Wann kommt das Klimageld, Herr Miersch?
Dauer: 21:10

Wann kommt das Klimageld, Herr Miersch?

  • Tischgespräch: Was die Münchner Sicherheitskonferenz 2024 an konkreten Ergebnissen bringen kann.
  • Gast am Runden Tisch: Matthias Miersch erklärt, warum er an der Lenkungswirkung des Klimagelds über den Preis zweifelt.
  • Nachtisch: Ausgerechnet im angeblich digital abgehängten Deutschland investiert Microsoft mehrere Milliarden in Künstliche Intelligenz.


Matthias Miersch ist Sprecher der Parlamentarischen Linken und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Er spricht mit Helene Bubrowski darüber, warum er das Klimageld als solches für ungerecht hält, obwohl er es als Instrument nicht ablehnt. Miersch warnt davor, dass die geplante Höhe des CO2-Preises viele Menschen überfordern könnte. Außerdem spricht er darüber, warum das Einkommen bei der Auszahlung eines Klimagelds unbedingt eine Rolle spielen muss.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Table Today, Ihrem Podcast des runden Tisches, an dem alle Perspektiven Platz haben. Heute ist Freitag, der 16. Februar und heute ist der erste Tag der Münchner Sicherheitskonferenz. Und deswegen steht dieser Tag auch im Zeichen der globalen Herausforderungen und der Lösungsansätze, die in München gesucht werden. Michael Bröker ist vor Ort und wird uns in diesem Podcast und auch an den kommenden Tagen berichten, was da verhandelt wird, wer mit wem verhandelt und was vielleicht die Ansätze sind, um diese Welt ein bisschen sicherer zu machen. Hallo nach München, hallo lieber Michael.

Sprecher 3: Hallo, schönen guten Tag, Helene.

Sprecher 2: Wir haben heute auch noch im Tischgespräch Matthias Mirsch, den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion und Sprecher der Parlamentarischen Linken. Und es geht um das Klimageld und warum er glaubt, dass es gar nicht so eine gute Idee ist, was auf den ersten Blick erstaunlich ist für einen Sozialdemokraten. Und einen Nachtisch haben wir auch ein bisschen künstliche Intelligenz neben der vielen menschlichen Intelligenz, die nun auch in Deutschland stärker gefördert und finanziert werden soll. Ich bin Helene Wobrowski. Ich freue mich, dass Sie heute dabei sind. 300 Menschen versammeln sich ab heute im Bayerischen Hof in München. Einer von ihnen ist Michael Bröker. Und meine Frage an dich, Michael, ist das nur ein Schaulaufen dort oder kommt da wirklich an diesen drei Tagen etwas Handfestes raus?

Sprecher 3: Ja, ich glaube, Helene, das ist immer ein bisschen von beiden. Im 60. Jahr ist die Münchner Sicherheitskonferenz natürlich vor allem eine mögliche Friedenskonferenz. Zu viele Konflikte und Krisen auf der Welt. Aber es geht immer auch darum, wer trifft eigentlich welche mächtigen Menschen und kann sich dadurch selbst ein bisschen größer machen. Also ich glaube, beides.

Sprecher 2: Ja, von einigen wissen wir ja schon, dass sie da sind. Kamala Harris kommt, Volodymyr Zelensky und Olaf Scholz natürlich. Robert Habeck ist da und viele andere, Boris Pistorius. Aber sag mal, wer sind denn jetzt die Hauptakteure dieser Konferenz? Wer sind diejenigen, die am Ende den Ton setzen für die Debatte, die hoffentlich zu einer Lösung führen soll?

Sprecher 3: Ja, Christoph Heusgen, der Konferenzleiter, hat die Tage ein bisschen aufgeteilt. Der erste Tag ist Amerika im Fokus. Kamala Harris, die Vizepräsidentin, die gestern schon angereist ist, spricht zu den Besuchern und Gästen im Hauptsaal und trifft danach auch Volodymyr Zelensky und auch Olaf Scholz noch zu Bilaterals, wie die Vier-Augen-Gespräche heißen. Alle schauen darauf, wie einflussreich Kamala Harris überhaupt noch sein kann, was sie versprechen kann angesichts der Blockade im Kongress, erwarten natürlich alle klare Aussagen in Richtung Ukraine. Und morgen spricht dann Olaf Scholz, der Bundeskanzler, am Samstag. Das sind zumindest aus der transatlantischen Perspektive die wichtigsten Sprecher. Aber wir haben 50 Staats- oder Regierungschefs heute da und morgen über 100 Minister. Es geht natürlich vor allem immer darum, was passiert in den kleinen Zimmern und Räumen. Auf den Side-Events werden da Deals gemacht. Und da hofft Heusgen vor allem auf Annäherungen im Nahen Osten. Der Präsident Israels ist da, der israelische Verteidigungsminister ist da, aber vor allem auch die Vermittlernationen. Katar, Saudi-Arabien, Jordanien kommen mit ihren jeweiligen Staatsoberhäuptern und da könnte es zumindest mal wieder Gespräche geben. Stichwort sind Geiselbefreiungen und Frieden im Nahost.

