CEO.Table – Ausgabe 87

Special: Die Start-up-Gewinner des Jahres + Friedrich Merz: „Wirtschaft muss innovativer werden“

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Special: German Startup-Awards

Noch nie wurden mehr Start-ups gegründet – aber sie werden nicht groß genug

2025 wurden in Deutschland 3.568 neue Start-ups gegründet, ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021. Das geht aus dem aktuellen Next-Generation-Report des Startup-Verbands hervor. Besonders dynamisch ist Bayern mit 247 zusätzlichen Gründungen (plus 46 Prozent); München liegt bei den Pro-Kopf-Gründungen erstmals mit sichtbarem Vorsprung vor Berlin.

Bei der Wachstumsfinanzierung dominiert dabei ausländisches Kapital. Im ersten Quartal 2026 sammelten deutsche Start-ups laut Venture-Capital-Dashboard der KfW 1,7 Milliarden Euro Wagniskapital ein – sechs Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Über drei Viertel der Mittel stammten aus dem Ausland, gegenüber rund zwei Dritteln in den beiden vorangegangenen Quartalen; 34 Prozent kamen allein von US-Investoren. Die meisten Deals schlossen Start-ups aus der Gesundheitsbranche (18 Prozent), gefolgt von Fintechs (knapp über 15 Prozent).

Künstliche Intelligenz war der wichtigste Wachstumsmotor. 27 Prozent aller Neugründungen haben einen KI-Bezug. Gleichzeitig spielte auch die Wirtschaftsflaute eine Rolle – mehr Menschen machten sich laut Startup-Verband aus wirtschaftlicher Not selbstständig.

Vor allem, wenn es um das Wachstum von Unternehmen geht, zeigt Deutschland allerdings noch Schwächen. Das liegt auch am Kapital, von dem zu viel nicht für Innovation ausgegeben wird. „Wir müssen uns etwas überlegen, dass die drei Billionen, die auf unseren Sparkonten liegen, mehr in Innovation fließen“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups, im Gespräch mit Table.Briefings. „Unsere Pensionskassen gehen noch gar nicht in Venture Capital – in den USA passiert das seit Jahrzehnten.“

Eine große Chance sei die WIN-Initiative des Bundes, ein im September 2024 vom Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam mit der KfW, Unternehmen und Verbänden gegründetes Bündnis. „Bis 2030 sollen zwölf Milliarden von Versicherern und Pensionskassen in Venture Capital fließen.“ Bislang ist laut Pausder nur ein Bruchteil davon tatsächlich mobilisiert. „Im Koalitionsvertrag steht 25 Milliarden, also sogar das Doppelte. Das müssen wir hinkriegen.“

Wie eine Gründerschutzzone die frühen Jahre eines Start-ups einfacher machen soll, welche Branchen gerade am stärksten wachsen und was sich gegen die Männerdominanz in der Szene tun lässt, verrät Verena Pausder im Podcast Table.Today am Freitag ab 5 Uhr.

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Heute Abend wurden in Berlin zum siebten Mal die German Startup Awards verliehen. Die Verleihung fand erstmals im Palais am Funkturm statt, mit rund 700 Gästen deutlich größer als in den Vorjahren. Vergeben werden die Awards vom Bundesverband Deutsche Startups. Aus knapp 500 Nominierungen hat eine Jury die Finalisten in den Kategorien Newcomer, Gründer und Investor des Jahres ausgewählt. Table.Briefings ist offizieller Medienpartner, in dieser Sonderausgabe stellen wir Ihnen die Gewinnerinnen und Gewinner im Detail vor.

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Bundeskanzler Merz: Mehr Wachstumskapital für deutsche Start-ups

Bundeskanzler Friedrich Merz forderte in seiner Rede bei den German Startup Awards bessere Bedingungen für Start-ups und mehr Innovationskraft. „Unsere Wirtschaft muss innovativer werden“, sagte Merz und verwies auf die Rolle von Start-ups für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit. Den Gründerinnen und Gründern sicherte er zu: Meine Unterstützung haben Sie.“

In der Wachstumsphase sieht Merz die größten Defizite. Deutschland sei stark bei Forschung, Universitäten und in der Frühphase von Gründungen – doch beim Wachstum gebe es Defizite. Vor allem in der zweiten und dritten Finanzierungsrunde fehle Kapital. Ziel müsse sein, dass Start-ups in Deutschland skalieren und hier wachsen, statt ins Ausland auszuweichen.

