Schaffen wir die Energiewende, Frau Andreae?
Dauer: 23:51

Schaffen wir die Energiewende, Frau Andreae?

  • Tischgespräch: Die schlechte Figur der Medien bei den Plagiatsvorwürfen gegen Alexandra Föderl-Schmid.
  • Gast am Runden Tisch: Kerstin Andreae, Geschäftsführerin des BDEW über die Energiewende.
  • Nachtisch: Warum der Karneval immer politisch war und bleibt.


Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) und die Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) wollen im April eine gemeinsame Plattform starten, auf der Fernwärme-Unternehmen aus ganz Deutschland ihre Preise hochladen sollen. Das kündigt Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, im Interview mit Table.Media an. Im Gespräch mit Malte Kreuzfeldt vom Climate.Table spricht sie außerdem darüber, wo Wasserstoff perspektivisch Gas ersetzen kann und wo nicht und wie sie auf die teils harschen Proteste gegen die Klima-Politik der Grünen schaut.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Montag, 12. Februar, eine neue Woche beginnt, ein neuer Podcast. Table Today ist für Sie da, hoffentlich, natürlich mit Erkenntnisgewinn. Und dass das gelingt, dafür haben wir eine Frau hier immer mit an Bord und die heißt Helene Bubrowski. Einen schönen guten Tag, liebe Helene.

Sprecher 3: Hallo Michael Bröker.

Sprecher 2: Bei uns zum Tischgespräch nimmt heute Kerstin Andreje Platz. Sie ist die Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft und sie spricht mit unserem Klima- und Energieexperten Malte Kreuzfeld über die Heizungswende und wie sie vielleicht doch noch gelingen kann. Zum Nachtisch dann ein Herzensthema von mir, natürlich der Karneval. Denn an diesem Rosenmontag gibt es die großen Züge in Düsseldorf, Köln und Mainz, die nicht nur karnevalistische Folklore sind, sondern vor allem immer auch eine politische Demonstration. Helene Bubrowski, einen schönen guten Tag. Die Woche beginnt bei uns beiden mit ein bisschen Reflexion und Selbstkritik. Die Debatte rund um die Plagiate bei der SZ-Vize-Chefredakteurin Föderl-Schmidt hat zu besorgniserregenden Geschichten geführt. Am Ende ist sie, die Frau, unter einer Brücke unterkühlt doch noch gefunden worden. Sie ist lebend, sie ist im Krankenhaus, aber es war eine schockierende Nachricht auch für uns. Was ist eigentlich unser Learning aus dieser Affäre?

Sprecher 3: Es ist ja eine unglückliche Eigenart von Journalisten, dass sie zwar sehr schnell dabei sind, ihre Rechte einzufordern, auf Artikel 5 zu bestehen, natürlich völlig zu Recht. Was aber viel zu kurz kommt, ist die kritische Selbstreflexion, die Debatte über Verantwortung von Medien. Und ich glaube, dieser Fall zeigt, wie überfällig das ist. Und das ist etwas, das wir alle zusammen stärker in den Blick nehmen müssen.

Sprecher 2: Wir müssen die Fakten nochmal den Hörern kurz darstellen. Seit etwa September sieht sich diese stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung öffentlichen Vorwürfen ausgesetzt. Es geht um eine Doktorarbeit und mögliche Plagiate, die sie dort in ihrer Doktorarbeit vor vielen Jahren drin hatte. Und sie wurde dann nach Medienberichten abgesetzt, in dem Sinne, dass sie aus dem operativen Geschäft sich zurückziehen musste. Es gab eine große Debatte über ihr Wirken in der Redaktion, Maulwurfsuche nach denjenigen möglichen Informanten für diese Mediendienste. Also alles kein... Eine schöne Geschichte. Und dann war sie vorübergehend vermisst und man machte sich große Sorgen um sie. Jetzt ist sie gefunden worden und lebt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, die Medien sahen dabei insgesamt nicht gut aus. Sowohl diejenigen, die eine Jagd auf sie eröffnet hatten, weil sie die Süddeutsche ohnehin immer schon als linksliberales Medium im Visier hatten, aber auch die Süddeutsche, die die eigenen Mitarbeiter durchleuchtet, um herauszufinden, wer da Informationen an Mediendienste steckt. Also wirklich, wir haben uns da von unserer schlechtesten Seite gezeigt, oder?

