Gefährdet Donald Trump den Weltleitwährungsstatus des Dollars?

Seit dem Bretton-Woods-System profitiert der US-Dollar von Netzwerkeffekten und einem liquiden Finanzmarkt. Steigende Staatsschulden und Trumps disruptive Politik nähren jedoch Zweifel. Welche Alternativen wirklich infrage kommen.

GS
25. April 2026

Die dominierende Rolle des Dollars als Weltleitwährung geht auf die Gründung des Bretton-Woods-Systems 1944 zurück. Als wirtschaftlicher Sieger des Zweiten Weltkriegs konnten die USA den Dollar ins Zentrum des neuen Weltwährungssystems rücken. Da die Peripherie-Länder die Wechselkurse gegenüber dem Dollar stabilisieren mussten, mussten sie Dollarreserven halten. Wenn die USA die Zinsen senkten und deshalb Kapital in die Peripherieländer floss, mussten die Zentralbanken an der Peripherie Dollar kaufen, um die Wechselkurse zu stabilisieren.

Die Europäer waren neidisch. Frankreichs Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing sprach von einem exorbitanten Privileg, das den USA unter anderem hohe Militärausgaben ermöglichte, die die politische Vormachtstellung in der westlichen Welt sicherten. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 blieb der Dollar außerhalb von Europa die Weltleitwährung, was auch an sogenannten Netzwerkeffekten liegt. Da die meisten Akteure auf der Welt für ihre internationalen Güter- und Finanztransaktionen Dollar nutzen, ist der Dollarmarkt besonders liquide – und damit Transaktionen in Dollar kostengünstig!

Zudem steht hinter dem Dollar der freie und damit hoch entwickelte US-Finanzmarkt. Der bietet breit gefächerte Anlagemöglichkeiten bei günstigen Transaktionskosten. Das Rückgrat des US-Finanzmarkts sind die US-Staatsanleihen als – bisher! – sicherste aller Rendite bringenden Anlageformen.

Doch die Zweifel am Dollar als Weltleitwährung wachsen. Die Staatsverschuldung der USA ist seit der Jahrtausendwende aufgrund von Kriegen, Finanzkrisen und hohen Sozialausgaben immens angestiegen. Umfangreiche Staatsanleihekäufe der Fed haben den Dollar unter Abwertungsdruck gebracht und damit viele Länder außerhalb Europas an den Kosten beteiligt. Große Halter von Treasuries wie Russland und China haben sich zurückgezogen beziehungsweise ziehen sich zurück. Trump bewirkt mit nicht ausreichend gegenfinanzierten Steuersenkungen und hohen Militärausgaben, dass die Schuldenlasten von rund 39 Billionen Dollar noch weiter ansteigen. Sein disruptives Auftreten erhöht das Misstrauen.

US-Dollar als Leitwährung: China reduziert seine Bestände kontinuierlich. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Als Konkurrent zum Dollar als Weltleitwährung wird der chinesische Yuan gehandelt. Doch Chinas Finanzsystem ist nicht frei, sondern wird von Staatsbanken dominiert und ist hinter Kapitalverkehrskontrollen abgeschottet. Das zieht keine internationalen Anleger an. Prominente Vertreter der EU und der EZB haben den Aufstieg des Euro zur neuen Weltleitwährung in die Diskussion gebracht. Doch der Euroraum ist fragil und die Staatsverschuldung in Europa steigt, was Zweifel an der Stabilität des Euros weckt.

Hingegen gilt Gold mehr denn je als sicherer Hafen bei wachsenden globalen Schuldenlasten. Auch Bitcoin bringt die notwendigen Eigenschaften für eine Währung mit, die im Gegensatz zum Dollar nicht politisch beeinflussbar ist. Der steile Anstieg der Preise von Gold und Bitcoin gegenüber dem Dollar zeugt von einem deutlichen Vertrauensverlust in die Weltleitwährung.

Die Attacken von Trump gegen die Zentralbank Fed kündigen für viele Beobachter einen weiteren Wertverlust an. Andererseits hat Trump mit Kevin Warsh als neuen Präsident einen geldpolitischen Falken ernannt, der die führende Rolle des Dollars im Weltwährungssystem auf Dauer sichern könnte – wie es als Ziel im Wahlprogramm der Republikaner stand.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 25. April 2026