Zahlen Reiche mit einem CDU-Kanzler weniger Steuern, Herr Linnemann?
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wird konkreter, was die Reform-Agenda seiner Partei angeht. Das Bürgergeld in der bisherigen Form soll abgeschafft werden. Allein schon den Begriff 'Bürgergeld' hält Linnemann für falsch. Auch eine große Steuerreform soll im neuen Grundsatzprogramm einen Platz finden. Um mehrere Milliarden sollen Steuerzahler entlassen werden.
Zum Auftreten von Parteichef Friedrich Merz sagt Linnemann: "Friedrich Merz performt immer besser." Merz müsse zuspitzen, das sei seine Aufgabe als Oppositionsführer. Gleichzeitig müsse Merz auch zeigen, dass er als möglicher Kanzler dieses Land führen könne.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Table Today, der Podcast mit Erkenntnisgewinn für Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, und einem pickepackevollen Programm heute. Wir reden mit dem CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann mitten in der Haushaltswoche über sein Reformprogramm für Deutschland.
Sprecher 3: Wir werden eine große Sozialstaatsreform machen und ein neues System schaffen. Wo wir wirklich diejenigen unterstützen, die Hilfe brauchen. Und auf der anderen Seite muss jeder, der arbeiten kann und Sozialleistungen beziehen könnte, diese nicht bezieht, sondern auch arbeiten.
Sprecher 2: Außerdem im Nachtisch geht es um die Spielwarenmesse und warum sie gerade für Erwachsene richtig viel zu bieten hat. Und zu Beginn natürlich ein aktueller Schlagabtausch, Gespräch, Diskurs, nennen Sie wie es wollen, mit Helene Bubrowski. Schönen guten Tag, Helene.
Sprecher 4: Hallo Michael, ich freue mich drauf.
Sprecher 2: Helene, wir reden über den Mann, der diese Woche im Bundestag nicht spricht, aber über den doch gerade viele sprechen, nämlich Friedrich Merz.
Sprecher 4: Das überrascht mich jetzt.
Sprecher 2: Ja, aber es gibt ein aktuelles Politiker-Ranking und da tauscht er mit Olaf Scholz die Plätze. Von 12 hoch auf 9, erstmals in den Top 10, Olaf Scholz runter auf Platz 12. Friedrich Merz, der scheinbar so Unbeliebte. Steigt in der Popularitätsskala. Was ist deine Analyse dazu?
Sprecher 4: Hauptgrund dafür, dass die CDU und auch Friedrich Merz insgesamt so gut dastehen, ist die schlechte Performance der Ampel. Also es ist halt in der Tat nicht schwer, in der Opposition zu glänzen. Wenn die Regierung ein derart schlechtes Bild abgibt. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass die Arbeit insgesamt generell schlecht ist, aber die Wahrnehmung der Öffentlichkeit ist halt, dass diese Regierung nicht richtig funktioniert, nicht zur Einigung findet. Insofern war ja lange im Grunde die Erwartung, die CDU müsste noch viel besser dastehen, als sie dasteht, weil es ja eine... Gemähte Wiese ist, wie man in Bayern sagen würde. Aber das hat nicht so richtig funktioniert, weil Friedrich Merz am Ende nicht richtig gut ankommt, weil ihm die Wärme fehlt.
Sprecher 5: Dass sie ihre Söhne, die kleinen Paschas, da mal etwas zurechtweisen. Da fängt es an.
Sprecher 4: Weil er zu viele Entgleisungen hat.
Sprecher 5: Die sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine.
Sprecher 4: Weil er zu oft... sich nicht richtig im Griff hatte, kann man auch sagen.
Sprecher 5: Und damit auch deutlich machen, dass wir wirklich eine Alternative für Deutschland mit Substanz sind. Und das werden wir zeigen.
Sprecher 4: Jetzt ändert sich die Lage interessant. Trotzdem würde ich immer noch sagen, die CDU, die programmatisch nachgearbeitet hat, hat immer noch einen Weg zu gehen.