Sprecher 3: In dieser Woche haben sich die Medien oder viele Medien ausschließlich mit sich selber beschäftigt. Das ist nicht ihre Aufgabe. Aufgabe von Medien ist es, die Öffentlichkeit zu informieren, bei der Meinungsbildung mitzuwirken. Aber nicht eine derartige Nabelschau zu betreiben. Natürlich müssen solche Fälle aufgearbeitet werden. Man muss sich anschauen, was da passiert ist. Aber das, was in einer, du hast es so treffend gesagt, in eine Treibjagd ausgeartet ist, das ist natürlich äußerst schädlich, auch für das Bild der Medien in der Öffentlichkeit. Wir müssen doch dafür sorgen, dass... Das, was wir in Amerika sehen, eine unendliche Polarisierung, die es gibt zwischen den verschiedenen Medien, die korreliert mit der Spaltung der Gesellschaft, der Spaltung der Parteien, dass es sowas bei uns nicht gibt. Und ich glaube, da sind wir auf dem Weg hin, wenn gegenseitig Medien gegeneinander hetzen. Das war in diesem Fall das Portal News gegen die... SZ. Aber was es natürlich auch schon länger gibt, ist die dieses wirklich sehr deutsche Thema Plagiatsuche in Doktorarbeit. Das ist ja fast ein Volkssport geworden hier, dass jeder Sorge hat, dass irgendeine Geschichte aus der Vergangenheit rausgezerrt wird. Und in vielen Fällen, wo dann der Verdacht aufkam, war ja am Ende gar nicht viel dahinter. Bei Armin Laschet etwa, da war es nicht die Doktorarbeit, sondern ein Buch, das er geschrieben hat. Und in anderen Fällen auch. Also ich muss ehrlich sagen, ich bin nun selbst promoviert und das waren viel Schweiß und Tränen dabei. Aber dass man dieses Thema, dass es eine solche Bedeutung einnimmt und wirklich mal den Eindruck hat, es gibt kaum etwas anderes, steht uns allen nicht so gut zu Gesicht. Das sollte man auch mal überdenken.

Sprecher 2: Ja, und ich glaube, die politischen Parteien, die politischen in der Mitte stehenden Persönlichkeiten, die haben eine Verantwortung, genauso wie die liberalen Medien ja auch, ob sie eher Mitte links oder Mitte rechts sind. Und wenn dann Medien den Plagiatsjäger, der sich ja selbst so nennt, den österreichischen Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, beauftragen, bestimmte Feinde ihrer ideologischen Denke ausfindig zu machen und ihre Dissertation zu prüfen, dann ist das mit Volkssport von dir, Helene, noch sorgsam umschrieben. Es waren am Ende elf Stellen in 300 Seiten, die man bei ihr irgendwie angemerkt hat. Also ich bin entsetzt, welche Lämminge dann am Ende immer rauskommen. Wenn einmal Blut geleckt wird in dieser Medienbranche, dann geht es aber komplett drauf. Das war im Wahlkampf Armin Laschet, da hast du völlig recht, der dann auch gleich als Mini-Trump bezeichnet wurde. Es ist irgendwie anscheinend auch... in der Mitte dieser Gesellschaft nicht mehr möglich, einen gepflegten Diskurs dann auch mal wieder abzubiegen in eine ruhige, unaufgeregte Debatte. Es muss immer noch eine Stufe drauf, eine Eskalationsstufe drauf. Und da müssen wir uns echt auch an die eigene Nase packen, dass man da nicht mitmacht.

