Berlin.Table – Ausgabe 821

Digitalministerium vor der Bergetappe + Wadephul gegen Einstimmigkeit + Offene Fragen beim Heizungsgesetz

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Talk of the Town

Ein Jahr Digitalministerium – zu Beginn der Bergetappen muss der Kanzler mit ran

Wenn Friedrich Merz am Donnerstag zu Besuch zu dem wohl unumstrittensten Unterfangen seiner Kanzlerschaft kommt – dem neu gegründeten Digitalministerium – werden ihm dort eine Reihe an Zukunftsvisionen präsentiert: Eine App, in der man mit einem KI-Avatar sprechen kann, der die notwendigen Daten für einen Unterhaltsantrag sammelt und diesen direkt stellt. Oder eine Wallet, mit der man sich online rechtssicher ausweisen kann – ohne Video-Ident-Verfahren. Damit all das umgesetzt werden kann, kommt es nun auf die zweite Säule des neuen Hauses an: die Staatsmodernisierung.

Eine umfassende Verwaltungsreform ist der Flaschenhals, in dem digitale Ambitionen seit Jahren feststecken. Denn weder die Deutschland-App noch die EUDI-Wallet scheitern an fehlender Technologie – sie scheitern an dem Staat, der hinter ihnen stehen müsste: an zersplitterten Registern, föderalen IT-Insellösungen, Behörden, die noch immer keine einheitlichen Schnittstellen anbieten.

Ralph Brinkhaus wünscht sich, dass es bei der Staatsmodernisierung schneller vorangeht. Das Ministerium sei darin „noch nicht so weit wie im Digitalbereich“, sagte der Ex-Fraktionschef der Union und Digitalausschussvorsitzende. „Ich würde mir wünschen, dass das Kanzleramt da mehr Druck macht.“ Wildberger könne das nicht allein stemmen – ihm fehle ein Hebel ähnlich dem IT-Zustimmungsvorbehalt auf der Digitalseite.

„Die Menschen verlieren das Vertrauen in den handlungsfähigen Staat“, sagt Brinkhaus. Gut funktionierende Verwaltung bringe dieses Vertrauen zurück: „Staatsmodernisierung ist Demokratieförderung!“ Ebenso wichtig sei die Entbürokratisierung. In Gesprächen mit der Wirtschaft stehe Bürokratieabbau mittlerweile noch vor Steuern und Energie. Für ihn sei daher schwer zu verstehen, warum die Bundesregierung dort nicht stärker nachfasse. „Das ist eine Reform, die kostet fast nichts und bringt nur was.“ Für die Erledigung der Modernisierungsvorhaben brauche es nun eine „Controlling- und Governance-Struktur“.

Der Thinktank Agora Digitale Transformation kritisiert, dass das BMDS kein klares Zielbild für die Staatsmodernisierung hat. „Unter den Bedingungen von Digitalisierung lässt sich die Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen anders gestalten, als es im 19. Jahrhundert angedacht worden war“, sagt Florian Theißing. Der Modernisierungsagenda fehle das Bestreben, das gesamte staatliche Gefüge effizienter zu machen. Stattdessen fänden sich Maßnahmen wie die Genehmigungsfiktion – unbearbeitete Anträge gelten nach drei Monaten als genehmigt. Das erhöhe lediglich den Druck auf Beamte, ändere aber nichts an der eigentlichen Fülle an Auflagen.

Bislang konzentrierte sich das Haus von Karsten Wildberger vorrangig auf prestigeträchtige Digitalprojekte – und wird dafür viel gelobt. Der Ex-Ceconomy-CEO krempelt die Ministerialstrukturen um, hält klare Zielvorgaben fest und lässt sich daran messen – ungewöhnlich in der Bundespolitik. Gelobt wird er auch für seine besonnene Art, im aufmerksamkeitsökonomischen Gerangel der Hauptstadtpolitik nicht auf jede Debatte aufzuspringen. Doch bei aller Euphorie: In der derzeitigen Koalitionskrise ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Kanzler mehr Staatsmodernisierung einfordert. Entscheidend wird dabei sein, ob das Kanzleramt selbst bereit ist, mit anzupacken.

