Droht jetzt ein Krieg in Taiwan, Felix Lee?
Die Menschen in Taiwan haben am Wochenende eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich von der großen Supermacht China nicht einschüchtern lassen: Taiwan hat gewählt und sich für die Freiheit entschieden. Der bisherige Vizepräsident und Verfechter der Unabhängigkeit Taiwans, Lai Ching-te, hat die Präsidentschaftswahl gewonnen.
China hatte versucht, den Wahlausgang über soziale Medien zu beeinflussen. Immer wieder sind auch chinesische Militärflugzeuge in den taiwanesischen Luftraum eingedrungen.
Wie wird China nun reagieren? Wie groß ist die Gefahr eines Krieges? Diese Fragen beantwortet Table.Media-Redakteur Felix Lee. Er ist verantwortlich für den Newsletter „China.Table“, der jeden Wochentag erscheint.
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Transkript
Sprecher: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski. Tag 2 hier in unserem neuen Table Today Podcast, dem Daily News Podcast, der tiefer eintaucht in die Themen des Tages. Es ist Dienstag, der 16. Januar und wir haben heute wieder einiges für Sie vorbereitet. Unter anderem nimmt Felix Lee hier Platz an unserem runden Tisch, der China-Experte bei uns in der Table Media Redaktion. Und zum Nachtisch verrate ich Ihnen, warum Sie länger leben können, wenn Sie sich jünger fühlen. Ich bin Michael Bröker und wie gewohnt zum Auftakt natürlich nicht alleine für Sie da an meiner Seite. Dr. Helene Bubrowski, schön, dass du wieder dabei bist. Ach Gott, Michael, hallo. Es ist so schade, dass mein Doktor nicht ein Doktor Agri ist, ein Doktor der Landwirtschaft, was man heute gut gebrauchen könnte an diesem Tag. Aber ganz toll, ich bin so beschwingt und gut gelaunt an diesem Tag 2. Du auch? Ja, wir sind gestartet mit dem Podcast und bedanken uns hier an dieser Stelle schon einmal für das großartige Feedback. Wir werden alle Anregungen und Ideen selbstverständlich mit aufnehmen. Dieser Podcast, und das ist vielleicht die allerwichtigste Nachricht, ist und bleibt kostenfrei. Und Ihre inhaltlichen Anregungen, die nehmen wir natürlich selbstverständlich gerne mit. Tag 2, Table Today, jeden Tag um 6 Uhr. Wir beide im Gespräch als erstes.Ab 6 Uhr. Es gab Menschen, die gesagt haben, oh, um 6 Uhr bin ich noch gar nicht wach. Macht nichts. Die gibt es. Aber man kann den Podcast auch später tatsächlich noch hören. Deswegen heißt der Table Today und nicht Table... Morning. Morning, genau. Ich freue mich und sie hat natürlich recht, unsere Juristin. Wir müssen über die neuen Pflegekräfte in Deutschland reden, die für die es Applaus gibt, die an dessen Seite jetzt alle stehen wollen, die Bauern. Und warum stehen so viele hinter uns? Für diese Agrardiesel, Steuerbefreiung, nicht das Thema. Sie stehen deshalb hinter uns, weil sie auch der Meinung sind, dass sich in der Politik was ändern muss. Die Politik muss raus aus der Berliner Blase, hin zu Bürgerinnen und Bürgern, hin zu Feuerinnen und Bauern. Ich kann Ihnen heute nicht mehr staatliche Hilfe versprechen aus dem Bundeshaushalt. Aber wir können gemeinsam dafür streiten, dass sie wieder mehr Freiheit und wieder mehr Vertrauen für ihre Arbeit erhalten. Und das wäre eine Chance in dieser Lage, die man nicht ausschlagen sollte. Eigentlich erstaunlich, mit den Bahnstreiks hat man so wenig Sympathien und die Bauern haben übergroße Zustimmung.in der Bevölkerung. Dabei haben sie mich doch ganz schön genervt. Klaus Weselski, dem fehlt die Mistgabel und der Trecker, weil man mag ihn irgendwie nicht. Aber die Bauern, man mag sie. Haben sie dir auch irgendwie ein Plakat gezeigt? Kamst du überhaupt zur Arbeit? Wie war es bei dir? Ich fahre ja immer mit dem Fahrrad und bin Straße des 17. Juni ungefähr zwölf Minuten an Bauern vorbeigefahren. Die in der Kälte des Morgens im leichten Schneeregen Berlins tatsächlich ganz lustig