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Was Deutschland von seinen Unicorns lernen kann

Deutsche Tech-Unternehmen könnten mit staatlicher Unterstützung als strategische Kunden durchstarten. Das Beispiel Celonis zeigt: Starke erste Kunden wie Siemens und BMW waren entscheidend für den internationalen Erfolg.

03. Januar 2026
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Celonis-Co-CEO Bastian Nominacher: Hauptsitz in München – und der Börsengang in ...? (Celonis)

Der öffentliche Sektor könnte deutschen Tech-Unternehmen zum Durchbruch verhelfen, wenn er als strategischer Kunde auftritt. „Der Staat kann da wirklich eine starke Rolle spielen als Ankerkunde“, sagt Bastian Nominacher, Mitgründer und Co-CEO von Celonis, im Podcast von Table.Briefings. Das Münchner Unternehmen, das mit Process-Mining-Software einen digitalen Zwilling von Geschäftsprozessen erstellt, um diese zu optimieren, erkennt im Public-Sektor-Markt enormes Potenzial. „Wir sehen, dass im Moment die Verwaltung sehr starken Bedarf hat nach Steigerung der Prozesseffizienz, nach souveränen Alternativen“, erklärt Nominacher. Anders als bei Rüstungs-Start-ups wie Helsing, wo sich Politiker derzeit gerne ablichten lassen, bleibt die politische Aufmerksamkeit für zivile Tech-Champions meist begrenzt.

Celonis ist einer der wenigen deutschen Tech-Champions, die Münchener Firma wurde 2021 – zehn Jahre nach der Gründung – das erste „Decacorn“ Deutschlands, also ein Unternehmen mit einer Bewertung von zehn Milliarden Dollar. Doch die Erfolgsgeschichte begann mit 12.500 Euro und einer Notlösung. Nominacher erzählt, warum das Start-up 2011 bootstrappen, also ohne Investorengelder allein aus operativen Erträgen wachsen musste: „Wir fanden keine Business Angels, die in das technologische Risiko investieren wollten.“ Erst als Ankerkunden wie Siemens, BMW und Bayer mitzogen, gelang der Durchbruch. Die Lektion: Ohne starke erste Kunden entsteht kein globaler Player.

Der Standort München zeigt, wie es funktionieren kann – aber das Modell muss skalieren. Die Kombination aus starken Universitäten, Industrieclustern und Initiativen wie UnternehmerTUM hat das Ökosystem geschaffen, aus dem Celonis hervorgegangen ist. „Das kann man auf andere Städte ausrollen", sagt Nominacher – eine entsprechende Leuchtturminitiative der Bundesregierung wurde im Oktober gestartet. Es brauche fünf bis sieben solcher Zentren in Deutschland, glaubt Nominacher. Die Alternative: Talent und Kapital wandern ab.

Beim AI Act zeigt sich Nominacher gespalten. Er unterstützt einen offenen Brief für eine zweijährige Aussetzung, betont aber gleichzeitig die Unterstützung der Prinzipien. Die Balance sei entscheidend: Es gehe darum, die Ziele „in einem Weg umzusetzen, dass es einerseits nutzbar ist und auch die Anwender entsprechend nicht zu stark einschränkt". Konkrete Fälle pausierter Projekte wegen des AI Acts kennt er allerdings nicht.

Was die 100 Millionen Dollar schwere Indien-Strategie von Celonis über den Standort Deutschland aussagt, worüber sich das Unternehmen mit dem Wettbewerber SAP streitet und warum ein Börsengang weiter auf sich warten lässt, hat Nominacher im Podcast Table.Today verraten – hier können Sie ihn anhören.

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Letzte Aktualisierung: 03. Januar 2026