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Hightech-Agenda: Gute Pläne, aber eher wenig Geld für die Schlüsseltechnologie KI. Die Bundesregierung will Deutschland im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) nach vorn bringen. Im Rahmen der Hightech-Agenda ist eine „KI-Offensive“ vorgesehen, um bis 2030 zehn Prozent der Wirtschaftsleistung KI-basiert zu erwirtschaften. Ein Vergleich der Publikationsleistungen zeigt jedoch, dass China und die USA weit voraus sind (siehe Grafik).

Die bisher angekündigten Maßnahmen der Hightech-Agenda finden in der Fach-Community Zustimmung. Die dafür hinterlegten Mittel sind allerdings nicht üppig. In der laufenden Legislaturperiode stellt das Bundesforschungsministerium für den Bereich KI rund 2,8 Milliarden Euro zur Verfügung, teilt es auf Anfrage von Table.Briefings mit. Zum Vergleich: Chinas KI-Strategie ist Medienberichten zufolge mit 100 Milliarden US-Dollar hinterlegt, in den USA fließen aus der Staatskasse jährlich rund elf Milliarden US-Dollar in KI. Was in dieser Hinsicht zu tun ist und wer die wichtigen Akteure hierzulande sind, lesen Sie im Hightech-Agenda-Check im Research.Table. Anne Brüning

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Ørsted steht für Offshore-Windenergie. Das ist Energie für mehr: mehr Unabhängigkeit und Sicherheit für unser Energiesystem.

News

Ukraine: Krieg der technologischen Entwicklungen. Der russisch-ukrainische Krieg ist von neuen militärischen Technologien geprägt – insbesondere durch Drohnen und autonome Systeme, die die Front weitgehend blockieren. Beide Seiten hoffen auf einen technologischen Durchbruch, der bislang ausbleibt. So modernisiert Russland seine Shahed-Drohnen und setzt sie für neue Aufgaben ein. Sie sollen nicht mehr nur als Kamikaze-Drohnen benutzt, sondern künftig möglicherweise auch mit Luft-Luft-Raketen bewaffnet werden. Schon heute dienen sie als Mesh-Netzwerk und erweitern so den Einsatzradius für andere Drohnen. Zudem testet Russland neue Loitering Munition (Kamikaze-Drohne) mit KI-gestützter Zielerfassung.

Die Ukraine demonstriert wiederum, dass Maschinengewehre noch immer sehr nützlich sind. Sie bleiben trotz anderer, moderner Systeme eine kostengünstige und effektive Ergänzung der mehrschichtigen Luftverteidigung gegen langsame Drohnen. In regelmäßigen Updates wird der Security.Table künftig in Kooperation mit der Reaktion Group aus Kyjiw die technischen Entwicklungen aufzeigen. Lesen Sie das aktuelle Update im Security.Table. Viktor Funk

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Wadephul zur Lage der EU: Einstimmigkeitsprinzip wird zur Gefahr für Europa. In einer Rede zur Zukunft der Europäischen Union rief der Außenminister alle Mitgliedsstaaten dazu auf, in zentralen Fragen wie der Sicherheit das Einstimmigkeitsprinzip beiseitezuschieben und auf die in anderen Bereichen schon heute mögliche „verstärkte Zusammenarbeit“ zu setzen. „Bei Fragen der Sicherheit kann uns das Einstimmigkeitsprinzip in eine existenzielle Gefahr bringen“, sagte Wadephul auf einem Europa-Kongress der KAS.

Der Außenminister zeichnete ein düsteres Bild der Lage. „Es geht um Leben und Tod! Das sehen wir jeden Tag in der Ukraine“, so Wadephul. Deshalb sei es zwingend nötig, auch in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) den Zwang zur Einstimmigkeit abzuschaffen. „Die Blockaden, mit denen die EU teils in Geiselhaft nationaler und sachfremder Interessen geriet“, seien hinlänglich bekannt. Aus diesem Grund solle künftig auch hier gelten, was in anderen Fragen schon möglich ist: „mit einer kleineren Gruppe vorangehen“. Bislang scheitere Europa in Sicherheitsfragen „an einer aus der Zeit gefallenen Architektur“.

Wadephuls erster Schritt: die qualifizierte Mehrheit. Dieses Instrument sei „der wichtigste Hebel für eine schnellere Entscheidungsfindung“. Hier liege das Potenzial, um dort schneller zu werden, wo man derzeit „noch im Stillstand verharren muss“. Dabei erinnerte der CDU-Politiker an den Ursprung des Einstimmigkeitsprinzips. Es sei eingeführt worden, um nationalstaatliche Souveränität „im sensibelsten Kern – der Außen- und Sicherheitspolitik – zu garantieren“. Davon aber bleibe nichts übrig, wenn eine Entscheidung von einem einzigen Staat blockiert werden könne.

