Ölpreise steigen, wirtschaftliche Auswirkungen für Deutschland begrenzt

Steigende Ölpreise durch den Konflikt im Golfraum belasten die Weltwirtschaft. Für Deutschland bleiben die wirtschaftlichen Folgen jedoch überschaubar, da Industrie und Handel kaum betroffen sind.

04. März 2026
An der Tankstelle machen sich die steigende Ölpreise bereits bemerkbar. (Imago Images)

Der Konflikt im Golfraum treibt vor allem die Energiepreise nach oben, während die realwirtschaftlichen Folgen für Deutschland bislang überschaubar bleiben. Die Rohölpreise der Sorte Brent zogen am Dienstag erneut an und notierten zwischenzeitlich bei 83 US-Dollar. Experten von Goldman Sachs und Deutsche Bank warnen vor Preisen bis 120 US-Dollar, was die Weltwirtschaft belasten würde. Laut der Privatbank Berenberg haben „die Märkte den Konflikt zumindest teilweise vorweggenommen“. Bereits vor der Eskalation war der Rohölpreis der Sorte Brent seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gestiegen.

Der Anstieg der Energiekosten wirkt sich auch auf die Inflation im Euroraum aus. Die Teuerungsrate stieg bereits im Februar, vor allem wegen höherer Energiekosten, um 0,2 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent. „Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig“, sagte EZB‑Chefvolkswirt Philip Lane der Financial Times. Die Commerzbank hält im Sommer Inflationsraten von bis zu 2,4 Prozent für möglich.

Für die deutsche Industrie sind die Risiken dennoch begrenzt: Der Anteil von Rohöl am industriellen Endenergieverbrauch ist laut einer aktuellen Analyse von Deutsche Bank Research über die Jahre kontinuierlich gesunken und liegt inzwischen bei weniger als vier Prozent. Weitaus wichtiger sind die Gaspreise, die zuletzt ebenfalls gestiegen sind. Allerdings hat sich die frühere enge Kopplung von Öl- und Gaspreisen deutlich gelockert – aufgrund der stark ausgeweiteten US‑Gasproduktion, des wachsenden LNG‑Handels und der Abkehr von langfristigen ölpreis-gebundenen Lieferverträgen zugunsten flexibler Spotmärkte. Wie die Preissprünge an den Energiemärkten die Befüllung der europäischen Gasspeicher für den kommenden Winter bedrohen, lesen Sie hier.

Auch der deutsche Warenhandel ist nur geringfügig betroffen. Die wichtigsten Absatzmärkte in der Golfregion – Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – stehen zwar zusammen für rund 20 Milliarden Euro an Exporten, machen aber lediglich etwa zwei Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren aus. Für die europäischen Lieferketten bleibt der Einfluss ebenfalls überschaubar. Zwar befinden sich derzeit rund 25 Schiffe deutscher Reedereien in den Gewässern des Golfs und können die Region aus Sicherheitsgründen nicht verlassen, wie der Verband der deutschen Reedereien berichtet. Die entscheidende Handelsroute zwischen Europa und Ostasien bleibt aber weitgehend stabil, da der Großteil des Containerverkehrs weiterhin um Afrika herumgeführt wird. Damit bleibt die für die Industrie wichtigste Verbindung weitgehend unberührt. Alexander Wiedmann

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Letzte Aktualisierung: 04. März 2026