sich Eier gebraten haben auf Gaskochern und anderes, die auch teils freundlich gegrüßt haben. Allerdings war es schon auch eine aufgeheizte Stimmung. Also es kam sehr darauf an. Manches hatte so Volksfestcharakter, Musik. Andererseits waren dann auch irgendwie Fahnen und man weiß ja auch, das sind teilweise auch verfassungsfeindliche Symbole, Parolen zu lesen gewesen, die auch mindestens an der Grenze oder darüber hinaus sind. Also nicht sehr diskursiv, also Galgen und ähnliches ist auch zu sehen, wo ich finde, das ist dann schon jenseits dessen, was zu einem konstruktiven Diskurs gehört. Wir wollen trotzdem über die Solidarität reden. Christian Lindner war da, der Finanzminister hat gesprochen. Cem Özdemir macht, glaube ich, am Tag 13 Interviews, wo er die Solidarität mit den Bauern kommuniziert. Und naja, eine Million Menschen arbeiten in 270.000 landwirtschaftlichen Betrieben in diesem Land. Das sind 50 Milliarden Euro Umsatz. Warum beschäftigen uns die Bauern so besonders und haben sie recht mit ihrem Protest? Ist da eine andere Wahrnehmung in der Gesellschaft? Das will ich mit dir ergründen. Was glaubst du? Naja, die Bauern sind natürlich einerseits gibt es...Es ist eine gewisse Tradition von Bauern in Deutschland. Und zum anderen sind sie nicht nur irgendwie ein Wirtschaftszweig, wo man jetzt drauf schaut, was die jetzt zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, sondern natürlich ist Versorgungssicherheit, das wissen wir nicht zuletzt nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, elementar für... Deutschland für die Sicherheit der Menschen, die hier leben. Wir erinnern uns daran, als die Russen auf einmal die Häfen für ukrainisches Getreide gesperrt haben und die ganze Geschichte auf einmal ganz anders aussah. Man sich fragte, können wir uns eigentlich ernähren, wenn auf einmal noch ganz andere Dinge passieren, wenn wir auf einmal einen dritten Weltkrieg haben oder ähnliches. Natürlich hat es insofern etwas... Mit Souveränität zu tun. Und mit der Solidarität der Älteren in Deutschland, denn die Umfragen zeigen vor allem einen Rückhalt bei den Älteren. Und es liegt auch daran, dass es historisch gerade in den Nachkriegsjahren die Landwirte, die Bauern waren, die tatsächlich für unsere aller Existenz gesorgt haben. Wenn ich an die Rückkehrer denke, zum Beispiel mein Großvater aus dem Russland-Feldzug, wenn der nicht den einen oder anderen Bauern gehabt hätte auf dem Weg zurück, dann wäre er gar nicht angekommen. Also insofern ja, diese Solidarität für die Menschen, die uns das produzieren, was auf den Tisch kommt, die gibt es. Aber ich will mal den Kritiker geben, Helene. So ganz berechtigt sind diese Proteste nicht. Warum? Warum? Das wäre jetzt dein Einsatz gewesen. Ich habe zumindest mal mir sagen lassen, dass 40 Prozent der Einkünfte eines Bauern eigentlich staatliche Subventionen sind. Entweder aus Brüssel oder aus Berlin. Das ist dann natürlich zeitgleich.die Regularien drumherum, wie man nämlich staatliche Subventionen bekommt und ob man sie gerechtfertigterweise bekommt oder nicht, Bürokratie belastend sind, ist ja eigentlich logisch. Und jetzt klagen alle über zu viel Bürokratie. Naja, wenn die Hälfte meines Geschäfts als Kaufmann staatliche Subventionen sind, für die ich Formulare ausfüllen muss, kann ich mich nicht danach über die Bürokratie beklagen. Das mal als erster kleiner Punkt. Ja, darf ich direkt dazu was sagen? Heute als Anwältin der Bauern, also doch in meiner Rolle als Juristin, natürlich hat sich die Landwirtschaft in Deutschland dramatisch verändert. Also das Prinzip heißt Wachse oder Weiche. Du kannst als Bauer heute nur überleben, wenn du deinen Betrieb, der du sprachst gerade von Landwirtschaft der 50er Jahre, wo man ein paar Hühner, ein paar Schweine und ein paar Rinder hatte, mit sowas überlebst du heute nicht