Rechenzentren: Lobbycontrol kritisiert Einflussnahme von Big Tech auf Energie-Effizienz-Novelle

24. März 2026

Eine Recherche von Lobbycontrol und Campact, die Table.Briefings vorliegt, legt nahe, dass die vom Wirtschaftsministerium geplante Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) maßgeblich von Microsoft, Google und Co. beeinflusst wurde – teils wortgleich. Dies ergab ein Vergleich des geleakten Referentenentwurfs vom Dezember 2025 mit Lobbypapieren großer Tech-Konzerne. Betroffen sind vor allem die Passagen, in denen es um Rechenzentren geht. So gelte die Formulierung für Mindestwerte für Abwärmenutzung nicht, wenn „im Umkreis von fünf Kilometern eine technisch und wirtschaftlich zumutbare Anschlussmöglichkeit an ein bestehendes oder geplantes Wärmenetz nicht besteht“. Der Nachweis erfolge durch eine „Kosten-Nutzen-Analyse“. Sowohl die fünf Kilometer-Grenze als auch die Kosten-Nutzen-Analyse finden sich laut den Autoren des Vergleiches in einem Microsoft-Papier.

Besonders in der Kritik steht das Konzept des sogenannten Design-PUE. Statt die tatsächliche Energieeffizienz eines Rechenzentrums im Betrieb zu messen, würde künftig ein rein theoretischer Zielwert genügen. Demnach würde ein Rechenzentrum als effizient gelten, wenn es bei 80-prozentiger Auslastung die Vorgaben erfüllen würde, unabhängig davon, wie es tatsächlich läuft. Die im Gesetzentwurf genannten 80 Prozent finden sich sowohl bei der German Datacenter Association, Bitkom, eco und dem Rechenzentrumsbetreiber Vantage Data Centers. Christina Deckwirth, Expertin für Lobbyismus bei LobbyControl, warnt: Wenn Katherina Reiche das Energieeffizienzgesetz auf Geheiß von Microsoft und Google aushöhle, „agiert sie erneut als Sprachrohr der Konzernlobby. Das verschärft die gefährliche Abhängigkeit von US-Techkonzernen.”

Die politische Vorgeschichte ist aufschlussreich. Schon im Koalitionsvertrag habe Google per E-Mail an die Verhandler erreicht, dass eine Passage zur netzorientierten Ansiedlung von Rechenzentren gestrichen wurde. Das Narrativ vom „Bürokratieabbau" und der „1:1-Umsetzung von EU-Recht" – beide zentral im Referentenentwurf – seien seit Monaten Kernforderungen von Bitkom, Eco und der German Datacenter Association. Bemerkenswert: Die kurz zuvor vom Kabinett beschlossene Rechenzentrumsstrategie des Digitalministeriums hatte diese kritischen Punkte – die Aufweichung der Effizienzwerte, den Design-PUE, die Streichung der Abwärmepflichten – weitgehend ausgespart. Die eigentliche Substanz der Deregulierung steckt also im EnEfG-Entwurf, nicht in der öffentlich diskutierten Strategie. Leonard Schulz

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Letzte Aktualisierung: 24. März 2026