Wenn ein Algorithmus Kinder fördert

Wenn die Bildungsforscherin Monika Kil heute Bundestags-Vizepräsidentin Claudia RothEdulog“ übergibt, kann dies eine Zeitenwende für die empirische Schulforschung und den Einsatz von Algorithmen in der Bildung werden. Mit Hilfe des digitalen Sprachlernspiels Edulog können Forscher den Sprachstand von Kindern vor der Einschulung viel genauer messen, als das bisher möglich war. Das würde einer Herausforderung begegnen, die es in der Bildungspolitik seit Jahren gibt. Wegen der zunehmenden Heterogenisierung der Schülerschaft wollen Grundschulen bereits vor der Einschulung erfahren, wie die sprachlichen Fähigkeiten ihrer künftigen Erstklässler sind. Führt man solche Tests rechtzeitig durch, können die Kinder durch gezielte Kurse auf das Lernen in der Schule vorbereitet werden – und Defizite aufholen. Auf deutsch: der Algorithmus könnte künftig dabei helfen, dass Kinder nicht schon in der Grundschule den Anschluss verlieren.

Digitale Erhebungen sind noch Neuland

Für Deutschland könnte das Projekt den Durchbruch digitaler Lernstandsmessungen bringen. Zwar hat sich mit den Pisa-Studien seit dem Jahr 2000 eine so genannte empirische Wende ereignet. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Politik wurde seitdem weniger theoretisiert und Bildungspolitik konnte sich mehr auf empirische Fakten stützen. Allerdings gibt es nun eine Reserviertheit gegenüber digital gestützten empirischen Erhebungen. Eine Lernstandsanalyse der Schülergeneration Corona etwa liegt bisher nicht vor – weil die Institute für eine analoge Erhebung zu lange brauchen. Das zuständige Bamberger Leibniz-Institut für Bildungsverläufe benötigt nach eigenen Angaben noch bis nächstes Jahr, um zu beschreiben, wie groß die Corona-Lernlücken wirklich sind. Ein viel schnelleres und vor allem genaueres digitales Monitoring lehnt Institutsleiterin Cordula Artelt im Gespräch mit Bildung.Table nicht ab. Artelt verweist aber darauf, dass diese das Plazet der Kultusbürokratie brauchen. „Auch die Durchführung diese Studien muss in fast allen Bundesländern ministeriell genehmigt werden„, sagte Artelt.

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