mehr, sondern die Betriebe sind... Das ist im Grunde eine industrielle Produktion. Ich habe mich da jetzt auch ein bisschen schlau gemacht. Es gibt die Betriebe, in denen die Sauen besamt werden, was man sich nicht als erotisches Abenteuer vorstellen darf. Dann gibt es den Betrieb für die Ferkelaufzucht, also die Geburt der Ferkel und die Aufzucht und dann die Endmasse, die schon kurz nach dem Kindesbein bei den Ferkeln anfängt. Das wird aufgeteilt. In der Milchproduktion ist jetzt erfunden worden, ein Laser, der die männlichen Spermien abtötet, damit nur noch Milchkühe auf die Welt kommen, weil man so viele männliche Rinder gar nicht gebrauchen kann. Also das Ganze ist ein hochindustrialisierter Zweig, der mit dieser romantischen Idee von Landwirtschaft gar nichts mehr zu tun hat. Und das wollen ja auch viele Bauern nicht, aber sie können schlicht nicht anders, weil sie ansonsten nicht mehr...Ist völlig richtig. Es gibt nicht den Bauern in Deutschland. Es gibt Milchbauern und Fleischbauern und Schweinebauern und dann gibt es Gemüsebauern und Biobauern. Und trotzdem ist ja die Frage, sind die Proteste berechtigt? Und da muss ich ganz ehrlich sagen, die Landwirtschaft ist teilweise schuld. Dass sie diese Stellung hat. Denn wer sich abhängig macht vom Staat, der ist dann auch abhängig von willkürlichen staatlichen Entscheidungen. Das ist ja nun mein Punkt. Das stimmt. Aber ich finde ja, und das ist mein Petitum ja schon seit langer Zeit, wir haben es ja in Deutschland mit einer Gesellschaft zu tun, wo alle Zweige immer unzufrieden sind. Du kannst ja überhaupt keine Subvention in Deutschland abbauen, du kannst keine Sozialleistung kürzen, weil jeder sofort sagt, das bedroht mein Existenzminimum, ich kann nicht mehr, es geht nicht. Gleichzeitig haben wir einen begrenzten Etat und im Grundgesetz steht die Schuldenbremse. Aber diese allgemeine, dieser reflexartige, nein, ich kann das auf gar keinen Fall tun, ist wirklich die komplett umgekehrte Idee von Kennedy zu sagen, was kannst du eigentlich für dein Land tun? Also diese Nehmermentalität, die Erwartungshaltung ist in Deutschland übermäßig groß. Und da kannst du wirklich, egal ob du die Lokführer oder Lehrer oder Bauern oder Hartz-IV-Empfänger, die jetzt heute Bürgergeldempfänger, ist es bei allen gleich. Jeder hat den Eindruck, er arbeitet zu viel und kriegt zu wenig Geld. Es lohnt sich alles nicht mehr. Das heißt nicht, dass im Einzelfall das nicht berechtigt ist. Und das ist bei bestimmten Gruppen. Wir haben gerade über die Bauern geredet, die es auch wirklich schwer haben und die häufig auch nicht den Respekt in der Gesellschaft haben.bekommen, also Sätze wie, was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht und all dieses, also diese ständigen auch Beleidigungen, die die hören müssen, das ist alles nicht schön und trotzdem finde ich einfach dieses Deutschland, das Volk der Jammerer, die nie genug kriegen, finde ich ein generelles Problem. Da werden wir bestimmt nochmal drüber reden, weil es wirklich, ich sage es bei jeder Gelegenheit und ich versuche es ja selber anders zu machen. Ich hoffe, das hast du schon gemerkt, Michael. Helene, du bist zum Glück ganz anders, nämlich viel differenzierter und trotzdem, was du gerade angesprochen hast, hat eine grüne Kollegin, mit der ich gestern sprach, selbstverständlich nur off the records gesagt, es gäbe eine genetische Jammerlapperei bei den Bauern. Ich weise das hiermit von mir, will nur sagen, es gibt auch diese Denke bei manchem Grünen. Und eine Sache muss ich dann doch mal für die Bauern sagen. Wenn natürlich drei Menschen zusammenkommen im Kanzleramt, Olaf Scholz, Robert Habeck und Christian Lindner, die alle nicht von Bauern gewählt werden mit ihren Parteien, und dann ein Drittel der Gesamtkürzungen, die Bauern tragen müssen, hat das eine Schieflage. Und dann ist