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Investitionsbeauftragter: Das Geld ist da – was fehlt, sind die Projekte

Obwohl ausreichend Kapital für Infrastrukturprojekte vorhanden ist, mangelt es an investierbaren Vorhaben mit verlässlichen Rückflüssen. Internationale Investoren interessieren sich für Deutschland dabei eher zur Risikostreuung.

28. Februar 2026
Vom Kanzler für Investments beauftragt: der frühere Commerzbank-CEO Martin Blessing (rechts).

Nicht mangelndes Kapital hemmt private Investitionen in Brücken, Datenzentren oder bei der Energieversorgung – sondern das Fehlen strukturierter Vorhaben mit stabilen Cashflows. „Das Kernthema ist gar nicht, das Geld zu finden“, sagt Martin Blessing, persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers für Investitionen und Aufsichtsratsvorsitzender der Germany Trade and Invest (GTAI), zu Table.Briefings. „Da ist das Kernthema, die investierbaren Projekte zu generieren.“ Privates Kapital brauche garantierte Rückflüsse über Jahrzehnte – keine Haushaltszusagen, die im nächsten Etatstreit womöglich wegfallen. „Wer 100 Millionen Euro in eine Brücke steckt und fünf Prozent Return erwartet, will fünf Millionen Euro sehen.“

Das Interesse internationaler Investoren an Deutschland ist real, zu guten Teilen sei es aber ein De-Risking. Viele institutionelle Investoren hätten zu viel US-Exposure aufgebaut – nun rechneten sie mit einem strukturell schwächeren US-Dollar und diversifizieren. „Wenn der Dollar jedes Jahr fünf Prozent verliert, dann sind Sie schon fünf Prozent hinten, bevor das Asset irgendeine Rendite gemacht hat“, erklärt Blessing. Die technologische Dynamik der USA schätzen Investoren weiter höher ein als die europäische.

Blessings „Equity Story“ für Deutschland hat einen klaren Kern: Kurswechsel nach 25 Jahren Unterinvestition. Das 500-Milliarden-Sondervermögen und die Bereichsausnahme für Verteidigung sind für ihn kein fiskalpolitisches Detail, sondern ein Signal an die Märkte. Als Beleg nennt er die Ansiedlung des US-Pharmakonzerns Eli Lilly in Alzey: 2,5 Milliarden US-Dollar Investition in eine Produktionsstätte für Abnehmpräparate. Das Projekt wurde begleitet von der GTAI und von Land Rheinland-Pfalz entwickelt.

Die Hemmnisse sind dieselben, die Investoren seit Jahren benennen. Blessing zählt auf: Genehmigungsverfahren, Bürokratie, Energiekosten, Arbeitsmarktflexibilität. Er setzt Hoffnung in die 200 Maßnahmen der Ministerpräsidentenkonferenz vom Dezember 2025 und verweist auf die LNG-Terminals als Beweis, dass Deutschland schnell genehmigen kann – wenn der politische Wille da ist.

Was sein eigentlicher Antrieb in der Rolle als Investitionsbeauftragter ist und ob er seine Provision nach einem Jahr im Job schon verdient hat, verrät Blessing im Podcast Table.Today.

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Letzte Aktualisierung: 28. Februar 2026