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Welcher Kevin wird neuer Präsident der Fed?

Im Mai 2026 endet die Amtszeit von Jerome Powell als Präsident der US-Notenbank Fed. Der US-Präsident schlägt einen Nachfolger vor, der vom Senat bestätigt werden muss. Mit der anstehenden Entscheidung steht die US-Geldpolitik vor einem Wendepunkt.

GS
10. Januar 2026

US-Präsident Donald Trump hat Jerome Powell für falsche Zinsentscheidungen als „Loser“ beschimpft und zu Zinssenkungen gedrängt. Er hat sogar die öffentliche Forderung von niedrigen Zinsen mit Kritik an sehr hohen Baukosten der Fed verknüpft. Die Nominierung des Nachfolgers durch Trump könnte damit den Durchbruch zu wieder dauerhaft niedrigen Zinsen bringen.

Der Jurist Powell war 2012 von Barack Obama zum Mitglied des Federal Reserve Boards und 2017 von Trump zum Präsidenten der Fed ernannt worden. 2021 hatte Joe Biden die Verlängerung seiner Präsidentschaft auf den Weg gebracht. Er gilt nach der Einschätzung einer künstlichen Intelligenz als entschiedener Kämpfer für Finanzmarktstabilität und – bedingt – auch für Preisstabilität.

Denn in Powells Amtszeit fällt der Anstieg der Inflation auf 9,1 Prozent. Die Bilanz des Federal Reserve Systems ist unter keinem anderen Fed-Präsidenten stärker gewachsen, von 4.415 Milliarden Dollar im Februar 2018 auf knapp 9.000 Milliarden US-Dollar im Frühjahr 2022.

Vor diesem Hintergrund werden derzeit noch zwei Kandidaten für die Nachfolge gehandelt. Der Ökonom Kevin Hasset gilt als enger Vertrauter von Trump, unter dem er von 2017 bis 2019 Vorsitzender des Council of Economic Advisors war. Er steht staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft skeptisch gegenüber. Eine explizite geldpolitische Expertise besitzt er nicht. Hasset hat sich klar für die Unabhängigkeit der Fed ausgesprochen – auch gegenüber Trump. Er hat jedoch im Sinne von Trump wiederholt Zinssenkungen gefordert, um Investitionen und Wachstum in Gang zu bringen.

Kevin Warsh hat Wirtschaftswissenschaften studiert und war bereits zwischen 2006 und 2011 im Board of Governors der Fed, ernannt von Präsident George Bush. Nach Warsh haben dauerhaft niedrige Zinsen und große Ankäufe von Vermögenswerten ohne Exit-Strategie zu Fehlanreizen und Marktverzerrungen wie Vermögenspreisblasen geführt. Er hat die Quantitative Lockerung der Fed als „Robin Hood mit umgekehrten Vorzeichen“ bezeichnet. Er lehnt die Finanzierung von Staatsausgaben durch die Zentralbank ab und fordert einen Regimewechsel in der Geldpolitik. Die Fed solle ihre Bilanz verkürzen und keine Wirtschaftspolitik betreiben.

Damit könnten sowohl Hasset als auch Warsh stabilitätsorientierter als Powell sein. Und auch stabilitätsorientierter als EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die ein breites Aufgabenfeld für die EZB einschließlich der Klimapolitik will. Warsh erscheint klar mehr Falke als Hasset. Die geldpolitische Position von Warsh kommt dem einflussreichen US-Finanzminister Scott Bessent nahe, der den Auswahlprozess leitet und eine Rückbesinnung der Fed auf ihr ursprüngliches Kernmandat gefordert hat.

Im Moment liegt auf der Online-Wettplattform Polymarket Warsh in Führung, nachdem lange Hasset klar vorne gelegen hatte. Wird die Fed stabilitätsorientierter, bringt das den Euro unter Druck. Der Ausgang dürfte deshalb auch die Wahl der Nachfolge für Lagarde beeinflussen, deren Amt noch bis Oktober 2027 läuft.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 10. Januar 2026