Berlin.Table Talk of the town

Trump, Grönland und die Zolldrohung: Brüssel und Berlin streben nach einer selbstbewussten Antwort

Nach Trumps Zolldrohung gegen europäische Grönland-Unterstützer planen Brüssel und Berlin eine selbstbewusste Antwort mit Einheit und Entschlossenheit. Die EU erwägt unter anderem eine Verschiebung des Zollabkommens und die Wiedereinführung von Zöllen auf US-Produkte.

Tausende von Menschen protestierten am Samstag in Kopenhagen gegen Trumps Grönland-Pläne (picture alliance / TT NEWS AGENCY | Johan Nilsson / TT)

Am Tag nach der Zolldrohung von US-Präsident Donald Trump gegen alle europäischen Grönland-Unterstützer zeichnet sich in Brüssel wie in Berlin eine resolute und selbstbewusste Antwort ab. Wie aus beiden Hauptstädten zu hören war, streben die Spitzen der EU wie der Bundesregierung eine Reaktion an, die drei Signale beinhalten soll: Einigkeit, Entschlossenheit und die Option von Gegenmaßnahmen. In Brüssel tagten bis in den Abend hinein die EU-Botschafter, um Beschlüsse vorzubereiten. In Deutschland unterrichtete der Kanzler sein Kabinett über die jüngsten Entwicklungen und die auf dem Tisch liegenden Überlegungen. Merz strebt einen virtuellen EU-Sondergipfel am Montag an, um schnell klare Botschaften nach Washington zu schicken. Aber er weiß auch: Sollte der US-Präsident wie bisher geplant diese Woche nach Davos kommen, stehen dort hochheikle Gespräche ins Haus.

Im Laufe des Nachmittags veröffentlichten die europäischen Dänemark- und Grönland-Unterstützer eine gemeinsame Erklärung. Mit ungewöhnlich scharfem Unterton warnten sie Trump davor, seine Drohung wahrzumachen. „Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation“, heißt es in der Erklärung Deutschlands mit Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien.

Nach Informationen von Table.Briefings gibt es drei Stränge für eine Reaktion. Sicher ist erstens, dass das EU-Parlament die für Mittwoch ursprünglich geplante Verabschiedung des EU-USA-Zollabkommens verschieben wird. Zum Zweiten erinnern Berlin und Brüssel Washington seit Tagen auf verschiedenen Kanälen daran, dass am 6. Februar eine EU-Entscheidung ansteht, die die USA hart treffen könnte. Am 5. August letzten Jahres hatte die EU eigene Zölle auf US-Produkte für sechs Monate ausgesetzt, als Reaktion auf von Trump im März 2025 angekündigte Zölle. Gesamtwert der ausgesetzten EU-Maßnahmen: mehr als 90 Milliarden Euro. Ihre Aussetzung läuft aus – und müsste von der EU am 6. Februar verlängert werden. Tut sie es nicht, greifen automatisch EU-Zölle, die Washington vermeiden wollte.

Und drittens denken die EU-Staaten darüber nach, das sogenannte Anti-Zwangs-Instrument einzusetzen. Dabei geht es unter anderem um einen Stopp von Zulassungen von US-Produkten in Europa. Außerdem um Investitionsbeschränkungen für US-Firmen, um Exportbeschränkungen in die USA, um neue Zölle und um eine Digitalsteuer für US-Tech-Konzerne. Darüber berieten am Sonntag die Botschafter der EU-Staaten. Aber auch die Staats- und Regierungschefs der acht Grönland-Unterstützer-Staaten tauschten sich dazu am Wochenende aus. Aus Berliner Regierungskreisen war zu hören, dass man sehr entschieden sein müsse, aber dabei nicht überziehen dürfe. Noch gebe es die Chance, dass auch Widerstand in den USA Trump bremsen könnte.

Unterstützung für die Pläne kommt aus der Wirtschaft, der Wirtschaftswissenschaft und der Opposition. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, sagte im Podcast Table.Today: „Europa muss geschlossen bleiben und darf sich nicht erpressen lassen.“ Wenn es nicht anders gehe, müssten die Europäer gegenhalten. Appeasement sei der falsche Weg, so der Wissenschaftler. „Das Signal muss sein: Europa macht hier keinen Deal und ist bereit, die Kosten zu tragen.“ DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier erklärte, Trump verknüpfe politische Ziele in inakzeptabler Weise mit wirtschaftlichem Druck gegen einzelne EU-Staaten. Er rief die EU dazu auf, jetzt geschlossen zu handeln und sich nicht spalten zu lassen. Und Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner sprach von einer „historischen Bewährungsprobe“ für Bundeskanzler Merz. Sie forderte eine Digitalabgabe auf US-Tech-Konzerne und gezielte Zölle auf Produkte aus Trumps Unternehmerkreisen.

Die Spitzen der Union hatten sich am Sonntag darauf verständigt, zunächst auf mögliche (und von allen erhoffte) Beschlüsse zu warten. Ihr Wunsch: eine selbstbewusste und geeinte EU. Ihr Ziel: In dieser sehr heiklen Phase keine internen Debatten auszulösen, sondern geschlossen aufzutreten. Einzige Ausnahme: Außenminister Johann Wadephul. Der Außenminister sagte in der ARD: „Europa ist politisch und wirtschaftlich sehr viel stärker, als manch einer bisher gedacht hat. Und das sollten wir jetzt auch zur Geltung bringen.“

Eine Sammlung aktueller deutscher Reaktionen auf Trumps Pläne finden Sie hier. Welche Optionen die EU hat, lesen Sie im Europe.Table. Das Gespräch mit Moritz Schularick hören Sie ab 5 Uhr hier.

Table.Today mit Michael Bröcker und Helene Bubrowski. "Wie die EU Grönland retten will"

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Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2026