Wie wird Bauen billiger, Frau Geywitz?
Dauer: 28:03

Wie wird Bauen billiger, Frau Geywitz?

Bauministerin Klara Geywitz (SPD) will mit der Absenkung von Standards und dem vermehrten Einsatz von Automatisierung das Bauen erleichtern und fordert die Kommunen auf, entsprechende Vorgaben abzusenken. In den Gemeinden müsse eine neue Offenheit für einfacheres, serielles Bauen entstehen. Die Vertragsparteien müssten sich darauf verständigen dürfen, auf bestimmte Normen zu verzichten. 

"Serielles Bauen ist eine Frage der Akzeptanz. Manchmal bekomme ich Bilder aus Marzahn-Hellersdorf vorgehalten, aber man kann mit seriellem Bauen wunderbar individuelle Fassaden montieren. Viele Hotels, die wir im Urlaub buchen, sind seriell hergestellt. Im Einfamilienbereich ist das Fertighaus ja auch akzeptiert."


Geywitz verteidigte das deutlich verfehlte Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. "Wir hatten ein massives kurzfristiges Problem durch den Zinsschock." Es öffne sich aber langsam wieder ein "Fenster der Rentabilität" für die Branche. Ein weiteres Zinsverbilligungsprogramm lehnte die SPD-Ministerin ab. "Die EZB setzt die Zinsen hoch, um die Inflation zu bekämpfen und wir versehen eine Branche mit einer gewaltigen Zinssubvention. Das wäre absurd und würde die Inflation wieder anheizen.“


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Ihrem Podcast von Table Media, der Podcast, der hinter die Schlagzeilen schaut. Mein Name ist Helene Bubrowski. Ich bin diese Woche Ihr Host. Heute ist Montag, der 5. Februar und mir gegenüber am Tisch sitzt Chefredakteur Michael Bröker. Hallo Michael.

Sprecher 3: Guten Tag, liebe Helene.

Sprecher 2: Wir starten zusammen in diese Woche mit diesen Themen. Zu Gast heute bei uns am Tisch Clara Geiwitz, Bundesbauministerin. Wir sprechen mit ihr über die Frage, warum die Bundesregierung anders als sie versprochen hat, es nicht geschafft hat, 400.000 Wohnungen zu bauen. Wir reden aber auch über unsere ehemalige Kanzlerin Angela Merkel. Merkel hat das mal sehr schön zusammengefasst. Sie wurde gefragt, was sie denn vermisst von Deutschland, wenn sie im Ausland ist. Und sie hat gesagt, dichte Fenster. Das finde ich als Bauministerin natürlich erstmal lobend. Außerdem geht es diese Woche natürlich um den Karneval, den Michael und ich beide lieben. Und deswegen sprechen wir im Nachtisch über das Kostüm von Markus Söder und was es politisch bedeutet.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 2: Und jetzt geht es los mit dem Talk of the Town. Und was könnte es an diesem tristen Montag anderes geben als das Thema Arbeit? Denn alle müssen heute wieder ins Büro, außer unsere lieben Kinder in Berlin, die Ferien haben. Was die Eltern natürlich dann nochmal mehr belastet. Das Leben ist so anstrengend. Nicht wahr, lieber Michael?

Sprecher 4: Wir arbeiten viel zu viel und die Kinder lernen viel zu wenig. Da sind wir uns doch hoffentlich einig.

Sprecher 2: Ja, das sagst du, dabei schaffe ich immer alles für dich weg. Na gut, wie dem auch sei. Wir sprechen darüber, ob wir nicht auch weniger arbeiten könnten. Und da, lieber Michael, präsentiere ich dir einen Vorschlag einer Unternehmensberatung. Und die haben tatsächlich 45 Unternehmen in Deutschland gefunden, die die Vier-Tage-Woche einführen wollen, jedenfalls mal projektweise. Und der Deal ist gar nicht schlecht. 100% Gehalt bei 100% Leistung, aber in 80% der Zeit. Das heißt, ein Tag die Woche ist frei. Wäre das ein Deal für dich?

Sprecher 4: Du, ich bin ein großer Anhänger der 4-3-Regel. Einfach vier Tage durchpowern, ohne Pause, ohne Flurgespräche, ohne Smalltalk, ohne längliche Meetings, wo der eine nur das sagt, was der andere eigentlich schon gesagt hatte und dafür drei Tage am Stück frei. Also in der Theorie klingt das sehr gut.