Sprecher 3: Ja, das größere Plagiatsthema im Wahlkampf, weil du gerade darüber sprachst, war ja das Buch von Annalena Baerbock. Da waren es ungefähr 200 Seiten mit mehr als 100 Plagiaten, so hat dieser Plagiatsjäger Weber es damals geschätzt. Das ist natürlich ein Fall, der so nicht geht. Da können wir jetzt auch nicht sagen, wir schauen über alles hinweg. Aber die Lehre aus dem Fall ist ja nicht, dass... Bärbock allein deshalb eine ungeeignete Politikerin sei. Ich finde, man sieht jetzt auch als Außenministerin, dass sie durchaus kompetent ist und ihren Job macht. Das zeigt, dass vielleicht auch Politikerinnen und Politiker manchmal überdenken sollen, ob es jetzt die richtige Zeit ist, ein Buch zu schreiben, wenn man schlicht keine Zeit dafür hat, weil man einen Wahlkampf hat, weil man ein Grundsatzprogramm hat, weil man ein Wahlprogramm hat und weil es am Ende niemanden gibt, der es vernünftig machen kann und das Ganze dann zusammengeflickt wird aus einzelnen Versatzstücken und niemand es kontrollieren kann, da ist die Lehre sicherlich, mach es nicht.

Sprecher 2: Es gibt eben andere Anforderungen an Politiker als dieses vermeintliche, welche akademischen Titel habe ich? Und diese ganze Debatte hat dazu geführt, dass man meint, man könnte gar kein Kandidat mehr werden, ohne irgendwas vorzuweisen. Das müssen wir auch mal wieder runterdrehen. Und da haben wir... Medien eben auch eine Rolle, eine Verantwortung darauf zu gucken, was ein Politiker wirklich ausmacht und was nicht. Und deswegen nur ein bisschen Wasser in den Wein. Also die Causa Gutenberg nehme ich da mal raus, weil wer 94 Prozent seiner Doktorarbeit komplett klaut und plagiiert, der ist für mich ein Betrüger, der tatsächlich sein ganzes Leben offenbar darauf aufbaut, jemand zu sein, der er einfach gar nicht sein kann und zugleich im Amt sich als moralisch bedeutender Vordenker der deutschen Gesellschaft inszeniert hat. Ich glaube, bei ihm war es wirklich sinnvoll und richtig, dass er schnell nach zwei Wochen auch seinen Titel abgeben musste und sein Ministeramt. Aber generell gilt mehr Ruhe, mehr Sorgfalt in der Bewertung auch von anderen.

Sprecher 3: Diese Generation, zu der wir ja auch gehören, der man immer sagte, ja, sieh zu, dass du möglichst viel im Lebenslauf stehen hast und Hobbys dürfen auf gar keinen Fall lesen und Freunde treffen sein, sondern irgendwas anderes, was dann dazu verleitet hat, dass sich Leute irgendwelche Dinge entweder aufgehübscht haben oder irgendwie dann gemacht haben, damit sie im Lebenslauf stehen. Das ist ja alles irrwitzig und ich hoffe, dass heute bei der jüngeren Generation, die durch den Fachkräftemangel sowieso wissen, dass sie einen Job kriegen, dass sie das nicht mehr nötig haben, weil dieses sich verstellen und Dinge machen, die man eigentlich gar nicht selber isst, das ist doch alles Käse.

Sprecher 2: Also ich hoffe, dass Frau Födalschmied zurückkommt in die Mitte dieser Gesellschaft, auch wieder journalistisch arbeitet, wenn sie... Ich würde mich darüber freuen und ich hoffe, dass die Süddeutsche allerdings auch sich an ihre eigene Nase packt. Nicht nur was das Durchsuchen der eigenen Mitarbeiter E-Mail-Postfächer betrifft, sondern auch was Plagiatsaffären betrifft. Wenn Ihre Rolle bei der Untersuchung der Plagiatsaffäre von Frau Weidel war auch nicht gerade rühmlich, drei, vier, fünf Texte zu machen und am Ende bleibt auch nichts wirklich übrig, sollte man sich auch bei unliebsamen Politikerinnen wie Frau Weidel vielleicht auf die Politik konzentrieren, die man sehr kritisch sehen kann, als auf ihre Doktorarbeit.