Sprecher 2: Ja, Friedrich Merz ist zugewandter, versucht in seinen Auftritten auf der Meta-Ebene zu bleiben oder zu sein, wo eigentlich ein Parteichef hingehört und überlässt Carsten Lindemann, mit dem wir ja nachher reden, so ein bisschen die Abteilung Attacke. Und es tut Merz gut, sowohl bei Karin Mioska als auch bei der Trauerpfeife, seinen persönlichen Freund Wolfgang Schäuble, erlebte man einen neuen Merz, einen besonderen, ruhigeren, ja fast freundlichen.
Sprecher 5: Über die letzten 30 Jahre ist zwischen Wolfgang Schäuble und mir eine tiefe und vertrauensvolle... Freundschaften entstanden. Wir haben nur ein einziges Mal richtig Streit miteinander gehabt. Und das war, ich werde den Tag nicht vergessen, am 12. Mai 2012. An diesem Tag gewann meine Mannschaft, Borussia Dortmund, gegen seine Mannschaft, Bayern München, mit 5 zu 2 den DFB-Pokal. Wir haben über dieses Spiel nie wieder gesprochen.
Sprecher 2: Was viele aus der Union oder aus der Ampel im alltäglichen Doing nicht so kennen, denn der kann ja ganz schön garstig sein. Also Friedrich Merz weiß, dass es nur an ihm selbst liegt, ob er Kanzlerkandidat wird oder nicht. Und das spürt man jetzt, wenn der Mann, und so hat es jüngst ein CDU-Kenner zu uns gesagt, wenn der Mann keine Silberlöffel klaut. und keinen großen Fehler mehr begeht, ist er im Spätsommer, Ende September, Kanzlerkandidat.
Sprecher 4: Er ist eindeutig in der Pole Position und trotzdem gibt es in der CDU natürlich immer noch viele offene Fragen. Das ist das Problem, dass sich Friedrich Merz nicht sicher sein kann, am Ende die Partei geschlossen hinter sich zu haben. Das ist damals das Schicksal von Armin Laschet gewesen, dass ihm zu viele von der Fahne gegangen sind, dass es natürlich sowieso mit der CSU unklar war. Man will jetzt in der CDU aus den Fehlern von 2021 lernen und es anders machen, aber ob es gelingt, man weiß es nicht. Denn Friedrich Merz hat viele, die schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht haben in der eigenen Partei. Natürlich wird auch diese Wahlkampfzeiten sind immer Zeiten, in denen wirklich mit viel Schmutz geworfen wird. Und da ist absolut zu erwarten, dass wieder Videos rausgekramt werden, in denen Friedrich Merz diese frauenfeindlichen Witze gemacht hat, damals über AKK, wo er irgendwelche unklaren Äußerungen bei der AfD gemacht hat, die er später zwar eingefangen hat, aber was dann wieder nicht gesendet wird. Also dieses Negativ-Campaigning, darauf muss sich Friedrich Merz einstellen. Und die Frage ist, ob er das mit hinreichender Souveränität nehmen wird oder ob er sich in die beleidigte Ecke zurückzieht, was dann dazu führt, dass er einfach kein ansprechender Kandidat wäre.
Sprecher 2: Jedenfalls können sich die Menschen dort draußen, die Berufstätigen in den Landeshauptstädten oder in Berlin darauf einstellen, dass dieser Mann Kanzlerkandidat wird und damit auch das, wofür er steht, sein Programm sich deutlich... Wiederfindet im Grundsatzprogramm und damit auch im Bundestagswahlprogramm. Ich glaube, auch Lars Klingbeil hat sich darauf eingestellt. Und das, was du gerade gesagt hast, es wird eine harte Kampagne gegen Merz geben. Wir werden sehr viel nochmal von Blackrock lesen und seinem Privatjet. Und dieses halbe Jahr echter harter Wahlkampf nächstes Jahr, der wird dann wahrscheinlich auch sehr schmutzig. Aber ich glaube, man muss heute im Januar, Mitte Januar des Jahres sagen, an Friedrich Merz führt kein Weg mehr vorbei. Er hat verstanden, dass er innerhalb der CDU die Bündnisse schließen muss, bevor er zu Markus Söder geht. Und erstaunlich, diese Woche im Präsidium, Daniel Günther, der Antipode des konservativen Friedrich Merz, hat sich in der informellen Präsidiumssitzung sehr positiv, sehr wohlwollend geäußert zu Friedrich Merz. Und das haben natürlich auch viele so verstanden, wie es zu verstehen war. Wir stehen hinter dir, auch wenn wir eigentlich dabei die Faust in der Tasche ballen.