Der Minister plädiert vehement für eine Erweiterung der Union – und eine Verkleinerung der Kommission. Wadephul will vor allem die Staaten des westlichen Balkans nicht vergessen, denen die Beitrittsperspektive früh gegeben wurde. Zugleich denkt er an Island und Norwegen, die er für natürliche künftige Mitglieder hält. Zugleich fordert er dazu auf, nicht mehr jedem Mitgliedstaat einen Kommissar zu geben. Und er räumte in der Fragerunde ein, dass sein Vorschlag nur dann Aussicht auf Erfolg habe, wenn er nicht verbunden werde mit der Botschaft, dass Deutschland gleichwohl unbedingt einen Kommissar haben müsse. Wadephul warnte davor, aus seinen Vorschlägen eine Debatte um Vertragsänderungen zu machen. Diese könnten irgendwann nötig werden. Aber: „Was soll noch geschehen auf der Welt, dass wir Europäer erkennen, dass jetzt wirklich die Stunde ist, wo wir den Mut unserer Gründungsväter haben müssen.“ Stefan Braun

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5 gute Gründe gegen die Anhebung der Versicherungspflichtgrenze. Nummer 3: Wer den Wechsel in die PKV erschwert, verschärft das Demografie-Problem. Denn nur Privatversicherte sorgen für ihre Gesundheitskosten im Alter vor. Und das ist gut für alle: Die PKV hat keine Schulden, braucht keine Steuerzuschüsse und ist dami ein stabiler Anker im demografischen Wandel. (mehr auf pkv.de)

Steinmeier in Schweden: Keine akute Bedrohung trotz der US-Abzugspläne. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich in Stockholm für eine raschere Stärkung der europäischen Säule der Nato ausgesprochen. Mit Blick auf den angekündigten Abzug von Tausenden US-Soldaten aus Deutschland sagte er: „Je weniger Truppen die USA in Europa stationieren, desto mehr muss Europa selbst tun.“ Dazu trügen die Bemühungen Schwedens erheblich bei, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Ulf Kristersson, insbesondere im Ostseeraum und an der Nato-Ostflanke. Kristersson forderte, „die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit Europas durch unsere erfolgreiche Verteidigungsindustrie“ weiter zu stärken.

Schweden trat erst 2024 der Nato bei. Seitdem hat das jüngste Mitglied der Allianz seine Verteidigungsausgaben erheblich erhöht. Laut Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri gab Schweden im vergangenen Jahr 16,5 Milliarden US-Dollar für sein Militär aus – das entsprach 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wie Kristersson begrüßte Steinmeier Mehrausgaben der europäischen Nato-Mitglieder für Verteidigung und sprach sich für eine „stärkere Balance der Lastentragung zwischen den USA und Europa“ aus. Zugleich forderte er von Washington Garantien zum Schutz der europäischen Nato-Mitglieder: „Wir müssen uns darauf verlassen können.“ Eine akute Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands und Europas durch die US-Abzugspläne wies er zurück: „Noch sind strategische Stützpunkte nicht in Gefahr.“ Weshalb Steinmeier Schweden als Vorbild für ein von ihm gefordertes soziales Pflichtjahr sieht, lesen Sie im Security.Table. Markus Bickel

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Jens-Oliver Voß von der Deutschen Bahn zum Wendepunkt der Leitmedien. Table.Forum

SPD-Fraktionschef Miersch: Mahnung an die Wirtschaftsministerin. Versöhnlich gab sich an diesem Mittwoch die SPD. An einer Stelle war Fraktionschef Matthias Miersch aber eine Klarstellung wichtig. Bei aller Notwendigkeit, in der Koalition zu Kompromissen zu kommen – es gebe auch Grenzen: „Wir werden nicht zulassen, dass diese Energiewende rückabgewickelt wird“, sagte er an die Adresse von Katherina Reiche beim Wirtschaftsforum der SPD. Die Abhängigkeit von fossiler Energie sei, wie derzeit zu beobachten, keine Lösung, „und deshalb werden wir in der Bundesregierung dafür kämpfen, dass es mit der Energiewende weiter geht“. Zugleich forderte er Reiche auf, Vorbereitungen für eine länger anhaltende Krise zu treffen. Ob Flüssiggas, Helium oder Erdöl – halte die Blockade am Persischen Golf an, seien Engpässe auch in Deutschland nur eine Frage der Zeit: „Wir dürfen am Ende nicht überrascht sein.“

