Siemens-CEO: „80 Prozent und schnell ist besser als 100 Prozent und fünf Jahre zu spät“

06. Mai 2026

Siemens investiert mehr als eine Milliarde Euro in die Erforschung und Entwicklung industrieller KI – der größte Teil davon fließt in die USA, ein weiterer nach China. Roland Busch, Vorstandsvorsitzender des Konzerns, erklärte beim Wirtschaftstag 2026 des Wirtschaftsrats der CDU, warum das so ist: Wo Modelle für Künstliche Intelligenz (KI) am schnellsten entstehen, muss Siemens präsent sein – und das sei derzeit nicht Europa.

Die Begründung liegt im Tempo. Die Zeiträume technologischer Transformationen halbieren sich – von 60 Jahren für die Dampfkraft über 30 Jahre bei Elektrizität und 15 Jahre bei Computern und dem Internet. Bei KI werden es demnach acht Jahre sein, so Busch, „drei Jahre sind schon vorbei“, sagte er. Das Fenster, in dem Deutschland noch reagieren kann, schließe sich schneller, als die Politik handelt.

Dabei sieht Busch industrielle KI als eine der wenigen Chancen, in denen das Rennen noch nicht gelaufen ist. Deutschland kenne die reale Welt, baue die Maschinen, kenne die Prozesse – und besitze damit den wichtigsten Rohstoff für KI: industrielle Daten. Siemens hat gerade einen „Engineering Agent“ vorgestellt, der selbstständig Software schreiben, validieren und Systemkonfigurationen entwickeln soll. Bei Audi sei das System schon im Einsatz und prüfe Tausende Schweißpunkte pro Minute.

Was Busch von der Politik fordert, fasste er knapp zusammen: „80 Prozent und schnell ist besser als 100 Prozent und fünf Jahre zu spät.“ Statt kleinteiliger Regulierung brauche die Wirtschaft Leitplanken und Vertrauen. Für die derzeitige politische Trägheit zeigte Busch kein Verständnis – dass Siemens seinen KI-Forschungsschwerpunkt in die USA verlagert, sei die Konsequenz aus genau dieser Langsamkeit. Alex Hofmann

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Letzte Aktualisierung: 06. Mai 2026