Sprecher 4: In der Tasche die Faust ballen, so ist es sicherlich bei vielen. Dann die Frage ist, ob die Frau es dann irgendwann doch wieder rausgezogen wird. Das weiß man nicht. Anderthalb Jahre sind in der Politik eine enorm lange Zeit. Aber in der Tat ist es ja so, dass schon vor Monaten, als Friedrich Merz noch auf unsichererem Boden stand, hörte man aus der CDU, auch aus den Ländern unisono, Friedrich Merz ist nur dann zu verhindern, so haben es seine Kritiker gesagt, wenn sich alle anderen einig sind. Wenn sich alle anderen auf einen anderen Kandidaten verständigen. Da war Henrik Wüst im Gespräch. Das hätte man längst einfädeln müssen. Das ist nicht passiert. Insofern aus der Lethargie, aus der Unsicherheit, man weiß es nicht genau, aus der Alternativlosigkeit vielleicht auch, ist Friedrich Merz mutmaßlich der Mann der CDU, der Mann der Union, wenn nicht Markus Söder doch mal wieder entscheidet, dass sein Platz eben doch nicht nur in Bayern ist. Viele Fragen sind noch offen. Wir sollten uns nicht zu sehr festlegen, sonst müssen wir uns wieder berichtigen.
Sprecher 2: Mein Zwischenfazit bleibt, März ist fast uneinholbar vorne und wir werden das ganz genau beobachten. Ich finde interessant, Helene, dass er jetzt Außenministertermine wahrnehmen möchte. Er plant gerade eine USA-Reise, offenbar auch noch eine europäische Auslandsreise, um zu zeigen, ich bin auf der Höhe eines Kanzlers, ich mache jetzt Außenministertermine. Im Élysée war er bereits und das ist gut gelungen. Er hat die Bilder im Élysée-Palast mit Macron gehabt. Ich glaube, da ist jetzt die Arbeitsteilung in der CDU klar. Lindemann macht die harten innenpolitischen Attacken. Merz schwebt über den Dingen, versucht Fehler zu vermeiden. Und das ist so ein bisschen die Analyse jetzt hier an diesem Tag überraschend deutlich.
Sprecher 4: Wenn es eine Lehre gibt, dass sich die CDU und die CSU nicht gegenseitig zerlegen dürfen, denn dann werden sie die Wahl auf gar keinen Fall gewinnen. Und damit wäre Michael Bülkers These von heute, 31. Januar, widerlegt. Was auch interessant wäre.
Sprecher 2: Ich merke und spüre, du hättest eine gewisse Freude daran.
Sprecher 4: Ein bisschen sportlich muss man das hier auch betreiben.
Sprecher 2: Helene, read my lips. It's not gonna happen. Über den möglichen CDU-Kanzlerkandidaten haben wir gesprochen. Jetzt wollen wir wissen, was stände denn drin in einem Bundestagswahlprogramm der CDU? Und dafür ist einer verantwortlich, der jetzt hier bei uns am Tisch Platz genommen hat, hier im Podcaststudio. Carsten Linnemann, CDU-Generalsekretär, verantwortlich fürs neue Grundsatzprogramm und auch der Mann, der still und heimlich bereits mögliche Kampagnen für die Bundestagswahl vorbereitet. Einen schönen guten Tag, Carsten Linnemann.
Sprecher 3: Danke, Herr Brücker, für die Einladung.
Sprecher 2: Die CDU stabil über 30 Prozent. Ist das jetzt ein Pro-März-Swing, den wir da erleben, oder ist das der Frust über die Scholz-Regierung?
Sprecher 3: Beides. Der Frust geht ja mitten ins Mark. Es geht immer tiefer, weil die Leute das Gefühl haben, der lebt in einer ganz anderen Welt. Der weiß gar nicht, was auf der Straße beim Friseur im Supermarkt los ist. Und auf der anderen Seite performt Friedrich Merz immer besser. Und das sagen mir auch viele, weil sie das Gefühl haben, dass er in der Oppositionsrolle nicht nur jetzt angekommen ist, sondern schon seit einiger Zeit. Und er auch zuspitzen kann und muss und gleichzeitig aber ausgleichen wirken sollte. Und genau diese Balance schafft er.