Sollte die Krise anhalten, bringt die SPD auch das Kurzarbeitergeld ins Spiel. Schon in der Bundestagsfraktion am Dienstag hatte Miersch das Instrument angesprochen. Wenn Lieferketten zusammenbrächen, sei die temporäre Unterstützung das Mittel der Wahl. Während der Finanzkrise 2008/2009, mehr aber noch nach Ausbruch der Corona-Pandemie 2020, hatte die jeweilige Bundesregierung das Kurzarbeitergeld massiv ausgeweitet. Mit der Folge, dass in beiden Fällen trotz Rezession kaum Arbeitsplätze verloren gingen und vor allem Facharbeiter gehalten werden konnten. Horand Knaup

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Gebäudemodernisierungsentwurf: Wichtige Fragen bleiben unbeantwortet. Der Entwurf, mit dem der Einbau von Gas- und Ölheizungen weiter erlaubt werden soll, soll schon in der nächsten Woche vom Kabinett verabschiedet werden. Wichtige Fragen zum Referentenentwurf, der am Dienstag in die Ressortabstimmung ging, kann die Regierung bisher aber nicht beantworten – etwa wie das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045 erreicht werden soll, wenn das bisher für diesen Zeitpunkt vorgesehene Verbot der Nutzung fossiler Brennstoffe gestrichen wird. Unklar bleibt auch, warum in einer ersten Version des Entwurfs von Klimaneutralität erst 2050 die Rede war; es habe sich um ein „Redaktionsversehen“ gehandelt, erklärte das BMWE.

Während die Opposition scharfe Kritik übt, hält sich das für den Klimaschutz zuständige BMUKN mit einer Einschätzung zurück. Man sei noch dabei, den Entwurf zu prüfen, erklärte ein Sprecher. Wie sich die veränderten Vorgaben auf die Emissionen auswirken werden, kann das Ministerium noch nicht sagen. Und das wird offenbar auch erstmal so bleiben: Weil die Federführung für das Gesetz nicht beim BMUKN liege, sehe sich das Ministerium „nicht vorrangig in der Pflicht, derartige Berechnungen vorlegen zu müssen“, so der Sprecher. Welche Fragen sonst noch offen sind und wie die Branche auf den Entwurf blickt, lesen Sie im Climate.Table. Malte Kreutzfeldt

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Ölkonzerne und der Tankrabatt: BP-CEO tritt Vorwürfen entgegen. Patrick Wendeler, CEO der BP Europa SE und Vorstandsvorsitzende von en2x, widerspricht Darstellungen, die Konzerne bereicherten sich an der Senkung der Mineralölsteuer. Wendeler beteuert im Podcast Table.Today, sein Unternehmen habe die 17 Cent „unverzüglich und vollumfänglich“ an die Verbraucher weitergegeben. Er kritisierte zudem die geplante Verschärfung des Kartellrechts.

Der Konzern-Chef hält die Sorge, dass es an Tanksäulen und Flughäfen zu Engpässen kommt, für unbegründet. Wegen des Irankrieges gebe es ein großes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Rohöl, aber auch bei Ölprodukten, sagt Wendeler. Darauf hätten die Anbieter aber gut reagiert: „Insofern ist es bis dato zu keinen Lieferausfällen gekommen. Das inkludiert den Bereich der Flugbenzine oder Kerosin in Europa.“ Wendeler ist zuversichtlich, dass Europa auch weiterhin mit ausreichend Kerosin aus anderen Quellen versorgt werden könne. Sollte der Konflikt im Nahen Osten jedoch länger anhalten, könne sich die Situation doch verschärfen. Das ganze Gespräch hören Sie morgen früh ab 5 Uhr hier. Helene Bubrowski

