Schafft die EU ihre Klimaziele, Lukas Scheid?
Dauer: 20:33

Schafft die EU ihre Klimaziele, Lukas Scheid?

Die EU hat ihr neues Klimaziel für 2040 vorgestellt. Angestrebt ist eine Reduktion der Treibhausgase um 90 Prozent im Vergleich zu 1990. Zusammen mit Lukas Scheid vom Europe.Table diskutiert Michael Bröcker über die Fragen, ob die EU-Mitglieder dieses Ziel überhaupt erreichen können. Denn bisher erfüllt kein Land diese Ziele. Gemeinsam erörtern die beiden die Fragen, was die Staaten überhaupt tun müssen, warum die Kommission in ihrer Linie widersprüchlich ist, wie die Beschlüsse bei den Grünen aufgenommen werden und wie sie sich im deutschen Wahlkampf auswirken könnten.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Table Today, der Podcast, der Sie möglichst bereichern soll mit frischen Ideen und klugen Gedanken für Ihren beruflichen Alltag. Heute ist zum Beispiel Lukas Scheidt bei uns im Programm, unser Europa-Experte, der direkt aus Straßburg über das neue Klimaziel der Europäischen Union informiert. Außerdem reden wir im Nachtisch über Preise, die doch nicht mehr so stark steigen und was das alles mit Karneval zu tun hat. Aber natürlich vorneweg meine Kollegin Helene Bubrowski mit dem Thema des Tages. Und sie ist zugeschaltet direkt aus Augsburg. Hallo Helene.

Sprecher 3: Hallo, schönen Gruß aus dem sonnigen, schönen Augsburg.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 2: Helene, du bist beim CSU-Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich, der sich mit dem Wahlrecht auskennt. Und das ist ja ein Thema, was bei der CSU ziemlich tief unter dem Nagel brennt.

Sprecher 5: Das ist schon eine ziemlich krasse Nummer, dass eine Mehrheit im Bundestag ein Wahlrechtssichtzimmer, das sie begünstigt. Das ist einmalig in der Geschichte Deutschlands, hat es so noch nie gegeben. Und man ganzes Bundesland bestrafen will, weil man sich ärgert darüber, dass die eine andere Meinung haben. Und es ist auch ein Anschlag auf die Demokratie. Man muss sich vorstellen, man wählt Abgeordnete, die werden gewählt und dann werden sie nicht in Berlin an. Also das kann nicht sein.

Sprecher 2: Was ist da los? Wie steht es um die CSU und das Wahlrecht der Ampel?

Sprecher 3: Die Ampel hat im vergangenen Sommer das Wahlrecht geändert und zwar anders als es eigentlich bundesrepublikanische Praxis war, wo man versucht hat, eine übergreifende Mehrheit, also die Opposition einbeziehende Mehrheit zu finden. Das hat aber nicht funktioniert. Die CSU hat sich viele Jahre lang, insbesondere die CSU, viele Jahre lang geweigert, irgendetwas zu ändern. Und dann hat die Ampel es mit ihrer Mehrheit durchgesetzt. Das hat zur Folge, dass die CSU jetzt von Wahlfälschung spricht und organisiertem Wahlbetrug. Und Markus Söder gesagt hat, wenn wir beim nächsten Mal in eine Koalition eintreten, dann nur unter der Bedingung, dass das Wahlrecht wieder geändert wird.

Sprecher 2: Das ist natürlich starker Tobak. Also man könnte sich vorstellen, und das hören wir auch immer wieder, die Sorge aus der CDU, dass Markus Söder einen Kanzlerkandidaten März nun... akzeptiert, wenn der in sein Bundestagswahlprogramm schreibt, dieses Wahlrecht wird geändert. Also viel Frust. Allerdings, Helene, 40 Prozent, die CSU derzeit in den Umfragen in Bayern, bei diesem Ergebnis wäre sie ja problemlos, auch im Deutschen Bundestag. Aber was will sie denn stattdessen? Was ist die Alternative zu diesem Wahlrecht? Gibt es überhaupt eine Chance auf einen parteiübergreifenden Kompromiss?

