CEO.Table – Ausgabe 85

Was die 70-Prozent-Vorgabe beim „Local Content“ die Autobauer bedeutet + Das Zins-Dilemma der EZB + Entnationalisierung des Geldes

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Executive.Summary

E-Autos made in EU

„Local Content“: Was die 70-Prozent-Vorgabe für die Autobauer bedeutet

Der Industrial Accelerator Act (IAA) der EU-Kommission soll europäische Industrien schützen. Das zentrale Motto: „Made in Europe“. Für verschiedene Sektoren sollen Vorgaben gelten, mit wie viel „Local Content“ sie produzieren, also wie groß der Anteil an Bauteilen sein muss, der aus Europa – oder aus in diesem Zusammenhang als zugehörig definierten Ländern – stammt. Für E-Autobauer gibt es eine besonders hohe Quote: Mindestens 70 Prozent des Werts der Fahrzeugkomponenten (ohne Batterie) soll Local Content sein. Das gilt, sobald öffentliche Mittel ins Spiel kommen – also etwa bei staatlichen Kaufprämien, Flottenprogrammen oder der öffentlichen Beschaffung. In der Theorie soll das die E-Autos deutscher Hersteller attraktiver machen. In der Praxis stellt der IAA und seine Local Content Quote diese vor Herausforderungen. Der Vorstoß sei, klingt bei Betroffenen durch, gut gemeint, aber schlecht gemacht.

Konkret hört sich das so an: „Wir begrüßen grundsätzlich die Absicht der EU-Kommission, lokale Wertschöpfungsketten aufzubauen“, lässt Mercedes auf Nachfrage von Table.Briefings wissen. Aber: Lieber sähe man eine „marktgetriebene Transformation ohne gesetzlich vorgeschriebene Quoten“. „Statt vorgegebener Quoten sollte die Nutzung von Local Content als Grundlage für Incentivierungen im Rahmen des Automotive Packages dienen.“ Ähnlich klingt das bei VW: Im Grunde sei Local Content gut. Aber: „Nun sollte Europa sicherstellen, dass die Anforderungen realistisch und wirksam sind.“ Noch seien einige Aspekte des Kommissionsvorschlags unklar und auslegungsbedürftig. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) zweifelt die „effiziente Umsetzbarkeit“ der vorgeschlagenen Vorgaben des IAA an. „Nach meiner Einschätzung ist der Vorschlag der falsche Weg“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Nach einer Schwächephase 2024 wächst der deutsche E-Automarkt wieder. Allein im April 2026 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 64.350 batterieelektrische Fahrzeuge neu zugelassen – ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dominiert wird der Markt bislang von europäischen und insbesondere deutschen Herstellern, der Druck aus China wächst allerdings spürbar. Hersteller wie BYD, MG, Leapmotor oder XPeng bauen ihre Präsenz in Europa aus und gewinnen Marktanteile. BYD verkaufte 2025 weltweit erstmals mehr reine Elektroautos als Tesla. Der zentrale Wettbewerbsfaktor ist der Preis. BYD bot einzelne Kleinwagenmodelle zeitweise für unter 20.000 Euro an.

Als „Lex China“ soll der IAA genau da wirken. Allerdings fürchtet Dudenhöffer, dass dieser Plan nicht aufgeht, weil ein Teil der Vorgaben unerfüllbar sei: „Nehmen wir eine Hochleistungsbatterie, die Kobalt als Kathodenmaterial nutzt. Wo soll das in Europa vorhanden sein?“ fragt er. Die EU habe in den letzten zehn Jahren versucht, eine eigene Batterie-Industrie aufzubauen und sei „kläglich gescheitert“. Auch bei Mercedes sieht man besonders diesen Punkt kritisch: „Nur mit einer stabilen und kompetitiven Zell- und Batteriefertigung in Europa könnte die Wertschöpfung auch bei Elektrofahrzeuge in Europa gesichert werden." VW teilt mit, zwar bereits in eine eigene, europäische Batteriezellenproduktion investiert zu haben, es brauche aber „ausreichend Zeit für den vollständigen Hochlauf. Das darf zeitlich im IAA nicht zum Nachteil werden, gegenüber Wettbewerbern, die einfach die bereits verfügbaren günstigsten Batterien einkaufen.“

