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„Europa fehlt der Risikoappetit, nicht die Chancen"

Europa hat sich zur Weltführerin in der Tech-Regulierung erkoren, doch es mangelt am nötigen Risikoappetit für Innovationen. Die US-Investorin Margit Wennmachers sieht darin die Hauptursache für den Rückstand gegenüber Silicon Valley.

17. Januar 2026
Margit Wennmachers auf der DLD-Konferenz in München (picture alliance for DLD/ Hubert Burda Media | Sebastian Gabriel)

Die US-amerikanische Tech-Szene habe keinen unlauteren Vorteil durch die Nähe zu Donald Trump. „Das ist eine Ausrede“, glaubt Margit Wennmachers. Die langjährige Marketingchefin von Andreessen Horowitz, einem der relevantesten US-Investoren, sieht den Rückstand der hiesigen Firmen tiefer verwurzelt. „Vor Trump gab es auch keine große Tech-Szene in Europa“, sagt sie im Gespräch auf der DLD-Konferenz in München zu Table.Briefings. In 16 Jahren bei der einflussreichsten Risikokapitalfirma des Silicon Valley hat sie „Dutzende von Delegationen“ empfangen, die wissen wollten, wie man ein zweites Silicon Valley baut. „Das ist nie passiert.“

Die KI-Welle ist die bislang größte und aggressivste Veränderung in der Tech-Welt. ChatGPT erreichte 100 Millionen Nutzer in zwei Monaten – Instagram brauchte dafür zwei Jahre. „Sowas haben wir noch nicht gesehen“, beschreibt sie die Dynamik. Auf die großen Sprachmodelle folge nun der Application Layer mit Agenten, etwa für rechtliche und medizinische Anwendungen. „Es ist im Grunde genommen so, als würde das Internet jetzt endlich einmal funktionieren.“

Europa hat sich entschieden, „der Führer in der Regulierung zu sein“ – und Wennmachers hält das für verfrüht. Die geopolitische Dimension der KI-Entwicklung sei entscheidend: Es gehe darum, wer die Modelle besitzt. „Es ist wichtig, dass die westliche Welt das gewinnt“, erklärt sie. Die Open-Source-Modelle aus dem Land seien für Unternehmen zwar verlockend. Aber China habe keine Redefreiheit, entsprechend gebe es also freiheitliche Gedanken in den Modellen gar nicht. „Europa und Amerika sollten zusammenarbeiten“, sagt Wennmachers – und hält das trotz unterschiedlicher Einstellungen etwa zu Datenschutz für möglich.

Das Silicon Valley erlebt durch KI eine Renaissance. „San Francisco is so back", sagt Wennmachers. Nachdem viele Firmen wie Oracle, Tesla oder Palantir nach Texas oder Colorado umgezogen sind und die Stadt etwas an Leben verloren hatte, seien die Gespräche in den Cafés wieder anders: „Da redet jeder von einer Idee und wer was wo investiert hat und wen man einstellen kann.“ Auch Verteidigung sei als Investitionsbereich salonfähig geworden – früher ein „schmutziges Wort“. Weitere Wellen wie verbesserte Blockchain-Technologien und Quantum Computing stünden bevor.

Europas Kernproblem sei vor allem der fehlende Risikoappetit. „Die Europäer haben einfach nicht diese Liebe zum Risiko“, diagnostiziert Wennmachers. Bei Andreessen Horowitz scheitern acht von zehn Investitionen – „und das ist okay“. Wichtig sei, dass Scheitern keine beschämende Erfahrung sei. „Lasst alle Experimente laufen. Irgendwelche werden sicher klappen.“ Dabei müsse man von Beginn an global denken – ohne den Mut zu verlieren: Die Konkurrenz sei nicht das andere Start-up in Deutschland oder Paris: „Die Welt ist die Konkurrenz.“

Was Margit Wennmachers über die Zukunft von KI denkt, warum Deutschland trotz allem Chancen hat und wie sie ihre Zeit nach Andreessen Horowitz plant, hören Sie im Podcast Table.Today.

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Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2026