Wind und Sonne: Wie sie den Strompreis in Spanien niedrig halten

Während andere Länder auf Gas setzen, hat Spanien in den vergangenen Jahren seine erneuerbaren Energien stark ausgebaut. Der Thinktank Ember sieht das Land deshalb als Vorbild.

12. März 2026
Ein Solarpark auf Mallorca (Bartomeu Balaguer Rotger/ Zoonar/ Imago)
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Ein konsequenter Ausbau der Wind- und Solarenergie macht die Stromversorgung weniger abhängig von teurem Gas – und dadurch bleibt der Strom günstig. Das hat der Thinktank Ember im vergangenen Oktober am Beispiel Spaniens gezeigt. Durch die aktuell steigenden und stark schwankenden Öl- und Gaspreise wird die Analyse erneut relevant. Den Ember-Berechnungen zufolge lagen die Großhandelsstrompreise in Spanien im ersten Halbjahr 2025 um 32 Prozent unter dem EU-Durchschnitt, und sie waren um 30 Prozent niedriger als in anderen Ländern mit einer vergleichbar hohen Gaskraftwerkskapazität – etwa Deutschland. Im ersten Halbjahr 2019, vor dem starken Ausbau der Erneuerbaren, waren die spanischen Preise noch unter den höchsten der EU gewesen.

Gemessen an den Kraftwerkskapazitäten ist Gas in Spanien ähnlich wichtig wie in Deutschland oder Italien. Laut der NGO Beyond Fossil Fuels sind in Spanien Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 28,5 Gigawatt (GW) in Betrieb. Deutschland verfügt über eine Kapazität von gut 27 GW, allerdings bei einem deutlich größeren Markt. Innerhalb der EU hat nur Italien mit 42,7 GW mehr Gaskapazitäten.

Doch der Gaspreis bestimmt in Spanien nur noch selten, wie viel Strom kostet: Laut Ember setzten die Gaskraftwerke im ersten Halbjahr 2025 nur noch in knapp einem Fünftel der Zeit den Großhandelsstrompreis. In der verbleibenden Zeit lieferten die günstigeren Erneuerbaren genügend Energie und bestimmten so den Preis. Sechs Jahre zuvor waren die Verhältnisse praktisch umgekehrt: Damals bestimmte Gas in Spanien in drei Vierteln der Zeit den Strompreis. Zum Vergleich: In Deutschland ist Gas derzeit in knapp einem Drittel der Zeit maßgeblich für den Preis, und Strom ist deutlich teurer.

Ember leitet aus dem Fall Spaniens Empfehlungen für den Rest Europas ab: Der Thinktank rät zum Ausbau von Wind- und Solarenergie, um den Gasbedarf und die Preise zu senken, zu einem entschlossenen Netzausbau und einer ebenso entschiedenen Flexibilisierung der erneuerbaren Stromversorgung. Alexandra Endres

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026