„Die Vorgaben scheinen ‚per order de mufti‘ geschrieben zu sein und nicht an den Realitäten von Materialvorkommen, Software-Fähigkeiten, Produktionsverfahren orientiert zu sein“, urteilt Dudenhöffer. Es sähe „gleich mehrere Fragezeichen.“ Fragen gibt es auch in Grünheide, wo man die Idee von „Local Content“ zwar grundsätzlich begrüßt – aber: Es brauche mehr Klarheit bei der Berechnung des Local Content, so eine Sprecherin von Tesla. Im vorliegenden Entwurf sei unklar, inwiefern Wechselkurs- Schwankungen oder auch lokale Lohnkosten berücksichtigt würden.

Eine von allen geteilte Kritik ist diese: Der IAA verursache Kontroll- und Dokumentationsaufwand. Bei Mercedes fürchtet man, dass „die bürokratischen Belastungen in unverhältnismäßigem Maße zunehmen“ könnten. „Statt mehr Bürokratie braucht es klare und vor allem einfache Regelungen, die Innovation und Investitionen unterstützen, nicht behindern“, heißt es von Tesla. Dudenhöffer glaubt gar, der IAA könnte „eine neue Variante des Lieferkettengesetzes, das viel Ärger und Probleme gebracht hat,“ werden.

Zudem kritisiert er die Mathematik: Die Kosten für Elektroautos made in der EU würden durch die Vorgaben des IAA steigen. „Dabei gilt die Vorgabe für öffentliche Aufträge, also eine Preisdifferenzierung. Elektroautos im öffentlichen Bereich werden teurer und damit durch höheres Steueraufkommen bezahlt. Ist das wirklich hilfreich?“ Im Grunde bezahle so der Steuerzahler also diesen zusätzlichen Aufwand.

Stattdessen könnten Direktinvestitionen von internationalen Unternehmen helfen. „Die Ansiedlung von Champions ist besser als wenig wettbewerbsfähige Unternehmen durch künstlichen Schutz in die Zukunft zu tragen“, so Dudenhöffer. „Unsere Elektroautos sollen sich in den Weltmärkten positionieren und nicht durch Heimatschutz und administrative Vorgaben in Kostenpositionen gedrängt werden, die sie international nicht wettbewerbsfähig machen.“ So verliere die deutsche E-Auto-Industrie den Anschluss.

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TALBOT RUNHOF

CEO.Analyse

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Das Zins-Dilemma der EZB

Die EZB muss in diesen Tagen einen schmalen Grat bewältigen. Um die Teuerung zu senken, die im April bereits bei drei Prozent im Euroraum lag, müsste sie einerseits die Zinsen erhöhen. Andererseits droht sie mit zu starken Zinsschritten die wirtschaftliche Dynamik abzuwürgen. „Die EZB steht vor dem Zielkonflikt, Inflation zu bekämpfen, ohne die wirtschaftliche Entwicklung übermäßig zu bremsen“, sagt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski im Gespräch mit Table.Briefings und betont, die Unsicherheit liege vor allem darin, wie stark der Energiepreisschock auf die Konjunktur durchschlägt.

Die Märkte stellen sich daher auf einen vorsichtigen nächsten Zinsschritt ein. Für die kommende Notenbanksitzung am 17. Juni erwarten Experten überwiegend eine Anhebung um 25 Basispunkte, wobei die Terminmärkte eine Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent für eine Zinserhöhung derzeit einpreisen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel, zugleich Mitglied im EZB-Rat, machte im Interview mit dem Handelsblatt in dieser Woche deutlich, wie schwierig die Lage ist: „Niemand erhöht gern Zinsen, wenn das Wachstum stark belastet ist.“ Gleichzeitig unterstreicht er die Verpflichtung zur Preisstabilität und stellt klar, dass die Notenbank ihren Kurs konsequent verfolgen wird und ihren Auftrag „ohne Wenn und Aber“ erfüllen wird.