Gleichzeitig warnte Merz vor einer „Untergangsstimmung“ und rief zu mehr Zuversicht auf: Dass er vor wenigen Tagen beim Gewerkschaftsbund nicht freundlich empfangen wurde, stört ihn nicht: „Wir sind nicht dazu da, jedem zu gefallen. Wir sind dazu da, Widerstände zu überwinden.“ Das wolle er gemeinsam mit den Unternehmen angehen. „Wir haben begonnen mit einem grundlegenden Reformprozess für unser Land“, sagte Merz. Alexander Wiedmann

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Newcomerin und Newcomer des Jahres

Ruth Bosse Ark Climate

Ruth Bosse engagiert sich seit sie 14 Jahre alt war für den Klimaschutz. Mehr als ihr halbes Leben lang also, erzählt die 32-Jährige. Jetzt hat sie aus ihrer Berufung nicht nur einen Beruf, sondern gleich ein ganzes Unternehme gemacht: 2024 gegründete sie Ark Climate in München.

Das Start-up will Kommunen beim Klimaschutz helfen. Praxisorientierte Lösungen zur Reduktion von Emissionen nennt Bosse das. Dazu gehören etwa die Schaffung von Radwegen oder die Beratung von Privathaushalten und Unternehmen. Mit Ark Climate hat sie dafür eine Plattform geschaffen, in der Kommunen mithilfe von Datenmodellen ihre Klimaziele planen, Maßnahmen koordinieren und konkret deren Effekte messen können. Nach eigenen Angaben erzielte das Unternehmen bereits ein Jahr nach der Gründung einen Umsatz von 500.000 Euro und arbeitet derzeit mit über 40 Kommunen zusammen. 

Die Kommunen haben einen großen Hebel. Laut Umweltbundesamt ließe sich in Städten, Gemeinden und Landkreisen 16 Prozent der deutschen Gesamtemissionen einsparen. Und Hebel überzeugt oft auf Impact schielende Investoren:  In einer ersten Finanzierungsrunde sammelte Ark Climate 2,1 Millionen Euro ein. Der Climate-Tech-Investor Satgana beteiligte sich daran ebenso wie Another VC, der Voyagers Climate Fund und mehrere Business Angels.

So sehr Bosse für Visionen einer besseren Zukunft einsteht - studiert hat sie ganz rationale Wissenschaften. Erst Mathematik, dann Wirtschaftsinformatik. Später arbeitete sie als Beraterin für die Klimastrategie von Städten bei McKinsey. Um dann aber mit ihrem Start-up Klimaschutz nicht nur zu planen, sondern tatsächlich in die Umsetzung bringen zu können, kündigte sie diesen Job. Carlotta Bonnemeier

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Christian Ninastel Droidrun

Christian Ninstel ist erst 27 Jahre alt, könnte aber bereits als Seriengründer gelten. Drei Mal hat der Osnabrücker bereits gegründet. Er ist gescheitert, wieder aufgestanden und jetzt mit seinem KI-Start-ups Droidrun auf Erfolgskurs. Denn damit sei ihm, sagen KI-Investoren wie Adrian Locher von Merantix, ein echter technischer Durchbruch gelungen.

Droidrun hilft KI-Agenten, Smartphone-Apps zu nutzen und zu steuern. Zunächst konnten Agenten nur auf dem Computer oder im Browser Aufgaben übernehmen, nicht aber mobil. Droidrun ermöglicht es ihnen auch, Informationen einer App zu verarbeiten und dann tatsächlich aktiv zu werden, also beispielsweise Flügen selbst zu buchen oder Tischreservierungen automatisiert zu erledigen.

Der Anfang des KI-Start-ups lag im Grunde in einem Pivot. 2024 wollten Ninstel und seine Mitgründer ein Unternehmen starten, für das sie KI-Agenten für mobile Apps nutzen wollten - und stellten fest: Das geht ja gar nicht. Er und sein Team seien sicher gewesen, dass es für dieses Problem längst eine Lösung gibt – und entdeckten eine Marktlücke. Also verwarfen sie ihre Ursprungsidee und arbeiteten daran, KI-Agenten aufs Handy zu bringen.