Sprecher 2: Es ist alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Wer kennt das nicht und ärgert sich zuweilen darüber? Die Frage ist ja, Michael, ob wir sowas uns in Zeiten des Fachkräftemangels überhaupt leisten können. Wenn man jetzt sagt, man kann in Wahrheit in 80 Prozent der Zeit 100 Prozent der Leistung bringen, heißt es ja, dass man eigentlich bisher offenbar sich nicht so anstrengt, dass das Maximum rauskommt. Oder wir arbeiten jetzt alle 120 Prozent.

Sprecher 4: Es gibt da einige Fragen, aber es gibt auch eine Vorgängerstudie zu diesem deutschen Modell in Großbritannien vor ein oder zwei Jahren. Und da wurden 61 Unternehmen gefragt und haben das dann auch getestet, dieses Modell 180-100. Und die Wahrheit, das Ergebnis ist, die Mitarbeiter waren ausgeruhter, motivierter, die Produktivität sogar höher, sie fehlten seltener. Und 63 Prozent der damals beteiligten Firmen fanden es einfacher, ihre Fachkräfte zu halten. Es war also eine Art Mitarbeitermotivationsprogramm, immerhin.

Sprecher 2: Interessanterweise gibt es jetzt auch erste Rechtsanwaltskanzleien, eigentlich ja die Meister der Vielarbeit und der Präsenzvielarbeit, kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Zu meiner Zeit in einer Anwaltskanzlei ging es regelmäßig bis Mitternacht oder darüber hinaus. Nico Herthing von der Kanzlei Herthing, den wir unbedingt auch in diesem Podcast mal einladen müssen, hat jetzt in der Kanzleiwelt die Viertagewoche eingeführt und damit auch gute Erfahrungen gemacht. Die These eben ist, dass man weniger Zeit mit irgendwelchen Kaffeepausen anderem und vor allem darüber sich beschweren, wie viel man arbeitet, verbringt.

Sprecher 4: Ja, das ist wahr. Allerdings gibt es auch medizinische Einschränkungen. Laut zumindest Studien ist die Arbeitsproduktivität nach sechs Stunden, maximal sieben Stunden, sinkt die dramatisch und man ist nicht mehr so konzentriert. auch nicht mehr so leistungsfähig. Deswegen ist schon die Frage 8 oder dann teilweise mit Überstunden, so ist es ja auch, sind es dann am Ende 9 Stunden, ob da wirklich Produktivitätsfortschritte dauerhaft möglich sind. Das bezweifeln viele Ökonomen. Kurzfristig war das in diesen Studien jetzt bisher der Fall. Vielleicht aber auch der Reiz des Neuen, nämlich drei Tage am Stück frei zu haben am Wochenende, hat die dann wiederum motiviert, unter der Woche mehr zu tun. Aber ob das dauerhaft bleibt, ich glaube, dem können wir noch nicht vorgreifen.

Sprecher 2: Ja, ich habe auch immer im Studium das für merkwürdig befunden, Menschen, die sich um 8 Uhr schon in der Bibliothek einfanden und dann bis 23 Uhr geblieben sind. Ich habe nie an dieses Modell geglaubt. Aber gut, das Ganze hat auch eine politische Komponente und zwar hat Saskia Esken, ihres Zeichens SPD-Parteivorsitzende, schon vor einigen Monaten eine Viertagewoche gefordert, ist damit in der eigenen Partei aber auch nicht wirklich weitergekommen. Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister, hat ziemlich schnell gesagt, nein, also gesetzlich jedenfalls wollen wir das nicht einführen. Und in der Tat gibt es ja auch an dieser Vorstellung deshalb Kritik mit Blick darauf, dass insbesondere die junge Generation, nämlich die Generation Z, sowieso, so der Vorwurf, nicht leistungsbereit sei, in Bewerbungsgesprächen immer einfach nur fragt, ob man auch die 7,8 Arbeitszeit oder den Dienstagnachmittag wegen privater Aktivitäten dies oder das und also wahnsinnig hohe Ansprüche stellt. Und viele Arbeitgeber den Eindruck haben, da wächst eine Generation heran, die nicht wirklich arbeiten will. Jedenfalls die nicht bereit ist, sich so zu quälen wie die Älteren, die das getan haben.