Die Notenbank bemüht sich zugleich, die Markterwartungen zu beruhigen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde vermeidet bewusst den Begriff der Stagflation – eine Phase schwachen Wachstums bei gleichzeitig hoher Inflation – und verweist auf die März-Projektionen. Demnach schwächt sich das Wachstum in der Eurozone ab, die Wirtschaft wächst jedoch weiter. Für 2026 erwartet die EZB ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent. Die Inflation dürfte im Jahresdurchschnitt 2,6 Prozent betragen und damit deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent liegen.

Im Kern geht es der EZB vor allem darum, dass Inflationserwartungen und die tatsächlich gemessene Inflation nicht zu stark auseinanderlaufen, erklärt ING-Chefvolkswirt Brzeski. „Die EZB kann die Inflation nicht allein mit Zinserhöhungen von 25 oder 50 Basispunkten eindämmen. Für die Notenbank geht es vor allem darum, die Erwartungen zu stabilisieren. Wenn Inflationserwartungen und tatsächliche Inflation zu stark auseinanderlaufen, verliert die Geldpolitik an Wirksamkeit.“ Laut der letzten EZB-Verbraucherumfrage aus dem März stieg der Median der in den vergangenen zwölf Monaten wahrgenommenen Inflation im März auf 3,5  Prozent nach 3,0  Prozent im Februar.

Die Erfahrungen aus der jüngeren Vergangenheit wirken dabei bis heute nach. Dass die EZB im Jahr 2022 infolge des Energiepreisschocks nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu spät auf die stark steigenden Preise reagierte, prägt die Debatte im Rat weiterhin. Damals kletterte die Inflationsrate im Oktober 2022 auf 10,6 Prozent. Entscheidend ist jedoch, dass die Ausgangslage heute eine andere ist: Die EZB agierte damals aus einem Umfeld extrem niedriger Zinsen heraus, das Ergebnis der jahrelangen Nullzinspolitik war. Heute liegt der Leitzins bereits bei zwei Prozent. (siehe Grafik).

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Gleichzeitig dürfte der Inflationsdruck auch in diesem Jahr noch nicht vollständig überwunden sein, weil Preisanpassungen zeitverzögert wirken. Unternehmen passen ihre Preise häufig zur Jahresmitte oder zum Jahresende an, wodurch sich die Effekte gestaffelt in den Inflationsdaten niederschlagen. Brzeski geht davon aus, dass sich diese Dynamik noch bis ins erste Quartal 2027 hineinziehen könnte, auch wenn die Inflationsrate seiner Meinung nach bereits Mitte des kommenden Jahres wieder deutlich unter zwei Prozent sinken dürfte.

Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich aus möglichen Zweitrundeneffekten und externen Einflüssen. Lagarde warnte zuletzt ausdrücklich: „Die Risiken für die Inflationsaussichten sind aufwärtsgerichtet“, insbesondere falls Energiepreise stärker oder länger steigen als erwartet. Solche Entwicklungen könnten sich über Kosten, Löhne und Erwartungen verstärken und durch neue Störungen in den globalen Lieferketten zusätzlichen Druck erzeugen.

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Iran-Krieg: Wie die Landwirtschaft weltweit auf steigende Kosten reagiert

Nach einem starken Anstieg der Energie - und Düngemittelpreise durch den militärischen Konflikt im Nahen Osten leiden Ackerbauern unter hohen Produktionskosten. Die Erlöse im Ackerbau stagnieren dagegen. Warum diese Auswirkungen aber nicht mit denen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine vergleichbar sind, lesen Sie im Agrifood.Table. Steffen Bach

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CEO.News

Gipfeltreffen: Freundliches Miteinander, harte Botschaft

Der Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping zeigte wirtschaftlich eine vorsichtige Annäherung, vor allem im Interesse großer US-Konzerne. Trump reiste mit Spitzenmanagern von Apple, Nvidia, Tesla und Boeing nach Peking und drängte auf besseren Marktzugang für US-Unternehmen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Trump vor der Reise selbst Millionen in Apple investiert hatte – allein im ersten Quartal bis zu 7,2 Millionen US-Dollar. Auch mit Aktien von Nvidia, Boeing, Amazon, Meta und Microsoft handelte er intensiv. Beobachter sehen darin nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern auch potenzielle Interessenkonflikte, da genau diese Firmen von möglichen Zugestöndnissen im China-Geschäft profitieren könnten. Nvidia erhielt parallel offenbar erste Freigaben für den Verkauf bestimmter KI-Chips an chinesische Unternehmen, Boeing sicherte sich einen Großauftrag über rund 300 Flugzeuge.