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Umbau der Hochschulen: AfD setzt auf radikale Eingriffe in Forschung und Bildung. Die Berliner AfD will die Hochschul- und Forschungslandschaft grundlegend neu ausrichten. In ihrem Programm kritisiert sie eine aus ihrer Sicht „ideologisierte“ Wissenschaft und verweist auf Proteste und Konflikte an Universitäten als Beleg für eine verengte Debattenkultur. Vorgesehen sind unter anderem strengere Ordnungsregeln im Hochschulgesetz, Einschränkungen politischer Aktivitäten auf dem Campus sowie ein verpflichtender „Kodex Wissenschaftsfreiheit“. Gleichzeitig soll die Mitbestimmung von Studierenden und Mittelbau zurückgedrängt und die Rolle der Professorenschaft gestärkt werden. Inhaltlich fordert die Partei unter anderem ein Institut für Kommunismusforschung in Berlin-Lichtenberg. Was der AfD für militärische Forschung vorschwebt, lesen Sie im Research.Table. Nicola Kuhrt

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Vermittlung in Arbeit: Wie die Hilfe für Grundsicherungsempfänger künftig gemessen wird. Das sogenannte Zielsteuerungssystem im SGB II, also in der Grundsicherung, soll zum 1. Januar 2027 angepasst werden. Im Zentrum stehen vier Ziele: Verringerung der Hilfebedürftigkeit, Verbesserung der Integration in Arbeit, Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug sowie mehr soziale Teilhabe. Künftig ist ein auf zwei Säulen basierendes System vorgesehen. Zur einen gehören Faktoren wie der Anteil bedarfsdeckender Integrationen – also die Zahl der Menschen, die eine so gut bezahlte Arbeit finden, dass sie nicht aufstocken müssen. Zur anderen, neuen Säule gehören Kennzahlen zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und zur Förderung der sozialen Teilhabe.

Menschen sollen bei „Vermittlungshemmnissen“ unterstützt werden. Hier geht es um fehlende Qualifikationen und gesundheitliche Probleme. Weil die Herausforderungen unterschiedlich sind, soll es lokale Schwerpunkte geben. Der Sprecher der Jobcenter-Geschäftsführer begrüßt die Reform. Erfolgreiche Arbeitsmarktintegration bedeute „mehr als reine Vermittlungszahlen“, sagte Stefan Graaf Table.Briefings. Mehr Dokumentationsaufwand dürfe es aber nicht geben. Okan Bellikli

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Sachsen-Anhalt: AfD baut Vorsprung in Umfrage aus. Der Abstand zwischen der AfD und der die Regierung anführenden CDU ist in der aktuellen Umfrage von Infratest Dimap gewachsen. Nach den Werten der Sonntagsfrage, die am Mittwoch veröffentlicht werden und Table.Briefings vorliegen, käme die AfD bei einer Wahl des Magdeburger Landtags auf 41 Prozent. Das sind zwei Punkte mehr als in der Umfrage vom vergangenen September. Die CDU kommt auf 26 (-1), die Linke auf 12 (-1), die SPD unverändert auf 7, Grüne auf 4 (+1), BSW auf 4 Prozent (-2). Die FDP liegt unter der Messbarkeitsgrenze. Sven Siebert

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Table.Today Podcast

Table.Today. "Zukunftsgipfel in St. Gallen. Mit Philipp Navratil."

Resilienz, europäische Souveränität und Mut zu neuen Technologien. Das waren einige der Schwerpunkte beim 55. St. Gallen Symposium, zu dem am Mittwoch und Donnerstag Hunderte CEOs, Politiker und Wissenschaftler mit Studierenden der Schweizer Universität zusammenkommen. Während einige Ökonomen mit zweistelligen Inflationsraten infolge steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise durch die Blockade der Straße von Hormus im Sommer rechnen, beruhigte Hapag-Lloyd-COO Maximilian Rothkopf und betonte, dass die steigenden Logistikkosten noch keinen erheblichen Einfluss auf die Preise haben würden. Immer noch stecken vier Schiffe der deutschen Reederei in der Meerenge vor dem Iran fest. Nestlé-CEO Philipp Navratil riet den künftigen und amtierenden Führungskräften im Saal, sich auf die Qualität der Kernprodukte ihres Unternehmens zu konzentrieren. „Einen Schritt zurücktreten von dem Lärm und überlegen, was der Fokus des Unternehmens ist.“ Preiserhöhungen ließen sich im Konsumentenbereich nur durchsetzen, wenn sich die Produktqualität verbessere. Geopolitische Konflikte und Risiken habe es immer schon gegeben. Auszüge vom Auftritt des Chefs des weltgrößten Nahrungsmittel-Konzerns mit rund 100 Milliarden Euro Jahresumsatz hören Sie im Podcast Table.Today ab 5 Uhr hier.