Sprecher 2: Wir haben einen neuen März erlebt vielleicht, etwas zugewandter, besonnener, ruhiger bei Karin Mioska. Ist das Strategie oder erleben wir jetzt gerade den wahren Friedrich Merz?
Sprecher 3: Ich sage das ja schon seit Monaten, dass es oftmals eine andere veröffentlichte Wahrnehmung gibt. Als die Menschen wahrnehmen, wenn sie mit ihm zu tun haben. Und das war ein Format, wo man auch mal eine halbe Stunde ausreden konnte und wo man den Menschen Friedrich Merz kennenlernen konnte. Und das war ein tolles Format, passte auch zu ihm und deswegen fand ich das richtig klasse.
Sprecher 2: Also eigentlich ist er ein lieber, netter Kerl und das Image ist völlig falsch.
Sprecher 3: Was heißt, das Image ist völlig falsch? Also ich glaube, bei uns muss mal ankommen, dass wir in der Opposition sind. Ich glaube, wenn er Ministerpräsident wäre, würde er wahrscheinlich solche Reden nicht halten im Landtag. Er muss solche Reden, finde ich, halten, auch im Bundestag, auch zu Spitzen. Und gleichzeitig auch zeigen, dass er als möglicher Kanzler dieses Land führen kann. Also all das, was Olaf Scholz nicht hat. Olaf Scholz hat keinen Plan. Friedrich Merz hat einen Plan. Und genau das müssen wir rüberbringen und das schaffen wir mehr und mehr.
Sprecher 2: Dann lassen Sie uns darüber reden. Sie versuchen etwas, was in der CDU ungewöhnlich ist, zumindest unter den 16 Jahren Angela Merkel, nämlich eine Art Programmpartei zu werden, wo es auf die Inhalte ankommt und nicht nur auf die Persönlichkeit. Lassen Sie uns über zwei Inhalte reden, die in den Themen der Union in den letzten Wochen immer wieder aufkommen, Finanzpolitik und Bürgergeld. Zunächst die Frage Bürgergeld. Wenn die CDU regiert, wollen sie es abschaffen, richtig? Oder reformieren?
Sprecher 3: Nein, das Bürgergeld in dieser Form werden wir abschaffen. Wir werden eine große Sozialstaatsreform machen und ein neues System schaffen, wo wir wirklich... diejenigen unterstützen, die Hilfe brauchen, vielleicht noch mehr als heute. Und auf der anderen Seite muss jeder, der arbeiten kann und Sozialleistungen beziehen könnte, diese nicht beziehen, sondern auch arbeiten.
Sprecher 2: Machen Sie es konkret. Gehen die Zahlen runter, also die Regelsätze oder werden die Sanktionen nach oben geschraubt? Wie die Definition, was arbeitsfähig verändert, was wäre Ihr Wunsch? Sie kennen sich bei dem Thema ja aus.
Sprecher 3: Erstens würde ich die Vermögensprüfung ab dem ersten Tag wieder einführen. Die ist ad acta gelegt. Also es bekommen Menschen Bürgergeld, die eigentlich abgesichert sind. Das geht nicht. Zweitens würde ich einen klaren Vermittlungsvorrang machen. Jeder, der nicht nach drei bis sechs Monaten einen Job hat, muss mit harten Kürzungen rechnen. Es gibt ja auch Experten wie Rainer Schlegel, die diese Woche in der FAZ gesagt haben, dass wir viel stärker sanktionieren können, ohne das Grundgesetz zu ändern. Wir müssen am Ende des Tages ein System schaffen, finde ich, ähnlich wie Dänemark. Ich habe mir verschiedene Systeme... Angeschaut in Europa, aber auch in Japan. Das in Dänemark finde ich am besten, wo man spätestens nach sechs Monaten einen Job angenommen haben muss. Vorher ist auch Zeit für Weiterbildung, für vieles mehr, aber spätestens nach sechs Monaten muss man arbeiten, wenn man denn kann. Und da müssen wir hin und diese Sozialstaatsreform plant die CDU. Wir werden Mitte März das Programm vorstellen. Natürlich nicht bis ins letzte Detail, aber auf zwei, drei Seiten mal aufschreiben, wie wir uns das denn vorstellen.