es vielleicht auch unnötig. Ja, man muss beim Agrardiesel was machen, aber man hätte nicht gleich ein Drittel der Gesamtsumme bei den Bauern holen müssen und vielleicht nur ein Achtzigstel bei den eigenen parlamentarischen Bundesverwaltungen. Also insofern, da gab es eine Schieflage. Das muss man zugeben. Wie in der Pandemie, als die Entscheidungen im Kanzleramt von lauter Leuten getroffen wurden, die keine Kinder hatten. So ist es, Helene. Und das ist ein Sonderthema. Die kinderlosen Kanzler von Schröder, der keine eigenen hat übrigens, bis hin zu Angela Merkel, bis hin zu Olaf Scholz. Ich finde, das ist irgendwann auch nochmal ein Thema. Wir beide sind Familienväter und Mütter und Kinder.geplagt in der Bildungsbürokratie in Deutschland. Aber das ist ein anderes Thema. Wir wollen nicht jammern. Ach ja, stimmt, wir wollten nicht jammern. Wir wollen die Dinge von der positiven Seite sehen. Jetzt also der konstruktive Fazit dieser Bauernproteste. Ja, sie sind kein Weselski, danke dafür. Man hat Solidarität mit ihnen, aber irgendwann ist auch mal genug. Sie werden ihren Beitrag leisten müssen. Und welche Tierwohlabgabe und welche Flächenstilllegung und welche Düngeschutzmittel wirklich sind, ist ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess. Wir müssen... Erkennen, die Landwirtschaft, wie sie in den 50er, 60ern ist, so nicht zukunftsfähig. Also brauchen wir auch dort eine Transformation. Konstruktiv nach vorne denken. Mein kleiner Take noch zum Abschluss. Als ich auf diese hochmotorisierten, polierten Traktoren guckte, die wirklich beeindruckende Fahrzeuge sind. Mein Eindruck war, und das wird jetzt viele aufregen, aber so habe ich es empfunden, so schlecht, wer sich sowas leisten kann, so schlecht wird es den Leuten nicht gehen. So ein Fuhrpark, also meine Kinder wären begeistert. Es hat etwas archaisch-schauvinistisches. Ich muss als Junge und Mann natürlich sagen, natürlich war der Trecker für mich auch das Lebenselixier im Westfalenland. Damals hatten wir natürlich Verwandte und Freunde, die einen Trecker hatten. Und natürlich war das für mich das Schönste, als Junge da oben zu sitzen. Es hat übrigens ein bisschen was von dieser heutigen SUV-urbane Milieu-Städterhaftigkeit. Wenn man über den anderen sitzt, fühlt man sich auch irgendwie geiler. Wir müssen mal einen Soziologen einladen, um genau das zu eruieren. Warum sitzt man eigentlich so gerne so weit oben? Also für uns gilt das ja nicht. Wir sitzen hier am runden Tisch von Table Media und das ist offensichtlich.sehr niedrig und sehr gleichberechtigt und ohne, dass irgendeiner dem anderen überlegen ist. Wir belehren uns nicht und wir wollen auch, und so hoffe ich, kommt es auch wieder an, unsere Hörerinnen und Hörer nicht belehren, sondern mit ihnen was teilen. Deswegen freuen wir uns jetzt schon auf das zahlreiche Feedback. Der Besserwisser-Podcast heute mit der Hobby-Agrarbiologin Helene Bubrowski. Danke dafür. Möchte gern Besserwisser. Das Interview des Tages, wir nennen es hier Tischgespräch, heute mit einem Kollegen aus den eigenen Reihen. Es ist Felix Lee, 48 Jahre alt, ausgezeichneter Buchautor und Mitglied unserer Redaktion vom China Table. Der Mann wird bei Wikipedia geführt als deutsch-chinesischer Journalist. Dabei hat er, wie ich gerade gelernt habe, auch taiwanische Wurzeln. Einen schönen guten Tag, hallo lieber Felix. Hallo. Alle reden über die Taiwan-Wahl. Ihr habt wirklich viel darüber berichtet im China Table. Klär mich erstmal auf, war es jetzt diese Schicksalswahl, von der wir Medien alle berichten? War es das? Es war nicht die Schicksalswahl, wie das teilweise im Vorfeld der Wahlen in der Berichterstattung anklang, dass jetzt mit dieser Wahl dann auch entschieden wird, ob China Taiwan militärisch angreift. Das war es nicht. Das haben wir ehrlich gesagt auch so nicht erwartet. Aber