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Table.Documents

Jahresbilanz der Union, der SPD, des BMAS, des BMWSB und des BMVg

Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und Stellungnahme der Antidiskriminierungsbeauftragten

Fachkräfte-Vereinbarung zwischen der Bundesagentur für Arbeit und Ecuador

Anträge der Grünen zu Krankenkassen-Beiträgen und Sorgerecht

Berufsbildungsbericht des BMBFSFJ

Referentenentwurf des Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetzes

Gesetzentwurf zur Rahmenbedingungsverbesserung Reallaboren

Entwurf einer Verordnung zu EU-Chemie-Richtlinien

Gesetzentwurf zur Einführung einer Beweislastumkehr bei der Einziehung verdächtiger Vermögenswerte

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Heads

Andrea Schumacher, Leiterin der Abteilung Zivile Verteidigung im BMI, steht einer neuen Planungsgruppe des Innen- und Verteidigungsministeriums vor. Die beiden Ministerien wollen künftig die Planungen der Bundeswehr aus dem Operationsplan Deutschland enger mit denen des BMI für die zivile Verteidigung verzahnen. Daniel Mucha (Referat Zivile Verteidigung 2) soll für die Umsetzung zuständig sein, heißt es aus Kreisen des BMVg. Was die Gruppe plant, lesen Sie im Security.Table. Lisa-Martina Klein

Jörg Kukies darf erst 18 Monate nach seinem Ausscheiden als Finanzminister, also Ende 2026, Deutschland-Chef der US-Bank Morgan Stanley werden. Das hat das beim Kanzleramt angesiedelte Karenzzeit-Gremium entschieden, die Regierung schloss sich dem Votum an. Bis dahin ist ihm auch untersagt, „Beziehungen zu in Deutschland oder der Europäischen Union tätigen Finanzaufsichtsbehörden und Regulatoren zu pflegen“. (Bundesanzeiger)

Lars Castellucci (SPD) gehört wie Michael Brand, Nora Seitz und Stephan Pilsinger (alle CDU/CSU) zu den Gründungsmitgliedern der interfraktionellen Gruppe Freiwilligkeit bei der Organspende. Dabei sind auch Helge Lindh, Claudia Moll (beide SPD), Konstantin von Notz, Kirsten Kappert-Gonther, Linda Heitmann, Swantje Michaelsen (alle Grüne) sowie Ateş Gürpinar (Linke). Die Gruppe hat zum Thema einen gemeinsamen Antrag aufgesetzt. Okan Bellikli

Petra Spoo-Ludwig vom Sozialministerium im Saarland ist eines von 15 neuen Mitgliedern des Bundesjugendkuratoriums. Das beim BMBFSFJ angesiedelte Gremium berät die Regierung in der Kinder- und Jugendpolitik. Die weiteren Mitglieder finden Sie hier. Okan Bellikli

Alena Trauschel soll FDP-Generalsekretärin werden, wenn Henning Höne Parteichef wird. Sie war in der vergangenen Legislaturperiode jüngste Abgeordnete im Landtag von Baden-Württemberg. 2023 sprach sie mit Table.Briefings über ihre politischen Ziele. Okan Bellikli

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Best of Table

China.Table: Indien will ausländische Direktinvestitionen effizienter bearbeiten. Das indische Handelsministerium möchte Bürokratie abbauen, um ausländische Investitionen zu erleichtern. Deutsche Unternehmen kritisierten in der Vergangenheit mehrfach die komplexen und langwierigen Prozesse. Was Investoren nun wissen müssen, lesen Sie hier.

Security.Table: Berlin und Zagreb vertiefen Verteidigungskooperation. Kroatien und Deutschland wollen militärisch enger als bislang zusammenarbeiten. Der kroatische Außenminister Gordan Grlić Radman sieht das als „Beleg für gute Zusammenarbeit“. Wie er auf serbische Aufrüstungspläne reagiert, lesen Sie hier.

Security.Table: BMVg sondiert den Markt für weitreichende Präzisionswaffen. Nachdem die USA nun doch keine Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland stationieren wollen, hat sich das Haus von Boris Pistorius noch nicht festgelegt, welches System die Grundlage für die konventionelle Abschreckungswaffe sein soll. Was dafür infrage kommen könnte, lesen Sie hier.