Sprecher 4: Also generell müssen wir ja sehen, liebe Helene, wir sind in einer Wirtschaftskrise und ich finde dann schon mal berechtigt zu fragen, müssten wir nicht eigentlich insgesamt mehr arbeiten? Wenn du die Arbeitsstunden dir anschaust im Jahr in Europa, dann liegt Deutschland da inzwischen im hinteren Mittelfeld. Im OECD-Schnitt sind das 1700 Arbeitsstunden. Übrigens Griechenland, die vermeintlich faulen Portugiesen, Italiener und Spanier, die arbeiten alle 1700 oder 1900 Stunden im Jahr und die Deutschen 1363. Also wir sind schon lange nicht mehr die Fleißigsten in Europa, was wir angeblich immer mal waren. Und deswegen ist schon die Frage, schaffe ich eine Viertagewoche, wo ich dann die Arbeitsproduktivität steigern kann, wirklich halten kann. Das wäre aus meiner Sicht die Grundvoraussetzung und das können doch nur die Unternehmen und die Arbeitnehmer selbst für sich entscheiden, welche Modelle sie da gehen würden. Am wenigsten will ich das eigentlich von Saskia Esken hören, was für die deutsche Ökonomie sinnvoll wäre.

Sprecher 2: Und warum nicht?

Sprecher 4: Weil Saskia Esken es nicht entscheiden kann für eine Volkswirtschaft, weil eine politische Vorgabe dem nicht gerecht wird, was wir an differenzierten Arbeitszeitmodellen brauchen. Das ist Sache der Tarifparteien und am Ende muss es das Wirtschaftsunternehmen auch schaffen, produktiver zu werden. Wir müssen als Volkswirtschaft vorankommen. Das können wir nicht, wenn wir alle weniger arbeiten, weniger produzieren, weniger Steuern haben und dafür allerdings eine längere Wirtschaftskrise haben.

Sprecher 2: Okay, und jetzt gehen ja auch tatsächlich, wie wir gesehen haben, die Unternehmen voran und warten nicht auf die Politik, die da den einen oder anderen Rahmen setzt, zumal es ja... Das sei auch noch angemerkt durch das Arbeitszeitgesetz ohnehin schon einen Rahmen gibt. Ich möchte zum Ende hin noch eine Lanze brechen für die junge Generation, der man oft nachsagt, dass sie nicht arbeitswillig ist. Und ich kann sagen, aus meiner eigenen Erfahrung habe ich etliche Leute in meinem Umfeld, junge Leute, die wahnsinnig engagiert und einsatzbereit sind, die zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten arbeiten, die immer erreichbar sind. Was übrigens die, die heute älter sind und erzählen, dass sie früher immer gearbeitet haben, die hatten nicht ihr Handy am Frühstückstisch, die waren nicht in der Nacht vom Samstag auf Sonntag irgendwie noch an der Mail oder sonst irgendwas, sondern wenn die weg waren, waren die weg. Insofern ist der Vergleich... Auch sowieso nicht ganz passend. Und dann wollen wir auch noch an diesem traurigen Montag sagen, dass es auch gar nicht schlecht ist, mal an was anderes zu denken als an Arbeit.

Sprecher 4: Ja, Helene, ich teile deine Ansichten. Allerdings wissen wir es auch noch nicht wirklich, ob diese Generation Z wirklich fleißiger oder motivierter ist oder nicht. Da fehlen uns einfach noch die Statistiken. Anders übrigens als bei der Vier-Tage-Woche in Großbritannien, die eingeführt wurde, weil diese Unternehmen, die das Modell gemacht haben, 180, 100, die sind tatsächlich auch in der Produktivität gestiegen. Der Umsatz der beteiligten Firmen ging um 35 Prozent nach oben. Also wenn es gelingt und wir alle sogar produktiver werden, dann warum nicht? Und wenn wir es schaffen würden, die Älteren wieder stärker in den Job zu holen und die Frauen wegzuholen von der Teilzeit, weil wir einfach bessere Vereinbarkeitsmodelle haben, Beruf und Job, ich glaube, dann müssten wir solche Debatten gar nicht mehr führen.

Sprecher 3: Vereinbar.

Sprecher 2: Von Beruf und Job. So sieht es Michael. Und so haben wir ihn gerne. Ja, wir bleiben beim Thema Arbeit, jedenfalls in gewisser Weise, denn die Bundesregierung hat sich eine ganz schön große Aufgabe vorgenommen, nicht weniger als den Bau von 400.000 Wohnungen im Jahr. Das hat ganz offenkundig nicht geklappt. Und bei Michael Bröker zu Gast ist nun die Bundesbauministerin und wir haben einige Fragen an sie.