Sprecher 2: Sie unterstellen einer großen Zahl von Bürgergeldempfängern, dass sie nicht arbeiten wollen. Das ist die zentrale Frage. Vorwurf auch der Linken, links der Mitte, die Ihnen gemacht wird. Warum dieses Misstrauen und woher begründen Sie das, dass das so viele sind, die eigentlich arbeiten könnten?
Sprecher 3: Also erstmal mache ich den Menschen gar keinen Vorwurf, Herr Brücker. Ich glaube, wir beide würden es vielleicht auch machen. Die Menschen verhalten sich ja zum Teil nur rational.
Sprecher 2: Ohne Arbeit wären wir doch gar nichts, könnten wir doch gar nicht leben.
Sprecher 3: Genau, Arbeit ist eigentlich sinnstiftend, etwas sehr Positives, aber es gibt den einen oder anderen, der sagt, ich nehme das Bürgergeld, vielleicht arbeite ich nebenbei noch schwarz oder ich arbeite hinzu und die ersten 100 Euro kann ich ja eins zu eins behalten. Also man verhält sich da rational. Fakt ist, dass wir durch Gespräche wissen, auch... Mit Jobcentern, Vertretern und anderen, dass es einen gewissen Teil gibt, Ich würde sagen, es geht in die Hunderttausende rein, die eigentlich arbeiten könnten, es aber nicht tun und das System ausnutzen.
Sprecher 2: Und wie will man die gezielt dann da reinbekommen, indem man was genau macht? Indem man sagt, notfalls nehmt ihr eine gemeinnützige Arbeit, selbst wenn das Matching nicht funktioniert. Wie kriegt man die in Arbeit?
Sprecher 3: Ja, mit der gemeinnützigen Arbeit, das ist so eine Sache. Da habe ich auch meine Meinung etwas geändert. Das können Sie nicht verpflichtend machen, wenn die Kommune es nicht will. Die Kommune muss es unterstützen. In dem Moment, wo die Kommune sagt, wir haben zwei, drei Jobs, die wir anbieten im gemeinnützigen Bereich, können Sie das alternativ anbieten. Aber ich würde es jetzt nicht flächendeckend verpflichtend machen. Entscheidend ist, dass wenn es eine zumutbare Arbeit gibt, diese angenommen werden muss. bekommt man keine Sozialleistungen. Also es muss niemand arbeiten in Deutschland. Aber wenn ich Sozialleistungen erhalte und arbeiten kann, dann kann ich nicht davon ausgehen, dass das andere dafür bezahlen.
Sprecher 2: Sie könnten ja auch das Problem der Leistungsanreize gerade in diesem Niedriglohnsektor auflösen, indem Sie höhere Löhne im Niedriglohnsektor versuchen durchzusetzen. Tarifeinheit, das ist die Antwort der Sozialdemokratie auf dieses Problem, dass gerade an der Grenze Menschen mit niedrigem Einkommen zu schnell oder zu nah an der Bürgergeldgrenze sind. Man könnte also auch von oben an das Thema rangehen.
Sprecher 3: Ja, das könnte man. Das Problem ist nur in Deutschland, dass wir Familien sehr stark unterstützen als Sozialstaat, was auch richtig ist. Nur, wenn Sie das machen, dann sehen Sie, am Kieler Institut haben die das mal ausgerechnet, nach den jetzigen Bürgergeldleistungen müsstest du bei einer Familie mit zwei Kindern, was ja nicht unnormal ist, 19 Euro Mindestlohn haben. Bei einer Familie mit drei Kindern 23, 24 Euro. Ich sage mal, selbst in der Gießerei verdiene ich das nicht. Und dafür ist die Tarifautonomie da, dass die Löhne festsetzen, die so sind, dass ich keine Kollateralschäden erlebe. Und deshalb, glaube ich, ist der wichtige Ansatz, dass wir ein Sozialsystem schaffen, das wieder für diejenigen da ist, die wirklich Hilfe brauchen und nicht für andere.
Sprecher 2: Würden Sie den Namen Bürgergeld belassen?