Trotzdem rechnen Experten nicht mit einer echten Entspannung: Exportkontrollen, neue chinesische Vorschriften und die anti-chinesische Stimmung in den USA dürften die wirtschaftliche Rivalität weiter verschärfen. Während Trump demonstrativ auf Harmonie und kurzfristige Deals setzte, machte Xi klar, dass Taiwan für China die rote Linie bleibt. Er warnte die USA ausdrücklich davor, das Thema falsch zu behandeln, da dies die Beziehung beider Länder in eine „äußerst gefährliche Lage“ bringen könne. Peking setzte diese Botschaft sofort öffentlich in Szene und zeigte damit, dass geopolitische Kerninteressen Vorrand vor wirtschaftlicher Kooperaton haben. Die USA wiederum konzentrierten sich stärker auf Handelsfragen und den Iran-Konflikt, etwa die Sicherung der Straße von Hormus für den globalen Energiehandel. Wie Trump sich zu Taiwan äußert und welche konkreten Vereinbarungen daraus folgen, können Sie im China.Table verfolgen.

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Mehr Frauen in Arbeit: Sozialpartner mit gleichem Ziel, aber unterschiedlichen Motiven

Auch wenn die Fronten zwischen ihnen in vielen Fragen verhärtet sind, verfolgen Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände in einem zentralen Punkt das gleiche Ziel: Mehr Frauen sollen in Vollzeit arbeiten. Übergreifend herrscht Einigkeit, dass das Ehegattensplitting, die kostenfreie Mitversicherung in der Krankenkasse und Minijobs dem als Fehlanreiz im Weg stehen. Das geltende Recht stärke die traditionelle Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern, sagen sowohl BDA als auch DGB und befürworten daher Reformen. Ebenfalls helfen könnten andere Arbeitszeiten, sagen beide – ziehen daraus aber unterschiedliche Schlüsse.

Die Motive hinter dem gemeinsamen Ziel sind nicht immer die gleichen. Für die Arbeitnehmer stehen eine bessere Lastenteilung in Familien sowie die Vermeidung von Altersarmut im Fokus. Die Arbeitgeber greifen zwar auch Gleichstellungsaspekte wie den der Unabhängigkeit auf, betonen aber ebenso den Nutzen für die Wirtschaft. Würden die Geschlechterunterschiede am Arbeitsmarkt angegangen, könnten Potenziale „für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Deutschland besser ausgeschöpft werden“, heißt es in einem Papier der BDA. Sie fordert eine weitgehende Abschaffung der Mitversicherung. Durch die Ausnahmen, die die Regierung plant, würden die möglichen positiven Erwerbsanreize nicht spürbar, heißt es in ihrer Stellungnahme zur GKV-Reform. Der DGB ist gegen Einschränkungen, da sie Familien hart träfen – er sieht anderswo besseres Sparpotenzial. Okan Bellikli

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Green-Tech: Anteil an Neugründungen in Deutschland sinkt

Laut dem vom Startup-Verband am Dienstag veröffentlichten Greentech-Monitor 2026 gibt es in Deutschland 2.903 aktive Greentech-Start-ups. Fast ein Viertel entfällt auf den Energiesektor, weitere 18 Prozent lassen sich den Umwelttechnologien zuordnen, sie beschäftigen sich etwa mit Wasser- oder Kreislaufwirtschaftstechnologien. Die Bedeutung der Branche wurde gerade erst bei der IFAT deutlich. Besonders viele Start-ups gibt es laut dem Verband in Berlin (549), München (222) und Hamburg (170).

Allerdings werden deutlich weniger Green-Tech-Start-ups gegründet. Waren es 2021 noch 545, sind es zuletzt nur noch 321 gewesen. Zur Begründung heißt es bei dem Verband: „Die politische Unsicherheit und das schwache Investitionsklima im Sektor hinterlassen ihre Spuren.“

Laut dem Monitor spielt die Forschung eine große Rolle. Zwei Drittel der Unternehmen gäben an, dass ihr Produkt aus wissenschaftlicher Forschung hervorgeht, „über die Hälfte bringt neue Technologien auf den Markt“. 62 Prozent der jungen Firmen wurden bei ihrer Gründung demnach von Hochschulen oder Forschungseinrichtungen unterstützt.