Sprecher 3: Nein, das ist halt viele Jahre gescheitert und das Problem wurde immer dringlicher. Denn im Grundgesetz steht zwar drin als Regelgröße des Bundestags 598 Abgeordnete. Der Bundestag hat sich aber über die Jahre immer weiter aufgebläht. Derzeit 736 Abgeordnete. Er platzt aus allen Nähten. Es müssen neue Gebäude gebaut werden. Es ist wahnsinnig teuer, weil ja nicht nur die Diäten, sondern auch die Mitarbeiter bezahlt werden müssen und so weiter und so weiter. Also ein nicht tragbarer Zustand, zumal in Zeiten der Politikverdrossenheit. Insofern hat die Ampel die Handlungsnotwendigkeit gesehen und eine wirklich tiefgreifende Änderung beschlossen, nämlich, dass derjenige, der einen Wahlkreis direkt gewinnt, keine Garantie mehr hat, deshalb in den Bundestag einzuziehen, sondern nur unter der Bedingung, dass der Sitz auch vom Zweitstimmenergebnis gedeckt ist. Und das hat natürlich vor allem Konsequenzen für die CSU, die einerseits befürchten muss, insgesamt bundesweit unter die 5%-Hürde zu rutschen. 2021 war sie bundesweit bei 5,2 Prozent, wenn man das bayerische Ergebnis von gut 30 Prozent hoch. Und zweitens gibt es Abgeordnete wie Volker Ullrich, die möglicherweise ihren Sitz im Bundestag verlieren, weil das Erststimmenergebnis eben nicht überragend gut war und die Abgeordneten mit dem schlechtesten Erststimmenergebnis von den Hunden gebissen werden.

Sprecher 2: Ja, Helene, nochmal einen Schritt zurück. Also die Nahtoderfahrung für die CSU, so hat es Alexander Dobrindt mal gesagt, war ja, dass die Ampel in letzter Sekunde in ihren Verhandlungen diese Grundmandatsklausel gestrichen hat. Und die besagt ja, dass wenn man die 5%-Hürde nicht schafft, trotzdem in den Bundestag kommen kann, wenn man mindestens drei Direktmandate bekommt. Und naja, das hat die CSU ja bisher immer geschafft. 2021 hatte sie 45 Direktmandate. Also warum ist diese Grundmandatsklausel dann indirekt doch eine Gefahr für die CSU?

Sprecher 3: Sie hätte natürlich, wenn sie ansonsten unter 5% hat, was ja passieren kann, ich habe die Werte von 2021 gesagt, wenn es richtig schlecht läuft, passiert das, dann würde sie trotzdem über die Grundmandatsklausel, also mit drei direkt gewählten Abgeordneten in voller Fraktionsstärke in den Bundestag einziehen. Im Gesetzgebungsverfahren, das ja sehr kompliziert war, wo sehr viele Juristen konsultiert wurden, kam man zum Ergebnis, dass die Grundmandatsklausel systemwidrig ist. Also wenn man im Prinzip das Direktmandat streicht, also wenn man sagt, jemand, der seinen Wahlkreis gewonnen hat, kann nicht alleine deshalb in den Bundestag einziehen, dann kann man auch nicht sagen, dass das Direktmandat so wichtig ist, dass drei Direktmandate... Mandate Fraktionsstärke bewirken. Und weil die Experten gesagt haben, das passt irgendwie nicht zusammen, hat die Ampel, um sich nicht in Systemwidrigkeiten zu verstricken, auf den allerletzten Metern und tatsächlich ohne Absprache die Grundmandatsklausel gestrichen. Interessant war, dass die CSU erstmal ein, zwei Tage brauchte, um das überhaupt zu realisieren, was das zu bedeuten hat. Und dann war tatsächlich die Fassungslosigkeit groß. Der Ärger riesig und wirklich deftige Worte machten die Runde. Und jetzt hat ja die CSU und Bayern und die Unionsfraktion und noch eine Gruppe von Wählern auch gegen das Wahlrecht geklagt. Und die Verhandlungen vom Bundesverfassungsgericht müssen jetzt in den nächsten Monaten geführt werden. Eine Entscheidung muss noch in diesem Jahr fallen, denn die Venedig-Kommission, also die Kommission für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit des Europarats, sagt, ein Jahr vor einer Wahl darf das Wahlrecht nicht mehr geändert werden. Und wir haben jetzt 2024, im kommenden Jahr haben wir schon wieder Bundestagswahl.

Sprecher 2: Und gibt es eine Einschätzung von Juristen, in welche Richtung dieses Urteil am Ende gehen könnte?