natürlich ist es schon auch nochmal zu Ungunsten Chinas ausgegangen, weil die Pro-Demokraten haben eindeutig gesiegt. Das gefällt Peking nicht und in dem Sinne wird Peking die Spannung, die D.Drohungen und so weiter fortsetzen, wenn nicht sogar auch längerfristig auch weiter verschärfen. Also können wir denn jetzt sagen, ob die Frage des kriegerischen Konflikts im südchinesischen Meer eingedämmt ist oder eher verschärft wurde? Oder kann man das gar nicht sagen, weil China eine andere Strategie verfolgt? Es ist definitiv ein weiterer Punkt, dass es zu einer Verschärfung der ganzen angespannten Lage führt. Man muss dazu sagen, Chinas Drohung, militärisch Taiwan anzugreifen, das ist letztendlich auch aus chinesischer Sicht immer nur die letzte Option. Was China ja verfolgt, ist ja eine langfristige Strategie, nämlich zu destabilisieren, einkreisen, Lücken füllen, die Grenzen verschieben. Wir haben ja letztes Jahr so viele Militärmanöver erlebt und die werden jetzt auch weiter fortgesetzt, werden sich wahrscheinlich noch näher an Taiwans Küste annähern und so weiter. Also all diese Entwicklungen, die werden wir miterleben und die Wahl Taiwans, die zu Ungunsten Chinas, aus Sicht Chinas ausgegangen ist, die wird all diese Maßnahmen nochmal verschärfen. Wer ist dieser Mann William Lai, der neue Präsident? Was bedeutet der für China und vor allem dann auch für Europa? William Lai ist im Grunde, setzt die Politik seiner Vorgängerin fort, von der pro-demokratischen Partei DPP. Er kommt eigentlich auch aus einer Bewegung in Taiwan heraus, die sich klar für eine Unabhängigkeit Taiwans einsetzt, ist aber inzwischen auch in seiner Wortwahl, so wie das bei seiner Vorgängerin auch schon war, sehr, sehr viel Moderator, sucht auch das Gespräch zu Peking. Peking lehnt das ab. Peking bezeichnet sowohl ihn als auch die Vorgängerin.als Separatisten. Wenn man so eine Wortwahl ergreift, dann ist natürlich klar, dass es da keine offiziellen Gespräche geben wird. Also er ist bemüht, aber er steht natürlich ganz klar auch für ein souveränes Taiwan und nicht für eine zu große Annäherung Taiwans, wie es die oppositionelle Kuomintang forderte. Also ihr rechnet nicht im China Table, die Experten bei euch in der Redaktion, ihr rechnet nicht mit einem schnellen Militärschlag, das habe ich richtig verstanden, sondern es ist für die Chinesen nur die Ultima Ratio, sondern sie machen eher eine Art hybride Kriegsführung, um den Gegner einzuhegen, einzudämmen und auf anderen Spielfeldern vielleicht zu schaden. Ganz genau. Diese Strategie, das ist ja letztendlich eine 2500 Jahre alte Militärstrategie, die auf den Strategen Sun Tzu zurückgeht. Wir denken im Westen immer sehr linear. Wir denken immer nur so singulär, linear, immer okay, Schlag, Gegenschlag. Wir rechnen auch bei Taiwan, richten wir unsere Strategien aus, wenn zum Worst-Case-Szenario kommt. Und das Worst-Case-Szenario wäre natürlich ein militärischer Angriff Chinas auf Taiwan. Aber China denkt da ja ganz anders. Eben nämlich dieses Einkreisen, Lücken füllen, immer mehr Abhängigkeiten schaffen und so weiter. Das macht China bereits mit Taiwan und das schon seit geraumer Zeit immer verschärfter und so weiter. Und das setzt die taiwanische Gesellschaft massiv unter Druck. Und auf diese hybride Kriegsführung haben wir im Westen letztendlich keine Antwort. Welche Antwort sollten wir denn geben? Eine ähnliche Strategie würde doch bedeuten, wir müssen langfristig überlegen, wie wir mit...China umgehen. Siehst du das hier bei uns in der Bundesregierung oder bei den europäischen Regierungszentralen bereits? Wir müssen uns diese chinesische Strategie auch deswegen anschauen, weil China ja nicht nur gegenüber Taiwan so vorgeht, sondern letztendlich weltweit. Wir sehen das in Afrika, wie China die Lücken füllt, die der Westen mal hinterlassen hatte in den 90er