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Trump und Grönland: Wie die EU kämpft und was Robert Habeck damit zu tun hat

Europa versucht, Donald Trump von einer möglichen militärischen Annexion Grönlands abzubringen. Die EU setzt auf moderatere Republikaner, warnt vor einer NATO-Krise und sieht ihre eigenen Mittel begrenzt. Experten fordern eine europäische Arktis-Strategie.

Grönlands Hauptstadt Nuuk (picture alliance/dpa | Steffen Trumpf)

Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen Donald Trump in der Grönlandfrage von seiner Extremposition herunterbekommen. Es ist das vorrangige Ziel, den US-Präsidenten von möglichen Plänen einer militärischen Annexion des dänischen Autonomiegebiets abzuhalten. Dazu setzen die Europäer nach Informationen von Table.Briefings auf Gespräche mit gemäßigten Republikanern in Kongress und Senat, die auf Trump Einfluss ausüben könnten. Mit dem Wunsch nach Deeskalation sei auch die zurückhaltende Reaktion der meisten Europäer auf Trumps Äußerungen zu erklären, hieß es. Die Europäer seien von der Härte von Trumps Aussagen überrascht gewesen. Der Präsident und seine Leute hatten nicht nur Anspruch auf Grönland angemeldet, sondern auch den Einsatz militärischer Mittel zu dessen Durchsetzung nicht ausgeschlossen. In seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Absicht geäußert, Grönland „kaufen“ zu wollen.

Grönland – die größte Insel der Welt

Die Europäer sehen durchaus die sicherheitspolitische Bedeutung Grönlands. Das wurde in Gesprächen im Kreise der europäischen Regierungschefs am Rande des Ukraine-Gipfels am Dienstag deutlich. Durch den Rückgang der arktischen Vereisung entstehen Schifffahrtswege, die Russland und China zu kontrollieren versuchten. Die Antwort auf diese Herausforderung müsse aber eine der Nato sein, hieß es. Das Bündnis müsse seine Sicherheitsinteressen gemeinsam durchsetzen. Wenn dies nicht gelänge und die USA tatsächlich den Weg der Annexion gingen, „dann ist die Nato am Ende“, sagte ein Minister einer skandinavischen Regierung.

Auch Robert Habeck sieht hinter Trumps Interesse an Grönland „wirklich handfeste sicherheitspolitische und militärische Überlegungen, die man nicht vom Tisch nehmen kann“. Man könne nicht einfach sagen, „der Trump, der ist halt Trump und macht so Trump-Sachen“. Der frühere grüne Vizekanzler ist nun Senior Analyst am Danish Institute for International Studies. Er warnt davor, die Entschiedenheit der USA mit Blick auf Grönland zu unterschätzen. „Wenn die Deutschen denken, Trump spinne sowieso, dann täuschen sie sich“, sagte Habeck im Podcast Table.Today.

Zwischen den USA und Russland gebe es ein „Armdrücken in der Arktis“, so Habeck. Er fordert die EU auf, endlich eine europäische Arktis-Strategie zu definieren. Die EU müsse mehr tun, um die Grönländer an Europa zu binden, denn sie könnten frei entscheiden, sich den Vereinigten Staaten anzuschließen. Sollte der US-Präsident tatsächlich Grönland militärisch annektieren, schätzt Habeck die Abwehrchancen der EU als gering ein. „Dagegen kann Europa sich im Grunde militärisch nicht stemmen, das haben wir nicht im Kreuz“, so Habeck. „Ich kann mir kein Szenario vorstellen, wo deutsche oder französische Truppen auf Grönland gegen die USA kämpfen. Das ist, glaube ich, absurd.“

„Grönland steht nicht zum Verkauf und ist nicht zu haben.“ Das betonte Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot nach einem Treffen des Weimarer Dreiecks. Sein polnischer Kollege Radosław Sikorski forderte eine Positionierung des US-Kongresses. Bundesaußenminister Johann Wadephul begrüßte die Gesprächsbereitschaft seines US-Kollegen Marco Rubio. Dieser will sich in der kommenden Woche mit Vertretern Dänemarks treffen, um über die Grönland-Frage zu beraten. Wie Sicherheitsexperten und Wissenschaftler den Konflikt einschätzen, lesen Sie im Europe.Table. Das Gespräch mit Habeck hören Sie ab 5 Uhr hier.

Table.Today mit Robert Habeck. "Zerbricht die Nato an Grönland, Herr Habeck?"

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Letzte Aktualisierung: 07. Januar 2026