Themenschwerpunkte


Alexandra Stefanov — Die Digital-Beobachterin

Alexandra Stefanov ist Gründerin des Beratungsunternehmens China-Impulse.
Alexandra Stefanov ist Gründerin des Beratungsunternehmens China Impulse.

Alexandra Stefanov hält die deutsche China-Community in Sachen Digitales auf dem Laufenden – und hilft bei Alltagsproblemen: „Viele sind überrascht, dass sie auf ihre E-Mails gar nicht so schnell eine Antwort aus China bekommen.“ Stefanov weiß, woran das liegt. In der Volksrepublik läuft alles über die App WeChat. Auch um die digitale Kommunikation zu verbessern, hat die 34-Jährige das Beratungsunternehmen China-Impulse gegründet. Einige ihrer Kunden wollen nach China expandieren, andere wollen sich digitale Trends aus der Volksrepublik abschauen.

Und wer auf den chinesischen Markt will, muss seine Marketingstrategie komplett neu denken. „Es bringt nichts, einfach die Webseite auf Chinesisch zu übersetzen“, sagt Stefanov. Viel wichtiger sei es, die gängigen chinesischen Plattformen zu nutzen. Google, Facebook und LinkedIn gibt es schließlich nicht.

Roboter und virtuelle Influencer

Stefanov fängt schon vor ihrem Abitur an, Chinesisch zu lernen. Sie studiert Sinologie in Heidelberg, Tianjin und Shanghai. Ihr fällt auf, wie wenig man sich in Deutschland mit der chinesischen Gesellschaft beschäftigt: „Sehr, sehr viele Leute hier haben von Wechat noch nie etwas gehört“. Daher die Idee für ihr Unternehmen: Deutsche Firmen brauchen Nachhilfe in Sachen China.

Deshalb beobachtet Stefanov digitale Trends aus der Volksrepublik. Und die gibt es in allen möglichen Alltagsgegebenheiten: Die Bevölkerung wird immer älter, es herrscht Personalmangel. In China übernehmen deshalb beispielsweise häufig Roboter den Service im Supermarkt. Besonders beliebt sind auch virtuelle Influencer, KI-basierte Figuren, die zum Beispiel Live-Shopping-Shows moderieren können.

„Virtuelle Influencer und Moderatoren sind in China derzeit superpopulär“, erklärt Stefanov. Man könne aber in Europa nicht alles eins zu eins übernehmen. Tiktok hat ein ähnliches Konzept nach einer Testphase in Großbritannien wieder zurückgenommen. „In diesem Bereich ist uns China um Jahre voraus“, sagt Stefanov.

Langfristige Ziele setzen

Zur Wahrheit gehöre aber auch: Viele Technologien konnten sich in China so schnell entwickeln, weil lange kaum jemand Wert auf Datenschutz gelegt hat. Trotzdem glaubt Stefanov, dass sich Firmen auch bei der chinesischen Unternehmenskultur etwas abschauen können. Viele Ideen würden einfach ausprobiert. „In Deutschland lösen wir uns nur schwer von unserem Perfektionismus.“ Außerdem rät sie zu langfristigen Zielen. In China sind die politisch vorgegeben. „Ich glaube, im Kleinen kann man diese Strategien auch in Unternehmen implementieren“, sagt Stefanov.

Neben ihrer Arbeit als Beraterin moderiert sie einen Podcast, sie hat ein Buch geschrieben und gibt ein Magazin heraus. Einmal im Monat erklärt sie ihren Abonnentinnen und Abonnenten die wichtigsten Neuigkeiten aus der chinesischen digitalen Welt in einem Live-Video-Call. Jana Hemmersmeier

Mehr zum Thema

    Nadine Godehardt – Sprache strukturiert Politik
    Philipp Bilsky – Deutsche Stimme aus Taipeh
    Andreas Risch – Zuhause in zwei Welten
    Johann Fuhrmann – „China hat ein ernsthaftes Interesse am Dialog“