Wann fahren autonome Shuttles in Deutschland, Sascha Meyer?

18. April 2026
„Wir sind in einer herausragenden Position, eine Lösung aus Europa für Europa und den Rest der Welt bereitzustellen“: Moia-CEO Sascha Meyer.

500 Millionen Euro pro Modellregion, drei Regionen, je 2.000 Fahrzeuge: Sascha Meyer, CEO der Volkswagen-Tochter Moia, hat eine genaue Vorstellung davon, wie der Markt für autonome Shuttles in Deutschland entstehen soll – mit staatlichem Geld. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat bereits signalisiert, dass die Mittel dafür fehlen. Die Gesamtentwicklungskosten liegen nach eigenen Angaben „im Bereich der Milliarden“.

Der eigentliche Treiber ist kein Technologieversprechen, sondern ein demografisches Problem. Bis 2030 fehlten im öffentlichen Nahverkehr bis zu 120.000 Busfahrerinnen und Busfahrer. „Wie können wir Mobilität zukünftig auf dem Niveau halten, das heute besteht – trotz der Herausforderung, dass uns menschliche Fahrer deutlich knapp werden?“, sagt Meyer. In Hamburg, dem Moia-Heimatmarkt, fordert die IG Metall gerade 20 Prozent mehr für die noch manuell betriebenen Shuttles. Die VW-Tochter hatte ihr Angebot aus Kostengründen bereits eingeschränkt.

Moia baut sein Geschäftsmodell grundlegend um. Statt selbst Fahrten anzubieten, verkauft das Unternehmen künftig Technologie als Paket: Fahrzeug, Software, Betriebsprozesse – an Flottenbetreiber wie die Berliner Verkehrsgesellschaft. Die Plattform soll auch außerhalb des VW-Konzerns angeboten werden. Mit Uber läuft eine Testpartnerschaft in den USA. Volkswagen prüft unterdessen einen Teilverkauf an einen strategischen Investor.

In Hamburg läuft gerade das Projekt Alike. Es ist ein Konsortium um die Hamburger Hochbahn, Moia, Volkswagen Nutzfahrzeuge und dem Karlsruher Institut für Technologie. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Vorhaben mit 26 Millionen Euro. Die Idee: Bis zu 20 autonome Shuttles sollen per App buchbar sein und den klassischen Nahverkehr ergänzen. Langfristig sind bis zu 10.000 autonome Fahrzeuge allein auf Hamburger Straßen denkbar – bis 2030.

Das technische Kernziel für 2027 ist die erste Betriebsgenehmigung eines autonomen Fahrzeugs. Die Serienproduktion habe in Hannover bereits begonnen. Erprobt wird in Hamburg, München und Austin, Texas; mit Partnern auch in Berlin, Oslo und Los Angeles. Das große US-Pendant Waymo plant vorerst keinen Europa-Einstieg. Für Meyer öffnet das ein Fenster: „Wir sind in einer herausragenden Position, eine Lösung aus Europa für Europa und den Rest der Welt bereitzustellen.“

Trotzdem bremst die europäische Regulierung. Für jeden neuen Betriebsbereich brauche Moia eine eigene Genehmigung, die nicht von Stadt zu Stadt übertragbar ist. „Für uns ist nicht eingängig, warum wir einen Führerschein, den wir in Hamburg gemacht haben, nicht in München oder in Berlin zur Anwendung bringen können“, sagt Meyer.

Ob Uber oder Lyft Interesse an einer Moia-Übernahme haben könnten, wie hoch der Erfolgsdruck seitens der Konzernmutter Volkswagen ist und wann Meyer Kostenneutralität gegenüber menschlichen Fahrern erwartet – das hören Sie heute in der CEO-Edition des Podcast Table.Today.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 18. April 2026