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Trump in Davos: Keiner weiß, was wann wie mit ihm möglich wird oder auch nicht

Donald Trumps Auftritt in Davos löst große Unsicherheit aus. Europäische Staatschefs wie Merz suchen nach Wegen, mit dem unvorhersehbaren US-Präsidenten zu sprechen, während die EU auf Unabhängigkeit setzt.

Friedrich Merz hofft in Davos auf ein Gespräch mit Donald Trump – so wie im Oktober beim Gaza-Gipfel in Ägypten (picture alliance/dpa | Michael Kappeler)

Einen Tag vor dem Auftritt von Donald Trump in Davos ist die Unsicherheit im Umgang mit dem US-Präsidenten so groß wie vielleicht noch nie. Was wird er sagen? Wen wird er attackieren? Werden die Europäer überhaupt sein Ohr finden? Und wie viele Staaten wird er in sein hochumstrittenes „Board of Peace“ zwingen? Auf all diese Fragen gibt es nur wenige Stunden vor einer möglichen Begegnung mit ihm noch keine Antworten. Mittlerweile ist sogar der Eindruck entstanden, dass derlei Fragen nicht mehr über normale diplomatische Kanäle ausgetauscht werden. Stattdessen studieren selbst gestandene Diplomaten und Regierungsmitglieder Trumps soziales Netzwerk, weil der US-Präsident sich nicht abstimmt, sondern Pläne und Zeitpläne schlichtweg verkündet.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz ist da keine Ausnahme. Der deutsche Regierungschef weiß bislang nur, was auf seinem eigenen Programm steht. Er wird unmittelbar nach dem Kabinett nach Davos aufbrechen und vom späteren Nachmittag an mal in Runden mit Investoren und Wirtschaftsvertretern, mal in bilateralen Gesprächen eine gemeinsame Linie der Europäer und westlicher Verbündeter suchen. Wann er wie mit Trump zusammentreffen wird, steht nicht fest. Klar ist nur, dass er einen Gesprächswunsch bei Trump hinterlegt hat – und dieser vor Davos ganz prinzipiell seine Bereitschaft zum Reden erklärt hat.

Zugleich lasten auf Merz erhebliche Erwartungen. So ist bekannt geworden, dass Wolodymyr Selenskyj und Keir Starmer offenbar nicht nach Davos kommen, und auch Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni will, anders als geplant, wahrscheinlich nicht in die Schweiz reisen. Aber sie hat die große Hoffnung, dass der Kanzler zu Trump durchdringt. Eine Hoffnung, die Merz auch selbst hegt – und deshalb vor Davos im Konflikt um Grönlands Zukunft betont deeskalierend auftritt, obwohl auch er über die aggressiven Töne aus Amerika entsetzt ist. Nun hoffen die meisten der EU-Partner, dass es Merz gelingen möge, den US-Präsidenten im persönlichen Gespräch so weit einzuhegen, dass man im gemeinsamen Austausch nach Lösungen sucht, statt sich gegenseitig Strafen anzudrohen. Ob das gelingen kann? Darauf traut sich niemand vorab eine Antwort zu geben.

Bis es dazu kommt, üben sich die Europäer darin, auf die neue Unsicherheit mit neuer Entschlossenheit zu reagieren. So erklärt Ursula von der Leyen am Dienstag eindringlich in Davos: Europa muss unabhängig werden. Das ist die zentrale Botschaft der EU-Kommissionspräsidentin. Die geopolitischen Erschütterungen seien nicht nur eine Gelegenheit, sondern vielmehr eine Notwendigkeit, um eine neue Unabhängigkeit zu etablieren. Der Wandel in der Welt sei dauerhaft, das müsse man anerkennen. „Nostalgie wird die alte Ordnung nicht zurückbringen“, so von der Leyen. „Darauf zu hoffen, dass sich die Dinge umkehren, wird die strukturellen Abhängigkeiten, die wir haben, nicht ins Lot bringen.“ Die CDU-Politikerin kündigt an, dass die neue Sicherheits-Strategie der EU in diesem Jahr veröffentlicht werde. Ein Teil davon sei eine verbesserte Arktis-Strategie.

Auch Emmanuel Macron findet deutliche Worte für das Vorgehen Trumps – ohne dessen Namen explizit zu nennen. In dem „Wandel hin zu einer Welt ohne Regeln“ würde das Völkerrecht mit Füßen getreten – das einzige Gesetz, das zu zählen scheine, sei das des Stärkeren. „Wir ziehen die Rechtsstaatlichkeit der Brutalität vor“, sagt der Franzose und beschreibt damit eine Art Gegenentwurf zu Trump. Gleichzeitig bringt er das EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung ins Spiel – als klare Ansage, dass Europa auf US-Strafzölle mit sofortigen Gegenmaßnahmen reagieren wird. Trump und das Weltwirtschaftsforum sind auch Thema im Podcast Table.Today, den Sie ab 5 Uhr hier hören.

Table.Today mit Michael Bröcker und Helene Bubrowski "Grönland-Gipfel in Davos"

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Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2026