Sprecher 3: Ganz schwierig zu sagen. Die Rechtsprechung des Verfassungsgerichts ist extrem kompliziert. Und übrigens, das kann man an dieser Stelle auch mal sagen, ist das Verfassungsgericht ein Teil des Problems, weil die das Wahlrecht immer komplizierter und immer komplizierter gemacht haben. Deswegen hoffen einige, dass es eine Art von Befreiungsschlag mal gibt, dass das Verfassungsgericht sagt, jetzt hat auch mal der Gesetzgeber die Möglichkeit, eigene Regeln zu finden. werden gebilligt. Darauf hofft die Ampel. Die CSU hofft natürlich, dass das Direktmandat als Verankerung des Bundestags in der Fläche gestärkt wird und dass deshalb das neue Wahlrecht für verfassungswidrig erachtet wird. Also wie das alles ausgeht, ist wahnsinnig schwer vorherzusehen.

Sprecher 2: Aber Helene, dann mal die politische Frage. Ist es nicht auch nachvollziehbar und gerade in einer Zeit, wo sich das Volk ohnehin nicht mehr wirklich repräsentiert fühlt von der Politik und nicht mehr verstanden fühlt, dass dann ein Direktmandat nicht zwingend, also ein gewonnenes Direktmandat nicht zwingend zu einem Sitz im Parlament führt, dass das da draußen auch zu Widerstand in der ganz normalen Bevölkerung führen könnte?

Sprecher 3: Du hast natürlich recht. Die Idee des Direktmandats ist, dass man seinen Abgeordneten, der Abgeordnete des Wahlkreises, der dann irgendwie auch den Wahlkreis repräsentiert, unabhängig mal von der persönlichen Wahlentscheidung, ansprechbar ist, dass es einen Bezug gibt zwischen Berlin und der Fläche. Das ist schon wichtig. Das Gegenargument ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen. Das wird vorgebracht, gerade aus Städten wie Augsburg oder Hamburg oder Berlin, wo man sagt, der Gewinner des Wahlkreises liegt vielleicht mit einem Prozent oder weniger als einem Prozent vorne. Ist das jetzt wirklich das Extra an Legitimation? Die dazu führt, dass einer nur deshalb in den Bundestag eintritt. Also in großen Städten sind die Parteien oft sehr nah aneinander. So ist es auch in Augsburg. Volker Ulrich hat 25 Prozent. Seine Verfolger liegen bei 19 Prozent von der SPD und den Grünen. In anderen Teilen Bayerns sind die CSU-Direktkandidaten mit über 40 Prozent oder 39 Prozent und ähnlichen Werten gewählt. Insofern wäre eben auch Herr Ullrich einer, der nach dem neuen Wahlrecht möglicherweise nicht mehr im Bundestag vertreten ist. Und ich hatte die Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen, wie das eigentlich auf ihn persönlich wirkt und ob das der Grund dafür ist, dass er gegen die Wahlrechtsreform ist.

Sprecher 6: Also den Charakter von Demokraten erkennt man am Umgang mit dem Wahlrecht. Wahlrecht darf nie beurteilt werden aus einer persönlichen Betroffenheit heraus, sondern aus der Frage, was macht es mit der Demokratie und wie fair und gerecht ist das Wahlrecht. Das Wahlrecht ist natürlich aber auf... Eine Täuschung des Wählers angelegt, weil er mit der Erststimme einen Kandidaten wählt und dann feststellt, dass in seinem Wahlkreis der Kandidat unter Umständen nicht in den Bundestag einzieht und in einem anderen Wahlkreis dagegen schon. Man weiß bloß nicht im Vorfeld, in welchem Wahlkreis das der Fall sein wird. Und typischerweise nach dem Ampelwahlrecht werden es übrigens die Wahlkreise sein, die eher umkämpft sind. Dort, wo die Menschen eine echte Wahl haben und ihnen dann zu sagen, die Wahl ist gelaufen, aber es hat kein Ergebnis, das kann nicht gerecht sein. Und das ist ein Wahlrecht, welches auch... Sich nirgendwo in westlichen Demokratien findet. Überall dort, wo es Wahlkreise gibt, gibt es einen Gewinner, der in das Parlament eintritt. Einzieht, das muss auch zwingend so bleiben.