Massive Finanzierungslücke: Gegenüber US-Wettbewerbern fehlen deutschen Energie-Start-ups laut dem Monitor rund 500 Millionen Euro pro Jahr – bezogen auf den gesamten Green-Tech-Sektor seien es sogar mehr als eine Milliarde Euro.

75 Prozent der Unternehmen bewerten Deutschland im europäischen Standortvergleich positiv. Damit fielen die Bewertungen der Green-Tech-Unternehmen besser aus als die von Start-ups allgemein, heißt es. Caspar Dohmen

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CEO.Presseschau

n-tv

30-Milliarden-Dollar-Spritze macht Anthropic wertvoller als OpenAI

Der KI-Entwickler Anthropic hat eine Finanzierungsrunde über 30 Milliarden US-Dollar vereinbart, die das Unternehmen mit 900 Milliarden Dollar bewerten soll. Damit würde Anthropic seinen Konkurrenten OpenAI überholen. Investoren wie Dragoneer und Sequoia Capital führen die Runde an, welche die Bewertung des KI-Labors fast verdreifachen würde.
manager magazin

KNDS: Bundesregierung bremst Börsengang des Panzerbauers aus

Der geplante Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS vor der Sommerpause wird von der Bundesregierung gebremst. Grund ist ein interner Streit über die Höhe der Staatsbeteiligung, wobei das Verteidigungsministerium 40 Prozent und das Wirtschaftsministerium 30 Prozent anstrebt. Frankreich bietet nun gleiche Stimmrechte bei einem geringeren Anteil an, um den Börsengang eventuell doch zu ermöglichen.
finanzen.net

Cerebras-Aktie feiert Kursparty bei Börsengang - Ausgabepreis deutlich überstiegen

Der KI-Chip-Spezialist Cerebras hat einen erfolgreichen Börsengang an der NASDAQ absolviert. Der Erstkurs von 350 US-Dollar lag deutlich über dem Ausgabepreis von 185 US-Dollar, was dem Unternehmen 5,55 Milliarden US-Dollar einbrachte und die Bewertung auf rund 56,43 Milliarden US-Dollar hob. Trotz des erfolgreichen Debüts und innovativer Technologie warnen Analysten vor Risiken durch die hohe Bewertung.
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CEO.Personnel

Handelsblatt

Arne Freundt: Ehemaliger Puma-Chef startet bei Bogner

Arne Freundt, ehemaliger Vorstandschef von Puma, übernimmt zum 1. Juni die Leitung der Modemarke Bogner. Der Manager hatte Puma vor einem Jahr nach zweieinhalb Jahren an der Spitze verlassen. Die CEO-Position bei Bogner war vakant, seitdem Katjes International im vergangenen Sommer die Mehrheit am Unternehmen übernommen hat.
Börsen-Zeitung

Dorothee Blessing steigt bei J.P. Morgan weiter auf

Dorothee Blessing wird Co-Leiterin des globalen Investmentbankings bei J.P. Morgan in New York. Die 57-jährige Deutsche, bisher Leiterin des Bereichs Investment Banking Coverage, steigt im Zuge einer Neuordnung der Führungsebene auf. Neben ihr werden auch Kevin Foley und Jared Kaye zu Co-Leitern ernannt. Die Bank richtet zudem ihre Teams für Industry Coverage und M&A branchenspezifisch neu aus.
manager magazin

Siemens ordnet Aufsichtsrat neu

Der Zeitplan für den Wechsel an der Spitze des Siemens-Aufsichtsrats steht. Ex-Nestlé-Chef Mark Schneider soll Anfang 2027 Jim Hagemann Snabe ablösen. Nathalie von Siemens scheidet als Vertreterin der Gründerfamilie nach zwölf Jahren aus; ihr folgt Christoph von Seidel. Weitere Neulinge im Gremium ab 2027 sind Ola Rollén und Marion Helmes, die Benoit Potier ersetzt.
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CEO.Standpunkt

Stabile GKV-Beiträge ja – aber nicht so

Der Geschäftsführer von Johnson & Johnson beleuchtet die Folgen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes: Unkalkulierbare Rabatte könnten Innovationen, Investitionen und den Zugang zu neuen Medikamenten gefährden, mit Folgen für Versorgung und den Standort Deutschland.