Sprecher 2: Ja, darüber haben wir gestern auch gesprochen. Hat ja gerade ein Treffen in Kairo stattgefunden, auch der Unterhändler, die da eine Lösung suchen sollen. Und die CEOs, die werden unter anderem mit Robert Habeck auch zusammentreffen, dem Bundeswirtschaftsminister. Er wird die CEOs treffen von Meta und Google, aber auch er, und das kann man verstehen wie ein Aufgalopp des künftigen Kanzlerkandidaten, Er hat, habe ich erfahren, Treffen mit Linken, auch mit dem Sicherheitsberater von Biden, mit Kuleba, dem ukrainischen Außenminister und wahrscheinlich auch mit Zelensky selbst. Also da bringt sich schon jemand in Stellung, so kann man es sagen. Sag mal, Michael, der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz hat ja im Vorfeld gesprochen von einem Silberstreif am Horizont. Darin schwingt eine Hoffnung mit, dass es eben nicht nur Botschaften gibt auf dieser... Konferenz, sondern auch tatsächlich eine mögliche Lösung. Und da blicken wir natürlich einerseits in die Ukraine, andererseits nach Israel und in den Gazastreifen. Ist das übertrieben, das zu erwarten?

Sprecher 3: Ich glaube, beim großen europäischen Konflikt Ukraine werden wir kaum Fortschritte erleben, denn die Russen sind ja gar nicht da. Und wie kann ein Frieden verhandelt werden, wenn der Hauptaggressor gar nicht dabei ist und auch keine Stellvertreter geschickt hat? Auch der türkische Präsident Erdogan, der sich gerne als Vermittler anbietet, ist ja nicht wirklich da. Und Israel, da sieht diese Lage schon etwas anders aus, denn immerhin sind die arabischen Anrainerstaaten mehrheitlich vertreten. Aber Heusgen hat auch andere Konflikte im Kopf, zum Beispiel den Vergessenen in Haiti oder im Südkaukasus, wo erstmals verfeindete Gruppen hier in München miteinander sprechen sollen. Ich glaube, Friedensbotschaften, es wäre schon schön, wenn überhaupt wieder miteinander gesprochen wird. Ein Durchbruch ist sicherlich nicht zu erwarten. Das Hauptthema aus unserer Sicht, Helene, wird am Ende sein, wie kriegstüchtig ist Deutschland, deutsche Bundeswehr. Es wird darum gehen, die NATO zu stärken. Und Boris Pistorius ist der Mann, auf den hier viele gucken, der gestern nochmal angekündigt hat, man wolle dauerhaft das 2-Prozent-Ziel haben. Und naja, ich habe gestern Abend auf einer Veranstaltung der Europakonferenz der CSU, des CSU-Europapolitikers Manfred Weber, Frank Gräfe gesprochen. Er ist Brigadegeneral, einer der ranghöchsten Offiziere der Luftwaffe und dort Abteilungsleiter für Einsätze und Übungen im Kommando Luftwaffe in Berlin. Ich habe ihn gefragt, wie kriegstüchtig... ist eigentlich die Luftwaffe. Hier seine Antwort.

Sprecher 4: Wir haben zum Beispiel in einer doch schon beachtlichen Rekordzeit die F-35 beschafft. Die ersten Flugzeuge laufen 2026 in den USA und 2027 in Deutschland zu. Gleichzeitig kaufen wir 60 Transporthubschrauber vom Typ Chinook. Das ist dann außerhalb der USA nach Japan die zweitgrößte Chinook-Flotte weltweit. Die ersten Flugzeuge laufen 2027 zu. Und mit dem Waffensystem RO3 haben wir am Standort Holzdorf Ende 2025 zum ersten Mal eine Anfangsbefähigung zur territorialen Flugkörperabwehr.