Jahren, als sie Afrika als verlorenen Kontinent bezeichnet haben. Wir sehen das jetzt in Russland. Der Westen verhängt Sanktionen gegen Russland. Wer füllt diese Lücken, die da hinterlassen werden? Die Chinesen. Wir sehen das letztendlich bei der Seidenstraßeninitiative. Wir sehen das letztendlich aber auch beim Hamburger Hafen. Also wenn man singulär denkt, okay, ist doch egal, wenn ein kleiner Bereich vom Hamburger Hafen an den chinesischen Staatsunternehmen verkauft wird. Nein, die Strategie von China ist ja eine ganz andere. Wenn man dann weiterhin schaut, dann sehen wir, oh, Rotterdam, Antwerpen, Piraeus und so weiter. Überall steckt dieser Staatskonzern drin und schafft dann Connectivity Points, um da dann irgendwann die Kontrolle über die Logistik zu beherrschen. Das ist eine Strategie, die China vielleicht gar nicht so explizit als die zentrale Strategie so verkauft, sondern das steckt quasi in der Denke der Chinesen drin. Das müssen wir erst mal lernen zu begreifen. Zu verstehen. Zu verstehen, dass wir diese kleinen Schritte dann auch ganz anders einordnen und dann womöglich dann zu dem Ergebnis kommen, dass auch nur, wenn es ein kleiner Bereich ist, den wir vom Hamburger Hafen verkaufen, dass wir das nicht machen, weil das eben Teil einer großen Strategie ist. Das heißt aber in Bezug auf Taiwan natürlich auch, dass wir jetzt schon uns überlegen,überlegen müssen, wie wir das souveräne Taiwan dann letztendlich auch stärken und nicht erst abwarten, bis es zu einem Militärangriff gekommen ist, weil dann ist es zu spät. Wir wollen Taiwan stärken, indem wir mit der dort ja sehr führenden Chip-Industrie, Halbleiter-Industrie eng zusammenarbeiten. Gleichzeitig sagt der Bundeskanzler, wir müssen eine De-Risking-Strategie fahren. Was soll Europa, was soll Deutschland denn jetzt tun? Mehr Taiwan, mehr Handel mit Taiwan, mehr Handel mit TSMC, dem Chip-Hersteller oder De-Risking und neue Partner suchen. Naja, es findet ja schon sehr viel und intensiven Handel auch mit Taiwan statt. Und was die taiwanische Chip-Industrie betrifft, da sind wir ja tatsächlich, da ist die ganze Welt von abhängig. Also diese Hochleistungschips, von denen wir reden, da hat Taiwan quasi ein Monopol. Fast 90 Prozent dieser Hochleistungschips, die im Grunde für alle wichtigen Bereiche heutzutage benötigt werden, die kommen aus Taiwan. Und selbst in Taiwan sieht man das inzwischen doch auch selbst mit Sorge, dass es vielleicht gar nicht so klug und schlau ist, dass das alles auf dieser Insel konzentriert ist. Deswegen diversifiziert auch der führende Chip-Hersteller TSMC selbst, baut jetzt, plant jetzt auch eine Fabrik unter anderem in Dresden. Also da ist es schon sinnvoll, auch aus wirtschaftlicher Sicht da nicht zu viel zu konzentrieren, auch im Übrigen nicht zu viel im ostasiatischen Raum zu konzentrieren. Also auch betriebswirtschaftlich gesehen ist das schlau, mehrere Standorte zu haben. Man muss aber trotzdem auch erkennen, die Umgebung, die für diese Hochleistungschips...benötigt werden. Also TSMC hat über 3000 Zulieferer für diese Hochleistungschips. Diese Standortbedingungen, die bieten weder die Amerikaner noch die Europäer. Also zum großen Teil findet das immer noch in Taiwan, im größeren Raum Taiwan statt. Da jetzt zu diversifizieren, ist sicherlich schlau, aber das wird nicht von heute auf morgen gehen. Und diese Abhängigkeit, die wird auch erstmal bestehen bleiben, weil Taiwan da so führend ist. Warum ist Taiwan und TSMC so führend bei der Chip-Herstellung? Wie haben die das geschafft? Naja, manchmal, wenn man das historisch zurückblickt, sind es fast auch Zufälle. Ist das so zufällig geschuldet? Natürlich hat Taiwan, so wie das auch vorher Japan schon gemacht hat und so, wo es dann auch hinterher China gemacht hat, das waren alles mal arme Entwicklungsländer. Die haben aber bei