CEO.Table CEO.Economics

Stürzen Gold, Bitcoin und Tech-Werte miteinander ab?

Bitcoin stürzt ab, Gold bricht ein, Tech-Werte schwächeln: Kevin Warshs Fed-Nominierung schürt Angst vor dem Ende des billigen Geldes. Was das für die Märkte bedeutet, erklärt unser Kolumnist.

GS
28. Februar 2026

Auf den Finanzmärkten geht die Angst um. Der lange bejubelte Bitcoin setzt seit Herbst 2025 eine rasante Talfahrt fort. Es ist vom größtem Crash seit 2021 die Rede. Die seit der Bekanntgabe von ChatGPT exorbitant boomenden Tech-Werte kommen nicht mehr voran, weil sich Besorgnis um eine Blase breit gemacht hat. Der Goldpreis, der 2025 weiter stark angestiegen ist, stürzte Ende Januar ab, nachdem die Nominierung des geldpolitischen Falken Kevin Warsh für den Vorsitz der US-amerikanischen Zentralbank Fed bekannt geworden war. Bedeutet die Personalie Warsh einen Wendepunkt für alle drei Vermögenswerte, obwohl diese sehr unterschiedlich sind?

Gold wurde einst zum Geld, weil es knapp, teilbar, transportierbar und haltbar ist. Die Bindung an Gold schuf Vertrauen in das wertlose Material der Papierwährung. Nach der Auflösung der Goldbindung des Dollars zu Beginn der 1970er-Jahre wurde Gold zum Inflationsschutz – insbesondere wieder seit der Jahrtausendwende, weil die Zentralbankbilanzen stark gewachsen sind. Auch bei geopolitischen Risiken ist Gold ein beliebter Fluchtwert. Der starke Anstieg des Preises hat jedoch Gold für Transaktionen, also als Geld, unbrauchbar gemacht.

Bitcoin wurde als Protest gegen zu expansive Geldpolitiken und die damit verbundene Finanzmarktinstabilität geschaffen. Denn zu niedrige Leitzinsen lösen über ein starkes Kreditwachstum Investitionen mit niedrigen Renditen und Übertreibungen auf den Aktienmärkten aus, welche schließlich in Finanzkrisen münden. Bitcoin hat im Gegensatz zu Gold heute alle drei Geldfunktionen. Man kann Preise von Gütern in Bitcoin beziehungsweise in der Untereinheit Satoshi ausdrücken. Bitcoin ist ein Wertaufbewahrungsmittel, weil die Menge glaubhaft begrenzt ist. Auf der Blockchain können Zahlungen ohne Banken abgewickelt werden. Bitcoin wirkt zudem wie ein Sanktionsmechanismus gegen eine zu expansive Geldpolitik. Jeder, der das Vertrauen in die Stabilität des Geldes und des Finanzsystems verliert, findet mit Bitcoin – als digitalem Gold – eine verlässliche Alternative.

Die großen Tech-Werte sind im Gegensatz zu Bitcoin kein Geld, das bekannterweise keine Zinsen bringt. Als Unternehmen ist es ihr Ziel, Gewinne zu machen. Trotzdem haben sie sich zeitweise zusammen mit Bitcoin bewegt. Zwar ist die Leistungsfähigkeit der Künstlichen Intelligenz beeindruckend. Doch das bedeutet noch nicht, dass die geplanten kreditfinanzierten riesigen Investitionen in die Rechenzentren der KI der Zukunft wirklich rentabel sind. Für eine Blase bei der Künstlichen Intelligenz spricht, dass die Leitzinsen historisch betrachtet weiterhin niedrig sind und das anhaltende Niedrigzinsumfeld weltweit viele Unternehmen zombifiziert hat.

Zwar unterscheiden sich die drei Vermögensklassen deutlich und sind daher nicht stark miteinander korreliert. Doch ein gemeinsamer treibender Faktor dürfte die starke Ausweitung der Zentralbankbilanzen und der Geldmengen seit der Jahrtausendwende sein. Noch ist unklar, ob Kevin Warsh als Fed-Präsident tatsächlich ein geldpolitischer Falke sein wird. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es in den USA zu einem Ende der dauerhaft expansiven Geldpolitik kommt, ist größer geworden.

Es überrascht daher nicht, dass sich die Euphorie bei Bitcoin, Gold und Tech-Werten – als Fluchtwerten gegen den Wertverlust des Papiergeldes – abgekühlt hat. Da die hinter den expansiven Geldpolitiken steckenden großen Strukturprobleme der Industrieländer aber noch nicht gelöst sind, ist auch eine Rückkehr der Euphorie nicht ausgeschlossen.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 28. Februar 2026