Sprecher 2: Ja, hier wird vielleicht auch für die deutsche Diskussion helfen, wenn ein bisschen Druck von außen kommt, von anderen Staaten, allen voran von den Amerikanern, dass wir unsere Hausaufgaben auch hier machen. Die Frage ist nur, 100 Milliarden Euro sind im Grundgesetz verankert für die Bundeswehr. Das reicht nur für begrenzte Zeit. Woher soll das andere Geld kommen, das auch noch nötig sein wird?

Sprecher 3: Ja, Helene, und das ist am Ende die Frage, die Deutschland beantworten muss, die Koalition beantworten muss. Philippa Siegel-Glöckner, eine junge Ökonomin, die gestern auch auf einem der Panels war, sagte, es sind so viele Löcher im Haushalt 25 und in den nächsten Jahren bereits jetzt schon, dass man gar nicht darum kommen wird, 2025 fortfolgende eine ernsthafte Debatte darüber zu führen, wo kommt das Geld künftig her, Schuldenbremse, Sondervermögen. Irgendeinen Tod wird diese Koalition oder die Nachfolgekoalition sterben müssen. Das war Ihre Aussage dazu.

Sprecher 5: Also bräuchte man eigentlich höhere Steuern oder eben mehr Verschuldung. Höhere Steuern sind nicht wahnsinnig beliebt und angesichts der wirtschaftlichen Lage vielleicht momentan auch nicht besonders sinnvoll. Schuldenfinanzierung wiederum lehnen FDP und Union ab. Und damit fehlt ganz gleich in welcher Regierungskonstellation, zumindest so sich jetzt die Mehrheiten nicht stark verschieben, die Mehrheit für diese Finanzierungsoption.

Sprecher 2: Ja, Michael, herzlichen Dank nach München. Danke für die Einsichten in das, was da am Bayerischen Hof vor sich geht. Du bist da und fünf andere Kolleginnen und Kollegen vom Security Table sind auch da, werden das ganze Wochenende berichten. Es gibt Sonderausgaben unserer Security Briefings, das wir Ihnen hiermit sehr ans Herz legen. Außerdem podcasten wir das ganze Wochenende durch. Auch dazu herzliche Einladung zum Mithören. Michael, dir alles Gute.

Sprecher 3: Danke, Helene.

Sprecher 2: Und jetzt begrüße ich sehr herzlich hier am Tisch von Table Today Matthias Miersch, der sich selber gerade als selbstbewussten Parlamentarier vorgestellt hat. Er ist Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion und deren stellvertretender Vorsitzender, zuständig für die Themen Energie und Umwelt und außerdem Sprecher der parlamentarischen Linken. Hallo, schön, dass Sie da sind, Herr Miersch.

Sprecher 6: Ja, ich freue mich auch.

Sprecher 2: Der Druck für die Einführung des Klimagelds steigt. Die Erwartungshaltung ist da und ja auch nicht ohne Grund. Im Koalitionsvertrag von 2021 steht das Klimageld drin. Ein sozialer Kompensationsmechanismus für den gestiegenen CO2-Preis soll kommen. Die Rede war immer von 100 bis 150 Euro. Und jetzt gibt es von Aktivisten von Greenpeace, Verdi und auch dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Aktionen. Aktivisten sind in die Spree gestiegen und haben gegen soziale Kälte und für das Klimageld protestiert. Wann kommt es denn nun?

Sprecher 6: Ja, als erstes werden wir jetzt an diesem Auszahlungsmechanismus überhaupt arbeiten. Das ist eine technische Frage, die überhaupt nicht trivial ist. Aber ich gehe davon aus, dass Christian Lindner mit seinem Team 2025 soweit ist, dass wir tatsächlich die Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland erreichen können, sodass es also direkte Zahlungsströme geben kann. Die hat es bis jetzt in all den Jahrzehnten nicht gegeben.

Sprecher 2: Sie haben sich aber schon auch kritisch gegenüber... dem Klimageld geäußert. Was ist Ihr Problem damit?

