Iran-Krieg: Wo er für Peking schmerzhaft wird

China unterstützt den Iran im Nahost-Konflikt, doch hinter den Gesten stehen vor allem wirtschaftliche Interessen. Die Sicherung von Handelsrouten ist für Peking entscheidend, um seine Energieimporte zu schützen.

02. März 2026
Die chinesische Außenamtssprecherin Mao Ning.
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Inmitten der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten zeigt sich einmal mehr, dass Chinas Außenpolitik vor allem von wirtschaftlichen Interessen geleitet ist, insbesondere dem Schutz eigener Handels- und Energieinteressen.

Peking sicherte dem Iran am Montag Unterstützung zu. Außenminister Wang Yi hatte nach chinesischen Angaben in einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi die „Freundschaft“ zwischen beiden Ländern bekräftigt. Wang sagte weiter, China unterstütze das Land bei der Wahrung seiner Souveränität, Sicherheit und territorialen Integrität. Gleichzeitig rief er die USA und Israel zu einem sofortigen Stopp der Militäraktionen auf.

Über den offiziellen WeChat-Account der chinesischen Botschaft im Iran fordert China seine Bürger auf, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Dies sei derzeit an Checkpoints in Richtung Aserbaidschan, Turkmenistan, Armenien und Irak möglich. Bisher seien bereits 3.000 Chinesen in Sicherheit gebracht worden, weitere Betroffene würden von Arbeitsgruppen unterstützt.

Pekings fürchtet vor allem eine Blockade der Straße von Hormus. Die 50 Kilometer breite Meerenge ist eine zentrale Route für den globalen Öltransport. Die Straße sei eine lebenswichtige internationale Handelsroute für den Waren- und Energieverkehr, betonte Außenministeriumssprecherin Mao Ning am Montag.

Die Krise macht Chinas Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Nahen Osten deutlich. Zwar ist die Wasserstraße nicht offiziell geschlossen, viele Handelsschiffe, Ölgesellschaften und Versicherer haben sich aber zurückgezogen. Die Versicherungsprämien befinden sich auf einem Sechsjahreshoch. Das macht die Durchfahrt für die meisten Betreiber wirtschaftlich untragbar. Der Engpass betrifft ein Drittel der globalen Öltransporte, darunter auch die an Asiens größte Abnehmer, China und Indien.

Chinesische Tanker bewegen sich weiterhin in begrenztem Umfang durch den Golf von Hormus. Auch bieten die riesigen strategischen Reserven des Landes kurzfristigen Schutz. Sollte die Störung jedoch anhalten, könnte China gezwungen sein, stärker auf alternative Lieferanten auszuweichen.

2025 stammten 54 Prozent der chinesischen Rohölimporte aus der Golfregion, darunter auch iranisches Öl. Ein direkter Ersatz ist kaum möglich, schätzt EU-China-Analyst Rafael Jimenez Buendía: Russland liefere derzeit 18 Prozent, Brasilien acht Prozent, Angola fünf Prozent und Kanada drei Prozent – Mengen, die die Lücke bei einem Ausfall der Golfimporte nur teilweise schließen könnten.

Der genaue Rohöl-Handel zwischen der Volksrepublik und dem Iran ist schwer komplett nachzuvollziehen. Nicht zuletzt wegen internationaler Sanktionen gegen Teheran und der Rolle kleinerer Raffinerien, die oft außerhalb offizieller Statistiken handeln. Die von Iran gemeldeten Exporte nach China und die von China gemeldeten Importe aus dem Iran weichen stark voneinander ab. Dies liegt zum großen Teil daran, dass ein erheblicher Anteil des Ölflusses über Zwischenhändler verbucht wird, wie Buendía erklärt.

China ist auf einen Ölschock einigermaßen gut vorbereitet, zumindest im Vergleich zu Taiwan, Japan und Südkorea. Es sei deutlich weniger auf Ölimporte angewiesen als die ostasiatischen Demokratien, schreibt Joseph Webster, Senior Fellow beim Atlantic Council’s Global Energy Center und the Indo-Pacific Security Initiative. Peking könnte die Bestände iranischer Öltanker vor Malaysia aufkaufen, so Webster. Laut der Rohstofffirma Kpler befand sich der Ölbestand aus dem Iran auf dem Wasser im Januar auf einem Rekordhoch. Ein großer Teil davon liegt vor Malaysia. „Was wird Washington tun, wenn Peking versucht, Besitzansprüche an iranischem Öl geltend zu machen?“, fragt Webster.

Pekings Beziehung zu Teheran ist strategisch wichtig, aber keineswegs unverzichtbar: In einer aktuellen Analyse zur chinesischen Iran-Politik beschreiben Ryan Hass, Direktor des John-L.-Thornton-China-Centers bei Brookings und ehemaliger China-Berater im Nationalen Sicherheitsrat unter Präsident Barack Obama, sowie Allie Matthias, Senior Research Assistant beim selben Thinktank, Pekings Haltung als betont nüchtern und interessengeleitet.

Hass und Matthias zeichnen das Bild einer Führung in Peking, die Teheran mit kühlem Pragmatismus betrachtet. „Peking wird gegenüber den Entwicklungen im Iran und dem Schicksal des derzeitigen Regimes nüchtern bleiben. Für China werden sich seine Interessen im Iran darauf konzentrieren, Stabilität zu schützen, den fortlaufenden Zugang zu iranischen Ölexporten zu sichern und die Entstehung eines proamerikanischen Regimes in Teheran zu verhindern.“

Chinas Staatsfernsehen CCTV berichtete zu Beginn der Woche ausführlich über den Krieg. Der Sender hat Korrespondenten in mehreren Ländern im Nahen Osten, auch im Iran selbst. Die Berichterstattung suggeriert zuweilen, dass das iranische Regime Israel und den USA militärisch standhalten könnte. Die Proteste gegen Irans Regierung werden ausgeblendet. Iran wird in den meisten chinesischen Medienberichten nicht explizit als Partner Chinas benannt; ein aktives Eingreifen der Volksrepublik wird praktisch nicht diskutiert. Betont wird die Hoffnung auf politische Stabilität. Mitarbeit: Lina Falk, Leo Pape

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026