Der Name klingt vielversprechend: GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sprechen von einer „historischen Sozialstaatsreform“, die „für lange Jahre Sicherheit“ schaffe. Das stimmt. Aber anders, als gemeint. Denn dieses Gesetz wird die Versorgung verschlechtern – und damit genau das bewirken, was die meisten Versicherten nicht wollen: Laut DAK Gesundheitsmonitor lehnt eine klare Mehrheit Maßnahmen ab, die Leistungen einschränken oder die Versorgung verschlechtern.

Mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz soll ein zusätzlicher Rabatt eingeführt werden, der sogenannte dynamische Herstellerabschlag: Wenn die Krankenkassen in einem Jahr mehr ausgeben, als sie einnehmen, müssen forschende Pharmaunternehmen nachträglich mehr Rabatt auf ihre Medikamente gewähren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Mehrkosten durch Medikamente verursacht wurden oder nicht. Die Höhe des Abschlags wird jedes Jahr neu festgelegt, ist für die Unternehmen also nicht planbar. Mit anderen Worten: Pharmaunternehmen sollen für steigende Ausgaben zahlen, auch wenn Medikamente damit nichts zu tun haben. Damit wird Innovation von Anfang an zur Sparmasse erklärt.

Ohne Planbarkeit keine Innovation. Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert bis zu 15 Jahre. Von 10.000 Wirkstoffen schafft es im Schnitt nur einer zu Zulassung. Die Kosten gehen in die Milliarden. Das finanzielle Risiko tragen die Unternehmen allein. Planungssicherheit ist für forschende Pharmaunternehmen deshalb das A&O. Wir müssen wissen, ob wir Preise verhandeln können, die den Wert unserer Innovationen widerspiegeln – und welche Belastungen auf uns zukommen.

Investitionsentscheidungen fallen nicht in Deutschland. Denn die Entscheidung, wo investiert wird oder ein neues Medikament zuerst auf den Markt kommt, fällt nicht in Deutschland, sondern in den globalen Headquarters. Unkalkulierbare Belastungen wie der dynamische Herstellerabschlag reduzieren meine Chancen in diesem Wettbewerb – und damit die Chancen für den Innovations- und Pharmastandort Deutschland – auf null. Gleiches gilt für meine Kolleginnen und Kollegen in anderen Unternehmen.

Das Gesetz sendet ein klares Signal: Gesundheit wird vor allem als Kostenblock mit enormem Einsparpotenzial betrachtet – nicht als strategische Investition in bessere Versorgung, Innovation und wirtschaftliche Stärke. Dieses Signal ist der wirksamste Showstopper für globale Investitionen, den ich mir vorstellen kann. Es ist zugleich der wirksamste Showstopper für die Erreichung der Ziele des Koalitionsvertrags: Wachstum und Wohlstand in Deutschland.

Deutschland verliert schon heute an Boden. Rund ein Drittel der neuen Medikamente aus den USA wird in Deutschland gar nicht erst eingeführt. 175 fehlen schon heute – viele mit hohem Nutzen für Patientinnen und Patienten. Mit anderen Worten: Wichtige, teilweise lebensrettende Therapien kommen später oder gar nicht in Deutschland an. Ein Gesetz, das forschenden Unternehmen unkalkulierbare Rabatte auferlegt, wird den Innovationsrückstand zwangsläufig vergrößern – und Deutschland im globalen Wettbewerb um Investitionen und neue Medikamente weiter zurückfallen lassen. Das ist keine Drohung – das ist ökonomische Logik.

Ja, es ist wichtig, die GKV-Finanzen zu stabilisieren. Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Aber: Nicht um den Preis, dass Menschen künftig länger oder vergeblich auf neue Medikamente warten müssen. Versorgung von morgen entsteht aus den Investitionen von heute. Wer die Grundlage dafür schwächt, stabilisiert vielleicht kurzfristig Beiträge – aber nicht das Entscheidende: eine leistungsfähige, innovative Versorgung.