Sprecher 6: Mein Problem ist grundsätzlich, dass wir erstens Finanzen heben müssen, um dieses Klimageld auszuzahlen. Und viele, die das Klimageld wollen, wollen einen CO2-Preis von 180 Euro plus. Augenblicklich liegen wir bei 45 Euro. Und insofern sage ich, Leute, wir müssen sehr aufpassen, dass der CO2-Preis nicht viele Menschen überfordert. Das Klimageld an solches halte ich auch für ungerecht, wie beispielsweise Ramona Popp von der Verbraucherzentrale es fordert, pro Kopf. Wir haben viele, viele Ungleichheiten in Deutschland. Insofern hielt ich es für ungerecht, dass alle einen Betrag bekommen.

Sprecher 2: Also kein Gießkannenprinzip, wenn ich Sie richtig verstehe, sondern sozial gestaffeltes Klimageld. Jetzt haben wir aber gehört und Sie haben es auch gesagt, wie schwierig die Auszahlung schon jetzt ist, wenn alle das Gleiche kriegen. Wie soll das funktionieren?

Sprecher 6: Ja, also als erstes muss man nochmal sagen, wir brauchen das Geld. Wir haben im Moment 45 Euro die Tonne Bepreisung und mit diesen Einnahmen finanziert der Staat augenblicklich die Absenkung der erneuerbaren Energienumlage, die sonst alle Bürgerinnen und Bürger zahlen müssten. Insofern ist der erste Punkt falsch, indem man sagt, das Geld fließt nicht an die Bürgerinnen und Bürger zurück. Es führt dazu, dass die Rechnung, die Energierechnung nicht teurer wird, was wir sonst die letzten Jahre hatten durch die EEG-Umlage.

Sprecher 2: Wenn ich kurz anhaken darf, das Problem ist immer nur, dass das bei den Menschen nicht so richtig ankommt. Das haben wir auch in der Pandemie erlebt. Die Erwartungshaltung ist, einen Betrag aufs eigene Konto überwiesen zu bekommen. Und diese Erwartungshaltung wird im Koalitionsvertrag natürlich auch geweckt.

Sprecher 6: Wobei, wenn man sich die Umfragen anguckt, sind Leute auch die überwiegende Anzahl auch skeptisch, was das angeht, weil sie genau das Gefühl bekommen, woher fließt denn oder woher kommt das Geld. Und wenn ich am Anfang an der Tankstelle oder beim Heizen so viel zahlen muss, dass am Ende mir ein 100-Euro-Betrag oder 200 erstattet wird, dann ist die Rechnung nicht ganz logisch. Und deswegen muss man sehr aufpassen bei der Bepreisung in der Frage der Rückführung. Aber, um auf Ihre Frage auch zurückzukommen, ich glaube, dass es Aspekte gibt, die bei der Klimageldauszahlung zum Beispiel eine Rolle spielen können. Das können die Einkommen sein. Also die, die ganz viel haben, brauchen meines Erachtens kein Klimageld. Und es kann auch ein Aspekt sein, wie wir es beispielsweise bei der Pendlerpauschale ja rückwirkend haben. Über die Steuer kann man das dann ja gelten machen, zum Beispiel die Entfernung Arbeitsplatz-Wohnort. Österreich geht andere Wege bei der Frage Kriterium Ausbau öffentlicher Personennahverkehr. Das sind für mich Dinge, die bei der Klimageldauszahlung durchaus Berücksichtigung finden könnten, um mehr Gerechtigkeit hinzubekommen. Das würde ich mir wünschen, dass wir darüber jetzt eben reden, wenn wir den Auszahlungsmechanismus 25 haben, wie wir dann tatsächlich diesen sozialen Kompensationsmechanismus, so heißt es im Koalitionsvertrag nicht umsonst, wie wir den tatsächlich gestalten.

Sprecher 2: Die Ampel hat jetzt entschieden nach dem Urteil des Verfassungsgerichts, dass die Räume für den Haushalt enger gemacht hat, den CO2-Preis noch schnell. Er ist auf den Pfad zurückgekommen, den die GroKo in der vergangenen Legislaturperiode verabredet hatte. Sie sind in dieser Legislatur und in der letzten Mitglied der SPD-Fraktion und haben das mitgetragen. Jetzt klingen Sie aber so, als sei Ihnen der CO2-Preis doch insgesamt viel zu hoch.

