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WEF: Wie KI den Arbeitsmarkt verändert – exklusive Zahlen zeigen erste Auswirkungen

Auf dem World Economic Forum wird vor einem KI-Tsunami gewarnt, der bis zu 60% der Arbeitsplätze in fortgeschrittenen Volkswirtschaften bedroht. Exklusive Daten zeigen, wo die Veränderungen jetzt schon stattfinden.

24. Januar 2026
In Davos treffen sich einmal im Jahr Wirtschaftselite und Politik. Der Umgang mit KI war eines der Kernthemen in diesem Jahr. (picture alliance / Photoshot | -)

Während die mediale Aufmerksamkeit auf geopolitische Debatten gerichtet war, wurde beim World Economic Forum noch ein anderes Thema heiß diskutiert: Führende Experten, Topmanager und Analysten warnten eindringlich vor den tiefgreifenden Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt. „Wir sehen ein Potenzial für einen Wachstumsschub von bis zu 0,8 Prozent in den nächsten Jahren. Aber es trifft den Arbeitsmarkt wie ein Tsunami, und die meisten Länder und Unternehmen sind darauf nicht vorbereitet“, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva in Davos. Der Internationale Währungsfonds kalkuliert, dass in fortgeschrittenen Volkswirtschaften bis zu 60 Prozent der Arbeitsplätze von KI betroffen sein werden, also sich stark verändern oder wegfallen.

Es wird ein Veränderungswettbewerb stattfinden, bei dem berufliche Weiterbildung eine Notwendigkeit ist. Für Blackrock-CEO Larry Fink braucht es schnelle Antworten – er zog einen historischen Vergleich zur Verdeutlichung: „Was passiert, wenn KI mit White-Collar-Angestellten das macht, was die Globalisierung mit Blue-Collar-Arbeitern gemacht hat?“ Die Technologie und die Geschwindigkeit der Veränderungen, die mit ihr kommen, würden nicht überbewertet. „Ich glaube nicht, dass wir in einer Blase sind.“ JPMorgan-Chef Jamie Dimon beantwortete die Frage, ob KI in den nächsten fünf Jahren zu weniger Arbeitsplätzen innerhalb seiner Bank führen werde, mit „eindeutig: ja“. Er warnte sogar vor sozialen Unruhen ohne koordinierte Umschulungsprogramme.

Vor den erhofften Effizienzgewinnen durch KI entstehen oft erhebliche Kosten. Mercedes-Benz etwa investiert mit Blick auf Digitalisierung und KI für die Personalentwicklung von 2022 bis 2030 rund 1,3 Milliarden Euro. Es seien nicht einzelne Bereiche betroffen, alle Jobprofile im Konzern veränderten sich: „Manche Jobs wandeln sich, manche werden verschwinden, gleichzeitig entstehen neue“, sagt Vorständin und Arbeitsdirektorin Britta Seeger zu Table.Briefings. Besonders deutlich werde der Wandel zum Beispiel in der Produktion – statt mechanischer Berufsausbildung komme es heute auf Kenntnisse in Datenanalyse und Industrial Internet of Things an, um mittels KI-Anwendungen Maschinenstörungen vorherzusagen.

Die Prognosen aus Davos spiegeln sich im deutschen Arbeitsmarkt wider. Eine exklusive Auswertung für Table.Briefings von rund 1,1 Millionen Stellenanzeigen auf Stepstone.de zeigt: Zwischen dem dritten Quartal 2024 und dem dritten Quartal 2025 brachen Wissens- und Bürotätigkeiten massiv ein – Projektmanagement um 48 Prozent, IT-Consulting um 34 Prozent, Call-Center-Jobs um 67 Prozent, Copywriting um 53 Prozent. Gleichzeitig legten operative Tätigkeiten kräftig zu: Fahrdienste um 107 Prozent, Verpackung um 119 Prozent, Sales um 87 Prozent. Technische Berufe wie Bauwesen und Produktion blieben stabil oder wuchsen moderat. Eine detaillierte Aufstellung sehen Sie in der Grafik:

Auswirkungen von KI? Wo derzeit weniger und mehr Arbeitskräfte gefragt sind. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Neben der rückläufigen Zahl an Stellenausschreibungen bauen Unternehmen auch Arbeitsplätze ab. Die Lufthansa Group etwa plant, bis 2030 weltweit rund 4.000 Stellen zu streichen und verweist dabei unter anderem auf Effizienzgewinne durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Mehr als ein Viertel der Unternehmen in Deutschland (27,1 Prozent) erwartet laut ifo Institut, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den kommenden fünf Jahren zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen wird. Was nicht nur beim WEF in Davos auch als Trend erwartet wird: „AI Washing“, Jobkürzungen also pauschal mit Einsparungen durch Künstliche Intelligenz zu begründen.

Die deutschen Arbeitnehmer bleiben derweil (noch) optimistisch: Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von Table.Briefings unter 1.000 Erwerbstätigen hatte ergeben, dass sich nur neun Prozent der Befragten große Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. (Mitarbeit Alexander Wiedmann)

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Letzte Aktualisierung: 24. Januar 2026