Schreiben (und Analysieren) mit Künstlicher Intelligenz

Was ist der pädagogische Vorteil des Schreibens mit KI? 

Mit Schülern nicht zu schreiben, sondern praktisch zu erforschen, wie ausgefeilt sogar kostenlose KI-Textgeneratoren wie YouWrite, Sassbook, smodin.io oder Neuroflash inzwischen sind; was Übersetzer und Analysetools wie Languagetool, DeepL oder auch Paperrater leisten. Jasper.ai, frase.io, grammarly oder Mindverse funktionieren auch sehr gut – sind aber kostenpflichtig. Diese Tools haben großes pädagogisches Potenzial. Auch wenn man sie als Lehrer und Schüler aus rechtlichen Gründen nur eingeschränkt nutzen darf. Was Textgeneratoren spannend macht: Die Struktur der generierten Texte zusammen mit Schüler:innen auf die entscheidenden Fragen hin zu analysieren. Welcher Algorithmus steckt dahinter? Welche Textformate können Maschinen bereits? Welche kann ich selber besser? Welches Potenzial haben die Tools? Welche Gefahren lauern? Ich will mit Schüler:innen in den Austausch darüber kommen, was das Schreiben mit Künstlicher Intelligenz für sie bedeutet – und für die Welt. Ich meine damit Digital Citizenship: dass Schüler selbstbewusst mit dem Internet umgehen und an den Techniken des 21. Jahrhunderts teilhaben können.  

Welche technischen Voraussetzungen braucht man für KI-Schreibtools? 

Das lässt sich schnell beantworten: Internet und einen Browser, irgendein Endgerät – und das Wissen um die KI-Tools. In der Praxis ist für die Analysetools eine Kombination aus Endgeräten nützlich: Sprich deinen selbstgeschriebenen Text ins Handy oder mach‘ ein Foto mit Texterkennung. Transferiere den Artikel in eines der Tools – um interessante Spielereien damit anzustellen.  

Benutzt man KI-Schreib-Tools eher in Präsenz oder im Fernunterricht?  

Das sind keine Tools, die ich im Klassenzimmer zum Schreiben benutze. Ich weiß allerdings sicher, dass Schüler sie anwenden – heimlich: bei Hausaufgaben wie im Unterricht. Uns Lehrern ist es kaum möglich, herauszufinden, ob Schüler Texte mithilfe künstlicher Intelligenz schreiben. Die Tools sind erstmal dazu da, Lehrkräfte wach zu rütteln. Um zu erkennen, wie fortgeschritten KI-Schreibtools schon sind. Im Moment ist für uns Lehrer die invertierte Sicht am interessantesten. Nämlich sich als Lehrender die Frage zu beantworten, welche Aufgaben keinen Sinn mehr ergeben. Weil Schüler sie mit KI bewältigen, ohne dass wir als Lehrer das nachweisen oder überhaupt bemerken könnten. Es geht für uns Lehrkräfte darum, zeitgemäße Aufgabenformate zu entwickeln, bei denen Schüler weiter den Job machen – und nicht die KI. Dazu zählen gut durchdachte, offene und komplexe Aufgaben mit Fokus auf Reflektion. Solange Google die notwendigen Informationen zu simplen Aufgaben findet, kann KI daraus Texte generieren.

Pro-Tipp

Mein Highlight war ein Barcamp mit dem Kollegium, bei dem ich in meiner Session den Kolleg:innen zeigen wollte, was bei artifizieller Textproduktion bereits möglich ist. Das hat sehr gut geklappt. Die meisten Kolleg:innen waren verblüfft, als sie merkten, was kostenlose KI schon alles kann. Manche waren auch entsetzt. Erst wenn Lehrer:innen die Zauberei dahinter verstehen, kann man gemeinsam überlegen und Fortbildungen anbieten, wie kluge Aufgabenstellungen künftig aussehen müssen.  

Kritik

Es besteht die Gefahr, dass angesichts dieser Tools die Betonmauern rechts und links hochgezogen werden. Dass Schule also dem Trugschluss aufsitzt, diese Tools verbieten zu können. Das kann nicht die richtige Antwort sein. Denn es ergibt langfristig einfach keinen Sinn, Dinge analog zu unterrichten, die mit Unterstützung durch Computer besser gelingen. 

Johannes Süsens ist Lehrer am Gymnasium Rissen und twittert über Schule und Technologie als Herr Tim.

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