Sprecher 2: Der CSU-Abgeordnete Volker Ulrich bangt um sein Mandat, trotz aller bayuvarischen Selbstbewusstsein. Helene, vielen Dank für diesen Einblick. Wir sind gespannt auf das Urteil und diese Debatte wird uns spätestens im Bundestagswahlkampf noch ereilen. Da sind wir uns sicher. Vielen Dank und gute Heimreise wieder nach Berlin.

Sprecher 3: Danke, ich freue mich, wenn wir morgen wieder zusammen am Tisch sitzen.

Sprecher 2: Das Tischgespräch jetzt mit Lukas Scheidt, meinem Kollegen aus dem Europe Table, dem täglichen Fachbriefing mit allen relevanten europapolitischen Themen. Und denken Sie dran, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen, 80 Prozent der deutschen Gesetzgebung sind direkt oder indirekt aus Brüssel initiiert. Insofern ist es wichtig, wie Europa tickt. Und Lukas Scheidt ist einer der Kolleginnen und Kollegen, die sich besonders gut auskennen. Die EU-Kommission hat gestern in Straßburg ihr neues Klimaziel vorgestellt. Darüber will ich jetzt mit ihm reden. Schönen guten Tag. Hallo, lieber Lukas.

Sprecher 7: Hallo Michael, grüße nach Berlin.

Sprecher 2: Klär uns auf, die EU-Kommission hat eine Reduktion der Treibhausgase bis 2040 um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 jetzt beschlossen. Wir wissen, die EU will klimaneutral werden bis 2050. Aber Lukas, und das musst du mir erklären, kein einziges Land erfüllt diese Klimaziele bisher. Wie soll das gehen?

Sprecher 7: Genau, kein einziges Land erfüllt diese Klimaziele bisher. Das liegt daran, dass diese Gesetze, die ja eigentlich erstmal... für das Erreichen der Klimaziele für 2030 beschlossen wurden, erst noch umgesetzt werden müssen. Und davon sind wir noch weit entfernt. Und das hat auch die Kommission erkannt. Und auch bei diesem neuen Klimaziel für 2040 klipp und klar gesagt, dass das nur funktioniert, wenn wir überhaupt erstmal die Klimaziele für 2030 erreichen und die Gesetze, die mit dem Fit for 55-Paket im Rahmen des Green Deals in dieser Legislatur beschlossen wurden, auch in jedem Mitgliedstaat umgesetzt werden.

Sprecher 2: Okay, und die Fachleute des EU-Klimabeirats, die sagen ja, das ist ja nur das Mindestziel. Also ob wir damit die Klimaneutralität erreichen, selbst wenn wir jetzt alle Gesetze umsetzen, ist nicht gesagt, oder?

Sprecher 7: Naja, der Klimabeirat hat schon deutlich gesagt, auch mit den 90 Prozent würde man auf einen machbaren, ökonomisch wie sozial machbaren Pfad zur Klimaneutralität bis 2050 kommen. Es ist aber, wie du gesagt hast, am unteren Ende dieser Empfehlung. Der Klimabeirat hatte im Sommer letzten Jahres vorgeschlagen, ein Klimaziel für 2040 von 90 bis 95 Prozent vorzubringen.

Sprecher 2: Ah, okay. Wie will die Kommission jetzt das Ziel erreichen? Was müssen die Mitgliedstaaten konkret tun?

Sprecher 7: Also es beruht auch weiterhin zu Großteilen auf den Gesetzen, die wir schon haben. Also wenn wir jetzt einfach das fortsetzen würden, was wir mit dem Fit for 55 Paket beschlossen hätten, dann würden wir schon, also ein linearer Pfad der CO2-Reduktion, dann würden wir schon bei minus 88 Prozent ankommen. Das heißt, ein Großteil dessen wäre schon erreicht. Die restlichen beiden Prozentpunkte, die da jetzt noch fehlen, um die 90 Prozent zu erreichen, die sollen eben zum Beispiel durch den Ausbau von Wachstumssektoren wie Batterien, Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Photovoltaik erreicht werden. Das ist jetzt das konkrete Ziel in diesem Vorschlag. Das ist allerdings auch ein bisschen widersprüchlich, muss man sagen, weil gerade erst am Montag hat die Kommission Hilfen für die europäische Solarindustrie, die sich vor billigeren Importen aus China fürchtet, abgelehnt. Das heißt, die Linie der Kommission ist alles andere als eindeutig.