Europe.Table: It’s not the EU, stupid! Brüssel die Schuld an zu viel Bürokratie zu geben, verschiebt bloß die Verantwortung, schreibt Christian Moos, Generalsekretär der Europa-Union Deutschland. Warum er die Ursachen vielmehr vor der eigenen Haustür sieht, lesen Sie hier.

ESG.Table: Mehr Frauen für die Umwelt-Tech-Branche. Noch ist die Branche eine Männerdomäne. Unter anderem die Stadtwerke München versuchen das zu ändern. Warum es schwierig ist, den Frauenanteil zu erhöhen, lesen Sie hier.

ESG.Table: Mit öffentlich-privaten Partnerschaften zur Zirkularität. Wenn Staat und Wirtschaft in der Kreislaufwirtschaft zusammenarbeiten, hat das laut dem CEO der Saubermacher Dienstleistungs AG mehrere Vorteile. Die Details lesen Sie hier.

Climate.Table: CBAM – Was Entwicklungs- und Schwellenländern helfen könnte. Die Einführung des EU-Grenzsteuerausgleichs, der den Emissionshandel ergänzt, ist für Entwicklungs- und Schwellenländer eine Herausforderung. Experten schlagen deshalb Zollerleichterungen bei Klimatechnologien vor. Weshalb der EU-Berichterstatter ablehnt, Artikel-6-Zertifikate einzubeziehen, lesen Sie hier.

Research.Table: Haushalt 2027 – Wohin die Wissenschaftsnation USA steuert. Der US-Kongress bremst radikale Kürzungspläne des Weißen Hauses im Bereich Wissenschaft. Das kann über die neue Ambitionslosigkeit der USA im Bereich Forschung nicht hinwegtäuschen. Welche Prioritäten Donald Trump stattdessen setzt, lesen Sie hier.

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Time.Table

Bundestag: Am Donnerstag findet nach monatelangen Verhandlungen die erste Lesung der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes statt. Das Kabinett hatte sie im Februar beschlossen. Ursprünglich war sie im Sommer 2025 geplant.

Landespolitik: Verabschiedung von Winfried Kretschmann in Berlin. Es sprechen Horst Seehofer und Gisela Erler, Staatsrätin a. D. für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung. Landesvertretung Baden-Württemberg

Parteien. Der Vorstand der Linken kommt zu einer außerordentlichen Beratung über gegenwärtige Angriffe auf den Sozialstaat mit den Landesvorsitzenden und Landesgeschäftsführenden zusammen. Berlin, 20:30 Uhr

Umwelt: Fortsetzung der Umweltministerkonferenz in Leipzig. Weitere Informationen

Sicherheit: Fortsetzung des Deutschen Forums für Sicherheitspolitik 2026 in Berlin, mit einem sicherheitspolitischen Gespräch mit der Ministerpräsidentin des Saarlandes, Anke Rehlinger (SPD). Programm

Wirtschaft: IHK-Tag zum Thema „Wie wird Wirtschaft(en) in Deutschland einfacher?“ mit Begrüßung durch Friedrich Merz. Berlin, ab 9 Uhr. Programm und Livestream

Energie: Bundeskongress des Energieberatendenverbands GIH mit Grußwort von Carsten Schneider. Berlin, ab 11 Uhr. Weitere Informationen

Gesundheit: Pressekonferenz zum Paradigmenwechsel in der Organspende, mit Sabine Dittmar (SPD), Gitta Connemann (CDU), Armin Grau (Grüne), Peter Aumer (CSU) und Julia-Christina Stange (Linke). Haus der BPK, 10 Uhr

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Must-Reads

Spiegel: Bas warnt vor „Empörungsspirale“. In ihrer Kommunikation stehe sie vor einem Dilemma, so Bärbel Bas im Interview. Reagiere sie auf die Geduld-Aussage von Friedrich Merz „und sage, meine Geduld ist auch am Ende, dann hätten Sie eine schöne Überschrift“. Gleichzeitig komme die Koalition dann aber wieder in eine „Empörungsspirale“. Es sei ein „Balanceakt“, öffentlicher Streit nicht zielführend – als Parteivorsitzende müsse sie aber auch ihre Position deutlich machen. („Ich habe nicht die Union ‚menschenverachtend‘ oder ‚zynisch‘ genannt, sondern eine politische Erzählung“)