Techies stürzten sich auf die Lösung. Nur zehn Wochen nach Gründung hatte Droidrun auf der Entwicklerplattform Github 3400 Stars und mehr als 320 Forks. Letzteres bedeutet, dass Testnutzer aus der Entwicklercommunity den Code ausprobiert und weiterentwickelt haben.

Weniger als ein Jahr später sammelten die Osnabrücker in ihrer ersten Finanzierung Wagniskapital in Höhe von 2,1 Millionen Euro ein. Angeführt hat Merantix Capital diese Runde, SixtyDegree Capital, Peter Sarlin, Mitgründer von Silo A, und Immoscout-Gründer Felix Jahn gingen mit. Carlotta Bonnemeier

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"Nach Jahren, in denen VC-Gelder knapp waren, hat sich eine neue Start-up Welt herauskristallisiert. Defense-Tech und AI sorgen für eine ganz neue Start-up Dynamik. Ich habe auch schon Ideen für eine neue Gründung - und diese beiden Bereich schaue ich mit genau an."
— Finn Age Hänsel, Seriengründer, der zuletzt mit seinem Cannabis-Start-up Sanity Group einen Exit gemacht hat

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Gründerin und Gründer des Jahres

Julie Lepique

Julie Lepique erinnert sich heute noch, wie sie anfangs oft für ihre Idee belächelt wurde. Erotische Hörspiele? Also quasi Pornos für die Ohren? Und dann auch noch speziell für Frauen?

Lepique und ihr Co-Founder Michael Holzner hatten eine ganz klare Marktlücke entdeckt: Es gab bis dato schlichtweg kein Angebot für Audio-Adult-Content für Frauen. Und das, obwohl Branchenexperten schätzen, dass der Sexual-Wellness-Markt bis 2027 weltweit auf einen Wert von über 39 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Und so gründeten die beiden 2018 Femtasy, die weltweit erste Streaming-Plattform mit erotischen Hörspielen für Frauen.

Das Marktpotential war das eine. Eine andere Motivation für Lepique ins Adult-Entertainment-Geschäft einzusteigen war: Sie will entgegen Stereotypen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen voran treiben. Aktuell bietet Femtasy ihren Abonenntinnen rund 1.500 erotische Geschichten und erzielt nach eigenen Angaben mehr als zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr. Weitere Finanzierungsrunden seien damit, so die Gründerin, auf absehbare Zeit nicht mehr nötig. Mittlerweile hat Femtasy auch nach nach Frankreich expandiert.

Unter den über zwei Millionen Femtasy-Nutzern sind fünf bis zehn Prozent Männer. Die Gründerin vermutet, das könnte an den hohen Standards ihrer Audio-Pornos liegen. Im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern aus dem Adult-Bereich stelle Femtasy eine „ethische Alternative zu herkömmlicher Pornografie“ dar. Carlotta Bonnemeier

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Jarek Kutylowski kam als Kind polnischer Eltern nach Deutschland, ohne Deutsch zu sprechen. Diese Erfahrung prägt ihn bis heute: „Ohne diesen Hintergrund der zwangsläufigen Zweisprachigkeit würde es DeepL vielleicht gar nicht geben“, sagt der Gründer. Denn welche Gräben gemeinsames Sprachverständnis überwinden kann, war ihm so immer schon klar.

Früh begann Kutylowski zu programmieren. Später studierte er Informatik in Breslau und Paderborn, damals schon mit klarem Fokus auf maschinelles Lernen und Sprachverarbeitung. Er sieht sich selbst als CEO und Gründer weniger in einem lauten Visionär, als vielmehr in einem klassischen „Builder“. Sein Durchbruch kam 2017: Aus der Übersetzungs-Suchmaschine Linguee entstand DeepL. Während Google Translate vor allem auf Masse setzte, punktete DeepL früh mit Qualität. Insbesondere bei komplexen, kontextabhängigen Übersetzungen schnitt das Start-up in Vergleichstest oft besser ab. Das brachte dem Kölner Unternehmen schnell eine treue Nutzerbasis - und Kapital.

VCs wurden auf das Kölner Start-up aufmerksam und stiegen ein. Darunter waren früh internationale Dickschiffe wie Bessemer Venture Partners, Index Ventures und Atomico. 2022 knackte DeepL die Milliardenbewertung und war damit eines der ersten deutschen KI-Unicorns und das bislang einzige aus Köln. 2024 lag die Bewertung dann bereits bei rund zwei Milliarden Euro.