Sprecher 4: Herzlich willkommen bei uns im Table Today Podcast. Clara Greifitz, schönen guten Tag.

Sprecher 5: Hello.

Sprecher 4: Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung. Ich vergesse die anderen beiden immer.

Sprecher 5: Ja, es ist schlecht, es ist wichtig.

Sprecher 4: Es ist wichtig. Wir reden aber erstmal über Bauen, liebe Frau Greiwitz. Und ich komme mit dem Münchner IFO-Institut natürlich. 2024 wird geschätzt nur noch 225.000 Wohnungen, 45.000 weniger wieder als im vergangenen Jahr. Es wird immer schlechter beim Neubau von Wohnungen. Anstatt besser haben Sie jetzt doch noch die ein oder andere Maßnahme gefunden, wie Sie die Zahl wieder nach oben schrauben können?

Sprecher 5: Ganz wichtig ist, wir kriegen die tatsächlichen Zahlen, wie viele Wohnungen letztes Jahr gebaut wurden, 1. Mai. Das wissen auch alle und die Schätzungen gehen ziemlich auseinander. Also die gehen davon aus, dass wir so ca. 270.000, 265.000 Wohneinheiten letztes Jahr fertiggestellt haben. Das wäre angesichts der dramatischen Situation am Bau das, was ich eigentlich immer gesagt habe, was das Maximale ist, was wir jetzt rauskriegen, nämlich stabil durch die Krise. Und ansonsten hat uns natürlich der Zinsschock im Bau ganz schön hart getroffen. Und wir versuchen jetzt durch unterschiedliche Maßnahmen gegenzusteuern. Das eine ist eine Grundnachfrage des Staates im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Und dann natürlich jetzt, wo ich sehr froh bin, auch nochmal die zusätzliche Milliarde, die wir jetzt auf dem letzten Rückgang im Haushaltsverfahren bekommen haben, gerade für den mittelpreisigen Wohnungsbau. Da konzipieren wir jetzt das Förderprogramm für dieses Jahr.

Sprecher 4: Lassen Sie uns ganz kurz beim sozialen Wohnungsbau bleiben. Mit 18 Milliarden Euro auf Rekordniveau. Aber zugleich sagt das Bündnis Soziales Wohnen, es fehlen 910. 1000 Wohnungen. Wie kann eine solche Diskrepanz sein?

Sprecher 5: Naja, weil ich da ja keinen Feenstaub verteile. Wir haben 2022 angefangen mit der Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus in Milliardenhöhe. Davor wurde das über Jahrzehnte vernachlässigt. Und wenn Sie sich überlegen, 2022 fangen die Förderprogramme an. Man muss erst mal planen und bauen und dann Fertigstellungszahlen messen. Das heißt, wir werden das in den nächsten Jahren sehen, dass wir da einen dramatischen Hochlauf sehen, weil diese Wohnungen auch gebraucht werden, vom Markt jetzt auch ganz stark die Förderung angenommen wird. Demzufolge bin ich da ganz entspannt. Die Zahlen werden nach oben gehen, aber bis wir die zwei Jahrzehnte Förderlücke kompensiert haben, da muss nicht nur diese Legislaturperiode, sondern in den nächsten beiden mindestens noch kontinuierlich auf sehr hohem Niveau finanziert werden. Und wir haben ein Programm, was wirklich weggeht wie geschnitten Brot. Das ist das Studio und der Zubi-Wohnen. Da werden wir allein im letzten Jahr 10.000 neue Studi-Wohnheime und Azubi-Wohnheime gefördert haben. Und deswegen verlängern wir das nochmal. Das sind 1,5 Milliarden für junge Menschen und ihre Wohnbedürfnisse. Es ist absolut das größte Programm seit der Wiedervereinigung, weil die haben es momentan wirklich am schwierigsten, was zu finden.

Sprecher 4: Der Zinsschock, der ist natürlich etwas, was Sie kaum verändern können. Ich weiß, Sie machen zinsverbilligte Programme über die KfW, auch da ja auch auf Rekordniveau, aber Sie können natürlich das allgemeine Zinsniveau nicht verändern. Also was kann man tun als Staat, als Regulator, um Bauen zu vereinfachen, selbst jenseits der hohen Zinsen?

