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Quantum Systems-CEO: „Brauchen wieder Unternehmen wie Bosch und Siemens“

14. Februar 2026
Eröffneten im Rahmen der MSC die Produktion von 10.000 Drohnen für die Ukraine: QFI-Chef Matthias Lehna, Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, Quantum-Mitgründer Sven Kruck (hinten), der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha (hinten), Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj und Quantum-CEO Florian Seibel (Viktor Funk)

Das Drohnen-Start-up Quantum Systems ist auf Shopping-Tour. Sechs bis sieben Akquisitionen 2025, im Januar 2026 „bereits zweimal beim Notar“, weitere Abschlüsse im Februar und März. Florian Seibel, CEO des Münchner Drohnenunternehmens, nennt seine Übernahmeziele „Goldnuggets“ – und findet sie quer durch Europa. Das Ziel: ein „Neo-Defense-Prime“, agil genug, um mit Rheinmetall und Airbus Defence zu konkurrieren. „Nur gemeinsam können wir einen relevant großen europäischen Defense-Champion bauen“, sagt Seibel im Gespräch mit Table.Briefings.

Zu den kommenden Deals will Seibel noch keine Angaben machen. Die vergangenen Zukäufe umfassen unter anderem:

  • den nordrhein-westfälischen Drohnenhersteller AirRobot (März 2025),

  • den britischen Anbieter Nordic Unmanned UK,

  • die Thüringer Softwarefirma Spleenlab (Oktober 2025),

  • das Münchner Mobility-Start-up Fernride (Dezember 2025) sowie

  • den Autozulieferer Hacker Motor (Februar 2026).

Das finanzielle Fundament dafür ist solide: 340 Millionen Euro Finanzierung 2025, Bewertung auf drei Milliarden Euro verdreifacht, Umsatz knapp 300 Millionen Euro – und 2026 soll er sich mehr als verdoppeln. Ein Drittel kommt aus Deutschland, ein Drittel aus der Ukraine, ein Drittel aus den USA, Australien und dem Rest der Welt. Der 210-Millionen-Euro-Vertrag der Bundeswehr für 520 Aufklärungssysteme ist Anker – und zugleich Argument für Seibels schärfste Kritik.

Fregatten und Kampfjets bekommen Abnahmegarantien über Jahrzehnte – unbemannte Systeme liefen noch auf Ein-Jahres-Optionen. Dabei zeigt der Krieg in der Ukraine: 60 bis 70 Prozent der Angriffe an der Front geschehen mit Drohnen. „Viele Politiker halten das noch immer für eine Modeerscheinung“, sagt Seibel – eine Fehleinschätzung, die Europa teuer zu stehen kommen könnte.

Währenddessen sind nun auch Bankkredite in der Verteidigungstechnologie angekommen. Das Drohnen-Start-up hat im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz ein Kreditpaket von 150 Millionen Euro bekanntgegeben, getragen von der European Investment Bank (EIB), Commerzbank, Deutsche Bank und KfW. Allein der EIB-Anteil beträgt 70 Millionen Euro – das Siebenfache ihrer ersten Investition in das Unternehmen aus dem Jahr 2021. Möglich wurde das durch gezielte Anpassungen der ESG-Rahmenwerke, die europäischen Banken nun erlauben, sicherheitsrelevante Technologien zu finanzieren.

Hinter dem Aufstieg von Quantum Systems steckt auch ein bekannter Financier: Peter Thiel. 2020 war der politisch umstrittene US-Investor einer der wenigen, der an europäische Dual-Use-Hardware glaubte. Seibel trennt scharf: Thiels Ansichten teile er kaum; seinen Instinkt als Tech-Investor schon. Ohne Thiels Marke wäre Quantum für europäische Venture-Capital-Firmen damals nicht finanzierbar gewesen. Thiel halte heute einen niedrigen einstelligen Prozentbereich und sitze in keinem Gremium.

Den langfristigen Horizont hat Seibel weit gesteckt. Quantum soll kein reines Verteidigungsunternehmen bleiben, sondern eine Robotik-Plattform werden, die Physical AI in zivile Märkte trägt. „Deutschland und Europa brauchen wieder Unternehmen wie Bosch oder Siemens“, sagt er.

Das vollständige Gespräch mit Florian Seibel hören Sie in Kürze im Podcast Table.Today. Der Quantum-Gründer verrät darin, wie sein Start-up in der Ukraine Kampferfahrung direkt in die Produktentwicklung einspeist, warum er den Rüstungsboom für keine Modeerscheinung hält – und wozu Europa einen neuen Typ Technologiekonzern braucht.

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Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2026