Sprecher 3: Ja, Michael, und deswegen sind wir so froh, dass wir bei Table Media, da finde ich, kann man sagen, mit gutem Beispiel vorangehen, indem wir auf die Fakten schauen, Analysen schreiben. Man muss nicht immer sofort mit der Bewertung kommen. Man kann auch die Bewertung anderen überlassen und erstmal die Grundlage liefern, auf der die Menschen sich selber eine Meinung bilden können. Das verstehe ich als vornehmste journalistische Aufgabe. Und ich bin sehr froh, dass wir das hier tun können.

Sprecher 2: Die verbale und rhetorische Keule bleibt bei uns außen vor. Helene, mit einer Person wie dir geht das sowieso nicht. Insofern passt du wunderbar zu Table Media und ich freue mich auf unser nächstes Gespräch. Es war das aufreger Thema des vergangenen Jahres, das Heizungsgesetz. Was muss ein Eigentümer oder ein Mieter tun, wenn seine Heizung kaputt geht? Muss er direkt die Wärmepumpe kaufen oder darf er auch noch mit Gas und wenn ja, wie lange heizen? Darüber diskutierte Deutschland und diese Frau war eigentlich immer schon der Meinung, das Heizungsgesetz ist eigentlich gar nicht so schlecht. Kerstin Andrea ist ihr Name. Sie ist die Vorsitzende des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Sie war grünen Politikerin und sie hat heute mal einen zuversichtlich-konstruktiven Ansatz gewählt, um die Debatte aufzulockern. Malte Kreuzfeld, unser Kollege aus dem Climate Table, unserem Briefing für die Klimapolitik, hat mit ihr gesprochen. Los geht's.

Sprecher 4: Frau André, herzlich willkommen bei Table Media. Freut mich, dass Sie hier sind. Wir wollen reden darüber, wie wir unsere Heizungen endlich umweltfreundlich hinkriegen. Es ist ja letztes Jahr das Gesetz beschlossen worden, das Gebäudeenergiegesetz. Trotzdem sind im letzten Jahr mehr Gasheizungen eingebaut worden als je zuvor. Was läuft da eigentlich schief?

Sprecher 5: Ja, vielen Dank für die Einladung. Und das ist natürlich ein ganz wichtiges Thema, die Frage, wie wir klimaneutrale Wärmeversorgung hinbekommen. Das ist die Königsdisziplin auf dem Weg zur Klimaneutralität. Ich glaube, im letzten Jahr gab es einfach eine hohe Verunsicherung rund um die politische Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz, was ja geleakt wurde, dann medial durchaus sehr angegangen wurde. und zu ganz, ganz viel Verunsicherung geführt hat. Und diese Verunsicherung führte dann dazu, dass viele Menschen gesagt haben, ich kaufe mir jetzt ganz schnell nochmal eine neue Gasheizung, womöglich eine neue Ölheizung. Und das war natürlich nicht im Sinne des Erfinders und der Planungen. Jetzt sind wir in einer ruhigeren Phase angelangt. Es ist die kommunale Wärmeplanung, das Gebäudeenergiegesetz, beides seit Januar auf dem Weg. Das Gebäudeenergiegesetz mit einer hohen Förderkomponente verbunden. Und deswegen hoffen wir doch sehr, dass hier wieder auch Ruhe eingekehrt ist dadurch.

Sprecher 4: Würden Sie auch sagen, das war jetzt nicht schlau, wenn man sich jetzt noch auf die Schnelle unter Zeitdruck zu einer neuen Gasheizung einbaut?

Sprecher 5: Also ich hätte gesagt, jetzt wartet doch ab, was in den Kommunen bei der Wärmeplanung rauskommt. Die entscheidende Frage ist ja immer, welche Infrastruktur ist vorhanden? Über welchen Weg kommt die Wärme ins Haus? Ist es ein ertüchtigtes Stromnetz und damit eine Wärmepumpe, also eine Elektrifizierung? Oder legt die Kommune perspektivisch eine Fernwärme in diese Region hinein? Oder gibt es weiterhin gasbasierte Lösungen? Und das ist natürlich wichtig, weil Infrastruktur ist schlicht der Hebel für die Frage, welche Wärmeversorgung hat man. Da hat vielleicht der eine oder andere ein bisschen zu schnell dann reagiert.