Sprecher 3: Nein, das ist ja irre, der Name. Also versuchen Sie mal im Ausland das Bürgergeld zu erklären, irgendwie People's Money oder... Also es ist ja eigentlich... Eine Vorstufe zum bedingungslosen Grundeinkommen. Also es suggeriert ja, dass es jedem Bürger zusteht.
Sprecher 2: Die Alternative wäre?
Sprecher 3: Weiß nicht, der Arbeitstitel wäre für mich Grundsicherung. Das wäre eigentlich der Begriff, der es richtig ausdrückt, wie es dann am Ende heißt, muss man sehen.
Sprecher 2: Ist so eine Reform des Bürgergelds für Sie eine Koalitionsbedingung?
Sprecher 3: Ja.
Sprecher 2: Ein zweites Thema noch für die Programmpartei CDU. Wie sehr traut sich die CDU, CSU im Bundestagswahlkampf eine echte große Steuerreform zu?
Sprecher 3: Also ich finde mit Friedrich Merz an der Spitze, der wie kein anderer Politiker für das Thema Steuern steht und jetzt auch die Möglichkeit hat, wenn wir denn wieder regieren, hier wirklich auch zu zeigen, dass wir es können, sollten wir das Thema nicht liegen lassen, sondern es auf die Agenda heben. Ich meine, das Hauptproblem, wir reden sehr viel über die Leistungsempfänger. Und auf der anderen Seite über die ganz Reichen. Aber diese Mittelschicht ist außen vor und die bezahlen irgendwie alles. Und wenn wir da als CDU es nicht schaffen, die mal in den Mittelpunkt zu rücken, haben auch wir ein Legitimationsproblem, an der Spitze eines Landes zu stehen und zu sagen, wir wollen die Probleme hier lösen. Und deswegen ist das für mich eines der Top-5-Themen, eine Steuerreform in Deutschland, die die Mitte entlastet.
Sprecher 2: Die Grundsatzprogramm Fachkommission Steuern und Wohlstand hatte ein Konzept erarbeitet, bei dem der Mittelstandsbauch weitgehend abgeflacht wird, die Einkommenssteuer, die Spitzensteuer später greifen soll, dies aber dann gegenfinanziert wird bei einem höheren Spitzensteuersatz für die ganz, ganz, ganz guten Großverdiener. Das ist Stand jetzt abgeräumt. Alle sollen entlastet werden. Werden, richtig?
Sprecher 3: Also man muss ehrlich sein, man kann nie etwas oben gegenfinanzieren. Also da können Sie die Steuern noch so stark anheben, das können Sie nicht gegenfinanzieren, weil unten die Entlastung beim Mittelstandsbauch, da reden Sie immer über 20, 30, 40 Milliarden Euro per Anwender.
Sprecher 2: 35 Milliarden Euro wäre der Mittelstandsbauch, laut Schätzungen des Instituts der Wirtschaft.
Sprecher 3: Genau, so viel können Sie oben gar nicht erhöhen. Nein, das Problem ist einfach, in dem Moment, wo Sie den Spitzensteuersatz später greifen lassen, nicht wie jetzt bei 63.000 zu versteuernden Bruttoeinkommen, sondern bei 80.000 oder 100.000, entlasten Sie natürlich diejenigen, die sehr viel verdienen, auch überproportional. Deswegen ist es eigentlich egal, ob dann der Spitzensteuer bei 42, 43 oder 44 liegt, sie entlasten am Ende praktisch alle. Aber entscheidend ist für uns, dass wir mal auch klar machen, dass wenn man Steuern senkt, dass das ja auch einen Wachstumsschub gibt, dass sich Arbeit wieder lohnt, dass sich Leistung lohnt. Wir denken immer nur, dann sind 20 Milliarden weg oder 30 Milliarden. Dieses Land muss mal wieder wachsen. Wenn wir in diesem Jahr so wachsen würden wie im Durchschnitt der EU, dann hätten wir schon 20, 30 Milliarden mehr in Steuern.
Sprecher 2: Machen Sie es konkret. Ab wann ist man laut Carsten Lindemann ein Spitzenverdiener und sollte die 42% Spitzensteuersatz zahlen?
Sprecher 3: Also wenn wir es finanzieren können, fände ich gut, wenn wir auf 100.000 Euro gehen, dass man erst ab 100.000 Euro 42 Prozent zahlt.