Sprecher 6: Nein, ich finde die 45 Euro angemessen. Ich fand es auch richtig, das 2019 zu beschließen. Im Übrigen haben wir, und da habe ich immer Wert drauf gelegt, eine Zweckbindung vereinbart. Schon in der Großen Koalition mit Zustimmung der Grünen haben wir gesagt, wir lassen den auf 45 Euro ansteigen, aber in Gegenleistung reduzieren wir die erneuerbare Energienumlage bzw. Die Belastung. Das haben wir in der Ampel jetzt nochmal getoppt, indem wir das Ganze auf Null reduziert haben. Das heißt, die Bepreisung führt dazu, dass kein Bürger, keine Bürgerin mehr die EEG-Umlage zahlen muss über die Rechnung. Jetzt allerdings kommt die Debatte wieder auf und das haben wir 2017, 2018, ich erinnere mich, dass viele dann gesagt haben, 45 Euro viel zu niedrig, das muss bei 180 Euro beginnen. Und jemand wie Andi Jung, CDU-stellvertretender Fraktionsvorsitzender, der fordert jetzt ein Klimageld, verschweigt aber, dass er parallel dazu 180 Euro die Tonne CO2-Bepreisung machen will, wie andere auch. Ottmar Edenhofer, Veronika Grimm, Ottmar Edenhofer, der sagt, 230 müssen wir bei 300 Euro sein. Da sage ich, Leute, das ist energiepolitisch, das ist gesellschaftspolitisch toxisch, weil die Leute auf den... Bäume sein werden. Es bringt nichts, jeden Tag das zu spüren, diese hohen Energiepreise und dann am Ende des Jahres irgendwas ausgeschüttet zu bekommen. Das ist ein ultra-neoliberales Denken aus meiner Sicht und da sage ich, das darf nicht passieren.

Sprecher 2: Ein ultra-neoliberales Denken, das sich aber, wenn ich Sie richtig verstehe, auf die Höhe bezieht und nicht auf das Instrument als solches.

Sprecher 6: Genau, also jemand, der sagt, ich will mit einem hohen CO2-Preis lenken, wie Edenhofer beispielsweise, dem sage ich, wer soll denn gelenkt werden? Die Leute, die viel haben, die werden erstens die CO2-Freiheit bei sich schon organisiert haben, dadurch, dass sie Elektrowagen angeschafft haben, moderne Heizungsanlagen und, und, und. Die Leute, die über den Transferleistungen liegen, die kommen unter Druck und müssen im Zweifel verzichten. Und das halte ich für absolut toxisch für eine Gesellschaft und auch für ungerecht. Deswegen sage ich, ja, die CO2-Bepreisung ist ein Signal. Und wir müssen es flankieren mit massiven Förderprogrammen, damit Menschen umsteigen können. Auch mit den Fördern von neuen Technologien. Und dann kann es einen Mix, einen Instrumentenmix geben. Gehe ich alleine über den Preis, ist es aus meiner Sicht wirklich ein neoliberales Instrument, was dazu führt, zu einer sehr, sehr großen Ungerechtigkeit in der Bevölkerung.

Sprecher 2: Lange war die Analyse ja, dass Menschen, die wohlhabend sind, auch einen höheren CO2-Verbrauch haben, weil sie viel reisen, weil sie große Wohnungen haben oder große Häuser, Swimmingpools, was weiß ich. Jetzt hat man den Eindruck, das könnte sich auch gedreht haben, weil diese Menschen längst investiert haben. in die Transformation in den eigenen vier Wänden. Ist das richtig?

Sprecher 6: Ja, das können wir feststellen, dass wir sehen, in welchen Einkommensgruppen ist denn wie investiert worden. Und die Gleichung, dass die, die viel haben, auch mehr CO2 ausstoßen und damit viel mehr CO2-Preis zahlen würden, halte ich nicht für logisch. Ich halte sie auch im Übrigen, selbst wenn es so wäre, würde durch die hohe CO2-Bepreisung derjenige, der viel hat, sich erstmal jede Umweltsauerei weiter finanziell leisten können. Während die, die wirklich oberhalb der Transfergrenze sind, also im Mittelbereich, schon unter Druck kommen bei bestimmten CO2-Preisen, wie wir es jetzt schon alleine bei der 45-Euro-Rückkehr pro Tonne sehen, wir ja die Debatte, die auch in diesem Land los ist. Deswegen sage ich, also die, die eine Pro-Kopf-Auszahlung wollen, das finde ich ist absolut ungerecht, denn die, die viel haben, können es ganz anders abfedern.