Technologisch baut DeepL sein Produkt weiter aus. Aktuell werden 36 Sprachen unterstützt, mit „DeepL Voice“ sind inzwischen sogar Echtzeit-Übersetzungen möglich – ein Schritt Richtung universeller Sprachschnittstelle. Nötige Schritte um den Vorsprung zu halten: Große KI-Modelle von US-Konzernen holen auf, integrieren Übersetzungen direkt in ihre Systeme und machen den Wettbewerb breiter. Carlotta Bonnemeier/ Nina Anika Klotz

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Investorin und Investor des Jahres

Judith Dada ist vom Big-Tech-Konzern in die europäische Venture Capital-Szene gewechselt. 2017 verließ die Managerin Facebook und wurde General Partner beim damals neu gegründeten Berliner Fonds La Famiglia. Dort setzte sie auf eine These, die heute Mainstream ist: Europas Industrie und Tech müssen sich enger verzahnen.

Mit Geschäftspartnerin Jeannette zu Fürstenberg beteiligte sie sich unter anderem am Pariser KI-Startup Mistral und dem Münchner Defense-Unicorn Helsing. Nach der Fusion von La Famiglia mit dem US-Fonds General Catalyst wechselte Dada zum Berliner VC Visionaries Club um Gründer Robert Lacher. Ihr Investmentfokus liegt auch hier auf B2B-Techunternehmen, sie hat in KI-Start-ups wie Parloa, Industrie-KI-Firmen wie Orbem oder Pricing-Spezialist Buynomics investiert.

Dada ist zudem eine der Stimmen des Start-up-Ökosystems. Als solche hat sie unlängst etwa Europas strukturelle Schwächen angemahnt. Ihr Kernargument: Es fehlt nicht an Talenten oder Ideen, sondern an Kapital in der Wachstumsphase und an Risikobereitschaft. Gerade bei Series-B- und C-Runden verliere Europa regelmäßig seine besten Firmen an internationale Investoren. Für sie ist das kein Naturgesetz, sondern ein politisches und kulturelles Problem.

Ihr eigener Werdegang passt zu dieser Perspektive: Studium in München, später an der Columbia University und der University of Oxford. Heute bewegt sie sich zwischen den Ökosystemen im Silicon Valley, London und Berlin. Nina Anika Klotz

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Simon Schmincke

Simon Schmincke gehört zu der Sorte von Venture Capitalists, die nicht nur über Start-ups reden, sondern selbst welche aufgebaut haben. Bevor er Investor wurde, arbeitete er bei Rocket Internet, gründete in Singapur den Essenslieferdienst Foodpanda mit und baute später in New York das US-Geschäft von HelloFresh auf. Heute sagt er selbst, diese Zeit habe ihn stärker geprägt als jedes Lehrbuch über Unternehmertum.

Seit 2016 ist Schmincke Partner beim europäischen VC-Fonds Creandum. Der ist früh bei Firmen wie Spotify und Klarna eingestiegen. Schmincke verantwortet dort vor allem Investments in Fintech und KI. Zu seinen Beteiligungen zählen unter anderem Taxfix, Tide oder das Fraud-Detection-Start-up Seon.

Über sich selbst sagt Schmincke, er sei jemand, der „die ersten zwei Kilometer eines Unternehmens“ besonders gut beherrsche, den wilden Anfang, wenn Produkt, Team und Markt noch gleichzeitig explodieren oder implodieren können. Die restlichen 40 Kilometer des Marathons überlasse er lieber Gründern, die langfristig CEOs werden wollen.

Bevor Schmincke überhaupt in die Start-up- und VC-Szene eingestiegen ist, arbeitet er zeitweise als Fotograf. Heute noch fotografiert er analog, postet Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Flughäfen und Konferenzräumen auf Instagram und ab und zu auch Linkedin und nennt sich „VC through a 35mm lens“. Nina Anika Klotz

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Impact Entrepreneur des Jahres

Pia Wülfing, Gründerin PINK!

Pia Wülfing hat mit PINK! die erste, dauerhaft zugelassene digitale Therapie gegen Brustkrebs geschaffen. Das Hamburger Start-up stellt Information, Betreuung und Versorgung für Patientinnen zur Verfügung. Zum Angebot zählen die App PINK! Coach, die bereits rund 10.000 Mal auf Rezept an Brustkrebspatientinnen verordnet wurde, ein psychoonkologischer Online-Kurs, eine Online-Konferenz sowie eine kostenfreie Webinar-Reihe.