Sprecher 2: Das sind 20, 30 Milliarden Euro Steuerminderung.
Sprecher 3: Ja, Sie haben mich ja gefragt und ich habe geantwortet.
Sprecher 2: Und dann würden Sie nirgendwo an keiner Stelle im deutschen Steuersystem mehr Einnahmen versuchen zu erzeugen, zum Beispiel über die Erbschaftssteuer?
Sprecher 3: Bei der Erbschaftssteuer würde ich höllisch aufpassen, weil es gibt kaum noch Mittelständler, die heute sagen, ich will mein Unternehmen in die nächste Generation übergeben. Letztens sagte Metzgermeister zu mir, er sei froh, dass er seinen Laden abschließen konnte. Und er sei noch froher, dass seine Kinder jetzt was anderes machen. Wenn das Deutschland ist, dann gute Nacht. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir unseren Wirtschaftsstandort als Kraftzentrum unseres Wachstums nicht verlieren. Und deswegen sollte alles unterlassen werden, was dem Wirtschaftsstandort Deutschland schadet. Auch Debatten über eine Erbschaftssteuer.
Sprecher 2: Vielen Dank für das Gespräch.
Sprecher 3: Danke Ihnen.
Sprecher 2: Zum Nachtisch entführe ich Sie in eine Welt, die uns alle das Lächeln aufs Gesicht zaubert, nämlich die Welt der Spiele. Und nein, vergessen Sie es, es geht hier nicht um das Kinderzimmer Ihrer Kinder, sondern es geht um uns, um uns Erwachsene. Denn der Trend der Spielwarenmesse 2024 ist Kidstars, Kidgirls oder auch Arfols. Sie wissen nicht, was das ist? Naja, das sind die Erwachsenen, die für ihr Leben gerne die Spiele der Kinder spielen oder überhaupt spielen. Und da ist die gute Nachricht doch. Smartphones sind out, Brettspiele sind in. Brettspiele sind einfach unkaputtbar, trotz aller Computerspiele, die die Realität in der virtuellen Welt noch besser nachzeichnen. Die Brettspiele sind es, die uns glücklich machen. Wir zu Hause, wir spielen mit den Kindern immer noch gerne Monopoly oder Hotel oder auch mal Rettet die Wale. Es macht einen Heidenspaß. Und auf der Spielemesse 2024 ist das jetzt das Motto. Life's a Playground heißt es und es hat eigentlich auch einen Ansatz für Sie da draußen als Führungskräfte, als Abteilungsleiter. Bringen Sie doch mal die Lego-Steine in Ihre Konferenzen, in Ihre Design-Thinking-Labore. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter miteinander spielen. Werden Sie wieder kreativ. So kommen Sie zu ganz anderen Eindrücken und auch Ideen. Die ganze Welt ist am Ende doch ein Spielzimmer. Was für eine schöne Botschaft dieser Spielwarenmesse. 2024. Und wie heißt es so schön? Wir sollten das Kind in uns bewahren. Vielleicht gilt das gerade auch für uns, die wir in der Rush-Hour unseres beruflichen Alltags manchmal nicht mehr wissen, wo links und rechts und oben und unten ist. Kramen wir das Kind mal wieder raus und wer weiß, ob das eine oder andere Meeting nicht wirklich kreativ endet. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Kindsein und noch einen wunderschönen Tag. Ich freue mich wie immer über Feedback an Chefredaktion at Table Media oder eine Bewertung bei Apple oder Spotify auf dem Podcastkanal Ihres Vertrauens. Wir sehen uns hier wieder morgen dann mit dem Bundesinnenminister, Bundesverteidigungsminister, ade, Thomas de Maizière. Bis dahin, Ihr Michael Bröker.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 6: Hey, kennst du schon den Podcast Ton? Das größte Charity-Event der Welt ermöglicht durch Podcasts. Jeden März geben tausende Podcasterinnen und Podcaster gemeinnützigen Organisationen eine Stimme und gemeinsam entsteht eine riesige Welle inspirierender Geschichten. Kein Fundraising, kein Druck, nur die Kraft des Podcasts. Im Einsatz von Projekten und Initiativen, die mehr Sichtbarkeit verdienen. Besuche jetzt podcasthohn.org und sei dabei. Podcast HON.org