Sprecher 2: Allein das Klimageld, wie es berechnet wird, für 100 Euro soll pro Jahr 8,5 Milliarden Euro kosten. Sie sprechen jetzt zusätzlich noch von Förderprogrammen für die Transformation. Wir kennen die Haushaltslage, wir kennen jetzt schon die Debatten über 2025, wie eng es wird. Woher, Herr Miersch, soll das Geld kommen?

Sprecher 6: Auf keinen Fall über eine CO2-Bepreisung und steigende Energiepreise, sondern wenn ich beispielsweise ein Milliarden-Investitionsprogramm für neue Heizungsanlagen auflege, wie wir es jetzt gemacht haben. Macht haben, Gott sei Dank, muss das aus dem Haushalt kommen, muss das gegebenenfalls auch über andere Abgaben und Steuern passieren, aber nicht über die Energiepreise. Und das, was wir jetzt im Moment über die CO2-Bepreisung einnehmen, fließt in die Absenkung der E-Gum-Nager auf null. Das halte ich für richtig, denn wir brauchen neben den Förderprogrammen auch noch günstigere Strompreise. Das ist ein Riesenproblem, dass wir das Neue sozusagen noch mit großen Preisen versehen haben.

Sprecher 2: Letzte Frage, sind Sie auch dafür, dass... Förderprogramme, also letztlich konsumtive Ausgaben über Schulden, auch genannt Sondervermögen, finanziert werden?

Sprecher 6: Absolut. Wir haben mehrere Möglichkeiten. Wir haben zwei Verfassungsgerichtsentscheidungen. Eine wird augenblicklich nur diskutiert, das ist die Frage über Schulden etc. Wir haben aber auch eine zum Klimaschutz, wo wir verfassungsrechtlich vom Bundesverfassungsgericht aufgegeben haben, Klimaschutz zu betreiben. Beides muss zusammen. Ausgaben, die ich jetzt mache, um Klimafolgen, um viel höhere Ausgaben zu vermeiden, müssen davon ausgenommen werden. Insofern können wir einmal gerne noch über eine Verfassungsänderung reden. Wir können über ein Sondervermögen reden, aber wir dürfen nicht darüber reden, dass wir nicht mehr da finanzieren.

Sprecher 2: Alles klar, vielen Dank. Da war doch der Sprecher der parlamentarischen Linken sehr deutlich zu hören. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren, Herr Miersch.

Sprecher 6: Ich danke Ihnen.

Sprecher 2: Und die gute Nachricht, mit der wir auch diese Sendung schließen wollen, Deutschland wird klüger und es kostet nur 3,3 Milliarden Euro. Genau so viel will der US-Technologiekonzern Microsoft in den kommenden zwei Jahren in Deutschland investieren und zwar nicht in die Reproduktion von Menschen, sondern in die künstliche Intelligenz. Das hat der Microsoft-Präsident Brad Smith in einem Gespräch mit Olaf Scholz, dem Bundeskanzler, ausgemacht.

Sprecher 7: Vor vier Jahrzehnten haben wir erstmals unsere Präsenz in Deutschland als Microsoft gezeigt. Deutschland stand immer an der Spitze des technologischen und innovativen Wandels dabei. Deutschland steht mittlerweile an der zweiten Stelle bei der KI-Anwendung von Unternehmen im ganzen Land. Und das zeigt, dass es hier um eine sehr schnelle Übernahme der KI durch deutsche Firmen geht. Kleine und große Firmen, Unternehmen in der gesamten Volkswirtschaft.

Sprecher 2: Dass wir es geschafft haben, diese Investition nach Deutschland zu locken, heißt doch vielleicht, dass die Lage gar nicht nur schlecht ist, dass wir vielleicht auch hier nochmal der Appell aufhören sollten, alles in diesem Land schlecht zu reden. Und möge die künstliche Intelligenz auch auf uns Menschen... Übergehen mögen wir alle ein wenig und dies sei in diesen Tagen der Münchner Sicherheitskonferenz nochmal gesagt. Alle dazu beitragen, dass diese Welt ein bisschen friedlicher wird. Mit dieser Hoffnung verabschiede ich mich von Ihnen. Ich freue mich über Feedback unter der E-Mail-Adresse chefredaktion at table.media. Machen Sie es gut. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Schalten Sie ein, wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, was die Kolleginnen und Kollegen von der MSC aus München zu berichten haben. Wir sind das ganze Wochenende für Sie da. Machen Sie es gut. Ihre Helene Bobrowski.

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.