Wie der neue Schufa-Score berechnet wird

18. März 2026
Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.
Tanja Birkholz ist seit Sommer 2020 CEO der SCHUFA. (Florian Fischer)

Die Schufa geht in die Offensive und öffnet erstmals ihre Bewertungslogik. Der neue Score basiert auf zwölf definierten Faktoren und wird auf einer Punkteskala von 100 bis 999 berechnet, die Nutzerinnen und Nutzer selbst nachvollziehen können. Im Podcast Table.Today sagte CEO Tanja Birkholz, man habe „aus 250 Kriterien diejenigen ausgewählt, die hohe Prognosekraft haben und gleichzeitig nachvollziehbar sind“.

Birkholz betont, man habe den Banken klare Orientierungspunkte gegeben, „was ein guter und was ein hervorragender Score ist“. Ein guter Score liege demnach bei 709 Punkten. „Das ist ein durchschnittliches Risiko, und damit haben Sie kein Problem, einen Kredit zu bekommen“, erläutert sie. Laut Birkholz bleibt „das Wichtigste, Kredite zuverlässig zu bedienen, Käufe auf Rechnung einzuhalten und Rechnungen pünktlich zu bezahlen“. Schon die erste Mahnung wirke sich sichtbar aus. Je höher die Gesamtpunktzahl, umso besser die Bonität des Verbrauchers und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Rechnungen pünktlich bezahlt und Kredite zuverlässig getilgt werden.

Die zwölf Kriterien sind:

  • Zahlungsstörungen

  • Alter des ältesten Bankvertrags

  • Alter der ältesten Kreditkarte

  • Alter der aktuellen Adresse

  • Alter des jüngsten Rahmenkredits

  • Anzahl der Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten

  • Anzahl der Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten

  • Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen zwölf Monaten

  • Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite

  • Kreditstatus

  • Immobilienkredit

  • Vorliegen einer Identitätsprüfung

Die Offenlegung steht auch im Kontext jüngerer Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs, die strengere Transparenz bei der Verwendung von Scores als potenziell automatisierte Entscheidungen verlangen. Für Birkholz ist die Reform aber vor allem eine Antwort auf die digitalen Forderungen nach mehr Transparenz. Sie bezeichnet den neuen Ansatz als „den weltweit ersten vollständig transparenten Score für Kreditwürdigkeitsprüfung“.

Gegen Kritik verteidigt Birkholz den Schritt. Die Schufa sei „keine Blackbox mehr“: Ab sofort könne jeder seine gespeicherten Daten einsehen und den eigenen Score selbst nachrechnen. Forderungen der Linkspartei, die Schufa abzuschaffen und durch eine staatliche Kreditbehörde zu ersetzen, weist sie zurück. Dafür bräuchte es ein Gesetz und eine parlamentarische Mehrheit, „beides sehe ich aktuell nicht“. Über 50 Prozent der Anteile lägen bei Sparkassen und Volksbanken – „breiter und demokratischer kann eine Anteilseignerstruktur kaum sein“, so Birkholz.

Für Verbraucher verschiebt sich das System zugunsten schnellerer Verbesserungen nach negativen Einträgen. Für die große Mehrheit bleibt die bisherige Scoreklasse stabil, kleinere Gruppen verbessern oder verschlechtern sich leicht. Positive Verhaltenssignale werden künftig früher sichtbar, während historische Negativmerkmale relativ an Einfluss verlieren. Besonders Menschen mit verlässlichem Zahlungsverhalten und kurzer Kredithistorie können laut Birkholz künftig „leichter aufsteigen“.

Für die Finanzbranche wird entscheidend sein, wie schnell das neue Modell übernommen wird. Rund ein Viertel der Score‑Nutzer, darunter acht der 100 größten Bankpartner, arbeitet bereits mit der neuen Struktur. Bis Jahresende rechnet die Schufa mit rund 50 Prozent. Die Offenlegung erleichtert Banken die Abstimmung zwischen eigenen Risikomodellen und der offengelegten Score‑Logik.

Das gesamte Gespräch hören Sie im Podcast Table.Today.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 18. März 2026