Die Kriegsfinanzierung der USA aus historischer Sicht

Krieg ist teuer. Die ersten sechs Tage des US‑Angriffs auf den Iran kosteten rund 11,3 Milliarden US-Dollar. Anders als in früheren Kriegen haben die USA bereits heute hohe Staatsschulden. Wie haben sie frühere Kriege finanziert?

GS
11. April 2026

Den amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) finanzierten sowohl die Nord- als auch die Südstaaten mit höheren Steuern, Kriegsanleihen und ungedecktem Papiergeld – Greenbacks im Norden und Greybacks im Süden. Allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

In den Nordstaaten durften mit dem National Banking Act (1863) Banken einheitliche nationale Banknoten ausgeben, wenn sie diese mit US-Staatsanleihen absicherten. Das erhöhte die Nachfrage nach Kriegsanleihen. Der wirtschaftlich schwächere Süden verließ sich hingegen stärker auf Papiergeld, weshalb eine deutlich höhere Inflation die Bevölkerung demoralisierte. Am Ende des Krieges war die Staatsverschuldung von 1,5 auf gut 30 Prozent des BIP angewachsen. Die Anleihen des Nordens wurden zurückgezahlt und die Greenbacks stabilisiert. Die Greybacks des Südens waren durch Inflation entwertet, die Anleihen der Südstaaten wurden für null und nichtig erklärt.

Die Teilnahme am Ersten Weltkrieg (1917–1918) finanzierten die USA zu circa einem Drittel mit höheren Steuern, zu zwei Dritteln mit Staatsanleihen (Liberty Bonds). Die 1913 gegründete Federal Reserve Bank hielt das Zinsniveau niedrig, sodass die Banken Kredite für den Kauf der Liberty Bonds vergeben konnten. Die Preise stiegen moderat. Bei Kriegsende standen bei Banken, Haushalten und Unternehmen Anleihen im Gegenwert von rund 30 Prozent des BIP aus (nach drei Prozent bei Kriegseintritt).

Ab 1922/23 hielt die Fed die Zinsen tief, sodass ein kreditfinanzierter Boom – die „Roaring Twenties“ – den Anteil der Staatsverschuldung am BIP auf gut 16 Prozent sinken ließ. Doch die Kreditschwemme zog eine Spekulationsblase nach sich, deren Platzen in die Weltwirtschaftskrise führte. Die große Depression ließ die Schuldenquote bis zum Kriegseintritt 1941 auf rund 40 Prozent des BIP anschwellen.

Den Zweiten Weltkrieg finanzierten die USA zu einem großen Teil mit War Bonds, wobei der patriotische Druck auf die Bevölkerung zum Kauf groß war. Die Fed kaufte in Abstimmung mit dem Finanzministerium Staatsanleihen, um die Zinsen niedrig zu halten. Sie versorgte die Geschäftsbanken mit ausreichend Liquidität, damit auch diese Staatsanleihen kaufen konnten. Die Staatsverschuldung stieg auf über 120 Prozent des BIP.

Nach Kriegsende hielt die Fed die Zinsen auf die Staatsanleihen niedrig, während die Liberalisierung des Welthandels und marktwirtschaftliche Reformen in Deutschland und Japan das Wachstum erhöhten. Die sogenannte finanzielle Repression ließ die Schulden als Anteil am BIP immer weiter sinken. Eine strenge Regulierung verhinderte Übertreibungen auf den Finanzmärkten.

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Als in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre der Vietnamkrieg die Staatsverschuldung der USA wieder nach oben trieb, kauften die Fed und andere Zentralbanken US-Staatsanleihen. Die daraus resultierende weltweite Inflation hielt trotz Wirtschaftskrise die Staatsverschuldung als Anteil am BIP bei rund 30 Prozent.

Seit der Jahrtausendwende haben die Kriege in Afghanistan und Irak, die Folgen der Finanzkrise sowie ausufernde Sozialausgaben Billionen verschlungen. Hoch entwickelte Finanzmärkte und der Leitwährungsstatus des Dollars kombiniert mit einer expansiven Geldpolitik der Fed haben die hohen Staatsschulden dabei einfach gemacht.

Doch da weltweit das Misstrauen gegen den Dollar als Weltleitwährung wächst, sind der Finanzierung der hohen Schulden mithilfe der Fed Grenzen gesetzt. Ein frühes Ende des Iran-Kriegs könnte die Chancen erhöhen, dass Donald Trump sein Ziel der Sicherung des Weltleitwährungsstatus des Dollars noch erreichen kann.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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Letzte Aktualisierung: 11. April 2026