DHL-Chef: Briefgeschäft nur noch als Ergänzung zum Paket tragfähig

13. Mai 2026
Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.
DHL-CEO Tobias Meyer zu Gast im Table-Today-Podcaststudio. (DHL)

Die klassische Briefzustellung in Deutschland verliert für die DHL Group weiter an Bedeutung. „Dieser Rückgang ist ja nicht überraschend. Er kommt in Deutschland etwas später als in anderen Ländern“, sagte Konzernchef Tobias Meyer im Podcast Table.Today. 2025 sank das Briefvolumen um sieben Prozent, im ersten Quartal beschleunigte sich der Rückgang auf minus 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dafür verweist Meyer auch auf einen Sondereffekt: „Für das erste Quartal ist vor allen Dingen anzumerken, dass wir im Vorjahr die Bundestagswahl hatten.“ Klar ist für ihn dennoch: „Alleine Briefe flächendeckend täglich zuzustellen, das wird nicht mehr tragfähig sein.“

Der Briefdienst bleibt erhalten, steht aber zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. „Es ist kein Klotz am Bein“, betonte Meyer. Ganz aufgeben will DHL ihn nicht. „Wir werden weiter einen qualitativ hochwertigen Briefdienst anbieten können, aber als Ergänzung des Paketgeschäftes“, sagte er. Voraussetzung dafür seien aber auch die regulatorischen Rahmenbedingungen. Entscheidend sei vor allem die Verzahnung: „Wenn wir das nicht über die Jahre enger mit dem Paketgeschäft verzahnt hätten, könnten wir das nicht zu den Preisen anbieten, die wir heute haben.“ Der Paketboom konnte das schwächelnde Briefgeschäft allerdings nicht vollständig ausgleichen, das operative Ergebnis (EBIT) im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland sank im ersten Quartal 2026 um 5,8 Prozent auf 264 Millionen Euro (siehe Grafik).

Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Der Konzern stellt derweil seine Struktur neu auf. Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre mit großer Mehrheit einer Neuordnung zu: Das Deutschlandgeschäft Post & Paket wird ausgegliedert und künftig als eigenständige Tochter unter dem Namen Deutsche Post AG geführt, während der börsennotierte Konzern in DHL AG umfirmiert. Meyer wies dabei den Eindruck eines Bruchs zurück: „Deutsche Post ist nicht Geschichte – das ist eine falsche Wahrnehmung. Wir vollziehen im Grunde nur nach, was längst gelebte Praxis ist.“

Das Wachstum des Konzerns kommt zunehmend aus dem Ausland. Rund 80 Prozent des Umsatzes erzielt die DHL Group außerhalb Deutschlands. „Wir gucken eben dorthin, wo Wachstum ist, wo Handelsströme wachsen“, sagte Meyer. Wachstum sieht er vor allem außerhalb Europas: „Der Handel innerhalb Asiens, mit dem Mittleren Osten und mit Lateinamerika ist stark gewachsen.“ Gleichzeitig bleibe Europa ein zentraler Markt für den Konzern, während der boomende Onlinehandel das Paketgeschäft weiter antreibt.

Trotz geopolitischer Spannungen und globaler Unsicherheit wächst der weltweite Handel weiter – und davon profitiert auch DHL: 2025 erzielte der Konzern ein operatives Ergebnis von 6,1 Milliarden Euro. Meyer führt das auch auf die Organisationsform zurück: „Das funktioniert, weil wir uns bewusst entschieden haben, nicht alles zu zentralisieren. Diese Spezialisierung und starke lokale Aufstellung ermöglicht es uns, schnell und flexibel zu reagieren und gezielt dort zu wachsen.“ Im ersten Quartal diesen Jahres konnte der Konzern sein Operatives Ergebnis um 8,3 Prozent auf 1,483 Milliarden Euro steigern.

Welche Erwartungen der DHL-Chef an das Geschäftsjahr 2026 hat, wo er Wachstumschancen für sein Unternnehmen sieht und wie der Konzern Künstliche Intelligenz im operativen Geschäft bereits erfolgreich einsetzt, hören Sie im ausführlichen Interview im Podcast Table.Today.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 13. Mai 2026