Spenden – aber so, dass es auch Business-Menschen überzeugt

Der Ex-CEO der Welthungerhilfe hat Impacc gegründet - eine Hilfsorganisation, die wie ein VC funktioniert und Spenden in afrikanische Startups investiert, um Business-Menschen sinnvolles Engagement zu ermöglichen

21. März 2026
Till Wahnbaeck, Gründer von Impacc
Erst Konzernmanager, dann CEO, jetzt Investor und Armutsbekämpfer in einem: Till Wahnbaeck (Manu Agah)

Mit Anfang vierzig fragte sich Till Wahnbaeck, damals Konzernmanager bei Procter & Gamble, nach einer steilen Karriere und messbaren Erfolgen in der Tasche: Ist es das, was er will – oder fehlt seinem Schaffen Sinn? Wenig später wechselte er den Job, wurde CEO der Welthungerhilfe.

Aber Sinn allein macht auch nicht den Unterschied, stellte er fest. Auch die Mittel müssen gut sein: In der klassischen Entwicklungshilfe fehlten ihm Werkzeuge, Entwicklung und Wachstum anzuregen – solche, die ihn als Top-Manager aus der Privatwirtschaft und alle, die ähnlich ticken, überzeugen.

Was wäre, wenn man junge Unternehmen und Gründer unterstützt – statt Brunnen zu bohren und Schulen zu bauen? Meine Zukunftsvision für afrikanische Länder ist ein kleinteiliges Wachstum“, erklärt er. Große Investitionen in Solarparks oder Wasserstoffproduktion würden das Problem nicht lösen, dass Menschen Jobs brauchen, um in Würde zu leben. „Jobs werden weniger von Großprojekten geschaffen, als von vielen kleinen Start-ups.“

2019 gründete er Impacc. „Eine Hilfsorganisation, die Armut bekämpft, aber wie eine Venture-Capital-Bude funktioniert“, sagt Wahnbaeck. Er hat einen Investmentfonds aufgeleht und investiert aus diesem in ostafrikanische Startups, gibt Geld und bekommt dafür Unternehmensanteile – tatsächlich wie ein VC, ein Wagniskapitalgeber.

Das Geld, das Impacc investiert, aber sind Spenden. Das ist anders als beim Venture-Capital-Geschäft. Statt Fondsinvestoren, die auf einen Return on Investment hoffen, gibt es Spender – staatliche Institutionen, klassische Hilfsorganisationen, aber auch Family Offices und Unternehmer, die wie Wahnbaeck einst Sinn suchen und Gutes tun wollen. Dieses Modell ist ein Novum: Wer Spendenbescheinigungen ausstellt, darf nur begrenzt geschäftstätig sein. Impacc war das erste deutsche Unternehmen mit dem Recht, Spenden zu investieren.

Dennoch will Impacc Rendite erwirtschaften – wie ein VC. Die Start-ups sollen wachsen und ihren Unternehmenswert steigern. Aber das ist für Impacc nicht der einzige Gewinn: Anders als für klassische VCs ist ein zentrales Impacc-Investmentkriterium auch, dass die unterstützten Jungunternehmen Arbeitsplätze schaffen.

Mehr als 1,2 Millionen Euro hat Impacc nach eigenen Aussagen bisher in zwölf afrikanische Firmen investiert und dabei 2.809 Jobs geschaffen. Und es gab auch schon Exits, Impacc hat einige seiner Beteilungunen schon wieder verkauft. Kein 10x, keine Fundreturner – und doch immer ein Gewinn: Denn selbst wenn Impacc beim Verkauf seiner Unternehmensanteile nach einer gewissen Zeit nur das eingesetzte Kapital zurückbekommt, kann der Quasi-VC die gleiche Spende noch mal investieren, in das nächste Start-up.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 21. März 2026