allem, was sie dann letztendlich im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung gemacht haben, immer reinvestiert. Also vor allem in Bildung, in Bildung und Infrastruktur. Das haben die Japaner vorbildlich vorgemacht, die Südkoreaner und Taiwaner folgten und die Chinesen haben das ja zuletzt gemacht und sind damit im Grunde auch stark geworden. Bei der Chip-Industrie im Speziellen ist es so, dass schon führende Chip-Ingenieure, Chip-Entwickler, teilweise die in den USA studiert haben, Taiwaner waren oder sind, der, der TSMC gegründet hat, eigentlich schon in die USA migriert war, eigentlich in Texas lebte, da von Texas Instruments auch angeheuert wurde, da aber nicht das alles erfüllen konnte, was er sich vorgestellt hatte. Und dann wurde er von der taiwanischen Regierung...irgendwann in den 70er, 80er Jahren zurückgelockt und hat dann mit taiwanischer staatlicher Unterstützung TSMC aufgebaut. Und mit all dem Wissen, was dann auch stetig immer weiter ausgebaut wurde, ist halt Taiwan jetzt heute der führende Chip-Hersteller. Und du hast mir gesagt, die Ingenieure sind einfach auch ein bisschen fleißiger als hier bei uns. Naja, also wir haben zumindest gefragt, was zeichnet denn Taiwan so dermaßen viel mehr aus? Weil so viel niedriger sind die Löhne in Taiwan inzwischen nicht mehr. Taiwan ist von der Wirtschaftsleistung auch inzwischen unter den Top 20. Also hat eigentlich Deutschland vom BIP schon eingeholt. Das sieht man der Insel so selbst gar nicht so sehr an. Aber viel Geld steckt dann halt auch, Vermögen steckt dann halt auch im Ausland aufgrund der Unsicherheit. Aber was Taiwan dann doch auszeichnet, also wir hatten auch interessante Gespräche mit Ökonomen in Taiwan, die das so ein bisschen diplomatisch versucht haben zu formulieren. Das Teuerste für so ein Chip-Unternehmen ist, wenn die Maschinen zwischenzeitlich stillstehen. Und das kann durch technischen Defekt irgendwie passieren. Oder wenn zum Beispiel auch besonders viel nachgefragt wird. Diese Firmen können ja viele Chips innerhalb kurzer Zeit herstellen. Aber dazu braucht man natürlich die auch Man- und Women-Power. Sprich, man kann in Taiwan, das sagen diese Ökonomen, zu jeder Tages- und Nachtzeit die Ingenieure ranholen oder auch an Feiertagen, ob Weihnachten oder chinesisch Neujahr, wenn es nötig ist, kommen die. Die arbeiten jetzt auch nicht unbedingt 14, 15 Stunden am Tag, das nicht mehr. Diese Zeiten sind auch in Taiwan vorbei, aber sie sind immer abrufbar. Und das sagen sie, das ist weder in den USA noch in Europa möglich.Lustigerweise sagte die Ökonomin, mit der wir gesprochen haben, deswegen haben sie sich aber auch für Deutschland entschieden und nicht für Frankreich. Weil man bei uns ab und zu dann auch nochmal Freizeit genießen darf. Weil zumindest nicht ganz so viel gestreikt wird, wie sie das von Frankreich zumindest den Eindruck haben. Felix, China und USA, das sind die großen Battlegrounds. Die Führung, die dominante Macht in der Weltwirtschaft wird sich entscheiden. What's in it for us ist das, was wir immer wieder diskutieren. Die Wirtschaft in Deutschland ist geschrumpft im vergangenen Jahr. Jetzt haben wir es hochamtlich um 0,3 Prozent. Dieses Jahr sieht es wieder mau aus. Europa ringt mit sich und mit einer diversifizierten Strategie, muss man ja sagen. Jeder europäische Staatschef hat eine andere Idee. What's in it for Europe, wenn es um die großen Weltwirtschaftsmächte geht? Naja, weltwirtschaftlich gesehen ist Europa eigentlich das zentrale Powerhouse. Das darf man nicht vergessen. Das Problem ist halt natürlich, dass wir viel kleinstaatlicher denken und in vielen strategischen, auch weltwirtschaftspolitischen, geopolitischen Entscheidungen nicht strategisch genug denken und uns vor allem nicht einigen. Das ist in den USA möglich, das macht China. Und das ist natürlich ein