Jährlich erkranken zwischen 70.000 und 75.000 Frauen an Brustkrebs. Nach der Diagnose haben viele ein großes Bedürfnis nach Aufklärung und Informationen, aber aufgrund von Zeit- und Ressourcenmangel kann das Gesundheitssystem da oft nicht liefern. So beobachtete das Wülfing.

Wülfing weiß, wovon sie spricht: Für ihre wissenschaftlichen Publikationen über das Mammakarzinom wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe arbeitete zehn Jahre lang an der Universitätsfrauenklinik Münster und baute dort das Brustzentrum und klinische Studienzentrale mit auf. Anschließend leitete sie die onkologische Praxis und Tagesklinik an dem Mammazentrum Hamburg.

Infolge einer pandemiebedingten Auszeit begann sie 2020 zunächst, Podcasts zu produzieren. Gemeinsam mit Katharina von Troya gründete sie dann das Start-up und baute die PINK!-App, die 2021 veröffentlicht wurde. Allerdings folgte für die Zulassung als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zur Kostenübernahme der Krankenkasse eineinhalb Jahre Wartezeit. PINK! gehört seit 2024 der Gruppe Sidekick Health an, ein internationales Gesundheitsunternehmen mit Fokus auf digitaler Behandlung. Carlotta Bonnemeier

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Ali Abderrahmane war 18, hatte kein Kapital, kein Netzwerk und keine Erfahrung – und durfte nach dem Abitur formal nicht arbeiten, weil seine Familie Leistungen vom Jobcenter bezog. Also half er gemeinsam mit seinem Schulfreund Burak Erkovan Senioren in der Nachbarschaft. Aus diesen ersten, unbezahlten Einsätzen entstand JUHI, ein Berliner Start-up, das heute nach eigenen Angaben über 4.000 junge Helfer an mehr als 8.000 pflegebedürftige Menschen vermittelt.

Das Geschäftsmodell adressiert eine strukturelle Lücke im deutschen Pflegesystem. In Deutschland haben Millionen Pflegebedürftige Anspruch auf Alltagshilfe, finanziert über einen Betrag der Pflegeversicherung. Nur rund 20 Prozent rufen diese Leistung ab, sagt Abderrahmane – nicht weil der Bedarf fehlt, sondern weil Angebote fehlen oder die Betroffenen von ihrem Budget gar nichts wissen. JUHI stellt junge Menschen ein – Schüler, Studierende, Auszubildende – und schickt sie zu Pflegebedürftigen für Einkäufe, Haushaltsaufgaben oder Gesellschaft. Die Leistungen rechnet das Unternehmen direkt mit allen gesetzlichen Pflegekassen ab.

Hinter dem einfachen Modell steckt ein hoher Digitalisierungsgrad. Laut Gesundheitsstadt Berlin, deren Mitglied JUHI ist, sind 90 Prozent der Hintergrundprozesse digitalisiert – gestützt auf eine selbst entwickelte Software und App. Das ermöglicht Koordination in einer Branche, die traditionell kleinteilig und analog organisiert ist. Alex Hofmann

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"Es zieht wieder an – und Fintech erlebt gerade eine Rennaissance!"
— Miriam Wohlfarth, eine der ersten Fintech-Founderinnen in Deutschlands, hat den Zahlungsdienstleister Ratepay und Banxware gebründet.

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Ann-Kristin Achleitner warnte schon häufig, Europa drohe wegen zersplitterter Märkte ein schmerzhafter Verlust seines innovativen Potenzials. Die Konsequenz: Wachstumsunternehmen folgten ihren Geldgebern ins Ausland.

Achleitner lehrt als Distinguished Affiliate Professor an der Technischen Universität München (TUM) und seit Oktober 2024 zusätzlich an der ESMT Berlin. Sie sitzt in den Aufsichtsräten von Linde, Deutscher Post DHL Group und Lazard, ist Vizepräsidentin der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und Mitglied im Zukunftsrat des Bundeskanzlers. Den KfW-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance an der TUM hatte sie von 2001 bis 2020 inne.

Ihre Arbeit wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2014) und dem Bayerischen Verdienstorden (2019) gewürdigt. Ab sofort schreibt Achleitner auch als Kolumnistin für den CEO.Table von Table.Briefings. Alex Hofmann

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