Zeit: AKK kritisiert die „Angsterzählungen“ in der Politik. Die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung erklärt im Interview mit der Zeit, warum sie die politische Debatte derzeit für getrieben hält. Kramp-Karrenbauer warnt vor einer Minderheitsregierung. „Dann bestimmen die Radikalen die Agenda und treiben die Mitte vor sich her“, sagt die ehemalige CDU-Vorsitzende. AKK verteidigt den Unvereinbarkeitsbeschluss zur AfD und erklärt, wann eine Zusammenarbeit mit den Linken notwendig ist – und wann nicht. („Dann bestimmen die Radikalen die Agenda“)

SWR: Özdemir und Hagel stellen ihren Koalitionsvertrag vor. Auf über 160 Seiten erklären Grüne und CDU ihre Reformpläne für Baden-Württemberg. Die gemeinsamen Ziele für Wirtschaftswachstum, Klimaschutz und Bildung sind ambitioniert – und kostspielig. Und so steht mit Blick auf das Milliardenloch im Haushalt viel unter Finanzierungsvorbehalt. Vielleicht steht auch deshalb der Bürokratieabbau ganz oben auf der Liste. („Große Pläne für Baden-Württemberg im grün-schwarzen Koalitionsvertrag: Aber reicht das Geld?“)

SZ: CDU-MP Schulze trifft im Wahlkampf erstmals auf AfD-Herausforderer Siegmund. Vier Monate vor der Landtagswahl rückt in Sachsen-Anhalt vor allem das Thema Wirtschaft in den Mittelpunkt. Fehlende Fachkräfte, hohe Arbeitskosten und Bürokratie belasten die Unternehmen. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen wollten die Spitzenkandidaten der Parteien deshalb zeigen, dass sie Wirtschaft können. Dabei wird deutlich, wie weit die Vorstellungen der beiden Spitzenkandidaten Sven Schulze und Ulrich Siegmund auseinanderliegen. („Wer kann hier Wirtschaft“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Maischberger, 22:50 Uhr: Jens Spahn, Heidi Reichinnek, Wolfgang Ischinger, Jürgen Becker, Katharina Hamberger, Gabor Steingart

Markus Lanz, 23:55 Uhr: Joschka Fischer

phoenix runde, 22:15 Uhr: Anne Hähnig, Hannah Bethke, Stephan-Andreas Casdorff, Volker Resing

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Marcel Emmerich, innenpolitischer Sprecher der Grünen: Grenzkontrollen

7:15 Uhr: Tim Müller, Hauptgeschäftsführer des HDB: Bauindustrie

8:10 Uhr: Christian Sieben, Helmholtz Zentrum: Hantaviren

ARD

7:10 Uhr: Michael Voigtländer, IW Köln: Bauindustrie

8:10 Uhr: Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister (CSU): Migrationspolitik

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Martin Brandis, Energieberater vzbv: Referenten-Entwurf zum neuen Heizungsgesetz

7:25 Uhr: Luigi Pantisano, stellv. Fraktionsvorsitzender der Linken: Ein Jahr Regierung – Migrationswende

phoenix

8:45 Uhr: Heike Heubach, MdB (SPD): Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes und Erfahrungen als Gehörlose im Bundestag

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Geburtstage

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen (CDU), 51

Levin Holle, Wirtschafts- und Finanzpolitischer Berater von Friedrich Merz, 59

Henri Schmidt, MdB (CDU), 43

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zur Fußball-WM. Sie findet ab dem 11. Juni in den USA, Mexiko und Kanada statt. Dieser kleine Band des Spiegel-Journalisten Marco Fuchs versammelt Funfacts, Anekdoten und Quizfragen zur Geschichte des Turniers bei Männern und Frauen. Es ist aber auch klar, dass der Wettbewerb abgesehen von seinen unterhaltsamen Seiten politisch aufgeladen ist. Unklar war zuletzt, ob der Iran teilnimmt. Der Präsident des iranischen Fußballverbands wurde kürzlich an der Einreise nach Kanada gehindert, weil er Verbindungen zu den sogenannten Revolutionsgarden haben soll. Okan Bellikli

Marco Fuchs: Kick it! | Kiepenheuer & Witsch

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Markus Bickel, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Anne Brüning, Helene Bubrowski, Damir Fras, Daniel Friesen, Viktor Funk, Lisa-Martina Klein, Franziska Klemenz, Horand Knaup, Malte Kreutzfeldt, Nicola Kuhrt, Vincent Mikoteit, Leonard Schulz, Sven Siebert, Sara Sievert und Britta Weppner mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

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