Riesenproblem für Europa. Es wäre wichtig, dass Europa viel einheitlicher auch gegenüber China, auch gegenüber den USA auftritt, auch mit einer eigenen Haltung auftritt, mit eigenen Interessen, die formuliert. Da verstecken sich die einzelnen Länder, also auch allen voran Deutschland. Deutschland ist die größte Volkswirtschaft in Europa und ich habe das in Peking häufig miterlebt. Wenn es so ein bisschen brenzlig wurde, hat man das immer auf die EU geschoben.Oder die EU reden lassen. Aber wenn man sich dann innerhalb der EU angeguckt hat, wer denn eigentlich das Sagen hat, dann sind es im Grunde nur zwei Staaten, nämlich Deutschland und Frankreich gewesen. Also man versteckt sich auch gerne und vermeidet damit dann auch Konflikte oder Denkkonflikte zu vermeiden. Das Problem ist natürlich, dass man damit dann strategisch nur wenig erreicht. Gibt es etwas, was wir von der chinesischen, taiwanischen Mentalität lernen, adaptieren sollten? Persönliche Frage zum Schluss. Vor allem dieses strategische, auch längerfristige Denken, das ist jetzt auch nicht unbedingt in Taiwan so angelegt. Auch Taiwan ist eine Demokratie, hat auch das Problem von Demokratien, dass immer in Wahlzyklen und so weiter gedacht haben, so muss China natürlich als eine Einparteien-Diktatur nicht denken. Aber ich würde das nicht per se als einen Widerspruch zum demokratischen System sehen. Also ich meine, wir hatten ja auch in der Vergangenheit, gute Politiker haben sich ja auch ausgezeichnet, dass sie Visionen entwickelt haben, längerfristig gedacht haben. Ich glaube, das ist so ein bisschen verloren gegangen. In Taiwan lehrt man das wieder, wegen dieser Bedrohung, die direkt vor der Haustür steht. Ich glaube, die Chinesen haben das, China hat es ohnehin drauf. Davon was abzugucken, das würde uns in Europa nicht schaden. Politik in Deutschland, viel Taktik, wenig Strategie. Das nehme ich als letzten Appell mit. Felix Lee für dieses Gespräch. Vielen Dank. Wer den Mann nicht nur hören will, sondern auch lesen will, ich empfehle dringend und herzlichst. Table.media, so lautet unsere Internetseite. Dort einfach mal auf China Table klicken. Dieser werktäglich erscheinende Newsletter hat es wirklich in sich. Alles, was Sie wissen müssen zu China oder Taiwan. Vielen Dank, Felix, dass du heute da warst. Danke.Wir kommen zum Nachtisch unserer Rubrik für den eingebauten Optimismus hier in diesem Podcast. Wir lassen Sie hier nicht mit schlechter Laune rausgehen. Das ist doch selbstverständlich. Und diese gute Nachricht, die ich jetzt für Sie habe, ist eigentlich eine schlechte Nachricht, wenn man sie falsch liest. Denn natürlich stimmt es, wir leben nicht ewig. Aber je jünger wir uns fühlen, desto länger leben wir. Das sagt nicht ich, sondern das sagen Wissenschaftler. Das gefühlte Alter unterscheidet sich ja um bis zu 15 Jahre vom biologischen. Und je gelassener, je entspannter wir mit dem Älterwerden umgehen, Klammer auf, weil wir uns eigentlich jünger fühlen, desto länger leben wir. Was für eine gute Nachricht. Die Chance, so sagen die Wissenschaftler, 65 Jahre oder älter zu werden in diesem Land, hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Also. Unser Appell an diesem Tag, fühlen Sie sich einfach jünger, dann können Sie auch problemlos älter werden. Oder wie es Willem Busch gesagt hat, früher, da ich unerfahren und bescheidener war als heute, hatten meine höchste Achtung andere Leute. Später traf ich auf der Weide außer mir noch mehrere Kälber und nun schätze ich sozusagen erst mich selber. Ein wunderbarer Abschluss und womit wir wieder bei den Kälbern sind. Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in diesen Tag und hoffe, dass Sie morgen...wieder mit uns am Tisch sitzen, hier bei Table Today, Ihrem neuen News-Podcast. Ihr Michael Bröker. Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.