Sprecher 2: Gehen wir es nochmal durch. Ausgeweiteter Emissionshandel, Abkehr von fossilen Brennstoffen, klar und natürlich ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien. All das fordert die EU. Das ist Teil des Fit for 55-Programms. Wo kann und muss Deutschland denn nachjustieren, was die Ampel bisher nicht hinbekommen hat, um diese Ziele zu erreichen?

Sprecher 7: Ja, da geht es vor allem um die Dekarbonisierung der Industrie und da vor allem der emissionsintensiven Industrie. Und eine Möglichkeit dafür ist natürlich die umstrittene, aber auch laut Weltklimarat IPCC unumgängliche Technologie von CCS, also der technologischen CO2-Abscheidung. Und das ist eine Sache, die jetzt auch für 2040 schon eine ganz entscheidende Rolle spielen wird. Die Frage ist natürlich nur, welche Kapazitäten haben wir bis dahin? Es werden Unmengen an CCS-Kapazitäten gebraucht, 50 Millionen Tonnen jährlich bis 2030. Und bis 2040 sollen es dann sogar insgesamt 280 Millionen Tonnen sein. Dafür braucht es natürlich dann auch eine Pipeline-Infrastruktur. 19.000 Kilometer, sagt die EU-Kommission, das würde rund 16 Milliarden Euro kosten. Und das sind jetzt genau die Dinge, die zu erreichen, diese Ziele nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa umgesetzt werden müssen.

Sprecher 2: Also Lukas, du sprichst CCS an. Das ist die Technologie, wo CO2, das im Rahmen eines Kraftwerkbetriebs ausgeschieden wird, dann direkt im Boden verpresst wird. Robert Habeck will das jetzt in Deutschland prüfen lassen. Die Grünen hadern damit. Kommt das in Deutschland überhaupt?

Sprecher 7: Das ist eine Platzfrage vor allem. Die große Frage ist, wo soll das eigentlich passieren? Unsere Küstenlinien und unser Meereszugang ist bekanntlich beschränkt und gerade im Meeresboden oder unter dem Meeresboden sind die beliebtesten Lagerungsorte dafür. Deswegen kommen da andere Länder wie Dänemark oder auch Norwegen viel mehr in Frage, was aber natürlich wieder mit sich bringt, dass es eine noch längere CO2-Infrastruktur, also Pipelines, die das CO2 von A nach B bringen, braucht.

Sprecher 2: Das eine ist es, CO2 zu verpressen im Boden. Das andere ist natürlich, CO2 erst direkt zu vermeiden bei der Stromerzeugung. Da geht es dann um eine Verdoppelung eigentlich des Strombedarfs in den nächsten Jahren. Und dann brauchen wir mehr Wärmepumpen, wir brauchen mehr E-Autos. Und nach Ansicht vieler EU-Länder brauchen wir dazu auch die Atomkraft. Welche Rolle spielt das bei den EU-Klimazielen?

Sprecher 7: Sie spielt eine Rolle. Also anders als in Deutschland, wo wir uns komplett davon verabschiedet haben, wird auch in anderen Ländern weiter... die Atomkraft eine Rolle spielen. Und auch bei den Klimazielen für 2040 wird sie wieder erwähnt. In welchem Ausmaß und in welchem Umfang, das ist so noch nicht genau bezifferbar. Aber was die Kommission gestern auch vorgestellt hat oder gestartet hat, ist eine Industrieallianz für kleine und modulare Reaktoren, sogenannte SMEs. Die Technologie soll fortgeschritten werden, um sie dann auch marktfähig zu machen, damit sie einen Beitrag leisten kann für das Erreichen der Klimaziele. Und diese Ankündigung der Kommission ist schon auch als klares Zeichen für die Kernenergie in Europa zu werten.

Sprecher 2: Fast die Hälfte der EU-Mitgliedstaaten setzt weiter auf die Atomkraft. Deutschland hat sich entschieden, das Thema nicht mehr anzupacken, zumindest die Ampelkoalition. Wie schauen die EU-Partner auf diese Entscheidung der Bundesregierung der wichtigsten Volkswirtschaft in Europa?

Sprecher 7: Also es gibt immer noch viele Fragen, warum Deutschland diesen Schritt geht. Aber die deutschen Politiker, die diesen Atomausstieg unterstützt haben, die lassen sich davon gar nicht abbringen und argumentieren weiterhin mit den bekannten Argumenten zu teuer, zu aufwendig und zu unsicher in der Lagerung.

