CEO.Table Table.Standpunkt

Was bewirkt Donald Trump mit seiner disruptiven Zollpolitik?

Trumps Zollpolitik knüpft an eine lange Tradition an, in der Zölle als Machtinstrument genutzt wurden – von Napoleon bis Bismarck. Er setzt internationale Partner unter Druck, um politische Ziele mit wirtschaftlichen Mitteln durchzusetzen.

GS
24. Januar 2026

Donald Trump wollte unbedingt Grönland haben. Eine militärische Grönland-Expedition von acht europäischen Ländern löste neue Zolldrohungen aus. Wie beim ersten Zollschock am 2. April 2025 erschütterte das die Weltfinanzmärkte – bis Trump nach dem Prinzip „Trump always chickens out“ wieder zurückgerudert ist. Trump hat gesagt, dass „Zölle“ eines seiner Lieblingswörter sei, weil sie die USA steinreich machen würden. Was bewirken Zölle und was bewirkt Trump mit seiner disruptiven Zollpolitik?

Zölle sollten ursprünglich Staatsausgaben finanzieren – schon 3000 vor Christus in Mesopotamien. Im Mittelalter waren Weg-, Brücken- und Marktzölle ein Privileg von Kaisern, Fürsten und Bischöfen, die mit den Einnahmen ihre Macht sicherten.

Im merkantilistischen Frankreich wollte Ludwig XIV. mit Zöllen den Zufluss von Gold und damit seine politische Macht maximieren. Napoleon wollte mit der Kontinentalsperre (1806–1814) das Vereinigte Königreich wirtschaftlich in die Knie zwingen, weil es ihm militärisch nicht gelang.

Im 19. Jahrhundert sollten Zölle junge Industrien gegen ausländische Konkurrenz voranbringen – so auch Fürst Bismarcks Schutzzölle für Eisen und Stahl. In der Weltwirtschaftskrise wollte US-Präsident Herbert Hoover mit massiven Zöllen Arbeitsplätze schützen. Über 1.000 Ökonomen warnten vergeblich vor dem Gesetz.

Denn nach David Ricardo (1772–1823) bringen nicht Zölle, sondern freier Handel Wachstum und Wohlstand, weil sich jedes Land auf das spezialisiert, was es vergleichsweise am besten kann. Weil der Wettbewerb zwischen den Unternehmen wächst, sinken die Preise. Die Konsumenten freuen sich auch, weil es mehr Wahlmöglichkeiten gibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT und der europäische Integrationsprozess der westlichen Welt mit dem Freihandel beeindruckende Wohlstandsgewinne und politische Stabilität.

Donald Trump nutzt Zölle wie Napoleon und Ludwig XIV. als geopolitisches Machtinstrument. Mexiko und Kanada haben eingelenkt, um Migration und Drogenhandel einzudämmen. Indien und China importieren aus Angst vor US-Zöllen weniger russisches Öl. Wie deutsche Fürsten und Bischöfe füllt er mit Zöllen die Staatskasse. Geschätzt 250 bis 300 Milliarden Dollar pro Jahr wirken dem chronischen US-Zwillingsdefizit bei Staatshaushalt und Leistungsbilanz entgegen. Wie Fürst Bismarck will Donald Trump mit Zöllen die US-amerikanische Industrie unterstützen. Das beglückt seine Wähler – auch wenn die US-Industrien nicht jung, sondern alt sind.

Damit fällt das Urteil zur Trumpschen Zollpolitik gemischt aus. Zölle sind aus Freihandelssicht unverzeihlich und beleben die alten US-Industrien nicht. Im Falle der konsumsüchtigen USA tragen sie aber zur Reduzierung des kritischen Haushaltsdefizits bei.

Der Rest der Welt hat besonnen dafür gesorgt, dass eine verheerende Eskalation des Zollstreits wie im Zuge der Weltwirtschaftskrise ausgeblieben ist. Dass sich Europa in der Grönland-Krise den Zolldrohungen nicht gebeugt hat, hat vielleicht sogar bewirkt, dass der hitzköpfige Trump in Zukunft etwas zurückhaltender ist. Dann hätte Europa auch einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der internationalen Finanzmärkte geleistet.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 24. Januar 2026