Sprecher 5: Ja, das ist ja eine Forderung, die ich immer... Kriege ich soll jetzt für alles und jedes ein Zinsverwilligungsprogramm machen. Und da will ich einfach darauf hinweisen. Das Gap können Sie gar nicht schließen. Ja, das wäre ja auch nicht sinnvoll. Das wäre ja absurd. Die EZB setzt die Zinsen hoch, um die Inflation runterzubekommen. Und dann gleichzeitig würde man eine Riesenbranche mit einer Zinssubvention versehen. Das würde die Inflation natürlich wieder anheizen. Das ist also nicht das Maß der Dinge, sondern wir müssen punktuell fördern. Sozialer Wohnungsbau, habe ich gesagt, Studiewohnung. Wir unterstützen jetzt mit einer 20-jährigen Zinsbindung auf 0,75 Prozent die Wohneigentumsförderung von Familien, damit auch der Einfamilienhausbau wieder anspringen kann. Wir unterstützen Genossenschaftsgründungen, aber insgesamt für die ganz breite Wirkung muss man natürlich auch die Produktivität erhöhen, die Stückkosten reduzieren und das geht mit Digitalisierung und Vorfertigung, also mit seriellen Wohnungsbau ganz gut.

Sprecher 4: Lassen Sie uns darüber mal konkret reden. Das ist serielles Wohnen, versteht da draußen ja keine Automatisierung. Man kann es sich nicht wirklich vorstellen. Ich habe gelesen, dass das Tesla-Werk in Brandenburg zum Beispiel eine KI-gesteuerte Baustelle war. Also der wurde just in time angeliefert, was gerade hochgezogen werde, um die Bauzeit dramatisch zu verringern. Also ist es eine Frage des Unternehmers, des Bauunternehmers oder sind es Normen und Standards, die Sie absenken müssen, damit sowas möglich ist?

Sprecher 5: Also im weiten Teil ist es momentan noch eine Frage der Akzeptanz. Also ganz häufig, wenn ich über seriellen Wohnungsbau spreche, dann kriege ich so die Bilder von Martin Hellersdorf in meine... Interviews montiert von den Journalisten.

Sprecher 4: Manchmal sehen Neubauten aber auch so aus.

Sprecher 5: Ja, aber man kann auch Stein auf Stein eintönig und hässlich bauen und man kann mit seriellen Wohnungsbau auch wunderbar individuelle Fassaden montieren mit Holz und allem möglichen Schnickschnack. Daran liegt es nicht. Ganz viele Hotels, die wir zum Beispiel im Urlaub für viel Geld buchen, die sind seriell oder modular hergestellt worden. Und wir haben in Deutschland das Phänomen, dass das im Einfamilienhausbereich, wo man sagt, da geben die Leute ja ihr Privatgeld aus für die größte Investition in ihrem Leben, indem sie sich einmal ein Haus bauen, da ist das Fertighaus total akzeptiert. Also kein Mensch würde sagen, ich kaufe mir jetzt kein Fertighaus, das steht ja noch hundertmal woanders in der Republik.

Sprecher 4: Ich lebe in einem.

Sprecher 5: Ja, Glückwunsch. Und sind Sie zufrieden?

Sprecher 4: Völlig in Ordnung. Man kann auch ein Fertighaus danach ja individualisieren.