Sprecher 4: Und bei der künftigen Gasversorgung setzen ja viele die Hoffnung auf Wasserstoff, dass man dann einfach statt mit Erdgas in Zukunft die Heizung mit Wasserstoff betreibt. Ist das realistisch für viele Leute?

Sprecher 5: Also Wasserstoff ist ein ganz relevantes Thema. Gewandter neuer Baustein unserer Energieversorgung. Und es sind sich eigentlich alle einig, dass der Hauptabnehmer im Wesentlichen erstmal die Industrie ist. Wir werden insbesondere in der Stahlindustrie, aber auch in der Chemie hohe Wasserstoffbedarfe haben. Und dann kommen natürlich auch noch andere Aspekte dazu. Insbesondere der Schwerlastverkehr ist einer, der doch auch die Perspektive Wasserstoff für sich braucht. Und dann ist die ganze Frage der Wärmeversorgung. Wir sind nicht der Meinung, dass man einfach an jede Gasheizung ein Wasserstoffnetz dranhängt und Wasserstoffkleber oder Wasserstoff-Ready-Kleber dranhängt und dann war es das. Sondern man wird auch hier genau gucken müssen. Und da spielen insbesondere die dicht besiedelten urbanen Räume eine Rolle. Wo wird perspektivisch das Gasnetz auch weiter genutzt werden müssen, weil es sich keine andere Option auftut, auch keine andere wirtschaftliche Option auftut. Deswegen sind eben diese kommunalen Wärmepläne so wichtig. Aber es geht nicht nur um Wasserstoff, sondern es geht eben auch um Biogas. Also ich plädiere auch hier dafür, kommunale Wärmeplanung jetzt abzuwarten. Da passiert ein Denkprozess in den Kommunen, wie eigentlich die klimaneutrale Wärmeversorgung aussehen soll. Und das ist ein ganz wichtiger Schritt.

Sprecher 4: Wie heizen Sie selber zu Hause?

Sprecher 5: Wir haben Gas. Aber ich bin Mieterin in dem Haus. Wir sind aber in Diskussionen mit unseren anderen Mietern, aber eben auch mit der Hauseigentümerin.

Sprecher 4: Und was zeichnet sich da für eine Lösung ab? Wenn man es jetzt mal so ganz praktisch sieht, gibt es da schon eine Variante?

Sprecher 5: Da gibt es wahrscheinlich verschiedenste Lösungen, hausindividuell. Kann man Solar aufs Dach machen? Aber es ist ein großes Haus, also mit Solar alleine werden sie das nicht schaffen. Wärmepumpe, es ist dicht besiedelt, das wird auch nicht unkompliziert werden. Berlin hat eine echte Herausforderung. Wir sind die Hälfte, die in Berlin hängt quasi am Gasnetz und die andere Hälfte an der Fernwärme. Da kann man exemplarisch deutlich machen, dass das ein ganz, ganz weiter Weg zu gehen ist.

Sprecher 4: Und bei dieser Annahme, dass es in dicht besiedelten Städten gar nicht geht, kann ich zumindest aus eigener Erfahrung sagen, sich auch nicht daran denken. Wir haben eine auch in Kreuzberg an der Grenze zu Tempelhof, da funktioniert das ganz gut. Aber tatsächlich, natürlich, ist natürlich der Neubau immer einfacher als im Bestand.

Sprecher 5: Bei Neubau ist es auf jeden Fall einfacher. Ich habe auch nicht gar nicht gesagt. Aber es ist eine Herausforderung und dem stellen sich ja die Unternehmen. Und jetzt ist es ja in dieser ganzen Wärmeversorgung auch auf die richtigen Füße gestellt worden. Erst Wärmeplanungsgesetz, erst Infrastruktur und dann die Entscheidung im Haus.

