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Das World Economic Forum kämpft um seine Relevanz

Vom Ort globaler Visionen zum Symbol elitärer Selbstbeschäftigung: Das World Economic Forum steht vor der Frage, ob es im Zeitalter wirtschaftlicher Ernüchterung und politischer Polarisierung noch eine Zukunft hat.

GS
17. Januar 2026

Im Jahr 1971 lud Klaus Schwab, Professor an der Universität Genf, 444 Führungskräfte westeuropäischer Unternehmen zum European Management Forum ein, um sie mit Managementpraktiken aus den USA vertraut zu machen. Der Fokus der fortan jährlich stattfindenden Treffen in Davos verlagerte sich in der Folge auf volkswirtschaftliche und soziale Themen. Unternehmer trafen auf Politiker, und die Vision einer internationalen Konfliktlösung gewann an Bedeutung. 1987 wurde das Forum in World Economic Forum (WEF) umbenannt.

1988 trug die Davos Declaration dazu bei, einen Krieg zwischen Griechenland und der Türkei in letzter Minute abzuwenden. 2008 hielt Bill Gates eine Keynote über „kreativen Kapitalismus“, der die Ungleichheiten der Welt beseitigen sollte. 2022 stand der Klimanotstand auf der Agenda, mit Robert Habeck als hoch angesehenem Gast.

Doch es gab stets auch Kritik – nicht zuletzt, weil viel Geld im Spiel ist. Die Mitgliedsbeiträge großer Unternehmen sollen zwischen 40.000 und 600.000 Schweizer Franken liegen. Hinzu kommen immense Unterkunfts- und Sicherheitskosten für bis zu 3.000 Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik.

Die Idee des „Great Reset“ zog den Vorwurf von Weltherrschaftsplänen einer mächtigen finanziellen und politischen Elite nach sich. 2020 berichtete Bloomberg zudem, dass die Aktienmarkt-Performance teilnehmender Unternehmen unterdurchschnittlich ausfalle. 2025 verfestigte sich die Kritik, Klaus Schwab habe WEF-Ressourcen für einen luxuriösen Lebensstil missbraucht. Vorwürfe einer toxischen Arbeitsatmosphäre sowie der Manipulation interner Berichte wie des Global Competitiveness Report machten die Runde. Schwab trat zurück und ist in diesem Jahr nicht mehr dabei.

Nachdem die Idee schuldenfinanzierter Staatsausgaben für eine bessere Welt an ihre Grenzen gestoßen ist, kämpft das WEF beim Treffen in Davos 2026 um seine Relevanz. Im Lichte von Handelskonflikten, wachsender politischer Unsicherheit, persistenter Inflation und hoher Staatsverschuldung will das Forum Wege zu neuem Wachstum aufzeigen.

Da es nur noch geringe Spielräume bei Geld- und Fiskalpolitik als Wachstumsmotoren sieht, setzt das WEF auf Innovationen zur Steigerung der Produktivität. Unternehmen, Regierungen und Zivilgesellschaften müssten dafür enger zusammenarbeiten – unter dem Dach des Forums. Da sich die Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz grundlegend verändern werde, sollen Investitionen in Umschulungen und Weiterbildungen weltweit „widerstandsfähige Belegschaften“ schaffen. Zudem soll eine jährliche Finanzierungslücke von 10,5 Milliarden US-Dollar in den Gesundheitssystemen geschlossen werden. Auch hier setzt das WEF auf die Zusammenarbeit von Unternehmen, Regierungen und Zivilgesellschaften.

Für die Teilnahme von US-Präsident Donald Trump sollen sich die neuen Organisatoren Berichten zufolge sogar verpflichtet haben, dass „woke Themen“ wie der Klimawandel keine herausragende Rolle mehr spielen. Ob das WEF unter diesen Vorzeichen eine Zukunft hat, bleibt offen. Bereits beim Treffen 2024 kritisierte der neu gewählte argentinische Präsident Javier Milei das vorherrschende Denken in Davos scharf. Nicht der Kapitalismus sei Ursache wirtschaftlicher und sozialer Probleme, sondern zu lockere Geldpolitik, ausufernde Staatsausgaben und eine problematische Vermischung von Wirtschaft und Politik.

Nach Friedrich August von Hayek ist freier Wettbewerb ein Entdeckungsverfahren für Innovation und Effizienz. Expansive Geldpolitik und politische Eingriffe stören diesen Prozess. Auch Walter Eucken zufolge entsteht Wachstum durch einen zurückhaltenden Staat, der stabile Rahmenbedingungen für freien Wettbewerb schafft. Ein Treffen großer Unternehmen mit einflussreichen Politikern sei für mehr Wachstum und die Stabilisierung der Sozialsysteme nicht notwendig.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2026