Sprecher 5: Sehen Sie. Und wenn das aber dann nicht das Fertighaus ist für die eine Familie von Herrn Bröker, sondern es wird ein serieller Wohnungsbau, dann kommen häufig die Ämter oder die Gemeindevertreter und sagen, wie sieht denn das, ist das dann hübsch genug für unsere Gemeinde? Und machen dann manchmal so Gestaltungsauflagen und sagen, ja, jede fünfte Ecke muss aber rund sein. Und dann können sie halt nicht industriell vorfertigen. Und das ist aus meiner Sicht aber notwendig. Wir haben jetzt, Krise hin oder her, in etwa eine Kapazität von 300.000 Wohneinheiten im Jahr, die die deutsche Bauindustrie bauen kann. Das war auch im Jahr 2021 unter meinem Vorgänger Horst Seehofer so. Der hatte als Bauziel 300.000. 75.000 Wohnungen im Jahr, hat es auch nicht geschafft, weil die Kapazitäten ausgelastet waren. Also jeder, der mal versucht hat, einen Handwerker zu bekommen, 2021, weiß, das war ein Ding der Unmöglichkeit. Und wenn Sie aber dann sagen, wir brauchen eigentlich 400 oder vielleicht sogar 450.000 Wohnungen, weil wir jetzt einfach viel mehr sind. Was Sie und der Kanzler ja gesagt haben. Dann werden Sie wissen, in Zeiten von Fachkräftemangel kann man nicht einfach mal sagen, okay, wir machen das wie bisher und suchen uns einfach 30 Prozent mehr Mitarbeiter, wo auch immer die herkommen. Nicht bei so einer Riesenbranche. Das heißt, Sie müssen eigentlich mit derselben Anzahl Leute mehr herstellen. Und das geht nur, wenn Sie anders produzieren. Und das kann man mit seriösem Hausbau machen, mit Modulbau, wo bestimmte Sachen, die Bäder zum Beispiel, schon von vornherein auf der Baustelle fertig montiert werden. Und was auch natürlich für die Mitarbeiter am Bau dann auch attraktiver ist als Arbeitsplatz. Es ist ein Riesenunterschied, ob sie bei Wind und Wetter jeden Tag in der Republik auf unterschiedlichen Bauplätzen vor Ort sind, da jedes Mal hinfahren müssen, teilweise wochenlang übernachten. Oder ob sie ihren Arbeitsplatz... Beheizt unter einem Dach haben in einer Fabrik für Fertighäuser. Und dann wird nur das Modul ausgeliefert und innerhalb von wenigen Wochen auf der Baustelle zusammengebaut.

Sprecher 4: Aber was können Sie tun? Wir sind gerade hier ins Podcaststudio runtergegangen und Sie haben direkt gesehen, diese Treppe ist sehr steil und haben scherzhaft gefragt, ist die denn überhaupt normiert und entspricht die der Norm? Und da dachte ich mir sofort, ja, kann die Bauministerin Normen und Standards ab? senken, ohne dass es einen Aufschraub gibt und es dann zu deutlich erhöhter Bautätigkeit kommt? Oder sind sie da schon so weit unten, wie zum Beispiel bei Flüchtlingsbauten, die ja glaube ich mit 2.900 Euro pro Quadratmeter oder 3.500 Euro pro Quadratmeter gebaut werden? Kann man das dann nicht auch in der Breite machen, was in Sonderfällen in Deutschland möglich ist?

Sprecher 5: Also das, was Sie ansprechen, sind keine Sonderfälle, sondern wir haben mit der Wohnungswirtschaft ein Ausschreibungsverfahren gemacht, einen Rahmenvertrag. Die Wohnungswirtschaft hat quasi die Firmen, die diese seriellen Häuser herstellen, gebeten, Angebote zu machen für bestimmte Typen. Und dann hat man jetzt einen Fertighauskatalog, aber halt nicht für ihr Einfamilienhaus, sondern für Mehrfamilienhäuser. Und das fängt in der Tat an bei 2.900 Euro pro Quadratmeter, was sehr günstig ist. Aber es liegt natürlich nicht nur daran, dass es diese Angebote gibt, die dann jetzt gebaut werden können, sondern dass vor Ort in den Gemeinden auch wirklich eine Offenheit steht, weil man kann es dann halt nur begrenzt individualisieren. Das ist das eine. Und man muss sich auch natürlich...

Sprecher 4: Also Sie meinen, die Bauämter sind dann das Problem?

Sprecher 5: Naja, teilweise auch die Gestaltungssatzung in den Kommunen zum Beispiel, was ich gesagt habe, wenn sie dann noch halbwegs viel individualisieren wollen, dann haben sie natürlich nicht mehr den Preiseffekt von einer Mengenproduktion, den sie aber brauchen, damit es wieder billig wird. Und dann haben wir jede Menge Normen in Deutschland, die sind teilweise extrem notwendig. Sicherheitsnormen, ich denke mal Brandschutz, da wird keiner sparen wollen. Und auch, wir sind jetzt hier im historischen Bau, im Keller. Da gibt es natürlich manchmal eine steile Treppe, aber eigentlich sollte man im Neubau versuchen, das so zu machen, dass alle Menschen gut die Treppe hochgehen können. Dann gibt es aber teilweise natürlich auch Normen, die sind reine Ausstattungs- und Luxusnormen. Und wir unterscheiden leider überhaupt nicht zwischen den einen und den anderen und bauen jedes Mal sozusagen Mercedes auf die Baustelle. Das merkt man, wenn man mal in unseren Nachbarländern ist und da übernachtet, hört man dann noch mehr vom Nachbarn, als das bei uns der Fall ist oder sieht auch die Bauausstattungsnorm. Die alte Bundeskanzlerin Merkel hat das mal sehr schön zusammengefasst. Sie wurde gefragt, was sie denn vermisst von Deutschland, wenn sie im Ausland ist. Und sie hat gesagt, dichte Fenster. Das finde ich als Bauministerin natürlich erstmal lobend. Aber wir müssen einfach die Möglichkeit geben, dass sich beide Seiten, der Bauherr und derjenige, der es baut, auf ein einfaches Gebäude verständigen und auf das Set der Normen, die einfach für die Sicherheit des Gebäudes notwendig sind. Aber beide sich vertraglich verständigen können, dass sie nicht zwingend auch noch sämtliche Ausstattungs- und Luxusnormen erfüllen müssen. Und dann können wir auch wieder einfach bauen. Und das geht aus meiner Sicht schneller, als wenn wir jetzt versuchen, den Kampf gegen jede einzelne Norm zu führen, die schon da und veröffentlicht ist.