Sprecher 4: Aber insgesamt gibt es ja mit der Wärmepumpe eine relativ effiziente Technik, die auch an vielen Orten wahrscheinlich sein wird. Trotzdem gibt es da in Deutschland ja teilweise auch anders als in anderen Ländern erhebliche Vorbehalte gegen, dass viele Leute das Gefühl haben, entweder das funktioniert nicht oder sie wollen das nicht, weil das von der Regierung so kam. Ist das teilweise auch etwas irrational aus Ihrer Sicht, diese Ablehnung dieser neuen Technik?

Sprecher 5: Ich nehme das ehrlich gesagt nicht so wahr, dass es die Ablehnung der neuen Technik gibt. Wie Sie sagen, in Neubaugebieten ist das eigentlich kein Thema mehr. Da ist man sich im Wesentlichen einig, dass da die Wärmeversorgung elektrifiziert wird. Die große Frage, die wir hatten, war, was geht technisch? mit der Wärmepumpe, gerade in dicht besiedelten Städten oder eben auch in Hochhäusern und auch in vielleicht schlecht sanierten Häusern. Und diese Frage muss und wird ja auch technisch beantwortet. Ich bin mir ganz sicher, dass die Generation der Wärmepumpen, die wir in drei Jahren erleben, viel mehr kann als die Generation, die wir vor drei Jahren erlebt haben. Da setze ich doch auf technologische Innovationen. Für die Wärmepumpe brauchen Sie ein Stromnetz. Dieses Stromnetz muss auch ertüchtigt werden, weil bei der Wärmepumpe, anders als bei der Elektromobilität, sind Sie ja mit der Herausforderung konfrontiert, dass alle zur gleichen Zeit ihre Wärmepumpe nutzen, nämlich dann so zwischen Januar und Februar, wenn es richtig kalt wird. Das ist eine andere Anforderung an das Stromnetz als der gleichzeitige und gleichmäßige Bezug.

Sprecher 4: Alternative ist ja die Fernwärme, aber auch da gibt es ja noch ein paar Probleme. Vielerorts kommt auch die noch aus fossilen Energien, dass die Kraftwerke, über die die Fernwärme erzeugt wird, mit Gas oder Kohle betrieben werden. Können Sie da in Aussicht stellen, dass sich das auch bald ändert, sodass man sich mit gutem Gewissen an so ein Fernwärmenetz anschließen kann und dass das auch dem Klima nützt?

Sprecher 5: Es ist für viele Unternehmen große Option, die Fernwärme zu nutzen. Und auch hier ist klar, die muss den Anforderungen der Klimaneutralität genügen, spätestens 2045 auch dann komplett. Und im Moment haben wir 20 Prozent erneuerbaren Anteil bei der Fernwärme. Das heißt, es ist ein langer Weg dahin und es wird von örtlichen Gegebenheiten abhängen. Was ist im Bereich Biomasse, im Bereich Geothermie, im Bereich Ausbau erneuerbar? Was ist da möglich? Was kann da eingesetzt werden? Aber auch hier muss der Schritt natürlich konsequent in Richtung Klimaneutralität und Erneuerbare gegangen werden.

Sprecher 4: Und das kostet ja ziemlich viel Geld. Sehen Sie da eine Perspektive, wo das herkommen kann, dass auch so kleinere Stadtwerke das gestemmt kriegen?

Sprecher 5: Das Wesentliche, was hier Geld kostet, ist das Netz. Also das Wärmenetz muss ja dann gebaut werden. Und da kostet eben der Meter zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Das heißt, wir plädieren sehr dafür, dass die Förderung für die effizienten Wärmenetze ausgebaut wird. Im Wesentlichen sind es ungefähr drei Milliarden Euro, die man da pro Jahr braucht, damit ja auch konsequent in dieses Netz hinein investiert wird. Bei Netzen muss man aber immer wissen, es ist eine Investition in die Zukunft, es ist eine Wertschöpfung, es ist ein Asset, es ist ja nicht konsumtiv, einmal ausgegeben und dann ist es weg, sondern man schafft damit ja auch Werte. Aber das können die Unternehmen tatsächlich nicht alleine stemmen aus ihren Finanzmitteln heraus.

