Kevin Warsh hat die goldenen und silbernen Wetten gegen den Dollar schwieriger gemacht

Mit Kevin Warsh rückt eine stabilitätsorientierte Geldpolitik in den Fokus – das Narrativ vom schwachen Dollar wankt, und sichere Häfen geraten unter Druck, argumentiert unser Kolumnist.

GS
07. Februar 2026

US-Präsident Donald Trump hat überraschend Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve nominiert. Er galt unter den fünf Kandidaten als derjenige, der am stärksten auf Geldwertstabilität ausgerichtet ist.

Die Gold- und Silberpreise reagierten mit deutlichen Abschlägen. Auch Bitcoin hat kräftig Federn gelassen. Alle diese drei Anlagenklassen gelten als sicherer Hafen gegen den Wertverlust der offiziellen Fiat-Währungen. Bringt Warsh die Abkehr vom schwachen Dollar?

Bereits zwischen 2006 und 2011 war Warsh im Direktorium der Fed. Er äußerte als Außenseiter Kritik an den umfangreichen Ankäufen von Vermögenswerten und trat vor Ende der Amtszeit zurück.

Er hat die quantitative Lockerung der Fed als Umverteilung zugunsten der Reichen kritisiert. Eine dauerhafte Ausweitung der Fed-Bilanz verwische die Grenze zwischen Finanz- und Geldpolitik und schade damit der Glaubwürdigkeit der Notenbank. Zentral ist für ihn deshalb die Verkürzung der Fed-Bilanz.

Hingegen wurde Warsh von Trump nominiert, der seit Beginn seiner Amtszeit nicht müde geworden ist, die Fed brüsk zu Zinssenkungen zu drängen. Trump hat zuletzt sogar offen angekündigt, dass Warsh sich nach seiner Ernennung zur Taube mausern wird.

Wie alle anderen Kandidaten auch hat sich Warsh im Laufe des Bewerbungsprozesses für Zinssenkungen ausgesprochen. Eine steigende Produktivität durch die KI könnte den Inflationsdruck senken, was Spielraum für Zinssenkungen eröffnen könne.

Doch es gibt auch den Becket-Effekt: Thomas Becket war in England als Kanzler ein enger Vertrauter des Königs. Nachdem Heinrich II. ihn zum Erzbischof von Canterbury ernannt hatte, verteidigte Becket kompromisslos die Unabhängigkeit der Kirche gegen königliche Übergriffe.

Auf den Finanzmärkten hat der Absturz der Gold- und Silberpreise gezeigt, dass sich das weit verbreitete Narrativ der maßlosen Zinssenkungen unter Trumps neuem Zentralbankpräsidenten nicht bestätigt hat. Die überhitzten Märkte wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Die aus den Fed Funds Futures ablesbaren Leitzinssenkungserwartungen bewegten sich nur sehr leicht um zehn Basispunkte (0,1 Prozentpunkte) nach unten.

Das Ziel von Warsh, die Bilanz der Fed zu verkürzen, wird von der Finanzpresse ernst genommen. Die Wall Street hat also nicht so reagiert, als hätte Trump eine ausgesprochene Taube nominiert.

Alles zusammen spricht eher für langfristige stabilitätsorientiertere Geldpolitik, welche aber erst in einem mühsamen Prozess umgesetzt werden müssten.

Weil Warsh im Federal Open Market Committee der Fed nur eine von zwölf Stimmen hat, dürfte der zukünftige Kurs der Fed auch vom Verbleib von Jerome Powell und Lisa Cook im wichtigsten Entscheidungsgremium abhängen.

Wie meist auf den Finanzmärkten bleibt also vieles ungewiss. Dennoch gilt: Warsh hat die goldenen und silbernen Wetten gegen den Dollar schwieriger gemacht.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2026