Sprecher 2: Ja, die einen sehen Deutschland da als Geisterfahrer, weil man hier auf die Atomkraft verzichten will. Die Losung der Grünen oder der Ampelkoalition ist allerdings, Deutschland wird Frontrunner und wird das Vorbild bei der grünen Transformation, weil es es eben schafft, auf Kohle, Gas und sogar auf Atomkraft zu verzichten. Ist das realistisch, diese grüne Wirtschaftswunder-Idee?

Sprecher 7: Also die Europäer, die wissen schon, Wenn Deutschland Pläne hat, das hat dann Hand und Fuß. Es gibt schon ein sehr großes Vertrauen in die deutsche Politik. Das sieht man nicht nur bei der grünen Transformation, sondern auch bei ganz vielen Fragen. Je nachdem, wie sich Deutschland entscheidet, gehen viele andere Länder auch mit. Daher ist es nicht... Unrealistisch zu behaupten, dass wenn Deutschland diesen Weg einschlägt und tatsächlich eine grundlastfähige Alternative für fossile Kraftwerke schafft, zum Beispiel mit der Geothermie, dass andere Länder da dann auch wirklich mitziehen.

Sprecher 2: Letzte Frage an dich, Lukas. Wie wirken sich diese neuen Klimaschutzziele denn auf den Wahlkampf? Auf wie positioniert sich jetzt welche Partei?

Sprecher 7: Also die Grünen werden darauf pochen, diese Ziele anzuheben. 90 Prozent reicht denen nicht aus. Die sagen, wir müssen uns am oberen Ende der Empfehlungen des Klimabeirats, also bei 95 Prozent ansiedeln. Die EVP hat sich da noch nicht eindeutig positioniert. Peter Liese hat uns diese Woche gesagt, der klimapolitische Sprecher der EVP hier im EU-Parlament, der sagte, 88 Prozent sind doch eigentlich auch nicht schlecht. Er hält 90 Prozent durchaus auch für realistisch. Aber der legislative Prozess müsse dann zeigen, wo man sich am Ende einigt. Das könnten 90 Prozent sein, das schließt er nicht aus. Aber er hält es auch für möglich, dass man da auch noch ein bisschen nach unten korrigiert.

Sprecher 2: Wunderbar, Lukas. Vielen Dank für die Einschätzung direkt aus Straßburg und komm gut zurück nach Berlin und vielen Dank erstmal.

Sprecher 7: Danke euch.

Sprecher 2: Die gute Nachricht im Nachtisch. Unsere bewährte Gute-Laune-Rubrik. Diesmal mit einer guten Nachricht auf den zweiten Blick. Denn die Inflationsrate, die am Freitag bekannt gegeben wird, sie ist immer noch größer, als uns manchmal lieb sein könnte. Denn die Preise steigen weiter, aber nicht mehr so stark wie bisher. Nur noch 2,9, vielleicht 2,8 Prozent. So die letzten Schätzungen. Und das bedeutet, wir sind wieder in Bereichen der Inflation, wie wir sie vor dem Ukraine-Krieg hatten. Unser Geld ist zwar immer noch ein bisschen weniger wert als im Vorjahr, aber die Preissteigerungen halten sich allmählich in Grenzen. Und manche Güter werden dieses Jahr sogar billiger als im Vorjahr, zum Beispiel die Energie. Und einige Ökonomen erwarten auch eine Trendwende bei den Kreditzinsen. Sinkt die Inflation wieder, sinken auch die Zinsen für Wohnungskauf oder die eigene Immobilie. Auch das kann die Baukonjunktur dringend gebrauchen. Was teurer wird und das bleibt Ihnen nicht erspart, sind einige Lebensmittel wie Honig, Marmelade oder Zucker. Aber das ist vielleicht ja auch irgendwie eine gute Nachricht, denn Sie wissen ja, morgen beginnt der Karneval und danach kommt die Fastenzeit. Und da könnten Sie doch genau bei diesen Produkten mal anfangen. Nur als kleine Anregung von Table Today. Ich bedanke mich, dass Sie heute wieder... wieder dabei waren. Freue mich auf den Podcast morgen wieder mit Helene Bubrowski. Wünsche Ihnen einen entspannten Tag. Ihr Michael Bröker.

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.