Sprecher 4: Sie waren ja selber auch lange aktive Grünen-Politikerin, bevor Sie zum BDEB gewechselt sind. Im Moment erlebt man es ja, dass die Grünen-Politikerinnen und Politiker, die da die Energiepolitik machen, teilweise ziemlich angefeindet werden. Der Minister zuletzt da auf der Fähre, aber auch anderswo, dass das Thema sehr stark emotionalisiert ist. Also tut Ihnen Robert Habeck manchmal leid?

Sprecher 5: Ach, leid schon weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob er das wollte, dass er einem leid tut. Aber ich habe enormen Respekt vor dem, was in der Politik geleistet wird. Ich war, wie Sie sagen, 17 Jahre im Bundestag. Und das ist schon eine enorme Anforderung. Sie sind für alles und jedes verantwortlich. werden auf der Straße angesprochen für Dinge, mit denen sie überhaupt nichts zu tun haben. Aber sie sind eben so im Fokus. Und dadurch, dass wir in einer schwierigen Zeit sind, die Energiepolitik, in die wir uns reinmanövriert haben in der Vergangenheit, mit dieser hohen Abhängigkeit und dann von einem auf einen anderen Moment Schluss mit russischen Gaslieferungen, dass das nicht spurlos an Preisen und an Entwicklungen, an Versorgung vorbeigegangen ist, das war doch klar. Und da ist schon, finde ich, auch eine sehr, sehr gute Arbeit geleistet worden, diese Gasmangellage zu managen, den Gaskrisenwinter zu überstehen. Insofern, ich habe eigentlich Respekt vor Politikerinnen und Politikern insgesamt. Zum einen, weil ich es selber erlebt habe, aber es ist schon auch ein enormes Pensum, was sie stemmen müssen.

Sprecher 4: Das stimmt wohl. In diesem Sinne ganz herzlichen Dank für den Besuch hier bei uns im Studio. Dankeschön.

Sprecher 2: An diesem Rosenmontag kann der Nachtisch bei uns hier bei Table Today natürlich nur ein karnevalistischer sein. Ich denke an die großen Rosenmontagszüge in Mainz, in Düsseldorf und vor allem natürlich in Köln, die viel mehr sind als ein großes Folklorefest mit Kostümen und Kamellen. Sie sind vor allem immer auch eine Demonstration für Demokratie, für Zusammenhalt und für Vielfalt gewesen. Ich freue mich jetzt schon auf die politischen Motto-Wagen von Jack Tilly in Düsseldorf, der die Autokraten dieser Welt herrlich humorvoll aufs Korn nimmt. Vielleicht ist das manchmal der einzige Weg, mit diesen Wahnsinnigen da draußen umzugehen. Zugleich ist es aber längst auch eine Integrationsoffensive geworden. Denn wer beim Karneval mitmischt, egal ob grün, schwarz oder blau, egal ob Türke, Muslim oder Christ, er erlebt Vielfalt und Festivität jenseits aller kulturellen Differenzen. Es macht schlicht und einfach Spaß. Oder, wie haben die Black Foes schon immer gesungen, wir sprechen all dieselbe Sprache.

Sprecher 6: So sind wir alle hin gekommen. Wir sprechen hoch, all dieselbe Sprache. Wir haben da durch, so viel gewonnen.

Sprecher 2: In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gelassenen Tag. Seien Sie morgen auch wieder dabei bei Table Today. Ich würde mich freuen. Ihr Michael Bröker.

Sprecher 7: Ratsch bei Jettis für Uschmet. Und ich, ich war ne Pimmock. Hökla, ich melde dich mit. Ich bin Grieche, Türke, Jude, Moslem und Buddhist. Wir all mir sind nur Minche, fürm Herr Jott sind wir nicht. Die ganze Welt, so süderisch, ist bei uns hier zu besuchen.

Sprecher 8: Wünsche uns alle Länder, schau mit uns hier an der Theke.

Sprecher 7: Mein Glück ist in Ankara, Tokio oder Madrid, doch es ist schade all wie mir, uns lücke hier ihr Glück.

Sprecher 9: Wir sprechen höh. Wir sprechen höh. All dieselbe Sprache. All dieselbe Sprache.