Andere Wege sind möglich – und notwendig. Die Pharmaindustrie ist natürlich bereit, ihren Beitrag zu leisten – aber nicht unter Bedingungen, die Innovation unmöglich machen.

Urs Voegeli ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Janssen-Cilag GmbH, dem Pharmasegment von Johnson & Johnson in Deutschland.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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CEO.Finance

50 Jahre Hayeks Entnationalisierung des Geldes

Staatliche Geldpolitik führt laut Hayek zwangsläufig zu Inflation und Krisen. Sein Gegenentwurf – privater Währungswettbewerb – blieb lange unbeachtet. Doch digitale Währungen geben seiner Vision neue Aktualität.

Vor 50 Jahren veröffentlichte Friedrich August von Hayek sein Buch Choice in Currency: A Way to Stop Inflation. Auf Deutsch: Entnationalisierung des Geldes. Am Anfang verweist Hayek auf einen Satz aus The Wealth of Nations von Adam Smith, dessen Erstveröffentlichung sich 2026 zum 250. Mal jährt: Die Herrscher hätten immer wieder das Vertrauen ihrer Untertanen missbraucht, indem sie aus Habgier den Metallgehalt ihrer Münzen reduzierten.

200 Jahre später beklagt Hayek in Entnationalisierung des Geldes, dass die Menschen den inflationären Geldpolitiken der Zentralbanken aus Unkenntnis sogar Beifall spenden, obwohl der Schaden immens ist. Nach Hayek können demokratisch gewählte Regierungen nicht im Allgemeininteresse handeln. Die Versuchung, allen möglichen Unzufriedenheiten mit der Manipulation der Geldmenge zu begegnen, sei zu groß.

Billiges Geld schaffe nicht nur durch Inflation große Ungerechtigkeiten. Es verzerre auch die relativen Preise, was Produktionsfaktoren in Investitionsprojekte ziehe, die auf Dauer nicht überlebensfähig seien. Das ziehe unweigerlich Krisen nach sich. Wir sollten gelernt haben, dass die Geldpolitik viel eher eine Ursache als ein Heilmittel von Depressionen ist, weil es viel einfacher ist, dem Geschrei nach viel billigem Geld nachzugeben“, merkt Hayek an.

Seine Lösung: Statt staatlichem Geldmonopol sollen private Banken eigene Währungen emittieren dürfen – gelockt von beträchtlichen Geldschöpfungsgewinnen, auch Seigniorage genannt. Da die Nutzer ihr Geld freiwillig wählen, entsteht ein Wettbewerb zwischen den privaten Banken. Die Banken mit den stabilsten Währungen setzen sich durch. Um Nutzer anzulocken, böten die Banken möglicherweise zusätzliche Dienstleistungen wie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für ihre Kunden an.

In verschiedenen Teilen der Welt könne es Institutionen geben, die durch den Ankauf von Fiat-Währungen oder durch Kreditvergabe Noten und Einlagen mit ihren eigenen Bezeichnungen schaffen, beispielsweise einen privaten Schweizer Dukaten. Die Banken verpflichten sich, die Menge ihrer Währung so zu regulieren, dass ihre Kaufkraft gemessen an einem Warenkorb konstant bleibt. Wenn private Währungen zu stark an Wert verlieren, werden die emittierenden Banken von den Nutzern abgestraft, indem sie ihre Bestände reduzieren.

Während Hayeks Idee vom privaten Währungswettbewerb in den letzten 50 Jahren wenig Resonanz gefunden hat, haben seit der Jahrtausendwende zunehmend expansive Geldpolitiken schwaches Wachstum und wachsende Ungleichheit mit sich gebracht. In der Öffentlichkeit dominiert hingegen das Narrativ, dass Politiker und Zentralbanken mit immer mehr Geld die Welt besser machen. Die überwiegend staatlich finanzierte Wissenschaft hat die negativen Effekte expansiver Geld- und Finanzpolitik bislang kaum erkannt.

Doch mit digitalem Gold, Kryptowährungen und Stablecoins sind private Alternativen zu den staatlichen Papierwährungen entstanden. Die Auswirkungen auf das globale Geld- und Finanzsystem werden davon abhängen, wie die USA und die EU auf den wachsenden Währungswettbewerb reagieren werden.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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