Sprecher 4: Und bei all den Maßnahmen, die Sie jetzt genannt haben, wie viele Neubauwohnungen und neue Wohnungen trauen Sie sich dann doch für dieses Jahr zu? Oder nennen Sie keine Zahlen mehr nach dem 400.000-Desaster?

Sprecher 5: Was heißt denn hier 400.000 Desaster?

Sprecher 4: Das ist von der Zentrale, wa? Wahlkampfforderung der SPD und von Ihnen.

Sprecher 5: Ja, ich bin auch total dazu.

Sprecher 4: Wir glauben Ihnen halt, was Sie im Wahlkampf sagen, Frau Geibitz.

Sprecher 5: Ja, das ist ja auch richtig, aber ich verstehe nicht, warum Sie Desaster dazu sagen.

Sprecher 4: Ja, weil wir deutlich drunter liegen.

Sprecher 5: Ja, und wir brauchen wahrscheinlich sogar noch mehr als die 400.000. Und ich stehe aber trotzdem zu der Zahl. Und wenn Sie sich noch fünfmal hinstellen und sagen, das ist ein Problem, weil Sie die nicht gekriegt haben, Weil das Problem haben ja die Leute, die bei der Besichtigung der Wohnung in der Schlange stehen, unabhängig davon, ob das bei Olaf Scholz auf dem Wahlplakat stand oder nicht. Und denen ist auch total wurscht, ob ich jetzt 400.000 und 1 schaffe oder es 300.000 sind, die wollen die eine Wohnung, die sie einzeln kennen. Und an dem Problem müssen wir arbeiten. Und da haben wir zwei Probleme. Wir haben ein strukturelles Problem. Deswegen müssen wir digitalisieren und sehr viel produzieren. Und das andere ist, dass wir ein kurzfristiges Problem hatten, ein massives kurzfristiges Problem aufgrund des Zinssprunges. Wir haben jetzt gesehen, dass viele billige Geld der letzten Jahre hat die Grundstückspreise, auch die Hauspreise extrem angefeuert. Und jetzt, wo das Geld wieder teuer ist, passiert das Gleiche wie immer am Ende eines Immobilienzyklus, wird alles wieder billiger. Und momentan haben wir ein ganz günstiges Fenster. Wir sehen schon Preiseffekt. Die Grundstücke sind schon deutlich und auch die Wohnungen deutlich billiger als vor zwei Jahren. Und wir haben wieder ein leichtes Zurückgehen des Zinsniveaus auf unter 4%. Auch natürlich haben wir noch unsere Zinsverbilligungsprogramme für spezielle Zielgruppen, sodass sich langsam auch wieder ein Fenster der Rentabilität und der Bezahlbarkeit öffnet. Aber wenn wir stabil durch die Krise kommen, ist das sehr gut. Und parallel schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass wir die Produktivität so erhöhen, dass wir tatsächlich in der Lage sind, mehr zu bauen als in der Vergangenheit.

Sprecher 4: Die Bauministerin ist zuversichtlich. Letzte Frage an die Sozialdemokratin Clara Geiwitz. Ihr Nachbar in Potsdam ist ja der Bundeskanzler. Nicht direkter Nachbar, aber zumindest Potsdamer Bürger.

Sprecher 5: Mein Nachbar ist eine sehr gute Fleischerei.

Sprecher 4: Auch wichtig. Vielleicht sogar noch wichtiger als der Bundeskanzler direkt nebenan.

