begrenzt werden.
Sprecher 2: Letzte Frage. Sie haben es schon angesprochen, das Thema Bürokratieabbau, das natürlich die Unternehmen in Deutschland sehr umtreibt. Die Politik, die Bundesregierung hat sich da dran gemacht. Ein Gesetz ist auf dem Weg. Haben Sie eine Empfehlung, wie es gehen kann, weil das Thema natürlich irgendwie in aller Munde ist und alle wollen es, aber in der Umsetzung ist es so schwierig. Haben Sie, Herr Häusken, die Zauberformel für den Bürokratieabbau?
Sprecher 8: Wenn ich die hätte, würde ich auch gerne noch mit Partei gründen. Partei gründen ist im Augenblick ja angesagt. Die Zauberformel habe ich natürlich nicht. Allerdings, wenn Sie sagen, ein Gesetz ist auf dem Weg, dann führt das in der Regel nicht zu Begeisterung bei uns. Denn die Gesetze, die Bürokratie reduzieren, sind außerordentlich rar gesät. Es wäre schon sehr viel erreicht, wenn derzeitige Gesetzesvorhaben auf der Bundesebene wie auch auf der europäischen Ebene, die mehr Bürokratie bewirken, zunächst mal gestoppt werden. Deswegen ist es übrigens auch richtig, dass die FDP... auf der EU-Ebene sagt, europäisches Lieferkettengesetz. Nein, das ist ein Beispiel für ein Bürokratiemonster. Und gerade aus der EU kommt unglaublich viel Bürokratie in den nächsten zwei, drei Jahren auf uns zu. Und es gilt zunächst mal, diesen Tsunami, der da kommt, zu stoppen. Jedes Gesetz, das zurückgenommen oder reduziert oder, ich sage jetzt mal, überarbeitet wird, reduziert Bürokratie. Also lieber Bürokratie reduzieren, indem Bestehendes reformiert wird, als indem Neues geschaffen wird.
Sprecher 2: Ah ja, interessant. Das klingt zumindest mal nach einer Formel, über die man nachdenken sollte, fast nach dem Prinzip One in, One out. Also bevor man Bürokratieabbaugesetze macht, soll man doch einfach mal andere Gesetze nicht machen. Ein bedenkenswerter Vorschlag heute am Tag des Jahreswirtschaftsberichts, auf den wir gespannt schauen. Ein bisschen was haben wir ja im Vorfeld schon verraten dürfen. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren. Alles Gute für Sie, Herr Häusken.
Sprecher 8: Ja, vielen Dank, dass ich sprechen durfte. Und mir ist der Hinweis nochmal wirklich wichtig. Achtung mit der AfD. Die AfD ist eben nicht die Alternative für Deutschland, sondern wirtschaftspolitisch ist sie eigentlich der Armutsbeschleuniger für Deutsche.
Sprecher 2: Der Armutsbeschleuniger. Ich glaube, die Nachricht ist klar angekommen. Vielen Dank.
Sprecher 8: Prima. Alles klar. Alles Gute.
Sprecher 2: Und zum Nachtisch gibt es noch eine gute Nachricht und die betrifft insbesondere alle, die im Homeoffice sind. Eine Studie aus Großbritannien hat jetzt herausgefunden, dass Homeoffice viele Vorteile bringt, insbesondere für unsere Gesundheit. Die Forscher haben herausgefunden, dass man zu Hause generell gesünder ist, weniger gestresst ist und einen niedrigeren Blutdruck hat. Wir waren nach der Pandemie ja alle eigentlich Homeoffice-sick. Jeder hat sich wieder auf den Weg ins Büro gefreut. Mir ging es jedenfalls so. Ich finde auch, dass es eigentlich eine gute Trennung ist zwischen Arbeit und Privatem. Aber nachdem man dann doch viele Monate wieder im Büro war, kann man doch jetzt vielleicht den einen oder anderen Tag auch im Homeoffice sitzen. Und nun mit dem Segen des King's College, die haben nämlich diese Studie durchgeführt, das auch noch mit dem Bewusstsein tun, dass es dort gesünder ist. Ein bisschen Eigeninitiative gehört natürlich dazu, denn wenn es schlecht läuft, isst man auch zu Hause die Chips und Schokoriegel, die im Büro rumliegen und bewegt sich eben nicht so viel. Insofern hängt es leider doch wieder vom Engagement des Einzelnen ab. Und hiermit appelliere ich an Sie, egal wo Sie sitzen, im Büro oder zu Hause, essen Sie doch einfach gesund und laufen Sie ein paar Schritte. Das tut uns allen gut und auch der guten Laune, die wir auch morgen wieder an den Tag legen wollen. Ich freue mich drauf, wenn Sie wieder dabei sind. Wenn Sie in der Zwischenzeit etwas loswerden wollen, schreiben Sie uns an chefredaktion.tay. Ich freue mich drauf. Alles Gute für Sie, Ihre Helene Bubrowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.