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Vattenfall-Chef warnt vor Investitionsstopp bei erneuerbaren Energien

07. März 2026
Warnt vor zu vielen Hindernissen für Investitionen: Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski (links)

Drei parallele Reformpakete der Bundesregierung drohen Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien und Speicher zu blockieren. „Es sind so viele Bälle in der Luft“, sagt Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski in der CEO-Edition des Podcast Table.Today. EEG-Reform, Netzpaket und die AgNes-Reform der Bundesnetzagentur laufen gleichzeitig – ihre Gesamtwirkung ist für Investoren nicht kalkulierbar. „Diese Unsicherheit muss schnellstmöglich raus.“

Besonders der geplante Redispatch-Vorbehalt trifft die Branche ins Mark. Wer künftig in überlasteten Netzgebieten Strom einspeist, soll bis zu zehn Jahre keine Entschädigung bei Abregelung erhalten. Zurawski nennt das ein „Damoklesschwert“: „Viele Investitionsentscheidungen würden nicht kommen.“ Der Bundesverband Erneuerbare Energie warnt, dass 15 bis 20 Prozent der Netzgebiete in Deutschland betroffen wären. Die SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer hatte sich kritisch gegenüber dem Vorhaben gezeigt.

Zurawski plädiert für ein anderes Instrument: den Baukostenzuschuss. Den könne man von vornherein einkalkulieren, er steuere den Ausbau in die richtigen Gebiete – ohne jahrelange Unsicherheit. „Das verursacht keine große Unsicherheit, weil ich den von vornherein in meinen Business Case einkalkulieren kann.“

Auch beim Kapazitätsmarkt sieht Vattenfall einen Widerspruch. Zurawski hält das Instrument für zu komplex und zu teuer. Gleichzeitig könnten die geplanten AgNes-Reformen Pumpspeicherkraftwerke mit höheren Netzentgelten belasten. „Ich belaste ein vorhandenes Instrument für Flexibilität und führe gleichzeitig einen Kapazitätsmarkt ein – das macht keinen Sinn.“ Vattenfall betreibt mit 2,8 Gigawatt über 40 Prozent der deutschen Pumpspeicherkapazitäten und plant ein weiteres Werk in Thüringen mit 500 Megawatt.

Bei der Offshore-Windkraft zeige sich das gleiche Muster: Unsicherheit bremst Investitionen. Im vergangenen Jahr gab es für eine Ausschreibung kein einziges Gebot. Zurawski verweist auf gestiegene Investitionskosten – teilweise 40 Prozent Preisanstieg seit 2021 – und Kannibalisierungseffekte zwischen den Windparks in der Nordsee. Vattenfalls eigener Offshore-Windpark Nordlicht mit 1,6 Gigawatt, der zweitgrößte weltweit, wird ohne direkte Förderung gebaut. Baubeginn ist dieses Jahr, Inbetriebnahme 2028.

Ob das Ziel von 80 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 noch erreichbar ist und wie er zu Atomkraft steht, hat Vattenfall-Deutschlandchef Zurawski Table-Redakteur Malte Kreutzfeldt in der CEO-Edition des Podcast Table.Today erklärt.

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Letzte Aktualisierung: 07. März 2026