Sprecher 5: Für unterschiedliche Sachen im Leben unterschiedlich praktisch.

Sprecher 4: Und Sie als Vertraute des Kanzlers, was macht Sie zuversichtlich, dass er aus dem Umfrageloch wieder rauskommt?

Sprecher 5: Die Zuversicht von Olaf Scholz.

Sprecher 4: Vielen Dank, Frau Geiwitz.

Sprecher 6: Jetzt kommt die kleine, aber feine, famose, grandiose, sensationelle, superschnelle Fastnacht in Franken 2024. Viel Spaß!

Sprecher 2: Ja, und nun habe ich auch einen kleinen Nachtisch für Sie kredenzt. Der Nachtisch ist die Nachricht, die Sie mit einem Lächeln in den Tag entlassen soll. Und da habe ich heute für Sie einen Bayern, den Sie so preußisch garantiert noch nie gesehen haben. Der hat sich beim Fasching in Veitshöchheim, einer Gemeinde in der Nähe von Würzburg, also in Unterfranken, verkleidet als Reichskanzler von Bismarck. Beim Wort Kanzler merken wir natürlich sofort auf und erinnern uns an all die Sätze, die er schon mal gesagt hat, wie zum Beispiel, mein Platz ist in Bayern. Und dann wollte er doch nach Berlin. Interessant insbesondere das Zitat von Söder bei dieser Abendveranstaltung. Er bezieht sich auf den Titan der CSU, Franz Josef Strauß, und sagt, Strauß hat immer gesagt, in schweren Zeiten müssen die Bayern die letzten Preußen sein. Und er lobt. Otto von Bismarck mit den Worten, er habe eine Bündnispolitik betrieben, die am Ende dazu geführt hat, dass Deutschland nicht isoliert war. Wir möchten Markus Söder viele Fragen stellen. Zum Beispiel, mit wem er Bündnisse schließen soll. Damit Deutschland nicht isoliert ist. Was heißt das für die Russland-Politik der CSU? Was hat er als Kanzler vor? Welche Bündnisse möchte er schließen, von denen wir jetzt noch gar nichts ahnen? Und insgesamt zeigt die Sache natürlich die Kanzlerkandidatenfrage, von der die CDU und insbesondere Friedrich Merz wollen, dass sie nicht noch einmal wie 2021 die Union zerreißt, ist wieder offen. Und das Schöne an der Sache ist, dass offene Fragen ja auch viel Gutes haben, wenn auch in dem Fall nicht für Friedrich Merz.

Sprecher 7: Das war es für dieses Jahr aus Pfalz-Höckheim, dem Mittelpunkt Europas.

Sprecher 2: Wenn Sie Fragen haben, liebe Hörerinnen und Hörer, schreiben Sie uns an chefredaktion.table.media. Sie können uns dort auch loben oder kritisieren, Themenvorschläge machen oder alles andere loswerden, was Sie auf dem Herzen haben. Wir sind morgen wieder für Sie da. Und jetzt wünsche ich Ihnen alles Gute. Arbeiten Sie bitte nicht zu viel. Das Leben hat so viel anderes zu bieten. Ihre Helene Bubrowski.

Sprecher 7: Denken Sie immer daran, meine Damen und Herren, was wichtig ist. Denken Sie immer daran, wenn irgendwann auf der Welt der Spaß vorbei ist und wenn wir nicht aufpassen, kann das schneller passieren, als uns lieb ist. Dann ist das, was wir am dringendsten brauchen, der Humor. Nur eins sollte der Humor niemals haben, nämlich Feierabend.

Sprecher 8: Heute bleibt die Zeit mal stehen, keiner will nach Hause gehen, jeder ist von König und Geltacht. Heute wird getanzt, gesungen, die Nacht ist gelungen.

Sprecher 9: Heute wird's bis morgen durchgemacht. Bei uns in Thaler ist die Stimmung riesengroß. Da ist bestimmt noch ein paar Stunden lang beinahe der Teufel los. Feierabend, wir machen lange noch den Feierabend. Bei uns gibt's heute keine Feierabend. Denn morgen machen wir blau, blau, blau. Keinen Feierabend. Wir machen wirklich morgen Feierabend. Und deine kleinen Sorgen sind vergessen. Und denn heute ist es so schön. Lass die Gläser hellen klingen, eugen wir den Lust bezwingen. Wir sind uns gleich noch einer ein.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama. Keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.