Donald Trump legt mit dem Krieg im Iran Deutschlands Schwäche offen

Der Krieg im Iran offenbart Deutschlands Abhängigkeit und Verletzlichkeit gegenüber globalen Krisen.

GS
07. März 2026

Die USA und Israel wollen mit massiven Luftangriffen das islamistische Regime im Iran zu Fall bringen. Das ist ein neuer Schock für die Weltwirtschaft, weil der Krieg den Schiffsverkehr an der Straße von Hormus zum Erliegen bringt. Da ein großer Teil des weltweiten Öl- und Gastransports durch die Meerenge kommt, steigen die Preise.

In Deutschland beklagt man, dass eine scheinbar endlose Kette von Schocks – die globale Finanzkrise, die Eurokrise, die Corona-Krise, der Ukraine-Krieg und jetzt der Iran-Krieg – keine Zeit zum Erholen lässt. Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, warnt schon davor, dass bei einem längeren Krieg die Inflation im Euroraum wieder steigen kann. Die Deutschen haben Angst vor hohen Benzinpreisen, sodass Politiker bereits die Spritpreisbremse reaktivieren wollen.

Aus geopolitischer Sicht hat der disruptive Donald Trump möglicherweise einen nicht gewinnbaren, kostspieligen Konflikt nach dem Muster Afghanistans vom Zaun gebrochen. Andererseits haben die USA unter Trump in kurzer Zeit wichtige Verbündete von Russland gekippt – unter anderem Baschar al-Assad in Syrien und Nicolás Maduro in Venezuela. Indien hat eingelenkt, kein russisches Öl mehr zu kaufen. Während Russland in einem ressourcen-aufreibenden Krieg mit der Ukraine kaum vorankommt, demonstrieren die USA eine beeindruckende militärische Schlagkraft. „Ihre Luftabwehr, Luftwaffe, Marine und Führung sind weg“, ließ Trump nach nur drei Tagen wissen.

Der Ölpreis (WTI) ist zwar um rund 15 Prozent gestiegen, aber das stört die USA nicht. Als Gegenmittel will Trump das US-Militär Tanker eskortieren lassen. Auch wenn der Ausgang des Iran-Abenteuers noch ungewiss ist, haben die Finanzmärkte schon Partei für die USA ergriffen. Während die europäischen und asiatischen Börsen eingebrochen sind, hat sich der US-Aktien-Markt als robust erwiesen. Der Dollar hat als globale Fluchtwährung gegenüber Euro und Yen an Wert gewonnen.

Die USA zeigen sich handlungsfähig, während man in Deutschland und Europa wieder einmal unvorbereitet ist. Donald Trump legt mit dem Krieg im Iran Deutschlands Schwäche offen. Deutschland ist verwundbar, weil überbordende Sozialausgaben und wuchernde Regulierung die Wirtschaft nach unten ziehen. Die Wiederherstellung der vernachlässigten Verteidigungsfähigkeit kann Deutschland nur mit Schulden finanzieren. Wer politisch stark und resilient sein will, braucht eine starke Wirtschaft. Das erfordert entschlossene Reformen, zu denen Deutschland leider noch nicht in der Lage ist.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 07. März 2026