Reiche reist nach China – das erwartet die Wirtschaft

27. Mai 2026

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im ersten Quartal 2026 stiegen die deutschen Importe aus China laut dem Statistischen Bundesamt um 6,4 Prozent auf 44,6 Milliarden Euro – während die Exporte in die Volksrepublik um 12,5 Prozent auf 18 Milliarden Euro einbrachen. In dieser Gemengelage bricht Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nach Peking und Guangzhou auf – begleitet unter anderem von den Vorstandschefs von BASF und Thyssenkrupp sowie einem Siemens-Energy-Vorstand. BASF eröffnete im März im südchinesischen Zhanjiang einen neuen Produktionskomplex – für neun Milliarden Euro, es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Chemiekonzerns.

Aus Sicht der deutschen Wirtschaft muss wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden. „Wir haben heute ein Handelsdefizit gegenüber China. Das gilt es zu besprechen“, sagt Thyssenkrupp-CEO Miguel López. Gleichzeitig betont er eine Gegenseitigkeit, schließlich sei China sei ein sehr wichtiger Handelspartner. Und von dem könne auch Deutschland als Standort profitieren, wie es China vor 30 Jahren tat, als deutsche Unternehmen dort ansiedelten: „Wir sollten chinesische Unternehmen einladen, nach Europa zu kommen, in Europa zu produzieren, und damit ihren Teil für die Gesellschaft in Europa und auch Deutschland beizutragen.“

López geht zwar davon aus, dass es im Rahmen der Chinareise konkrete Abkommen geben wird. Aber es gehe auch – etwa mit Blick auf seltene Erden – darum, „abzusichern, wie wir an diejenigen Materialien kommen, die zu einem hohen Anteil in China nur verfügbar sind“. Mit Blick auf das eigene Geschäftsmodell sei aus seiner Sicht „sehr, sehr klar, dass wir uns in puncto Stahl nicht abhängig machen dürfen.“ Zölle und reduzierte Importmengen, wie sie ab dem 1. Juli in Kraft treten, seien die richtige Maßnahme, um resilienter zu werden.

Den deutschen Maschinenbauern sind derweil vor allem die direkten Eingriffe des chinesischen Staates ein Dorn im Auge. „Eine künstlich niedrig gehaltene Währung, überhöhte Subventionen und politisch motivierte Exportkontrollen sind keine Kavaliersdelikte“, lässt sich VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann zitieren. Sie gefährdeten nicht nur Europas Industrie. Staatlich induzierte Überkapazitäten in China seien ein weltweites Problem. „Ein gemeinsames und geschlossenes Auftreten erhöht den Druck auf China.“

Faire Wettbewerbsbedingungen und ein tatsächliches Level-Playing-Field müssen auch aus Sicht der Automobilbauer auf der Tagesordnung stehen. „Hier hat sich zuletzt ein deutliches Ungleichgewicht entwickelt – China und Europa müssen Vereinbarungen treffen, die wieder eine entsprechende Balance herstellen“, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Deutschland könne in diesen Diskussionen eine wichtige Rolle übernehmen.

Gleichzeitig blieben Berlin und Brüssel aufgefordert, aus sich heraus die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen und europäischen Standorts stärker in den Blick zu nehmen. Dazu gehöre, neue Handels- und Rohstoffpartnerschaften abzuschließen und somit die wirtschaftliche Stärke wieder auszubauen. International zeigt sich immer deutlicher, dass Wirtschaftskraft die Grundvoraussetzung für Relevanz und somit Einfluss ist. Hier müsse Europa die eigene Position deutlich verbessern. Alex Hofmann

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2026